EL DUENDE
Personajes
VERENA |
Una muchacha |
Mezzosoprano |
La acción transcurre en un lugar
y época indeterminados..
ERSTER AUFZUG
Erste Scene
(Der Vorhang teilt sich. Ein dichter Nebel erfüllt die Bühne, so dass die Scene e dem Zuschauer anfangs unkenntlich ist. Winzige Gestalten, teils fliegend, teils am Boden huschend, schwirren umher. Es sind die Kobolde, die sich an eine schwach sichtbare, nur durch das weiße Hemd erkenntliche, Gestalt herandrängen: an, Verena, die vor dem Wirtshaus, auf einer Bank sitzend, über dem davor befindlichen Tisch gebeugt, schläft. Unter den Kobolden entwickelt sich ein Streit um das Mädchen. Jeder will Verena ins Ohr raunen, ihr sein Leid klagen. Mit Mühe gelingt es einem, Seelchen, über die anderen Herr zu werden)
SEELCHEN (der Kobold) (unsichtbar muss die Sängerin des Kobolds sehr nahe an Verena verborgen sein) Fort von hier! müßige Schaar! Lasst sie in Frieden, Die nicht Euch beschieden! Lästigste Mar! Drückst Träume ihr auf! Fort da vom Zaun, Trud und Alraun! Schnell in hurtgem Lauf, Federchen! Schaff im Haus! Wüst ists noch und kraus! Bergt Alles fein ins Eckchen hinein! Mutterzank Ist sonst ihr Dank! Hütchen, Blinker, Stiefelchen, Flinker! Luftgezwerg, Eilt ans Werk, Eh blass und matt die Nacht sich neigt, Eh Himmelskönig gülden steigt Fort nur von hier! Die ich mir erkür! Ihr dürft Ihr nicht nahn! Von ihrs nicht empfahn, Was wir verlangen, Was wir erbangen! Ruhe, ach, und Seelenfrieden, Irrens Ende den Nimmermüden!
(Die Kobolde schleichen ins Haus hinein) (Seelchen ganz nah an Verena)
Hör mich, Verena, Höre mein Jammern! Lass mich an Dich, Du Holde mich klammern! Du kannst allein Von schmählicher Pein Mich Armen befrein! Willst nicht? O sag! Bist taub meiner Klag? Ach, hab Erbarmen! Erlöse!
VERENA (im Traum) Lass mich!
SEELCHEN Sträubst Dich, verwehrst? Bist Du so böse, Du Thörin, Und mehrst nur Kummer und Schmerz In beid unser Herz?
VERENA Geh!
SEELCHEN Nicht Dich erweichen Kann mein Gewimmer,
VERENA Ach! lass mich!
SEELCHEN Hoffnungsschimmer Nie mir erreichen?
VERENA (stöhnend) Ach!
SEELCHEN Wolltest Du nachts zum Keller gehn, Würdest, hab Acht, mich leiblich erspähn! Hättst Du Muth, Erschräkst nicht vor Blut. Die Brust zerschneiden zwei Messer mir! O zögst Du kühn sie heraus! Ende die Pein! Ende den Graus! Es stockt mein Blut! Wie es wehe thut! Wer stach mich mit Eisen?
VERENA Ach!
SEELCHEN Thäts Seelchen zerreißen! Ach, weh mir! weh!
VERENA Gieb Ruh!
SEELCHEN Kein End ich erseh!
VERENA Was willst Du nur!
SEELCHEN Nur durch Eine auf Erden Kann Ruhe mir werden!
(Die Kobolde kommen aus dem Haus heraus)
Seid Ihr schon fertig? Fort nun von hinnen! Fahles Gedämmer Will beginnen.
(Die Kobolde zerstreuen sich. Allmählig beginnende Morgenröthe im Hintergrunde)
Hör mich, Verena, Fühl meine Thränen! Und bist Du mir treu: Ein Gut Dich erfreu Hier! Dieser Stein! Dein werd er, Dein! Wahr ihn gut! Hüt seine Gluth! Nur still meine Thränen!
VERENA Ach!
SEELCHEN Hilf meiner Noth! Heil mir die Brust! Eins ist mein Sehnen! Friede im Tod!
(Durch die Morgenröthe gewahrt man die Umrisse der Gestalt Ekharts, der Verena aus dem Schlafe wecken will)
EKHART Verena! Kind! Erwache! Träume! Böse Träume! Wach auf! Wach auf! Kind! Es sind nur Träume! Erwache! Auf! Auf!
VERENA Lass mich! Schweig! Quäle mich nicht! Ach! Weiche! Lass mich! Lass mich! Wehe mir! Ach! Ich will nicht! Geh! Du Quäler! Lass mich! Geh! Ich will nicht! Nein!
SEELCHEN Verena! Gedenke! Gedenke! Erhöre mich! Verena! Erhör mich! Willst Du? Ach! Willst Du nicht? Verena!
Zweite Scene
(Verena erwacht mit einem tiefen Seufzer. Sie springt auf, nicht wissend, wo sie ist)
VERENA Ach!
EKHART Mädchen! Wach auf!
(Er betrachtet mitleidig Verena, die stumpf vor sich hinstarrt)
Ist das Dein Bett? Was miedst Du die Kammer? In Nachtesfeuchte Bar die Füße!
VERENA (die Augen sich reibend) Drinnen war es so schwül! Mich trieb es hinaus! Dummes Geträum! Sags nur der Mutter nicht!
(Sie will ins Haus gehen. Ihr Blick fällt auf den Stein, der auf dem Tisch liegt)
Was liegt dort glühend, Strahlen sprühend? Der Stein!
EKHART Geburtstag ist heut!
(Voller Sonnenaufgang)
Lache, Mädchen! Lache! Sieh doch, wies um Dich strahlt! Erwach zum Licht! Erwache! Nacht und Nebel fahlt! Lächelnd weben Düfte Lächelnd wehen Lüfte! Sonne will, dass Sommer sei. Sandt aus ferner Höhl herbei Als Freude Zeugen greisen Mann, Gab ihm mit ne holde Spende! Maideli lieb soll munter sein! Verenche mein zum Licht sich wende! So will es seliger Sonnenschein! Wo Alles blüht und sprosst und wacht: Sonne will, dass Maid auch lacht!
VERENA (leidenschaftlich) Du theuerster Alter! Bester Ekhart! Hast mich noch lieb? Und hast mich nicht vergessen? Wie lang Du schon fern, ich kanns nicht ermessen! Und hast in der Öde Des Tages gedacht? Und zogest hieher Durch Waldesnacht? Ich fühl mich so wohl, Bist Du bei mir, Als wärst Du mein Vater! So ists mir schier! Und sag nun: Der Stein! Was soll mir sein Licht? Soll mein er sein? Solch Einen sah ich noch nie! Zauberisch strahlt er Allfarbig malt er Geheimnisse hin! Versteh ich Euren Sinn? Preis ich den Gewinn? Sag Spender, taugt mir der?
EKHART Renchen, vertraue mir: Bist Du ihm wirklich gut?
VERENA Wem?
EKHART Dem Friedrich?
VERENA Wie weißt Du das?
EKHART Fern bin ich nah. Künd es mir: Bist Du ihm gut?
(Verena bejaht zögernd;)
Wirklich gut?
(bejaht abermals)
So gut, dass Du wähnst, Ohn seine Liebe könntest Du nicht leben?
(sie senkt den Blick; sodann sieht sie Ekhart zuversichtlich ins Auge)
EKHART So sollst ohne Zagen Den Stein bei Dir tragen: Hüt ihn und wahr ihn vor Neid, Verlust kehrt Freude in Leid. Ein Zauber ist in den Stein gebannt, Geheimnis bergend, Wengen bekannt. Trägst Du ihn, was am liebsten Dir ist,
(etwas zögernd)
Fesselt auf immer an Dich seine List.
VERENA (erschreckt) Blieb er mir nicht treu? Der Friedel nimmer mir hold?
(sie betrachtet den Stein)
Nein, nein! Du böses Gestein! Zweifel nicht wecke! Mein Herz mir nicht schrecke! Ich brauch Dich nicht! Ich will nichts von Dir!
(Sie legt heftig den Stein wieder auf den Tisch)
Und doch! Seine Zier Lockt mich so licht! Mich zieht eine Hand Unsichtbar zum Tand. Ich greif nach ihm! Ich fass ihn! Und brächt es mir Noth, Ich weich nicht zurück! Was immer mir deute sein zaubrisch heimliches Glühn: Sonne sie spendets, und Sonne bringt Glück!
Dritte Scene
(Gertrud tritt unter die Thüre. Als Verena die Mutter sieht, verbirgt sie schnell den Stein.
GERTRUD Ei, ei! Das lob ich mal mir! Im Hemd mit nackichten Füßen! Was treibt man so zeitig hier?
EKHART Lass sie! Spar ihr den Verdruss! Ich weckt ihr den Schlaf.
GERTRUD Brav, Alter! Brav! Du kommst mir grad recht!
(zu Verena)
Und drinnen die Kammer, Da schauts wohl wieder aus!
VERENA (ängstlich) s ist Alles geputzt.
GERTRUD Das wolln wir erst schaun.
(geht ins Haus zurück)
VERENA (sich an Ekhart sich klammernd) Weh mir! Ich log! Ich ließ Alles wirr! Auf dem Boden Geschirr! Schmutzig der Trog!
(sich abwendend)
Ach, Zank über Zank. Wann schüf ich je zu Dank?
GERTRUD (kommt zurück) Kannst froh sein, Mädel, das sag ich! Wär nicht Alles sauber geräumt
(Sie macht eine drastische Geberde; sodann macht sie sich am Waschtrog zu schaffen)
VERENA (steht verwundert und blickt fragend auf Ekhart) Kaum es zu denken wag ich! Wär wirklich, was mir geträumt?
GERTRUD (während der Arbeit) Hinein jetzt! nicht gesäumt! Kleid Dich und sei bald zur Hand!
(Sehr zögernd wendet sich Verena zum Haus. Sie blickt scheu auf die Mutter und Ekhart, der sinnend sich am Tisch niedergesetzt hat)
Vierte Scene
GERTRUD (während sie weiter schafft, kaum zu Ekhart sich wendend) Bist auch mal wieder da?
EKHART Festtag ist heut!
GERTRUD Ach, lieber Himmel! Das Gauklergewimmel Hab grad ich satt!
EKHART Das mein ich nicht! Verenas Tag!
GERTRUD An den dachtest Du? Bist darum aus Deiner Höhl gekommen, Dass du sie gar so liebst?
EKHART Wer möchte ihr nicht hold sein!
GERTRUD Bist recht ein närrscher Kauz!
(Sie will weiter arbeiten; doch hält sie plötzlich an. Sie weicht dem Blicke Ekharts aus. Gleichgültig, indem sie die Wäsche auswindet)
Schön Wetter heut! Für den Keller michs freut! Für die Comödi michs reut! Und der Eine erst mit dem Lumpenpaar! Künstler heißen sie sich gar! Diese Erzgauner Tropfenschar! Bist Du wieder eigen! Kannst nur schaun und schweigen! Willst Du was hier?
EKHART Ich!
GERTRUD Was hockst Du dann dort?
EKHART Ich kann ja gehn!
GERTRUD Nein, nein! bleib nur! bleib! Ich mag Dich nicht leiden Und doch bleib nur, bleib!
(Schweigen Gertrud will arbeiten, bleibt aber sinnend stehn. Mit einer plötzlichen Wendung zu Ekhart; barsch)
Warum riefst Du sie heraus?
EKHART Sie war schon draußen!
GERTRUD (betroffen) Wie? hier?
EKHART Sie schlief hier am Tisch!
GERTRUD Die Nacht hier draußen?
EKHART (sie ernst anblickend) Und träumte gar laut!
(Gertrud steht regungslos, ohne ihn anzusehn)
Deinem Kind ist nicht wohl!
GERTRUD (gleichgültig) Was sollt ihr fehlen?
EKHART Schwüler Schlaf Und trübes Träumen,
GERTRUD (hastig) Hast Du sie belauscht?
EKHART Stöhnen und Seufzen!
GERTRUD (mit erzwungener Gelassenheit) Stöhnen und Seufzen Kommt vom Magen! Hat gestern genascht, was Dummes erhascht! Kenn selber die Folgen: Traumwetter-Wolken!
(barsch)
Sonst nichts? He? Also, Grüß Gott! Guten Morgen! Ade!
(Ekhart steht auf und entfernt sich. Gertrud will ins Haus eintreten, bleibt ber wie gebannt stehen Ekhart abgewandt. Gertrud, sehr erregt will Ekhart nacheilen)
GERTRUD Ekhart! Ist er verschwunden? Ekhart! Ekhart! Bleib hier!
(Man hört Friedrichs Stimme aus dem Thal)
Fünfte Scene
FRIEDRICH Weh, Lüftchen, weh Mein Lied hinan zur Höh!
GERTRUD O Je! Der kommt geflötet!
(sie geht nach rechts in den Felsenkeller hinab)
FRIEDRICH Flüstre Ihr ins Ohr hinein: Mädchen, bist Du mein? Darfst auch am Munde nippen, Umtändeln ihr lieblichste Lippen. Künd ihr von meinem Schmerz Das Lieben bräch mirs Herz!
(Verena steht lauschend unter der Thür)
Lausch auch genau, Ob sie dirs vertrau! Und verlier kein Silbchen nicht, Wenn sie gar von Liebe spricht! Kehr dann zurück Und künde mir mein Glück! Lüftchen sei mein holder Bote! Liebster lohnts mit Liebessold!
VERENA (ihm entgegeneilend) Sein Lied mir erklingt! Sein Gruss mir Freude bringt!
(Friedrich im Hintergrund auftretend)
FRIEDRICH Da ist sie, die minnige Maid!
VERENA (sie drückt ihm herzlich die Hände) Mein Friedl! Bist da? Wann kamst Du endlich wieder?
FRIEDRICH Mein Renchen, Du Süße, Mein Lieben Dich grüße! Frohtag ist heut! Freund dir beut Hier dieses Kettchen, Schlings um den Nacken, Sollst es, mein Mädchen, Als Pfand bei Dir tragen, Dass Nichts auf Erden mein Lieben je könnt trüben!
VERENA Dank, Liebster mein! Wie hast Dus errathen! Dran häng ich den Stein! Kommt Keiner zu Schaden!
FRIEDRICH Welcher Stein?
VERENA O weh! Ich sollte schweigen! Doch Du darfst ihn sehn! Was berg ich vor dir! Schaunur! Wie schön! Stolz-Mädchenzier! Und nein! Wie sie passen! Wie sie fest sich fassen! Ja ja! Dieser Stein! Mein Friedel, der ist fein! Wüsst man, was ich weiß; Doch sag ichs, Freundchen, nicht! Wer zahlte jeden Preis, Dass ich auf ihn ich verzichte!
FRIEDRICH Schön zu schaun! Bärg er einen Zauber?
VERENA Wer wird gleich so gierig sein! Fragen, was ihm gar nicht frommt! Fühlen wirst Du seine Pein, Wenn mal was dazwischen kommt!
FRIEDRICH Rätsel! Wer es deutet?
VERENA Bist Du mir gut?
FRIEDRICH Wozu die Frage? Willst Du noch Worte? Sagt ich Dirs nicht? Erklang Dir nicht mein Lied? Oder wärst Du sein schon müd? Wie die Hand ich Dir innig drücke, Lüg ich da und sinn ich Tücke? Was ist Dir? Maid!
VERENA Die lieben Locken Dein: Ich möchte sie zausen! Aber! Der Trutz ist doch hübscher als Du!
FRIEDRICH Wenns Renchen nur spassen kann, Als nähm ich Ärger dran!
VERENA Ich hab ihn auch recht gern und
FRIEDRICH (Verena unterbrechend) Ich lieb Dich nur heißer, je böser Du neckst!
VERENA Der Trutz ist nicht leicht in Mädel vernarrt! Doch ist er es mal, dann ist ers hart!
FRIEDRICH Du glaubst wohl schier, dass Du Eifer erweckst?
VERENA Und der Herr Graf!
FRIEDRICH Woher kennst Du ihn?
VERENA Ritt schon zweimal vorbei!
FRIEDRICH Trutz und Graf und Graf und Trutz! Was sind die uns jetzo Nutz?
VERENA (lachend) Da hab ich ihn wieder! Sein Zörnchen plautzt nieder! Du dummes Bübchen! Sieh! Wie ich Dich am Näslein zieh!
FRIEDRICH Verenchen!
(er umschlingt sie, verwirrt jedoch seine Hand in ihren Haaren, die teilweise wieder herabgefallen sind)
VERENA Au! mein Haar! Du raufst und reißt!
(ärgerlich)
Das kommt davon! Du wirst zu dreist!
FRIEDRICH (betroffen) So bös? Komm! Setz Dich! Ich flecht sie Dir schön!
VERENA Friedel! Kindischer! Kannst Zöpfe Du drehn? Ei gut denn! lass sehn! Ich setz mich daher! Hier, schau, ist ein Bändchen Hier Nadeln dazu Jetzt zeig, Du Schlauer, Ob Meister Du! Und während Du am Werk, Dass ichs endlich mir merk, sing Glied für Glied Deutlich mir Dein Lied!
FRIEDRICH (während er ihre Haare flicht) Weh, Lüftchen, weh mein Lied hinan zur Höh! Flüstre ihr ins Ohr hinein: Mädchen! bist Du mein? Darfst auch am Munde nippen, umtändeln ihr lieblichste Lippen! Künd ihr von meinem Schmerz! Das Lieben bräch mirs Herz!
VERENA Dein Lied hinan zur Höh? Dein? La-la-la la la-la-la nippen? La la la la la la Ei ei! Deinem Schmerz? Seht nur, Wie hünsch er singen kann! Soll Dein Singen ich preisen, Freundchen, Darfst mich nicht gar so reißen! Du hackst ja wie eine Kräh! Au! Das tuth weh! Au!
FRIEDRICH Wartdoch! Lauschauch genau, Ob sie Dirs vertrau, Und verlier kein Silbchen nicht, Wenn sie gar von Liebe spricht! Kehr dann zurück und künde mir mein Glück! Lüftchen, sei mein holder Bote! Liebster lohnts mit Liebessold
VERENA (Sie greift nach ihren Haaren und fährt lebhaft auf) Himmel! fühlt sich das an!
(Verena will schleunigst ins Haus. Friedrich hält sie zurück)
FRIEDRICH Nein! Nicht doch! bleib hier!
VERENA Geh! lass doch!
FRIEDRICH Nein! Du musst bleiben!
VERENA Lass mich! die Mutter kommt!
FRIEDRICH Mein Lohn! der Kuss!
VERENA Als Dank für solch ein Haargewulst!
(Verena reißt sich los, eilt ins Haus und schließt hinter sich die Thüre ab)
FRIEDRICH Renchen, ich will Auf!
(pocht an die Thüre)
Lass mich ein! Schnell!
(Im Hintergrund erscheint Kümmel, mit Werkzeug bepackt, um sich an die Herrichtung der Schaubühne zu machen. Als er Friedrich erblickt, wendet er sich schnell, um seine Freunde zu rufen. Friedrich pocht immer heftiger)
Oder ich spreng die Thüre! Mach auf! Mach auf! Renchen! Schlimme! Mach auf!
(Verena öffnet leise das Fenster im obern Stock)
VERENA Friedel? Bist Du mir gut?
(sie schließt das Fenster schnell)
FRIEDRICH Renchen! Du machst mich toll!
VERENA (öffnet wieder) Mein Friedel. Bist Du mir gut?
(schließt schnell)
FRIEDRICH Auf! Wart!
(er ergreift eine nahstehende Leiter, legt sie ans Haus und klettert hinauf. Trutz, Kümmel und Fink stehen hinter einem Busch und beobachten)
FRIEDRICH (am Fenster stehend) Auf! Auf! Auf!
(Die drei Lumpen treten vor, stellen sich eingehängt in Positur und singen aus voller Brust)
Sechste Scene
FINK, TRUTZ, KÜMMEL Ja! munter und froh auf die Lebensleiter Klettre, Du Mensch, nur immer weiter. Unten ists doch fahl und flau, Erd ist längst schon alt und grau! Oben aber auf der Leiter Glänzet uns was Liebes heiter! Krabbel rauf! Unverdrossen! Strauchle nicht, wackeln Sprossen! Harrt Dein nicht ein Genuss? Eines Mädchens süßer Kuss!
(sie verlachen laut Friedrich, der noch auf der Leiter steht. Fink und Kümmel wackeln an der Leiter, so dass Friedrich nur mit Mühe heruntergelangt)
FRIEDRICH (ärgerlich) Was wollt Ihr? Ich pflückte Laub!
TRUTZ (überlegen lächelnd) Laub zu pflücken, mit Verlaub Dafür sind die Ohren taub! Bacchus liebt zwar sehr solch Blatt, Um den Kopf ers immer hat. Blatt soll kitzeln ihm die Stirn, Mahnend, falls noch nüchtern s Hirn! Greift dann gleich mit Doppelkraft zu, dem Becher Rebensaft! Nur ein Ruck! Mächtger Schluck: Becher leer! Bäuchlein schwer! Und er schlingt so warm Um Nymphen-Leib den Arm!
(Fink und Kümmel haben sich an die Arbeit gemacht. Friedrich stellt die Leiter bei Seite. Turtz lacht ihn aus)
TRUTZ (indem er Friedrich den Kopf streichelt, was Jener abwehrt) Verliebter Friedel! Süßes Lieb-Männchen! Säuselnde Fiedel! Siedges Milch-Kännchen! Immer Mädeln! Herzgewinnste! Immer fädeln Liebgespinnste!
(derb)
Her zur Arbeit! Geh da weg! Du kleiner Minnewonnen-Geck!
(Trutz wendet sich zu den Andern. Er beschäftigt sich mit dem Einhängen des Vorhangs, während Kümmel und Fink Bretter zersägen, um damit die Coulissen zu stützen. Vom Felsenkeller her vernimmt man ein lautes Gepolter. Trutz und seine Gesellen unterbrechen die Arbeit und lauschen; sodann eilen sie hin, nehmen der sich sträubenden Gertrud das Fass ab, das sie mühsam heraufrollt. Trutz nimmt dasselbe auf die Schulter und trägt es nah ans Wirtshaus, wo er und die Andern sich eifrig beschäftigen, den Wein anzuzapfen)
FINK. Oho!
TRUTZ Hört!
KÜMMEL Mords-Gepolter!
FINK. Frau Gertrud wälzt das Fass herauf!
FINKTRUTZ KÜMMEL Heissa! Juchhe!
FINK Angefaßt!
TRUTZ Aufgepaßt!
GERTRUD Weg da! Wollt Ihr!
TRUTZ Meiner Seele! Trockne Kehle!
GERTRUD Gottlos Gezücht! Euch treff das Gericht!
(Das Fass wird angezapft)
FINK, TRUTZ, KÜMMEL Heissa!
(Kümmel und Fink holen Gläser)
TRUTZ Gläser her!
FINK, TRUTZ, KÜMMEL Hoch! Hoch! Mutter Gertrud hoch! La la la la la la la la!
GERTRUD Gebt Ruh
TRUTZ Ei Mutter Mürrsch! Sei doch wirsch. Du wärst nicht das Weib für mich!
(zart)
Ach Käthe!
FINK (zu Kümmel leise) Jetzt kommt das Gefühl.
TRUTZ. Wie lob ich da die Käthe! Lässt michs nie entgelten! Komm ich zu ihr auch noch so späte, Giebt doch nie solch Schelten! Einmal nur im Jahr Kehr ich zu ihr zurück! Acht Tage, knappes Glück, Sind wir ein liebes Paar! Dann zieh ich auf die Wanderschaft. Ade, sagt sie, ich sag Ade! Wir küssen uns nach Herzenskraft! Kein Gezank macht Pein und Weh! Ums Jahr dann wieder heim michs zieht! Und schau, was grüßt den Trutzgen da? Der Storch hat sich einher bemüht! Am Boden kriechts und ruft: Papa!
(Etliche Volk, meist Mädchen und Kinder, hat sich um die Comödianten versammelt)
FINK, KÜMMEL Tra la la la la la la la la!
GERTRUD (am Waschtrog) Hört auf mit dem ewgen Lied!
TRUTZ Hat bald ein Ende! Nichts mehr Borgen! Nichts von Sorgen! Denn hört die Kunde:
(zu den umstehenden Mädchen)
Man munkelt, dass der Graf
ALLE Der Graf? Welcher? Wo?
TRUTZ Wie sie zünden! solche Namen! Wenn sie nur erst wirklich kamen! Graf und Gräfin, kunst-gewogen, Als sie jüngst durchs Städtchen zogen, Sahen uns am Markt agieren, Unsre Säng und Tanz vollführen! Ganz entzückt von seiner Kunst,
(er blinzelt nach Friedrich zu)
Erwies man Einem besondre Gunst! Blonder Jüngling, stets verliebt, Auf weiches Herz voll Zauber übt!
DAS MÄDCHEN Wie? Er? Der?
TRUTZ. Abends gestern sagt man mir, Auf der Durchfahrt nach dem Schlosse Durchgezogen kämen hier Graf und Gräfin mit dem Tross! Denkt Euch, wenn sie wirklich kämen! Uns am End aufs Schloss mitnähmen! Jubelzeit! o Jubelzeit und doppelt hohe Freudigkeit!
EIN MÄDCHEN (Trutz unterbrechend) Ein Graf! Ein echter Graf?
TRUTZ (achselzuckend) Ja! Das! Wer da des Räthsels Lösung fand? Falschgraf hat man den Vater benannt.
(geheimnisvoll)
Vom Zwerg Laurin hört ich sagen, Wie er in Bergschachts Nachtesstille Wundersamer Schätze Fülle Geheimnisvoll thät tragen! Des Zwergen Freunde nannte man Die, welche Schätze, Gott weiß, wie? Scharrend um sich schaarten, Gold an Gold zu Klumpen paarten
(Das umstehende Volk sieht sich fragend erstaunt an, da sie nichts von Trutzens Andeutungen verstehen)
EIN MÄDCHEN Versteht Ihr was?
TRUTZ Geld ist aller Weltmacht Preis! Gross Corsen-Kaiser wohl das weiß! Bergschachtshüter hilft aus der Noth, Goldes Klumpen willig borgt er. Und aus lauter Dankbarkeit Kaiser hohe Gnad verleiht!
EIN MÄDCHEN Und die Gräfin?
TRUTZ. Sie wär schon so ziemlich ächt. Stammbaum, hört ich, sei nicht schlecht. Vater schuf nur leider ach, Durch gross Gelump viel Ungemach! Arg verschuldet musst man sinnen, Neue Quellen zu gewinnen! Falschgraf ist gar gern bereit, Stellt sich zahlend hülfreich ein!
(ironisch)
Und aus lauter Dankbarkeit Durft Jeun Comt Comtesschen frein!
EIN MÄDCHEN (lebhaft) Aber wenn der Vater ein Zaubrer war?
TRUTZ. Sagt ich das?
(leise)
Und wär es so, Müsste der Sohn dafür büßen?
(vor sich hin)
Möchte zwar nicht mit jenem tauschen! Was hilft das Gold, klebts in der Hand Von Blut, Schweiß und Thränen?
EIN MÄDCHEN (zu den andern gewandt) Gelt! ich sagts doch immer, Es giebt allweil noch Zaubrer!
TRUTZ (lebhaft) Das will ich meinen! Die Welt ist lang nicht frei Von Zauberspuk und Teufelei! Wechselbalg, Der Teufelsschalk, Galgenmännchen auch dazu, Die, sagt man, störten oft dort die Ruh!
(mit einer jähen Wendung, grob)
Wie sie gaffen und gucken! Ich wird Euch was erzählen! An die Arbeit!
(er zieht Friedrich mit sich)
(Trutz wendet sich lebhaft um und macht sich wieder an die Arbeit mit seinen Gesellen. Das Volk veräuft sich allmählig wieder, nur ein paar Kinder stehen gaffend herum. Verena ist während der letzten Scene herausgekommen. Sie macht sich zu schaffen. Friedrich will sich ihr nähern. Sie warnt ihn wegen der Mutter. Letztere, die am Waschtrog arbeitet, bemerkt Verena)
GERTRUD (zu Verena) Hineinspaziert! Der Herd geht aus!
VERENA Ich seh so gern zu! Lass mir die Freude! Sei einmal lieb! Warum Du immer so barsch zu mir bist? Tat ich Dir was? So sag mirs nur frei! Magst mich nicht leiden? Wie sollt ichs ändern?
(sehr innig an die Mutter sich schließend)
Sprich doch! Mutter! Sei gut! Ach! Mutter! Sei wieder gut! Sieh mir ins Auge! Was hast du gegen mich?
(sie sieht ihrer Mutter nah ins Auge, erschreckend) ç
Wie? Mutter? Was ist Dir? Dein Aug ist feucht! Mutter! Du weinst?
(Gertrud wendet sich noch mehr ab. Verena sieht der Mutter sinnend nach. Trutz bemerkt es)
TRUTZ Komm! Wend Dich her! Lass sie murren, Kwängeln, knurren,! Lass sie scheuern, Herd anfeuern! Mädel! Lass solch müdes Mühn!
(er nähert sich ihr etwas)
Mädel! Magst nicht mit uns ziehn? Fidelnd, tanzend, spielend, singend, Frohmuths Fähnlein fröhlich schwingend?
KÜMMEL Kannst Du nichts singen?
TRUTZ. Fideln und flöten?
FINK. Kannst du nicht mimen, Liedeln und leiern?
TRUTZ. Stelldich nicht so dumm! Solch Mündchen ist nicht stumm!
VERENA Ich kann nur Ein Lied!
TRUTZ. Aber?
VERENA s ist nicht froh!
TRUTZ. Ei was! Sing nur los! Wolln sehn, ob Du uns taugst!
(Verena stellt sich in die Mitte)
VERENA Ich hört eines Vogels holden Sang, So schön er nie erklang, Es war, als sollt die Brust ihm springen, So selig war sein Lied; Von Liebes-Leid und Liebes-Freud Tönt voll es in die Welt. O Vöglein, sag, was singst du heut, Was mich so tief beseelt?
FRIEDRICH Zwitschern hört sich lieblich an! Ob Dus wohl verstanden hast?
FINK. Selten man es fassen kann, Was Vöglein rief vom Ast!
VERENA Sei froh, dass Du kein Vöglein bist, So rief es aus dem Laub, Das so sein frohes Singen büßt, Weil Eure Herzen taub! Dass Dir mein Lied zu Herzen geh, Dass hat gar traurgen Sinn! Komm her und lug zur Höh! Im Kerker sitz ich hier!
ALLE VIER MÄNNER Ich fürcht, uns schafft Dein Sang noch Pein, Mir ahnt, es will nicht froh mehr gehn! Dein Auge schaut so traurig drein! Was ist dem Thier geschehn?
VERENA O weh, da fasste michs mit Graun! Einen Blinden musst ich schaun! Jubel nicht, nur Sehnsuchtsklang Aus dem Brüstchen drang! Geschwister sein heranzulocken, Bös Jägern leichte Beute, muss es gefangen dort hocken, Sehens Licht beraubt!
TRUTZ. Ei Renchen! sag!, welch traurig Ding, Wenn Dein Sang uns richtig weist, Dass Dem das Lied am schönsten klang, Dem Sehnsuchtsqual die Brust zerreißt.
(Verena steht wehmüthig vor sich hinblickend da)
FRIEDRICH Warum so traurig?
FINK. Wenn Du so singst, Läuft uns ja das Publikum davon!
(Verena, um ihre Stimmung zu verbergen, von plötzlichem übermuth ergriffen, zupft Friedrich an den Locken und eilt ins Haus)
KÜMMEL Ei Ei!
FRIEDRICH Du Schalk! Wer käm ihr gleich? Verena!
TRUTZ. Will ich meinen! wüsst keinen, der ihrer werth!
(Friedrich sieht Trutz unwillig an)
Am wenigsten Du!
FRIEDRICH (heftig) Willst Du höhnen?
TRUTZ (überlegen ruhig) Nur sanft, mein Bürschchen!
(Friedrich sich nähernd, der am Tische links sitzt)
Sag mal: Die wievielste ist eigentlich das Renchen?
(Friedrich macht eine heftige abwehrende Geberde)
In jedem Städtchen Andres Mädchen, Und jeder schwur er feurig zu: Liebste! bist die Einzge Du!
FRIEDRICH (heftig aufstehend) Trutz!
TRUTZ. Fritz? Macht Er vielleicht gar Ernst?
FRIEDRICH (begeistert) Obs Ernst mir ist? So wahr ich vor Dir steh! Und dass Dus glauben darfst, Werb heut ich noch um sie!
(Trutz steht lebhaft auf und winkt Gertrud herbei)
TRUTZ. Frau Gertrud! Madam Mauvais Humeur! Friedel will was! Lausch und hör!
(Gertrud tritt unter die Hausthüre)
FRIEDRICH (zaghaft) Frau Gertrud Wie soll ich es sagen? Dein Kind Verena Sie sei mein!
GERTRUD Du? Die Verena? Bist du wohl toll?
Siebente Scene
(Kümmel und Fink lachen. In diesem Augenblick hört man aus dem Thal Hornrüfe und Peitschengeknall)
ALLE DURCHEINANDER Lausch! Wie? Wären Sies?
FINK. Weiß Gott! Es ist der Graf! Hierher! Herbei! Dort unten! Schaut! Seht die Wagen! Der Graf und die Gräfin
TRUTZ mit sammt der ganzen Kumpanei!
FINK. Gecken und Schmarotzer!
HERBEIGEEILTES VOLK. Guckt! Die knallrothen Kutscher! Sie steigen aus! Jetzt gehts herauf! Kinder! rauft paar Blumen!
FINK, TRUTZ, KÜMMEL Unser Comödiespiel ist ihr Ziel!
VOLK Macht Platz! Macht Platz! Wartet Ihr Lausbuben! Platz!
(Der Graf, die Gräfin und etliche junge elegante Damen und Herren erscheinen im Hintergrund, nachdem bereits Diener mit Esskörben herbeigeeilt sind, um die Ankunft ihrer Herrschaft zu melden. Das gaffende Bauernvölkchen erregt die Heiterkeit der Angekommenen, welche mit herablassender Liebenswürdigkeit die Huldigungen entgegennehmen)
GRÄFIN (im Hintergrund stehend und sich umsehend) Hübsches Plätzchen!
(zu Jeannette)
Lass dort dem Rasen decken! Zu kurzer Rast lasst uns weilen! Diese herrliche Luft!
EIN GECK Ein wenig Düngeringredienz Parfümiert den Bauern Lenz!
GRÄFIN (lachend) Pfui!
JEANNETTE (mit der Gräfin vorgehend und leise auf Friedrich deutend) Frau Gräfin! Schaut! Da steht er! Sagt! Haben wirs nicht fein durchdacht? Soll ich ihn rufen?
GRÄFIN Nicht gleich!
(Sie geht auf und ab mit einem Cavalier)
GRAF Da seht doch! Ein Theater. Und dort! Die Acteurs!
GRÄFIN Dieselben, wie letzthin!
GRAF Fürwahr! Sie sinds!
(Er blickt die Gräfin fragend an)
Ein Zufall?
TRUTZ (tritt vor und verbeugt sich) Thespiskarren frisch gezimmert, Erlaucht, Euch entgegenschimmert.
(er stellt seine Gesellen vor)
Mosje Fink und Mosje Kümmel! Reimt sich leider gut auf Lümmel! Dort dagegen schmachtet Jüngling Friedel, Stets verliebt und spielt die Fiedel!
(Die Gräfin wendet sich zu Friedrich, der links steht, während der Graf mit Trutz weiterspricht)
GRÄFIN Sein Sang hat uns erst jüngst entzückt.
(Friedrich siehtsie an, senkt aber schnell den Blick)
Was war es doch gleich? So ein altes Lied
JEANNETTE Ach ja! Es klang so schön!
GRÄFIN Er entsinnt sich nicht mehr.
(Friedrich schweigt verlegen)
Ich glaubt, er hätt uns gesehn.
(Sie wendet sich nach dem Hintergrund zu. Jeanette macht Friedrich ein Zeichen zu folgen. Verena kommt aus dem Haus und bietet dem Grafen Wein an)
GRAF Da ist sie!
VERENA Wein gefällig?
GRAF Kennst du mich noch?
(Verena sieht ihn ernst an; dann senkt sie den Blick scheu)
Wie heißt Du doch noch?
VERENA Verena!
GRAF Hübscher Name und hübsch wer ihn trägt! Schad!, was bleibst Du hier? Willst du als Knospe schon verwelken?
(Jeanette hat den Grafen beobachtet. Sie eilt vor, klopft Verena auf die Schulter)
JEANNETTE Du da! Die Gräfin hat Durst!
(zum Grafen)
Was treibt Ihr da?
(sie erkennt Verena)
Ei! Renchen!
(Während die Scene mit den Mädchen sich abspielt, lagert sich die gräfliche Gesellschaft auf einem Rasenplatz rechts hinter der Schaubühne. Diener bringen Speisen. Muntere Unterhaltung. Kinder bringen Blumen und wollen kleine Gedichte hersagen, in denen sie jedoch meistens stecken bleiben, was der Gesellschaft zu lachen giebt)
VERENA Die Nanni! schau! Wer hätts gedacht! Hast Du Dich fein herausgemacht!
JEANNETTE Heiß drum auch nicht mehr Nanni, Kind, Jeannette ich viel nobler finde! Sag mir, wie magst auf dem Land Du wohnen? Küh und Gäns und Hühner treiben! Und gar da drinnen würds mir nicht behagen! Ists wahr, was die Leute sagen, Dass es bei Euch nicht ganz geheuer?
VERENA Wie meinst Du?
JEANNETTE Bei Euch solls nächtlich spuken!
VERENA Was fragst du so?
JEANNETTE (lachend) Herrje! Wer wird gleich so zucken! Sogar bei uns im neuen Schloss Schleicht nächtlich schon Geistertross! Da heißt man es: les amoureux Man sucht sich nachts pour être deux
VERENA Was ist das?
JEANNETTE (ganz nah an Verena) Des Grafen und der Gräfin Bund Gleicht Liebe zwischen Katz und Hund; Da beide aber weich von Herzen, Nicht abgeneigt traut Minnescherzen, So giebts tagtäglich Aventüren Klüglich schlau zu intriguieren!
VERENA Was ist wieder das?
(Verena hört mit wachsendem Staunen und Widerwillen zu)
JEANNETTE Zettel schreiben! heimlich schleichen! Lichtauslöschen, Wändezeichen.
VERENA Nanni!
JEANETTE Manch Cadeauchen auf die Weise Als Souvenir ich höchlich preise! Ach! was bist Du arm dagegen, Kannst Dich nachts nur aufs Stroh legen. Kein Schmuck und kein Gestein! Nein! ich möchte nicht s Renchen sein!
VERENA Keinen Stein? Wer sagt dir das? Hab auch was! Das macht mir Spass!
JEANNETTE (hämisch) Du hättst was? Pferdehufeisen!
VERENA Spotte nur zu! Ich wird Dirs schon weisen!
JEANNETTE. Glasperlchen oder Bergkristall Giebts auf der Strass allüberall!
(Verena hält den Stein in der Hand verschlossen)
VERENA Ich hab was Schönes! Gelt? Sie guckt? Mamsell Nanni Neugier juckt!
JEANNETTE. Neugierig! Einfaltskind! Ists was gescheits zeigs geschwind!
VERENA Ja ja: sie birgt ihn, diese Hand, viel mehr werth, als all Dein Tand!
(sie betrachtet den Stein, doch so, dass Jeanette ihn nicht sehen kann)
Ach! wie er glänzt! Selbst im Dunkel! Wundergeheimnisvolles Gefunkel! Guck, Nanni! Guck!
(Verena hält Jeanette die beiden geschlossenen Hände hin, öffnet sie ein wenig um sie gleich wieder unter Gelächter zu schließen)
JEANNETTE Ich heiß nicht Nanni! Jetzt lass Dein kindisch Wesen sein!
(Verena betrachtet wieder den Stein. Jeanette wird immer neugieriger)
VERENA Hei! wie sein Strahl aus dem Finstern zu mir bricht!
(sie hält wieder die Hand Jeanette hin und wiederholt den Scherz)
Guck! Nanni! Guck!
JEANNETTE Kindskopf!
VERENA Guck! Nanni! Guck!
(Als Verena den Scherz abermals wiederholt, verliert Jeanette die Geduld)
JEANNETTE. (sie reißt Verena die Hand uaf und erblickt den Stein) Jetzt zeig ihn her! Ja, sag! Wie kommst Du Dirne dazu? Ein Talisman! Den, wenn meine Herrin sieht!
(sie eilt zur Gräfin)
VERENA (ängstlich) Weh! was tat ich!
JEANNETTE Herrin! Schnell! Schnell! Seht diesen Stein! Ganz gleicht er dem, den Ihr verlort!
(Jeanette hält den Stein fest, Verena die Kette)
VERENA Lass ihn los! ich darf ihn nicht zeigen!
JEANNETTE. Jawohl! Jetzt hab ich ihn fest!
GRÄFIN (zu Verena) Liebes Kind! Zeig den Stein!
(Verena sieht sie ängstlich an und zeigt ihn zögernd)
Wie wunderbar! Wer gab Dir ihn? Ein Geheimniss? Ich forsch nicht weiter. Doch frag ich Eins: Gegen reichlichen Lohn Gäbst Du ihn mir?
VERENA Den Stein? Ich?
GRÄFIN Hängst Du denn so an ihm?
VERENA Hohe Gräfin! Ach Herrin!
JEANNETTE Nimm lieber das Geld! Was willst Du mit dem?
GRÄFIN Komm! Gieb ihn! Sollst nicht es bereun!
(auf einen Beutel deutend)
Hier! Das empfängst Du dafür
VERENA Kein Gold will ich nicht! Nein! gute Herrin!
(Jeanette sieht die Mutter, welche eben aus dem Haus treten will)
JEANNETTE Frau Gertrud! Wollt Ihrs Renchen bereden! Die Gräfin möchte den Stein ihr abkaufen!
GERTRUD Welchen Stein?
JEANNETTE Den, seht! den sie am Kettchen trägt.
GERTRUD Weiß von keinem Wo hast Du ihn?
JEANNETTE Da!
GERTRUD (heftig) Woher hast Du den?
VERENA Ich? Ich weiß nicht!
GERTRUD Woher Du ihn hast?
VERENA Ach Mutter!
GERTRUD Dirne! Wirst Dus sagen!
VERENA Ich sollt schweigen.
GERTRUD Vom Buhlen am End, Ders wo gestohlen!
VERENA Mutter!
GERTRUD Heraus mit der Sprach Wer gab Dir den Stein? Und die Kette dazu?
VERENA Die Kette die ist vom Friedrich!
GERTRUD Und der hier?
VERENA Ach lass mich!
GERTRUD Der Stein, sag ich!
VERENA Vom alten Ekhart!
GERTRUD Der könnt mir taugen! Vom Zaubrer dem? Giebst Du ihn gleich!
VERENA (immer trotziger mit wild funkelnden Augen) Nein! sag ich! Nein!
GERTRUD Wirst Du?
(Die Mutter will den Stein erzwingen)
VERENA Ich geb ihn nicht her! Hüte Dich! Mutter! Hüte Dich! Du hast nicht das Recht! Sonst! Mutter!
(Die Scene zwischen den Frauen vorn ist von der übrigen Gesellschaft und dem Volke nicht beachtet worden. Allmählich hat sich immer mehr Volk eingefunden, welches teils die gräfliche Gesellschaft betrachtet, teils mit Ungeduld auf den Beginn der Vorstellung wartet. Trutz, welcher mit dem Grafen längere Zeit gesprochen hatte, hat sich mit fröhlichster Laune mit seinen Gesellen (worunter auch Friedrich) auf die Bühne hinter den Vorhang begeben. Von dort hört man sodann die Glocke das Zeichen zum Anfang geben)
GERTRUD Droht Mamsell? Her!
(Gertrud reißt Verena Stein und Kette ab und reicht sie der Gräfin)
VERENA (sehr rau, fast tonlos) Mutter! Durftest Du das?
(Das Volk holt Stühle und Bänke herbei und harrt der Comödie)
Achte Scene
VOLK. Hört! Jetzt gehts los! Still! Setzt Euch! Platz! Ruhe! Weiber! setzt Euch! Was wird denn gegeben? Dickkopf, weg du
(Der Vorhang geht auf. Trutz und seine Gesellen eingehängt, drehen dem Publikum eine Nase. Erstaunen)
TRUTZ. Nicht setzen! Bleibt stehn! S giebt heut nichts zu sehn!
VOLK (wird unmuthig) Was? Oho!
TRUTZ Das Spiel fällt heut aus!
(Das Volk trampelt ärgerlich)
VOLK Aber nein! Ja! so was!
TRUTZ Hört! welch Glück uns traf! Wie Freund Trutz ins Schwarze schoss! Erlaucht, hoher Graf, Nimmt uns mit nach seinem Schloss! Dort, wie er verkündet hat, findet des neuen Schlosses Weihe statt Mit Spiel und Sang die Freud erhöhn, Solln glohrreich wir bestehn: Drum nimms nicht übel, nimms nicht krumm, Liebes, braves Publikum! Gaukler preist den seltnen Tag, Nicht leicht er wieder kommen mag!
(die Mütze schwenkend)
Ich ruf Ade!
FINK, TRUTZ, KÜMME Auf Wiedersehn! Lasstss Euch allweil gut ergehn!
(Fink gibt Friedrich einen Stoss, er soll mitsingen)
ALLE Ade! Ade! Ade!
(Das Volk ruft ihnen Lebewohl und Aufwiedersehen zu. Einige helfen den Bänkelsängern bei der Arbeit)
(Nachdem Trutz und seine Truppe sich vom Publicum verabschiedet haben, reißen sie schnell die Bühne zusammen, deren hintere Stücke sie bereits vorher beseitigt hatten, Sie laden die Gegenstände auf ihren Wagen. Die Gräfin, welche sich wieder zu den Ihrigen begeben hatte, bricht jetzt auf, gefolgt von den Übrigen. Das Volk begleitet sie. Gertrud ist ins Haus gegangen. Verena steht allein vorne links)
(Trutz und die Seinen haben den Wagen mit den Requisiten angefüllt. Friedrich, im Abziehen begriffen erblickt Verena)
FRIEDRICH Komm mit!
(Verena starrt Friedrich an, ohne einer Antwort fähig zu sein)
TRUTZ (zieht Friedrich heftig mit sich) Lass sie! Sie schmollt.
(Die Bühne wird leer. Verena steht sinnend in sich gekehrt. Dann eilt sie zurück, blickt von den erhöhten Mauerzinnen lang den Abziehent. Sie erblickt Ekhart vorn am Tisch sitzend. Er hat sich, von Allen unbemerkt, noch während der letzten Volksscene ingefunden. Sie eilt, mit Ausdruck tiefsten Schmerzes, vor)
VERENA Trauter! Treuer! Ach! sie haben mir mein Glück geraubt!
(Sie sinkt weinend zu Ekharts Knien und verbirgt ihr Antlitz. Von weitem hört man die Abziehenden johlen)
ZWEITER AUFZUG
Erste Scene
(lm Park des gräflichen Schlosses. Aller erdenklicher Luxus an kostbaren Pflanzen, Vasen, Empire Statuen. Rechts eine Steinbalustrade, welche den Besitz nach dem Thal zu abschließt; daran angrenzend, schräg, eine grössere Plattform, zu welcher Steinstufen führen. Dieselbe wird von der Dienerschaft zu einer kleinen improvisirten Bühne hergerichtet, indem zu beiden Seiten, kulissenartig, spanische Wände aufgestellt werden. Im Hintergrund ein See mit Schwänen. Vom Schloss sieht man kaum etwas, nur durch die Bäume durchschimmernd, ziemlich entfernt. Links eine Laube, überschattet von einer grossen Buche. Jean, Jeannette und zahlreiche Dienerschaft bereiten zum Feste vor. Stühle für die Zuschauer der Komödie werden im Halbkreis um die Bühne aufgestellt. Der Vorhang geht auf)
JEANNETTE (anordnend) Schnell doch! Hier fehlts noch! Dorthin! Nicht immer daher! Alles macht Ihr immer nur quer! Jetzt rückt die Sessel! Stellst Dich heut wie ein Esel!
JEAN Nettchen! Nichtnettchen!
JEANNETTE Lass das mal gehn! Ich zeig Dir die Zähn!
JEAN Sei wieder lieb! Ein Küsschen mir gib!
(Im Hintergrund erscheinen Trutz, Fink und Kümmel, bereits costümirt für die Comödie. Trutz als Satyros, Kümmel als Faun, Fink als Heliodoros. Jeanette und die Dienerschaft lachen laut auf; sie giebt sodann ein Zeichen, dass die Diener sich entfernen sollen. Jean geht ärgerlich ab, nachdem er noch gesehen hat, wie Jeanette Trutz küsst)
JEANNETTE Geh!
(sie versetzt ihm eine)
Da hast Dus!
(die Hinzukommenden erblickend)
Je! Seht Ihr aus! Halt! Der kriegt ihn!
(Sie eilt auf Trutz zu und giebt ihm einen herzhaften Kuss)
JEAN Warte!
(ärgerlich ab)
FINK, KÜMMEL Hui! Mir auch!
JEANNETTE Ätsch!
(sie dreht ihnen eine Nase)
Nun sagt! Wie hat man geruht?
TRUTZ. Nicht allzu gut! Neben mir hört ich wiehern!
FINK Neben mir klang es wie blöken!
KÜMMEL Und neben mir tönt es, ach, wie grunzen!
FINK Aus Löchern gegraben grossmächtge
TRUTZ Still!
KÜMMEL Im Bett mich umtanzen übernächtige
TRUTZ Still!
FINK Es hüpften zur Höhe Die Flinksten der
TRUTZ Still!
KÜMMEL Es knabberten Mäuse, es krabbelten...
TRUTZ Still!
ALLE DREI Dies trugen wir Alles mit Engelsgeduld! Heut dafür lacht uns Gold und Huld!
JEANNETTE Huld vielleicht hold, Wenn Ihr schön gesungen; Aber Gold? Sanges Sold? Wann ward das denn ausbedungen?
TRUTZ (betroffen) Was? Wie?
JEANNETTE Die Ehre, hier zu singen, Ist die Euch nicht genug?
TRUTZ Die Ehre, hier zu singen! Ist die uns nicht genug?
FINK (enttäuscht zu Trutz) Was meinst Du?
TRUTZ Die Worte nicht sonderlich klingen! Doch Mädchen spricht recht klug! Du Du Du weißt Du auch: was Du bist?
JEANNETTE Also?
TRUTZ Du Spirifankerl!
JEANNETTE Was ist nun wieder das?
TRUTZ. Hast Du gehört, dass die Hühner Eier legen?
JEANNETTE. Hei! wie seltsam!
TRUTZ (geheimnisvoll) Denk Dir eine schwarze Henne!
(er rückt ihr immer näher)
Dunkel, wie die schwärzeste Nacht! Diese Henne in der Tenne Legt ein Ei höchst unbedacht. Schleich hinzu, wenn sie mal weg! Rabenschwarz doch muss sie sein! In den Korb ein andres leg Grad an jene Stell hinein! Ei geraubtes, hör, was ich erzähle, Birgst Du in der Achselhöhle! Sieben Tage trag es dort, Hüt es wie den höchsten Hort! Am letzten Tag, o acht es wohl! Wird die Schale hohl! Ein Teufelchen, schau! O gräulicher Graus! Fliegt aus dem Ei flugs heraus! Das Teufelchen, das so entstand, Von den Bauern wirds bei uns benannt: Spirifankerl! Spirifankerl, O du kleines necksches Thier! Spirifankerl! Das Teufelchen, wie gleicht es Dir.
(Trutz reicht Fink und Kümmel die Hände und tanzt um Jeanette im Kreis)
JEANNETTE Jetzt lasst mich in Frieden! Was? Das wärich? Wart! Ich werd Euch! Meine Mutter eine Henne? Pfui! Hilf mir! Friedel!
(Friedrich - als Eros costümirt - tritt auf.
TRUTZ, KÜMMEL, FINK (Alle drei verbeugen sich ehrerbietig vor Friedrich) Friedel! Friedel! Ruhten die Glieder? Auf Seide darnieder?
JEANNETTE So gebt ihm mal Ruh!
DIE DREI (im Abgehen begrifen) Spirifankerl!
JEANNETTE Geht!
(Jeanette will Friedrich etwas zuflüstern, wird abermals gestört)
DIE DREI Spirifankerl!
JEANNETTE (heftig) Geht!
(hastig zu Friedrich)
Also! heut Abend!
FRIEDRICH Wirklich ?
JEANNETTE Still!
Zweite Scene
(Der Graf, die Abeilenden nicht beachtend, in Gedanken verloren, lehnt sich an eine Säulenbalustrade. Jeanette sieht den Grafen kommen. Sie eilt ab. Friedrich entfernt sich dem Parke zu)
GRAF Vielbesungnes Sonnenerwachen! Thöricht Geschwätz von hellem Lachen! Mühsam, grau, durch Nebelschichten, Bang sich röthend, will es lichten! Tag erstehend, Nacht vergehend, Trüb gemischt, Trug-Traumgebilde schafft. Vom Ekhart hört als Kind ich sagen, Wie der als Mahner Kindern naht: Gute schützend auf ihrem Pfad, Schlimmen dräuend mit leidigm Klagen! Was will der von mir? Was wollte sein Mahnen? Klang es nicht schier Wie von Todesahnen? Einmal noch, nur einmal mehr Tönt es dumpf schenk mir Gehör! Gehör? Einmal noch? Warum? Da steh ich Zweifler, der den Glauben höhnt! Sinn und sinne, wie man Spuk versöhnt. Gespenster! Narrenglaube! Zwittergestalt! Fahl und kalt! Was rührst Du mich! Bin ich nicht glücklich? Lacht mir nicht Alles? Wer beugt sich nicht vor mir? Ha! Dort nahen sie wieder: Die Stolzen und Edlen, Das Kalb anzubeten, Das so gülden prangt! Und würd es je zu Blech gewandelt: Wie würden sie schmähen und höhnen, Verachtend sich wenden! O, Ekel! Ekel über sie und mich! Über mich? Trag ich denn Schuld? Oder ists Schuld, wenn ich lebe? Hei! Scharr wo anders, Du grausiger Griesgram! Grab aus! Grab aus! Willst Du rechten, Wos modrig und kraus? Dort wend Dich hin! Dort liegt Einer! Ja dort! Der war! Nicht ich!
(Die Gräfin (als Nymphe costümirt) hat den Grafen aus der Ferne beobachtet; sie ordnet an den Stühlen)
GRAF (plötzlich sich wendend, tonlos) Wer lauscht?
(er erblickt die Gräfin; seine Miene verändert sich, liebenswürdig ironisch)
Sie ließen einen Brief liegen!
GRÄFIN (gleichgültig) Einen Brief?
GRAF. Ja, ein ganz niedliches Briefchen!
GRÄFIN (überrascht sich stellend) Von wem?
GRAF (lächelnd) Von wem? Solche Zettel muss man hüten!
GRÄFIN Ein Vorwurf?
Dritte Scene
(Jeanette kündigt die Gäste an. Die Comödianten und die Gräfin eilen auf die kleine Bühne, wo sie sich verbergen. Der Graf übernimmt den Empfang)
JEANNETTE Die Gäste!
GRAF (nachdem er seinen Gästen Sitze angewiesen hat) Um Nachsicht lässt die Gräfin bitten, Falls sie den Kopf mal verliert! Als Diva wird heut debütirt! Wie könnte da es gleich so gehn?
(Klingel (auf der Bühne. Trutz klingelt und tritt sodann vor. Bei seinem Erscheinen lacht die Gesellschaft]
TRUTZ (verbeugt sich) Eukaleia, die geraubte Nymphe oder Die Macht des Gesangs!
Comödie
(Die Nymphe Eukaleia wird von Satyros und Faun hereingeschleppt)
EUKALEIA (GRÄFIN) O wehe! wehe! wehe mir! Gefangen bin ich! Ach, geraubt! Helft! o helft! Oreaden! Um mich ists geschehn! Meiner Tugend Preis! O Hera! Zeus! Ist hin! Dahin auf ewig! Dahin auf ewig! Dahin auf ewig!
SATYROS (TRUTZ), FAUN (KÜMMEL) Ha ha! Diesmal glückts! Vergebens ist Dein Jammern! Gefangen bist Du! Holde! Mein bist Du nun! Dein Jammern lass drum ruhn!
(sie birgt ihr Gesicht in den Händen)
SATYROS (TRUTZ) Schau! Du Schönste! Schweig doch still! Hemm Dein Thränengequill Wenn auch hässlich, sind wir doch gut! Fürchtest Du des Satyros Gluth?
(wendet sich sinnend zum Faun)
Zu werben um ihr Minnen, Was wollen wir beginnen?
FAUN Blasen, süß und fein, Dringt gewiß ins Herz ihr ein!
(Sie greifen zur Schalmei)
EUKALEIA (hält sich die Ohren) Au! Entsetzlich gräuliches Getön!
SATYROS (betroffen) Dünkt es Dich nicht schön?
EROS (FRIEDRICH) (hinter der Scene) Eukaleia! Eukaleia! Quellenmaid!
EUKALEIA Wie? Hör' ich recht?
SATYROS UND FAUN Wie? Wär' es er? Lausch!
EROS (FRIEDRICH) Eukaleia! Quellenmaid!
EUKALEIA. Mein Eros naht! Hülfe! Mein Eros naht! Mein holder Freund! Er hilft ihr, seiner Quellenmaid, Aus schwerem Leid, Aus schmählchen Ketten Sie zu erretten!
SATYROS, FAUN Horch! Er naht! Gottlob zu spät! Ich hab Angst! Wenn er uns tödtet! Brüll nur recht! Es nützt Dich doch nichts! Jawohl! Mein Herr Eros!
EROS (tritt auf) Ha! Verruchte Tropfen! Steht ab! Sie ist nicht Euer! Ich will Euch verklopfen! Ihr pelzig zottig Ungeheuer!
(sie wollen auf einander losschlagen)
EUKALEIA. Halt ein! O Schmach! Häuft Ihr noch Mord auf Ungemach? Guter Satyr! Lieber Faun! Gebt mich frei! Gebt mich frei!
SATYROS (geheim berathend) Was meinst du, Ziegenbock? Was denkst du? Pelzerock?
(zu Eros gewandt)
Weißt du was? Ich berieth bei mir: Wenn singend Du erreichst, Dass Du uns erweichst! Fließen uns die heißen Zähren, Werden wir sie Dir nicht wehren!
EUKALEIA. O singe hold!
EROS (greift zur Lyra) Zu Dir, mein Orpheus, würd ich mich wenden, Zu Dir mit flehend erhobnen Händen, Dass Du mir gönntest auf kurze Zeit Deiner Stimme Zauber und Herrlichkeit! Steine schufst Du weich und wund! Zwangest selbst den Höllenhund! Doch solcher Macht bedarfs nicht hier! Kein Kerberos, kein Stein trotzt mir; Denn Herzen haben doch die Beiden, Fühlen doch mein Leiden! Zottig grimm wolln sie es bergen, Möchten nicht, dass wir es merken, Dass auch sie der Schmerz ja rührt, Dass mein Lieb mir ward entführt!
GRAF (dazwischen rufend) Sehr verliebt! Ganz hübsch! Was werden die Bengel sagen!
FAUN Er schmeichelt ganz gut, der Tropf! Gevatter, bist Du weich?
SATYROS Noch nicht recht! bist Du es?
FAUN. Beinah!
SATYROS (laut und grob) Weiter, weiter! Ich bin noch hart!
EUKALEIA O Musen! helft! Hilf! Apollo!
(Eros will fortfahren)
HELIODOROS (hinter der Scene) Heiaha! Tralala!
(er lugt oberhalb der spanischen Wand vor und singt von dort aus)
Lustig lachend, Tralaleia! Spring ich bei, Spring ich bei, süß Eukaleia! Eukaleia! Lustig! denn was frommt das Weinen, Solang Helios noch will scheinen! Lustig! lustig! lustig! Immer keck! Wirf zum Styx die Trauer weg!
GRAF Aha! Ein Zweiter! Ganz wie im Leben!
EROS Ein Zweiter? Die Stimme! Wie? Kenn ich sie nicht? Ists nicht Heliodor?
SATYROS, FAUN Horch! Das klingt munter! Der kanns besser! Mich juckts schon zum Tanze!
EUKALEIA Mein Heliodor! Mein Heliodor! mein einzger, Trauter!
EROS (zu Eukaleia) Sag! kennst Du den Frechen da? Entsetzen! Betrogen! Schmach! Betrogen!
SATYROS Lasst uns hupfen! Heiaheia! Heia!
HELIODOROS (mit einem mandolinen-ähnlichen Instrument) Heiaha! Tralala!
(Satyr und Faun tanzen und schnalzen mit den Fingern dazu) (Rhythmus der Castagnetten)
Schau, schon zuckts den Ziegenbein! Hei! wie juckts ihn! Hei! wies zuckt! Will zum Bocksprung hüpfen drein! Lüsterner Faun, Du Waldgeburt! Dreh zum Tanz Dich, nicht gemurrt!
(Wie Satyros und Faun immer toller tanzen, will Heliodoros sie entführen; es mißglückt ihm)
EROS (FRIEDRICH) Eukaleia! So ist es wahr! Ha! Schmach! Das Deine Treue? Doch! Du Falsche! Gemach! Noch geb ich nicht nach! Orpheus! hilf! Spende mir Lieder! Brause Du Sturm, über Berge dahin! Verscheuche die Wolken! heiße sie ziehn!
(Friedrich (Eros) hält plötzlich ein und starrt nach dem Gebüsch (vorn links)
Was seh ich?
SATYR (TRUTZ) (leise zu Friedrich) Weiter! Was ist?
HELIODOROS (FINK) (leise) Bleibt er stecken?
SATYR, FAUN (souflierend) Peitsch sie von dannen, die lästigen Grauen!
HELIODOROS Was hat er denn?
EROS (immer nach jener Stelle blickend) Gespenst!
HELIODOROS Was hat er denn?
SATYR Wie sie mein Sturm
FRIEDRICH Wie sie mein Sturm
DIE GÄSTE Hört! Was ist ihm?
SATYR Zerstiebend verweht
EROS Entweich!, Du Trug!
DIE GÄSTE Er verliert den Sinn! Er starrt, stockt und strauchelt hin!
SATYR Unsinn!
HELIODOROS (will weiter spielen) Tralalaleia!
EROS Tückischer Geist, entweich!
SATYR Bist Du verrückt? Raff Dich zusammen!
EROS (rafft sich zusammen) Wie sie mein Sturm zerstiebend verweht!
SATYR Gottlob.
GRAF (springt ungeduldig auf) Genug des Stotterns! Tanz!
(Er läßt die Stühle schnell wegräumen)
SATYR (wüthend zu Friedrich) Narr, Du verdirbst uns Alles!
GRAF Genug! Genug! Tanz!
SATYR Kerl! was hast Du!
GRAF Muntern Walzer!
HELIODOROS (zu Kümmel) Geschieht ihm recht!
SATYR Nun ists aus!
(Die Dienerschaft het schleunigst die Stühle entfernt. Die Gräfin steigt von der Bühne herab; Paare bilden sich zum Tanze. Trutz und seine Gesellen stehen ärgerlich in der Ecke vorn rechts. Die spanischen Wände werden beseitigt. Während des Tanzes spielt sich vorn Folgendes ab: Hinter einem Gebüsch (vorn links) hat Verena versteckt zugehört. Ängstlich vorzutreten, da sie sich ungebeten in den Park eingeschlichen hat, harrte sie dort, bis der çbeginnende Tanz ihr mehr Muth giebt, sich Friedrich zu nähern. Verena hat sich an Jean gewandt, den sie mit ihrem Auftrag zu Friedrich schickt)
VERENA Sags ihm nur so: Die Maid, der man den Stein geraubt.
(Jean sieht sie misstrauisch an, geht aber schließlich doch zu Friedrich hinüber. Verena bleibt an derselben Stelle stehen. Jean flüstert Friedrich, der abgewandt vereinzelt sitzt (vorn rechts) ins Ohr)
FRIEDRICH So ist sies wirklich? Was heißt das: Die Maid, der man den Stein geraubt?
(Jean geht achselzuckend weiter)
TRUTZ (Trutz erblickt jetzt erst Verena; er steht etwas hinter Friedrich) Seh ich recht? Darum sein Stottern! Friedel schau! Dort steht dein Renchen! Geh doch hin! Sie will Dir was sagen. Sieh nur, wie sie winkt, Wie sie glückstrahlend blickt! Wie? Freuts dich nicht? Geh hinüber! Sie traut sich nicht her!
FRIEDRICH (hastig) Sprich Du mit ihr! Ich könnte nicht kommen, Was sie hier denn suche?
TRUTZ Oho! Renchen ist lästig?
FRIEDRICH (verlegen) Nur hier Was will sie? Vielleicht morgen! Jetzt soll sie nur fort.
(Friedrich wendet sich ärgerlich ab)
TRUTZ (verächtlich höhnisch) Das darf ich ihr melden?
(Jeanette erblickt plötzlich Verena und geht dreist auf sie zu)
JEANNETTE Ei welche Garten Zier! Sucht sie wen? Ist sie als Gast gebeten?
VERENA Gut! Nanni, sei lieb. Möchte den Friedrich sprechen Und trau mich nicht hin Ruf ihn mir her! Hab Wichtges ihm zu melden.
JEANNETTE (höhnisch) Mamsell Renchen, Ich? Wie sie nur sich denkt! Was geht dich der Friedrich an?
VERENA Mein Friedrich?
JEANNETTE (sie nachahmend) Mein Friedrich Wie lieb! Läufst auch Du ihm nach?
VERENA Nanni! Der Friedrich, der ist mein!
TRUTZ (ist hinzugetreten) Mädeln, was giebts?
JEANNETTE Denk Dir, wie dreist! Schleicht die Dirne da herein!
(Verena hat den Augenblick benützt, um zu Friedrich hinüberzueilen; sie klopft ihm zaghaft auf die Schulter)
VERENA Friedrich? Friedel? Kennst Du Dein Renchen nicht mehr?
FRIEDRICH (halb abgewandt) Aber Kind, ich ließ Dir doch sagen, Ich könnte Dich hier nicht sprechen!
VERENA Mein Friedel, ach! Ich hielt es nicht aus! Schau! Ich musst es dir heut noch melden: Dein will ich, werd ich sein! Der Mutter bin ich entflohn!
FRIEDRICH Das war nicht recht von Dir! Und dass Du hier eindrangst! Wie Du nur aussiehst! Das Kleid und zerrissne Schuh!
VERENA (blickt Friedrich schmerzlich ins Auge) Friedrich?
JEANNETTE (für sich) Die könnten wir grad brauchen!
FRIEDRICH Geh lieber fort, Du gehörst nicht darein!
JEANNETTE Heraus mit ihr! Aber schnell!
GRAF (zu Jeannette tretend) Ewges Schwatzen!
(er sieht Verena)
Wetter! Da ist ja das hübsche Ding wieder!
JEANNETTE (zur Gräfin) Herrin! Herrin! Unterbrecht den Tanz, Setzt ihn oben fort. Erst jag ich die Dirne weg! Verena! Eure Rivalin!
GRÄFIN (zu der Gesellschaft) Und nun ins Schloss!
GRAF Polonaise! Paare gebildet!
(Die Herren reichen den Damen die Hände und führen sie allmählig (nach mehrfachen Verschlingungen und sonstigen Polonaise-Scherzen) zum Schloss. Verena benützt den Augenblick, da Alles sich entfernen will, um sich Friedrich wieder zu nähern)
VERENA Jetzt, Friedel! Jetzt schaut keiner her! Bleib, lass dir sagen!
JEANNETTE (fährt dazwischen) Lässt du ihn aus? Troll Dich von hinnen! Hier im Park solch ein Gesindel!
VERENA (kaum sich haltend) Gesindel!
JEANNETTE Jawohl! Gesindel! So ne Dirne, die nicht einmal weiß, Wer ihr Vater war!
(Verena kann sich nicht mehr halten; sie stürzt sich auf Jeanette, die zu Boden fällt)
VERENA Nanni! Das sollst du mir
(Die Gesellschaft, schon etwas entfernt, wendet sich überrascht. Trutz und Friedrich trennen die Mädchen)
GRÄFIN Verzeiht! Ein kleiner Zwist!
(sie geht mit den Gästen weiter)
GRAF. Bei Histrionen dies so üblich ist!
(zu Jeanette)
Ruhe! bitt ich mir aus! Lass doch das arme Ding in Frieden! Ins Schloss! Schnell!
(Jeannette geht wütend ab. Die Bühne ist fast leer, nur Trutz steht im Hintergrund und beobachtet den Grafen. Der Graf nähert sich Verena)
GRAF. Beruhig dich, Kleine! Du liebliches Veilchen! Wart nur hier ein kleines Weilchen! Ganz still, ganz leis! Wer weiß, Ich bring dir Trost!
(er will sich zum Abgehen wenden, als er Trutz erblickt)
Eh bien! Herr Teutone! Allons Allons!
(Er weist Trutz nach dem Schloss und folgt ihm, nachdem er sich nochmals zu Verena umgewendet hat)
Vierte Scene
(Verena allein; der Abend bricht an)
VERENA Träum ich wieder? Ist alles nur Trug? Wach ich? Bin ichs wirklich? Es ist also doch! Im gräflichen Schloss! Ja! ja, hier bin ich! Wie kam ich nur her? Wo ließ ich ihn stehn, Ekhart, den Treuen? Ob er am Pförtchen noch wartet? Er warnte ernst! Und ich musste doch her! Ein armer Falter! Der flattert zum Lichte, Bis er verkohlt!
(sie sieht sich um)
Ach! Ist das hier schön! Diese Blumen! Und wie sie dastehn: Verwandelte Menschen! Ja! Wer hier wohnt, Das sind wohl glückliche Menschen: die sind reich! Brauchen nicht bös sein!
(sie lauscht)
Käm nur mein Friedel! Er war vorhin kalt! Doch hatte er Recht! Was kam ich grade herein, Mitten ins Fest: das hat ihn geärgert! Zerrissen die Schuh Und doch! Konnt ers nicht anders sagen? Sein Blick, er floh mich, der sonst so mich traf, Mitten ins Herz, mitten ins Auge! Was war ihm? Renchen, Dir wird bang, Ein Schauer kalt durchrieselt mich. Flieh, Falter! Flieg fort! Was flatterst du zur Flamme! Entflieh! Und ach! Er kann nicht!
(sie hört etwas)
Hör ich ihn nicht? Ja ja! O pochendes Herz! Liebster! Nahst du? Gewiss hat er mir verziehn! Friedel! Trauter!
Fünfte Scene
(Verena will Friedrich entgegeneilen, als der Graf vor ihr steht)
GRAF Nun? Mein Veilchen? Noch immer allein? Suchst Du wen?
(Verena sieht ihm stumm ins Gesicht.
Artge Kinder Antwort geben, Wenn man sie befragt! Soll ich Deinen Kummer heben, Werd er mir geklagt.
VERENA Ach! Herr!
GRAF Als ersten Lohn Zwei Wörtchen schon! Viel ists nicht, Was Veilchen spricht! Sei lieb! wie heißt Du gleich?
VERENA Verena.
GRAF Verena! wie klingt das weich! Bist Du so weich wie Dein Name, So bist du ein liebes Ding! Komm! setz Dich daher! Hast Du ein Schätzchen? Dass Alles ich hör, Heraus damit, Mätzchen!
VERENA Ach! Herr!
GRAF Wieder zwei Worte!
VERENA Der Friedrich!
GRAF Jetzt ists heraus: der Friedrich!
VERENA Der eben stecken blieb!
GRAF (lachend) Wer wird auch nach Burschen treiben Die stecken bleiben! Nein, Kind! trau nur dem nicht!
VERENA Aber er liebt mich und ich auch ihn!
GRAF Ja, was kann Dich dann mühn?
VERENA Die Mutter
GRAF Wollts nicht?
VERENA Ich rannte ihr weg!
GRAF Und nun?
VERENA Ich weiß nicht, was dem Friedel ist!
GRAF Dem Dichter Steckenbleiber?
VERENA Er hat mich kaum und kalt gegrüßt!
GRAF Der denkt an andre Weiber!
VERENA Nein, Herr, das thut er nicht!
GRAF Glaub dem nicht, Was er verspricht! Den hast du verloren; Hat sich längst eine andre erkoren!
VERENA Gott! was hör ich! Nein! Laut beschwör ich, Nie vergisst mich mein Friedel!
GRAF Du Unschuld! Soll ich Dir sagen, wen er liebt?
VERENA Wen er liebt?
GRAF Armes kleines Veilchen! Senkt das Köpfchen! Thau fließt daraus, Beträufelt die Erde. Wenn Blüthe gleich bei Windeswehn Sich beugt und senkt ins Gras, Wie wird es ihr dann erst ergehn, Naht Sturmes brausend toll Geras? Munter, Mädchen! Dir zum Troste Verließ ich Gäste, Frohe Feste Dir in Freud Zu wandeln Leid, Du niedliches, kleines, Minniges, feines, Allerliebstes Verenchen!
(er spielt mit ihren Fingern)
Das ist der Schelm! Hübsches Gebilde!
(den Ring-Finger nehmend)
An den kommt der Ring! Auch ein niedliches Ding!
(Er drückt Verena an sich)
VERENA (will aufstehen) Herr?
GRAF (er beruhigt sie) Versteht sie nicht Spass? Einfalt Du! Deine Tracht ist recht bescheiden. Möchtest nicht schmuck dich kleiden, Im seidnen Mieder schreiten; Ein Hütchen keck umrahmt den Kopf: Das Bändchen und Flitter im launischen Schopf? So zierlich könnte mein Veilchen spazieren, So flott und kühn herumstolzieren, Wenn Du recht lieb zu mir bist! Mein hübsches Renchen!
(Er schließt sie fester an sich)
VERENA Lasst das!
GRAF Dummes Käuzchen!
(Der Graf küsst Verena)
VERENA Herr! was thut Ihr?
GRAF (kalt) Was mein Recht ist!
(Verena sieht ihn erschreckt an)
Komm, Kleine, ich mein es nur gut! Und dass Du dran glaubst,
(er zieht unbemerkbar Geld aus der Tasche)
Sieh, ich hab Mitleid Du armes, armes Ding!
(Er lässt heimlich das Geld in ihre Tasche fallen)
Dass Du nicht hungerst, Auf Strassen gar lungerst, Will ich Dir helfen!
VERENA Graf! Hab ich gebettelt?
GRAF Ist Jeder dem man giebt, ein Bettler?
VERENA Ich will aber lieber nicht! Nehmts wieder heraus, Vor Geld ist mir graus!
GRAF Die köstliche Einfalt!
(er zieht sie zu sich herab, so dass sie unwillkürlich auf seinem Knie zu sitzen kommt als spiele er mit einem Kind)
Hoppe! hoppe Reiter!
VERENA (unwillkürlich lachend) Ihr seid aber kindisch!
GRAF So kindisch wie Du!
(Er zieht sie leidenschaftlich an sich und küsst sie)
VERENA (will heftig aufstehn;er hält sie fest) Um Gottes Willen! Vergesst Euch nicht! Herr! Glaubt Ihr, ich sei eine feile Dirne? Ihr kennt mich schlecht! Lasst mich! Was wollt Ihr?
GRAF Holla! kommt man so? So können wir auch dienen! Las sie nicht an der Pforte Gedruckt die strengen Worte? Wird Ihr jetzt bang, Da dreist sie hier eindrang? Weißt du, welche Straf erreicht, Wer unerlaubt sich einschleicht?
VERENA Weh! ach Gott! Was musst ich tun? Verzeiht! verzeiht! Ich las es nicht! Doch! Ich las es! Aber vergass es! Ich hielt mich nicht mehr! Mein Sehnen! mein Herz! Ach, guter Herr! Seid gnädig! Verzeiht mir!
GRAF Ein gütger Herr, Fürcht ihn nicht den gnädigen Grafen,
(Der Graf steht auf und will Verena mit sich ziehen)
Mild und süß wird er Dich strafen! Nur sacht nur nicht wehren! Jed Sträuben wird die Strafe mehren.
VERENA Wohin zerrt Ihr mich?
GRAF Die Strafe! mein Veilchen!
VERENA Lasst mich los!
GRAF Die kleine süße Strafe!
VERENA Gütger Gott!
(Vor dem Grafen kniend. Tanzmusik im Schloss, ziemlich fern, als Klangwirkung, doch deutlich)
Ich weiß, ich bin schuldig! Blieb mir, ach, kein Recht, Um Gnade zu flehn?
GRAF Hast Du erst Liebe genossen, Wirds Dich nicht gereun!
VERENA Habt Mitleid! Gebt mich frei! Musst Du mich strafen, So töt mich lieber! Was will mir das Leben! Nur meine Reinheit, Raub sie mir nicht! Grausamer! Ehrst Du keine Keuschheit, So ehr deinen Namen! Willst du mit Schand Beflecken den Stand,
GRAF Veilchen mit Dornen? Zürnendes Renchen?
VERENA Der die Ehre sein eigenstes Gut heißt? Bist du ein Edler, Ehre, was edel!
GRAF Wie schön Dich die Wuth kleidet, Sie reizt mich nur mehr! Willst Du nicht? So wollen wir sehn! Komm jetzt!
VERENA Schändlicher! Lass mich! Hülfe! Hülfe!
(Sie reißt sich los und flieht in den Park. Der Graf folgt ihr heftig)
Sechste Scene
(Trutz erscheint im Hintergrund. Er sucht nach einem Gegenstand, den er liegen ließ. Er ist in seiner gewöhnlichen Tracht, ebenso später Friedrich, Kümmel und Fink)
TRUTZ Mir wars doch so, als hört ich Stimmen! Der Graf verließ das Fest! Ach, altes Misstraun! Lausch! Eichhörnchen kracht im Geäst! Schwüler Abend, Und dieser Blumen befremdender Duft Betäubt das Hirn!
(kopfschüttelnd)
Trutz, hier bist Du fremd!
(horcht)
Hör ich nicht was? Wos Renchen nur steckt! Herr Friedrich! haha! Pfui! Schande! Ich mocht ihn nie leiden; Doch nun fühl ichs wie Hass!
(er will nach der Balustrade vorn rechts gehen, doch wendet er sich plötzlich wieder erregt, aber nicht überhetzt; er lauscht nach links)
Wieder Ästegekrach? Ein Jagen, Ein Atmen! Im Dunkel wird es wach! Hierher drängt es näher Was seh ich! Ists nicht Verena?
(Verena, in entsetzlich verwahrlostem Zustande, die Hände blutig gekratzt, stürzt atemlos aus dem Park; in der Hand hält sie hält einen Dolch fest)
Verena! Wohin?
VERENA Verloren!
TRUTZ (hält sie fest) Und der Dolch?
VERENA (rau, will sich losreißen) Blut! Lass mich!
TRUTZ (auf den Dolch deutend) Was ists mit dem?
VERENA Der Graf der Graf
TRUTZ. Ist sein dieser Dolch?
VERENA Ach! Erbarmen!
TRUTZ. Sprich! Unselge!
VERENA Schänden!
TRUTZ. Wollt er Dir ein Leid tun?
VERENA In der Angst entwand ich ihm den Dolch Und stach nach ihm!
TRUTZ. Renchen!
VERENA Im Dunkel liegt er dort!
TRUTZ. Flieh, Mädchen! flieh von hier!
VERENA Fliehn? Ich? Bin ich denn schlecht?
TRUTZ (gerührt; lächelnd) Renchen! Die Augen, die sie mir herdreht! Ja schau! So ist die Welt! So siehts da draußen aus! Kehr heim, wo Gott es besser bestellt! Zu Deinen Wiesen wende dich heim! Die Heimath neu begrüß! Dort weil und träum, Und wachend vergiss!
VERENA Ach! guter Trutz!
TRUTZ. Was klirrt in Deiner Tasche?
VERENA Klirren?
TRUTZ. Eben jetzt, und jetzt wieder!
VERENA (sie greift in die Tasche) Gold!
TRUTZ. Gold? Du und Gold?
VERENA Vom Grafen!
TRUTZ. Und Du nahmst es?
VERENA Ich wollts ja nicht!
TRUTZ. Doch er steckt es Dir zu? Schandbube!
(ingrimmig, tonlos)
Er kriegts zurück!
(er nimmt das Geld zu sich)
VERENA (matt, nach vorn links deutend) Führ mich! Dorthin zur Pforte! Vielleicht harrt noch Treu-Ekhart mein?
(Trutz nimmt die Schwache an sich und geleitet sie durch den Park)
Siebente Scene
(Jeannette und Friedrich erscheinen im Hintergrund. Die Gräfin kommt nach es ist schon fast ganz Nacht geworden; Licht strahlt vom Schloss aus. In der Ferne sammeln sich Wolken zum Gewitter an vereinzeltes Wetterleuchten und ferner Donner.
JEANNETTE (erblickt von weitem die Abziehenden, ohne sie jedoch gleich zu erkennen) Aha! Laubdunkelpärchen! Liebestraummärchen!
(lachend)
Ein verliebter Park!
(sie sieht näher hin)
Wer ists? Was seh ich! Der Trutz und die Rene! Schau! schau! Wer möchte das meinen! S ist doch Eine wie die Andre! Schnell getröstet, Mamsell!
(wendet sich zu Friedrich)
Versteck Dich in der Laube!
(sie sieht sich um und ruft dann Friedrich zu)
Pst! Dort kommt sie!
(leise zur Gräfin)
Jetzt wirke geheim des Steines Glanz; Noch, dünkt mich, vergass er sein Renchen nicht ganz!
(Sie geht ab)
GRÄFIN (für sich) Sonderbarer Reiz, Nur da zu lieben, wo man zerstört!
(sie wendet sich langsam der Laube zu,wo Friedrich sich verborgen hält zuckt erschreckt zusammen)
Wer ist hier?
FRIEDRICH (leise) Ich bins, der Friedrich!
GRÄFIN (zornig) Welcher Friedrich?
FRIEDRICH (eingeschüchtert) Verzeiht aber
GRÄFIN. Wer hieß dich kommen?
FRIEDRICH Eure Zofe
GRÄFIN. Was sagte sie?
(sie setzt sich)
FRIEDRICH Ich sollt Eurer harren.
GRÄFIN (ironisch) S ist kühn und dreist, Was sich hier Friedrich heißt!
FRIEDRICH Ich verkannte Jeannettens Witz! Verzeiht mir!
GRÄFIN. Sein Lied hat er schlecht gesungen: Warum stockt es so oft?
FRIEDRICH Folter auf Folter!
GRÄFIN. Stockt man wieder? Sonst sang er hübsche Lieder!
FRIEDRICH Wie ich vorhin verwirrt, So bin ich es jetzt!
(er will gehn)
Habt Nachsicht!
GRÄFIN. Halt! Halt! Gefangen bist Du in meinen Netzen! Drum heiß ich gehorsam Dich setzen!
(Friedrich setzt sich zögernd)
Entflöh ich denkt Er Ihrem Gewirke der Hexe dort, Der Zauberin Kirke!
FRIEDRICH Seid mild und hold! Entlasst mich der Pein!
GRÄFIN (heftig ihn umschlingend und lachend) Genug der Marter! Du Narr!
FRIEDRICH Zum Himmel aus düstrer Höll Hei! Wie schwingt sichs schnell! Kaum den Qualen entronnen Lachen mir solche Wonnen! Doch sagt: Hat nicht Amor sein Ziel verfehlt, Als grad mich er auserwählt? Ihr vermählt dem edlen Herrn
GRÄFIN (lebhaft) Er! An den ich gekettet durch schimpflichstes Band! O, schweig! Hinweg den Gedanken! Lass lieber uns lauschen,
(zart, an Friedrich sich schmiegend)
Was Blätter flüsternd rauschen!
(Wetterleuchten und ferner Donner)
Wie Liebes Sehnen tönt in die Tiefen! Es klingt, als wenn zu den Blumen sie riefen: Ach! was schließt ihr die Kelche, Senkt das Haupt? Weil paar faule falbe Brüder Auf euch Zarte fielen nieder, Müssen drum wir für sie büßen? Dürfen wir nicht liebend Euch grüßen? Neidisch ob solch werbend Minnen, Bläst ein Wehn sie jäh von hinnen, Donner fern mischt sich darein, Will Pärchen angst erfüllt zerstreun Wetterleuchtend Blitze drohn! Wolken lastend lauern schon Wolken ruhn von Wandermühn Wollen träg nicht weiter ziehn! Möchten gern von Liebe wissen, Möchten Erd und Blumen küssen! Sehnsuchts Thräne sinkt hinunter, Wolkenherz wird wund und wunder Blume, Blume, öffne Dich! Zeig Dein Herz uns wonniglich Lausch! wie es webt, Wie heimlicher Zauber uns umlebt. Liebeshoffen ist Jenen verwehrt
(auf sich deutend)
Hier! Die Blume ist offen, Nach Lust sie begehrt! Lieb und Glück ist uns erwacht! Warme SommerWonnenNacht!
FRIEDRICH Schwül ist es, schwül, Was hier ich fühl! Von hier erst lass uns enteilen! O nur nicht länger verweilen!
GRÄFIN (flüsternd) Schon hab ichs vom Grafen erlangt, Dass Ihr noch weilen dürft!
FRIEDRICH (betroffen) Hier bleiben?
GRÄFIN. Morgen Abend sind wir allein! Zur Jagd zieht der Graf!
FRIEDRICH Wie deut ich das? Du hassest den Grafen! Und willst dennoch verweilen?
GRÄFIN (lächelnd) Du niedliche Einfalt! Wo wuchst Du nur auf? Glaubst Du wirklich, Dass ich von hier lauf: Bäurin zu werden, Mit Kühen und Pferden, Mit Schweinen und Schafen Im Stalle zu schlafen, Zu jäten, zu pflügen, Zu melken die Ziegen?
(immer heiterer werdend)
Hühner zu rupfen Und Flachs zu zupfen? Das tat diese Hand noch nicht! Blöndling! Welch Gesicht! Hat das Glück in der Hand Und träumt vom Zukunfts-Märchenland!
FRIEDRICH Ist das Deine Liebe?
GRÄFIN. Und wer schenkte mir Perlen Und holde Geschmeide, Glitzernde Steine Und rauschende Seide? Und all die Freuden, Die Fraun beneiden, Sollt ich gänzlich ohne sie leben?
(ironisch)
Mein Liebling!
FRIEDRICH Nüchtern Erwachen! Fass ich, was Ihr sagt? Ihr bleibt hier? beim Grafen? Bei ihm, den Ihr verachtet?
GRÄFIN. Nun ja!
FRIEDRICH Und ich? Ich wär Euch grad recht Zur nächtlichen Lust? Brust an Brust?
GRÄFIN (indem sie aufsteht, für sich) Ich glaub, es regnet!
FRIEDRICH (hält sie heftig zurück) Nein! Edle, schönste Frau! Ihr scherzt! Ich weiß es! Wie Ihr anfangs mich necktet, Um dann umso holder zu lächeln Bei dem Kuss der mich entzückte! Nein, so denkt Ihr nicht! Oder war das nur Trug?
(Er zieht sie stürmisch an sich. Der Mantel fällt ab. Friedrich verwickelt die Hände in ihren Ketten. Eine derselben reißt)
GRÄFIN Geh! Du Wilder! Du zerreißt mir die Kette! Weiß es der Himmel, Und der Stein fiel zu Boden.
(Friedrich hält ein Stück der Kette in der Hand. Die Gräfin sucht nach dem Stein)
Wo flog er hin?
FRIEDRICH (wie aus einem Traum erwachend) Die Kette! Der Stein? Treibt ein Kobold sein Spiel? Ja! Hier! Verschlungen das V und F! Verena! Deine Kette!
GRÄFIN. (Jeanette rufend) Wo bist Du? Hilf suchen!
FRIEDRICH Einen Stein suchst du wohl, Einen wundervoll funkelnden Zauberstein?
(er erblickt den Stein in einer Falte des Mantels)
Am Boden liegt er nicht
(Er greift nach dem Stein)
In des Mantels Falte steckt er Schau!
GRÄFIN (erregt) Du giebst ihn mir wohl zurück?
FRIEDRICH Beim Himmel! Er ists! Kein andrer! Wie ließ sie mir doch sagen: Das Mädchen, dem man den Stein geraubt!
GRÄFIN Wirst Du ihn geben?
FRIEDRICH Von wem ist der?
GRÄFIN (verächtlich) Wüsst ich von allen Steinen, woher kämen!
FRIEDRICH Doch von Dem musst du es wissen!
GRÄFIN. Gieb ihn zurück, du Feiger!
FRIEDRICH Erst sag: woher Du ihn hast?
GRÄFIN. Gekauft für theures Gold!
FRIEDRICH Von einer Maid?
GRÄFIN Maid oder Dirne, Was weiß ich!
FRIEDRICH Verena! Und gab sie ihn Dir?
GRÄFIN (für sich) O Schande! dem Burschen Rede zu stehn!
FRIEDRICH (immer eindringlicher) Gab sie ihn Dir?
GRÄFIN Ich zahlt ihn der Mutter
FRIEDRICH Und das Mädchen willigte ein?
GRÄFIN (gereizt) Vielleicht! ich vergass!
FRIEDRICH Sie willigte ein? Hoho! Das macht man mir nicht weiß! Schwur sie mir nicht: Lieber sterben als ihn verlieren?
GRÄFIN (wendet sich) Jeannette! bist Du taub? Jeanette! Bist Du taub! Hülfe! Fasst den Dieb!
FRIEDRICH Sie gab ihn nicht! Wider Willen entriss ihn die Mutter? War es so? Die ich ihr gab, die Kette, Gräfin, übt Verrat!
GRÄFIN (sie wirft ihm den Rest der Kette zu) Die ärmliche Zier! Nimm sie! Da!
FRIEDRICH (indem er die Kette aufhebt) Ja! Ich nehm sie, Wie diesen Stein, Und bring ihr Beides zurück!
GRÄFIN. Ha, frecher Dieb!
FRIEDRICH Warum ist er Dir nur gar so teuer? Vielleicht erriethest Du seines Zaubers Geheimnis?!
GRÄFIN (verächtlich) Tölpel Du mit dem Talismann! Du und Deine Dirne! Was frommt Euch Der?
Achte Scene
(Auf den Hilferuf sind Leute herbeigelaufen, darunter auch noch einige der Gäste. Immer stärker drohendes Gewitter
GRÄFIN (zu den Herbeigeeilten sich wendend) Helft! Lasst ihn nicht enteilen, Den Räuber! Von des Tanzes Erhitzung mich zu erholen, Hierher wandt ich den Schritt, Der Abendkühle genießend. Da plötzlich, aus der Gesträuche Dunkel Stürzt Dieser hervor! ergreift mich Und reißt mir vom Hals den Stein, Den er dort hält!
ALLE Schändlich! Der Friedrich ein Dieb! Schändlicher Diebstahl!
TRUTZ (tritt aus dem Gebüsch hervor, fast lächelnd) Halt! halt! Ganz ist dem nun doch nicht so!
(sich vor der Gräfin verbeugend)
Verzeiht, Gräfin! Leider! ich muss es gestehn Ich hab ein klein wenig gelauscht! Friedrich, zwar recht oft verliebt, Verdiebt doch war er nie! Und dass ich wahr zeug,
(zu Friedrich gewandt)
Das zeige nun! Drum, Bursche gieb den Stein!
FRIEDRICH Du willst ihn für Dich?
TRUTZ. Dummer Junge!
FRIEDRICH Er gehört Verena!
TRUTZ (empört) Nennst Du auch noch den Namen, Und schämst Dich nicht? Her jetzt!
(Sie ringen)
FRIEDRICH Ich geb ihn nicht!
GRÄFIN (zu den Dienern) Ihr da! Versperrt alle Pforten und Thore, Dass Keiner flieht!
TRUTZ (entreißt Friedrich den Stein) So, Bürschchen!
JEANNETTE (eilt erregt herbei) Herrin! Entsetzen! Der Graf verwundet! In tiefer Ohnmacht fand man ihn im Park liegend!
(Man bringt den Grafen und lässt ihn auf einer Bank nieder)
GRÄFIN Verwundet?
TRUTZ (etwas vortretend) Ja! Verwundet!
(indem er den Dolch vorzeigt)
Und hier ist der Dolch, ders beging!
ALLE Mörder!
TRUTZ (zum Grafen gewandt) Tat ichs?
GRAF (schwach) Gesteht es ja selbst!
TRUTZ Tat ichs, Herr?
GRAF. Wenn Du den Dolch wahrst, ders beging, Wer war es sonst, der ihn führte?
TRUTZ O denk, es sollte schlimm mit Dir enden, Willst Du so scheiden
(indem er den Dolch hingiebt)
Mich dünkt, den Dolch solltest Du kennen?
GRAF Schurke!
(Trutz hält die Goldstücke hin und lässt sie vor dem Grafen fallen)
TRUTZ Und dieses Gold?
GRAF Fasst ihn, den Schurken!
TRUTZ (außer sich) Herr! Tat ichs?
GRAF Ja! sag ich und abermals Ja!
(Der Graf starrt plötzlich über Trutz hinweg; er gewahrt die Gestalt Ekharts in geisterhafter Verklärung, Allen sonst unsichtbar)
Ha! Was willst Du hier, Gespenst! Traum Störer!
DIE UMSTEHENDEN (flüsternd) Wen sieht er? Ist er von Sinnen?
GRAF Schau mich nicht so an! Der Schuldige bin nicht ich! Willst Du rechten, so rechte mit Toten! Scharr ihn aus dem Grabe, Den Vater! scharr ihn aus! Ihn nur triffts! Nicht mich!
(Die Erscheinung verschwindet. Der Graf sinkt ohnmächtig zurück)
GRÄFIN Tragt ihn ins Schloss! Der Graf wird ins Schloss getragen.
(zu den übrigen Dienern)
Dass Keiner entkommt! Fasst sie!
KÜMMEL, FINK (dringen auf Trutz ein) Wir sind verloren! Gib ihn her, den Stein! Solln wir für Dich leiden?
TRUTZ (indem er mit einem Stock wüthend gegen die Diener losschlägt) Ist Euch das Leben lieb, So rettet Euch, Kerle! Die Mauer hinab! Hei! Jetzt wirds heiß! Memmen! runter mit Euch!
FINK Da bricht man ja die Knochen!
TRUTZ (haut immer um sich) Schnell! Ich komm bald nach! Fort! Springt doch! Wenn Ihrs werth seid, schützt Euch Gott!
(Fink und Kümmel, Friedrich mit sich reißend, springen über die Balustrade die Mauer hinab. Trutz lacht laut auf)
Haha! Da sausts hinab!
(Trutz springt auch auf die Balustrade und ruft von da den Verfolgern, die er mit äusserster Kraftanstrengung abgeschüttelt hat, zu)
Ruhe! Und dass Ihr ja nichts Schlechtes denkt, Wird Euch nun dieser Stein geschenkt! Ist wirklich er ein Zauberstein, Da sein so dreist Ihr begehrt, So schleudr ich ihn in den See hinein! Dort find ihn, wem er gehört! Nun angelt, sucht, scharrt und fischt, Dass Euch nur sein Licht nicht verlischt!
(Er schleudert den Stein in den See und springt die Mauer hinab. Alle blicken nach dem See. Erstaunen erfüllt sie, als sie gewahren, wie es in der Tiefe grünlich zu leuchten beginnt, erst zart, dann immer strahlender)
ALLE Seht! wie glänzt es in der Tiefe!
GRÄFIN. Holt ihn heraus! Steigt in den Kahn! Schnell! Eilt Euch!
(Alle bemühen sich, teils am Boden kauernd, teils im Kahn liegend, aus der Tiefe, die nicht beträchtlich ist, den Stein, den sie deutlich sehen, herauszufischen. Doch vergebens; so oft sie glauben, ihn zu fassen, treibt der Wind den Kahn fort. Regen strömt herab. Die Schwäne kreisen wild über dem Wasser)
Greift doch zu! Habt ihr ihn?
DURCHEINANDER Du stehst im Weg! Geh! Halt! ich hab ihn! Stemm mit dem Ruder! Verdammtes Wetter! Schon griff ich ihn! Der Sturm weht uns fort! Alle Wetter Elemente!
GRÄFIN Habt Ihr ihn nicht? Greift doch zu!
(Wind und Regen lassen plötzlich nach)
STIMME DES KOBOLDS (unsichtbar) Keinem von Euch! Nur leidend Liebenden leuchtet sein Licht!
(Eine kleine Gestalt taucht in die Tiefe des Sees und entschwebt alsbald mit dem Stein. Der Blitz schägt in die grosse Buche ein, deren Geäst krachend herabstürzt. Alle fliehen. Das Wetter lässt nach. Das Gewölk lässt etwas Mondschimmer sich verbreiten. Die Kobolde eilen zusammen und umringen Seelchen, welches den Stein frohlockend hält)
DIE KOBOLDE Hihi! Denen haben wirs heiß gemacht!
(zu Seelchen)
Hast Du ihn?
SEELCHEN Hier! Schaut!
(Aus dem gespaltenen Stamm der Buche steigt das Galgenmännchen hervor und wirft sich auf Seelchen)
GALGENMÄNNCHEN. (*) Giebst Du ihn schnell, Diebs-Gesell? Ich bin hier Herr! Spar das Gezerr!
SEELCHEN Weg! Mein ist er!
(Seelchen und Galgenmännchen raufen um den Stein. Die Kobolde schlagen auf das Galgenmännchen ein)
KOBOLDE Pfui, Du schäbige Schandgeburt! Schuftiger, weg da! Dein Vater der Galgen!
GALGENMÄNNCHEN Lässt Du ihn!
KOBOLDE Deine Mutter das Gras! Wart! Du kriegsts!
(Galgenmännchen, zerprügelt, muss entfliehn) (schrill lachend)
Ha, ha, ha! Er reißt aus!
SEELCHEN Still! Kein Lachen! Kein Scherz! O Leid und Noth! Sagt! Ists Euch nicht weh ums Herz?
(Die Kobolde schmiegen sich scheu an Seelchen)
DRITTER AKT
Erste Scene
(Tiefer Wald. Sonnige Stimmung. Ekhart führt Verena, die matt an ihn gelehnt ist)
EKHART Dort ruh ein Weilchen!
VERENA Durst Wasser!
(Ekhart setzt Verena auf einen bemoosten Stein -vorn rechts; sodann geht er nach Wasser suchend ab. Nach dem Verena die Augen eine Zeit lang geschlossen hat, öffnet sie sie wieder und blickt zum Himmelsblau)
VERENA Sag es mir, Herr, Warum so schwer, So grausam zu mir Ärmsten solches Leiden dringt, Das keinen Freudestrahl mein jammernd Leben mir bringt? Wüsst ich den Grund! Würd er mir kund, Dass ich als Strafe für schlimme Schuld All dies tragen müsst mit Geduld? Doch, in der Brust Keiner Schuld bewusst, Wie soll ich deuten, was mir ward? Traurig Schicksal! Ach, so düster und hart! Herr, wenn Du mich hassest, so töte mich gleich! Zück auf mich Deines Blitzes Streich! Ist es verdammt, mein irdisch Loos, Warum nicht gleich im Mutterschooss? Warum tötst Du mich im Keime nicht? Muss ich es schaun, dies trügrische Licht? Willst du mich martern? Ist Dir das Lust? Dass tropfenweise Blut aus der Brust Dir zum Opfer fließe? Herr! Du Schlimmer! Du Kalter, Grimmer! Bist nicht der Gütige!
(immer leidenschaftlicher)
Nein! Ach! Nein! Das ist nicht Dein Wille! Ein Zeichen send mir hernieder, Dass den Gram er endlich stille! Wolken, haltet ein! Lasst durch Euch sein Aug mich erspähn! Ob mir Freude jemals wieder kehrt Wollen! Ach! nur nicht weichen! Vom Himmel ein Zeichen, dass er mir hold, nimmer mir grollt! Ein Zeichen, ach! Ein Zeichen! Ein Wunder!
(Sie hat beide Hände zum Himmel ausgestreckt und verharrt in dieser verzückt flehenden Stellung. Tiefe Stille. Verenas Miene verwandelt sich, sie lässt die Arme sinken)
VERENA Still alles still! Schweigen lebender Tod! Du närrisch Kind! Wähnst, die Wolken wehn für Dich? Was ist Dein kleiner Jammer Im grossen Welten Weh? Harre! Vertraue! Fass ichs auch nicht Gott ist gut!
(sie faltet die Hände)
Ich geb mich, Vater, in deine Hut!
(Wie sie den Kopf senkt, sieht sie einen Grashupfer auf ihrem Knie sitzen. Sich ermunternd:)
Was sitzt da am Knie? Das winzige Thier, Grashüpferlein, sieh! Was lugst Du nach mir? Sensenbein! Kneif es ein! Zirpe! Zirpst! Im Herbste stirbst! Hupferli! Ei Hupferli! Hupfst mir davon!
(Der Grashüpfer springt zur Erde)
Wart! ich krieg dich!
(sie kniet und hascht nach ihm)
Hab ich Dich? Wieder nicht! Schlingel! Jetzt wieder daneben!
(Ekhart kommt zurück und betrachtet lächelnd das Mädchen. Er hat ihr in einer Holzrinde Wasser gebracht)
EKHART Hier! das Wasser!
VERENA (kaum auf Ekhart achtend) Trink es selber! Schau den Grünbein! Jetzt ist er im Busch! Garstiger! Geh nur!
EKHART Komm jetzt, Kind! Es ist schon spät Weit ists noch zur Mutter!
VERENA (auffahrend) Zur Mutter?
(düster)
Ich will nicht zur Mutter! Ich will sie nie mehr sehn! Vater! sag, glaubst du an Träume? Wenn uns was im Traum erscheint, Ist das wer?
EKHART Was solls?
VERENA Wenn es nächtlich zu uns redet, sprich, Alter: Giebt es Geister? Geister von den kleinen, kleinen Die poltern, und kichern, jammern, ach! und weinen?
EKHART Hörtest du nicht von den Kobolden sagen, Die nächtlich schwirrend ruhelos irrend; Wo Mitleid sie fänden, ihr Leiden klagen? Hier helfen die Guten! Dort drohen die Bösen, Allüberall wirrend, treiben sies Wesen.
VERENA Und was wollen die Wilden?
EKHART Sie suchen mit Bangen Das Heil zu erlangen. Ruhe und Seelenfrieden, Das werde durch Andre ihnen bescheert!
VERENA Und warum scheut sie die Ruh?
EKHART Weil unerlöst ihre kleinen Seelen, Verflucht, sie sich und Jene quälen!
VERENA Und wessen Seelen sind sie?
(Ekhart schweigt. Verena blickt ihm scharf ins Auge)
Du schweigst? Dürft ichs nicht wissen?
EKHART (zögernd) Die Seelen sinds verstorbner Kinder!
VERENA Verstorbne Kinder? So müssen Kinder ruhelos irren?
EKHART Nicht doch nein Kinder, die kein rechtes Sterben Musste allzu früh verderben!
VERENA Kein rechtes Sterben? Meinst du Mord?
EKHART Einen Kobold kenne ich! Wie ungern der seinem Opfer entwich! Zum Keller lud er die Maid sich ein, Dort sollt sie bei mattem Schein An seinem Anblick trüb sich weiden! Zwei Messer erschaun, die die Brust ihm zerschneiden
VERENA (furchtbar aufschreiend) Zwei Messer!
(dumpf vor sich hin)
Kobold, armer Kobold! Was hat man dir gethan?
EKHART So muss er irrend jammern, Wo Hoffnung lugt, daran sich klammern.
VERENA Und kann er Ruhe finden?
EKHART Er muss es!
VERENA Doch wie? Sag mirs Vater!
EKHART Wenn des Stammes letztes Glied Willig für ihn aus dem Leben schied, Jegliche Schuld ist dann gebannt, Kobold endlich Frieden fand.
VERENA Noch Eines künde: Wer den Kobold zu befrein berufen, Warum muss Der schuldlos leiden?
EKHART Schuldlos schuldig ist er!
VERENA Schuldlos schuldig, Vater, wie tönt das hart! So ist schon, eh wir geboren, Das Schicksal uns erkoren, So müssen wir ohn Verschulden Gleich Schuldgen dennoch dulden?
EKHART Denk an unsres Lebens Stern Gedenk unsres heilgen Herrn! Schuldlos, für der Menschheit Klagen, Ans Kreuz ließ er willig sich schlagen! Verena, Du armes gutes Kind! Des Lebens Loose fallen blind! Das Glück, im Stein gebannt, lm Leben hast Du verkannt. Denn, lebend von Dir es gebend, lm Tode nur findst Du es wieder!
(er hebt die Hand zum Segen, Verena kniet nieder)
Nimm den Segen für das Weh, Das bald in Wonne zergeht! Hör die Stimme, Die es Dir kündet, Nicht Jeder seinen Ekhart findet, Drohend Trüben, Guten gütig! Allgeheimniss, mahnend, hüt ich! Dir zu weisen des Schicksals Pfad, Als Leid-Deuter bin ich genaht!
Zweite Scene
(Äste krachen. Vier Burschen stolpern aus dem Gesträuch hervor. Verena steht auf und verbirgt sich)
KNORZ (im Hintergrund stehend) Potz Wetter, Blitz und Donner! Wir sind verirrt! Find der Teufel da den Pfad
(er gewahrt Ekhart)
Halt! Da steht Einer! Du Wo gehts zur Weidenmühl?
EKHART (nach links deutend) Dorthin! Wen sucht Ihr?
KNORZ (etwas näher tretend) Ja ja! Das möcht er gleich wissen! Burschen wollen wir begrüßen, Tropfen, Gauner, Comödianten! Pack, das! Kommt zu Schanden, Tot oder lebendig! Sonderlich Einer, der Trutz, der Lump! Er, der nach dem Grafen stach!
(hämisch)
Und den blonden Fritz, Mosje Gar-Unnütz! Lieb Frauen Gecken! Dem muss es flecken! Tot oder lebendig! Weil wir aber Memmen sind, Memmen alle Vier Prachtkerle von Memmen!
(pfiffig)
So heißt es nachts sie überschwemmen, Nicht mit Wasser, mit Feuer Drin ersticken, die Ungeheuer!
(Er will sich zum Abgehen wenden, als Verena welche mit wachsender Ängstlichk eit zugehört hat, sich Ekhart nähert)
VERENA (mit erzwungen Gleichgültigkeit, zu Ekhart) Mich dünkt, Du irrtest Dich! Nicht dort
(nach rechts deutend)
hierher führts zur Mühle!
KNORZ Da schau! Ein Mädel im Gebüsch! Alle Wetter! Kennt Ihr sie nicht? He he! Du! Das gefällt mir schlecht! Wer weiß! Mamsell Will uns vielleicht falsch weisen? Sinnt sie das?
VERENA Nein gewisslich nein!
KNORZ (packt sie bei der Hand) Wozu das Zittern und Stottern? Wer wahr ist, braucht nicht schlottern! Sag! weist man uns falsch?
VERENA (kaum ihre Erregung bergend) Nein, nein!
KNORZ So schwör es!
VERENA Schwören?
KNORZ Ha ha! Da haben wirs! Ja! ja! Schwören beim Allerheiligsten!
VERENA Glaubt Ihr, ich lüge?
KNORZ. Du lügst, wenn du nicht schwörst, Dass du uns den rechten Pfad zeigst, und dass du uns nicht verräthst.
VERENA Gut denn! ich schwör, Dass keinem Lebenden ich es vertrau, Beim Namen unsres Herrn!
KNORZ (lässt ihre Hand los, zu seinen Kameraden) Sie schwurs; Aber glauben? Möcht ich ihr nicht!
(er geht mit Jenen in der von Ekhart angegebenen Richtung ab)
VERENA Ha! Sie eilen doch dahin!
(sie wirft sich leidenschaftlich Ekhart an die Brust)
Ekhart Trauter, Treuster! Leb wohl! Leb wohl! Hab Dank! Hab innigsten Dank! Geh hin zur Mutter, Sag ihr, es wär Alles gut, Alles wieder gut! Verena hat es gesühnt! Und wenn Ihr mich findet, Legt mich dorthin, An der Ecke bei der Mauer, Im Schatten der Trauerweide, Wo mein Brüderchen liegt! Leb wohl, Ekhart! Leb wohl!
(sie wendet sich ab)
EKHART Wo eilst Du hin?
VERENA Ihn zu retten Und meinen Kobold zu befrein!
(Verena eilt ab)
EKHART (ihr nachrufend) Dein Schwur!
(Verena eilt nach links ab)
Dritte Scene
(Nacht. Im Innern einer Scheune, beleuchtet, durch ein Öllämpchen und den Mond, dessen Schein durch ein Fenster (vorn links) breitstrahlend dringt. An einem Tische, der Mitte zu (etwas nach links. Sitzen Trutz, Kümmel und Fink; Friedrich ganz links, abgewandt. Kümmel hat den Arm, Fink den Kopf verbunden. Vorn rechts, erhöht, aus Thon ein Muttergottesbildniss. Die Spielleute sind mit Essen beschäftigt)
FINK, TRUTZ, KÜMMEL (indem sie mit den Bechern sich zutrinken) Saladin hat siebzehn Söhne, Siebzehn Söhne hat er.
FlNK Hat er sie?
KÜMMEL. Hat er sie ?
ALLE DREI Ja! er hat sie!
(Fink niest, Käthe tritt ein mit drei Kindern; eins davon auf dem Arm, zwei halten sich am Rock)
KÄTHE. Nicht so laut!
(sie tritt näher; in der Hand hält sie einen Napf)
So da habt Ihr gegessen! Jetzt das Schüsselchen hier Lasst fein in Ruh
(sie stellt den Napf auf den Tisch)
Der Schmaus ist nicht für Euch! Drum nicht genascht! Wenn Einer draus trank, gabs allweil Zank!
TRUTZ. Auch Du! meine Käthe?
KÄTHE. Ja! auch ich hab meine Tête! Kinder kommt Sagt dem Papa Ade
(Trutz zerstreut die Kinder küssend)
Trutz! pass doch auf!
TRUTZ. Ach ja! Da! Und da Und da! Richtig
KÄTHE. Und ich?
TRUTZ. Und jetzt die Alte!
KÄTHE (versetzt ihm eine) Wart! Ich werd Dir! Gute Nacht Ihr Andern!
(Sie wendet sich zum Abgehen, erblickt Friedrich und bleibt vor ihm stehen)
Du Künstlerlockenkopf! Red Er auch ein Wort! Immer beiseit Halt was ganz besondres
(zu den Andern, heimlich)
Diesen Schuppen findt Keiner! Hier seid Ihr sicher! Aber wissen kann man nicht! Ach Gott! So ne Geschicht!
(sie wendet sich bekümmert ab und schließt die Thüre hinter sich)
TRUTZ Käthe?
KÄTHE (geärgert) Ach! jawohl! Seid wenigstens still!
(Käthe ab)
TRUTZ (Teller bei Seite schiebend) Karten her!
(Kümmel zieht Karten heraus und teilt aus)
KÜMMEL Wir können einen Vierten brauchen!
FINK (zu Friedrich sich wendend) Fritz! Geh, setz Dich dazu!
TRUTZ Lass ihn nur! Lass ihn!
FINK (während des Spiels) Du Trutz was ists mit dem Napf?
TRUTZ Geht Dich nichts an!
FINK S ist aber was Feines drin
TRUTZ Nimmersatt! schiel nicht immer hin!
KÜMMEL (gewinnt) Ätsch!
TRUTZ (teilt die Karten aus und singt dazu) Es war einmal ein junger Mann Dem tats die Liebe oftmals an Der hatte schon manch Schätzelein Doch Treue war ihm Pein!
(Fink nascht aus dem Napf)
KÜMMEL Trutz! Der Fink hat genascht!
TRUTZ Klatschtrina! Spiel weiter
FINK Friedel, wend dich rum! Zu Dritt ists zu dumm
(indem er nascht)
Sonst fress ich den Napf gar aus, Und dann giebt es Zank und Strauß!
TRUTZ Weg die Finger!
KÜMMEL (nascht) Muss doch auch mal versuchen!
TRUTZ Gesindel!
(stellt den Napf etwas beiseite)
Weiter!
FINK Da kam einst eine Dame gezogen, Fürnehm sehr und kunstgewogen, Thät sich in den blonden Laffen Mir nichts Dir nichts ganz vergaffen!
TRUTZ (verliert im Spiel) Jetzt mag ich selber nimmer!
KÜMMEL Heraus damit! Mir die Groschen!
(Fink benützt die Gelegenheit um zu naschen)
TRUTZ Kümmel, Lümmel, dreiste Goschen!
(zu Fink)
Ich werd Dir paar wippen!
KÜMMEL (in den Napf guckend) Nicht lange mehr, Und der Napf ist leer!
FINK Für wen steht er denn da?
TRUTZ (im Lied fortfahrend) Weiter jetzt! Die treuste Maid ward schnell vergessen! Auf Adels Huld war man versessen! Doch au! Wer so was nie gekannt Hat stets die Finger sich verbrannt!
FRIEDRICH Ihr glaubt, weil ich schweige, Dass ich darum auch taub noch bin?
TRUTZ (als sei er überrascht) Ach! Da redt ja wer? Wer ists? Ja schau! Mosjé Frédéric! Jai lhonneur, bon soir! Hoch geehrt! Ein nobler Gast! In ärmlicher Hütte Bei ländlicher Sitte? Mein Fritz! Friedel mein! Flachsfarbenes Frieduleinchen! Fridi-fridi-Fridulein!
FINK, KÜMMEL Fridifridifridulein!
FRIEDRICH Gebt Ruh und lasst mich in Frieden!
KÜMMEL (zu Trutz) Du! Der Fink hat wieder geschleckt!
TRUTZ Topfschlecker! Und in die Karten guckt er mir auch noch!
KÜMMEL (mustert den Napf) Bald leer!
TRUTZ (unwillig) Fritz! komm! geh her! Schweigen? Lautlos? Still? Oder sollt ich wieder schmeicheln?
FRIEDRICH Hast Du mir zu commandiren? Wenn ich will, werd ich schon kommen!
TRUTZ Hui! Habt lhrs gehört, Wie stolz sich Herr Friedel empört! Ei! Ei! Und nochmals Ei-ei! Bin ich nicht mehr Euer Haupt, Dass der Bursch sich das erlaubt? Bist Du ein freier Herr, Warum hockst Du dann hier?
FRIEDRICH (verächtlich) Dass ich Euch nicht längst schon mied!
TRUTZ (springt auf, mit der Faust auf den Tisch gestützt) Geh nur! Geh! Holla! Kommt man so?
KÜMMEL Immer Zank! Wettergranaten! Trutz! Ruhe! Seid Ihr missrathen? Setz Dich, Trutz!
FINK Trutz! Dein ist die Reihe! Herr! Du lieber Gott, Den Fritz trifft der Blitz!
(Trutz und Friedrich sehen sich unverwandt ins Auge)
FRIEDRICH Deinen Blick halt ich aus!
TRUTZ Und ich den Deinen! Du Jammergestalt!
FRIEDRICH Unterstehst Du Dich?
(Der Napf fällt herunter)
TRUTZ Bengel!
KÜMMEL Trutz! Lass ihn!
TRUTZ Weißt du Ich möchte nicht vor Dir stehn, Wie Du vor mir! Schmach Dir, Du eitler Verführer!
FRIEDRICH Nicht zu weit!
FINK, KÜMMEL Still! Verfluchte Keilerei!
TRUTZ Eine Maid ins Elend jagen!
FRIEDRICH Die Du hübsch zu trösten wusstest!
TRUTZ Wie meint er?
FRIEDRICH Ich mein, dass Herr Trutz Ihr bot recht holden Schutz!
TRUTZ Das tat ich! War das schlimm?
FRIEDRICH Recht holden Schutz So Arm in Arm Im dunklen Park!
TRUTZ (außer sich) Ha! Elender! Jämmerlichster! Den je ein Weib gebar Den je eine Maid geliebt! Das sagst Du mir? Der die erbarmungslos Verlorne Aus dem Sündenpfuhl gerettet, Die der Verführung des Grafen fast erlag Und durch des Dolches List sich befreite? Der die Schuld auf sich nahm Mich heißt Du den Verführer? Wehr Dich! Schuft! Einen triffts!
(Trutz stürzt sich auf Friedrich. Kümmel und Fink springen dazwischen. In diesem Augenblick öffnet Verena atemlos die Thüre. Sie sieht sich um und erblickt das Marienbild. Vor demselben auf die Kniee sinkend ruft sie mit gefaltet erhobenen Händen das Folgende)
VERENA Ha! Wem ruf ichs zu?
FINK Wer ist da?
FRIEDRICH Verena! Ist sie's wirklich?
VERENA Heilige Mutter Des heiligsten Sohns! Erhör mich! erhöre, ach, meine Angst! Beim Namen des Heilands Schwur ich den Eid, Keinem Lebenden es zu verrathen! Du bist Göttin! Und wärst Du nur ein thönern Bild, Du Thönerne, tön es laut zu Ihnen: Des Grafen Knechte Rache sinnen! Verrath! Flammen! Bald lodert die Scheune in Feuer! Heilige Mutter! Jungfrau Maria!
(Dicker Rauchqualm erfüllt allmählig die Bühne)
Ich habe meinen Schwur nicht gebrochen! Dir ruf ichs, Dir! Ruf Du es Ihnen zu!
TRUTZ. Rette sie, Friedrich!
(Friedrich hat gerade Zeit, Verena mit sich zu reißen. Helle Flammen schlagen auf. In einem Augenblick ist die ganze Scheune von Feuer erfüllt, das Gebälk sinkt krachend zusammen. Allmähliches Erlöschen. Der Qualm zerteilt sich; nur am Boden glimmt es weiter. Das Auge erschaut eine friedliche weite Mondlandschaft, im Hintergrund ein Fichtenwald, davor ein von Schilf umgebener Teich. In der Mitte ein niedtriger Rasenhügel. Man sieht Gestalten durcheinander jagen verfolgende, fliehende)
TRUTZ (im Hintergrund) Feiglinge! Haut auf sie los!
(Trutz verfolgt den Feind. Von der anderen Seite kommt Knorz. Friedrich stürzt sich auf ihn. Knorz zieht sein Messer)
KNORZ (zu Friedrich) Holla! wir sind bewaffnet.
VERENA (dazwischeneilend) Friedrich! Du bist verloren!
(Der Stich trifft Verena, sie sinkt mit einem Schrei zu Boden)
KNORZ Da! Da! Für Meineid!
(Trutz kommt zurück und jagt Knorz von dannen. Friedrich und Verena bleiben allein zurück. Er hält sie umschlungen; ihre Kräfte schwinden; Friedrich legt sie auf den Grashügel und beugt sich schmerzüberwältigt über sie, belauscht ihr Herz, den Puls den Atem)
FRIEDRICH Erwache Mädchen! Weh! es ist um sie geschehn! Renchen! Holde Maid! Konnt ichs denn nicht zerreißen, Des Geschickes trügrisch Gewebe, Das mich dies Herz verlassen ließ, Das mir selbst mich musste entfremden? Elender! Du hast sie gemordet!
VERENA (matt sich aufrichtend) Klage nicht! Nicht Du! Nein! nicht Du! Gottlob! Nun ists vorbei! vorbei! Friedel! Dein Lied ists verstummt? Sei munter! Ich bin es auch Ach! Liebster! Musst es so kommen? Nicht weinen! Nein! Trüb nicht die letzte Weile! Die lieben Locken Dein
(sterbend)
Gieb mir eine Leg sie mir hierher Hier an mein wundes Herz Friedel! Ach!
(sie sinkt zurück und stirbt)
STIMME DES KOBOLDS (aus der Höhe) Erlöst! Befreit von Irrens Leiden! Dank Dir und Heil! Du arme, arme Maid!
DIE ÜBRIGEN KOBOLDE. Glücklich Seelchen! Heil und frei! Ach! würd uns bald dein Loos zu Teil!
(Ein Tautropfen fällt Verena auf die Stirne, erglänzend wie jener Stein)
Der Vorhang fällt langsam
(*)Galgenmännchen is the name of a goblin conceived in the union of a hanged man's sperm with the grass. The other goblins taunt him, "your father the gallows, your mother the grass". Folk-lore attributes his origins to the root of the mandrake. Mandrake is the name of one of the goblins, as well as the personification of a stifling nightmare, Mar.
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ACTO PRIMERO
Escena Primera
(Se abre el telón. Una densa niebla cubre el escenario, por lo que el mismo es inicialmente irreconocible para el espectador. Diminutas figuras, algunas volando, zumban alrededor. Son los duendes quienes se abren paso hacia una figura apenas visible, perceptible sólo a través de su camisa blanca, Verena, que está sentada frente a la posada, inclinada sobre la mesa, dormida. Se desarrolla una disputa entre los duendes por la muchacha. Todos quieren susurrarle al oído las quejas de su sufrimiento. A duras penas uno de ellos, Seelchen, logra imponerse a los demás)
SEELCHEN (el duende) (el cantante invisible al público, que interpreta al duende, debe estar oculto muy cerca de Verena) ¡Fuera de aquí! ¡Multitud ociosa! ¡Dejadla en paz, que ella no está destinada a vosotros! ¡La pesadilla más horrible la está obligando a soñar! ¡Fuera del vallado! Trud y Alraun, ¡rápido, daos prisa, trabajad dentro de la casa que todo está patas arriba! Esconded todo en el rincón, o su madre le regañará. ¡Ponedlo todo en su lugar! ¡La madre os lo agradecerá! Sombreritos, guantes, botas... ¡moveos! ¡Apresuraos, antes que la noche se desvanezca pálida y lánguida y el Rey del Cielo se levante! ¡Fuera de aquí! ¡No os acerquéis a ella, a la que he elegido yo! ¡Lo que pedimos, no lo obtendremos de ella! ¡La calma, oh, y la paz mental y el final de nuestro errar incesante!
(Los duendes se meten en la casa) (Seelchen se acerca más a Verena)
Escúchame, Verena, ¡Escucha mis lamentos! ¡Deja que me aferre a ti, oh bella muchacha! ¡Sólo tú puedes librarme del humillante tormento! ¿No lo harás? ¡Oh! ¿Eres sorda a mi lamento? ¡Oh, ten piedad! ¡Sálvame!
VERENA (soñando) ¡Déjame!
SEELCHEN ¿Te niegas, te niegas? ¿Eres tan mala y tonta, que sólo aumentas la tristeza y el dolor de nuestros corazones?
VERENA ¡Vete!
SEELCHEN Mis lamentos no pueden conmoverte,
VERENA ¡Ay, déjame en paz!
SEELCHEN ¿Alguna vez me darás un rayo de esperanza?
VERENA (gimiendo) ¡Ay!
SEELCHEN Si fueras al sótano por la noche, ¡ten cuidado, pues me verías en persona! Si eres valiente y no le temes a la sangre, ¡dos cuchillos me abrieron el pecho! Si fueras tan valiente como para sacarlos ¡terminarías con mi sufrimiento, terminarías con el horror! Mi sangre está congelada, ¡y cómo duele! ¿Quién me apuñaló con el acero?
VERENA ¡Ay!
SEELCHEN ¿Quién me destrozó? ¡Ay de mí! ¡Qué dolor!
VERENA ¡Déjame ya!
SEELCHEN ¡No veo el final!
VERENA ¿Qué es lo que quieres?
SEELCHEN Sólo una persona en la tierra puede darme la paz.
(los duendes salen de la casa)
¿Ya habéis terminado? ¡Alejaos de aquí! El pálido amanecer está llegando.
(los duendes se dispersan. Poco a poco comienza a amanecer)
¡Escúchame, Verena, oye mis lamentos! Y si me eres fiel, disfrutarás de un regalo. ¡Aquí! ¡Esta piedra es tuya! ¡Tuya! ¡Cuídala y protege su brillo! ¡Pero detén mis penurias!
VERENA ¡Ah!
SEELCHEN ¡Ayúdame a salir de esta angustia! Cura mis penas. Sólo anhelo una cosa: ¡paz en la muerte!
(A la luz del amanecer se percibe el contorno de la figura de Ekhart, que quiere despertar a Verena de su sueño)
EKHART ¡Verena, niña, despierta! ¡Estás soñando! ¡Tienes un mal sueño! ¡Despierta, despierta! ¡Niña! ¡Es sólo un sueño! ¡Despierta! ¡Levántate!
VERENA ¡Déjame! ¡Cállate, cállate! ¡No me atormentes! ¡Ay, déjame! ¡Déjame! ¡Déjame! ¡Ay de mí! ¡Ay, no quiero! ¡Vete, torturador! ¡Déjame! ¡Vete! ¡No quiero! ¡No!
SEELCHEN ¡Verena! ¡Despierta! ¡despierta! ¡Escúchame! ¡Verena! ¡Escúchame! ¿Vamos? ¡Oh, Dios! ¿No quieres despertarte? ¡Verena!
Escena Segunda
(Verena se despierta con un profundo suspiro. Se incorpora sin saber dónde está.)
VERENA ¡Ah!
EKHART ¡Niña, despierta!
(mira con lástima a Verena, que está mirando fijamente frente a ella)
¿Es esta tu cama? ¿Por qué no estás en tu habitación? ¡Estás descalza y la noche es fría y húmeda!
VERENA (frotándose los ojos) Estaba todo tan negro... ¡Por eso me he despertado! ¡Una pesadilla estúpida! No se lo digas a mi madre.
(Quiere entrar a la casa. Su mirada cae sobre la piedra que está sobre la mesa)
¿Qué es eso de ahí, lo que brilla? ¿Irradia destellos? ¡La piedra!
EKHART ¡Hoy es tu cumpleaños!
(Amanece completamente)
¡Sonríe muchacha! ¡Sonríe! ¡Mira cómo todo brilla a tu alrededor! ¡Despierta a la luz! ¡Despierta! La noche y la niebla se desvanecen. ¡Las fragancias y las brisas flotan sonrientes! El sol quiere que sea verano y ha enviado a un anciano de una cueva lejana para ser testigo de la alegría que reina aquí; la ha dado un hermoso regalo para ti. ¡Querida niña debes estar alegre! ¡Vuélvete a la luz, mi pequeña Verena! ¡El dichoso sol lo quiere así! Cuando todo florece y brota y despierta: ¡el sol quiere que la doncella también ría!
VERENA (apasionadamente) ¡Querido anciano! ¡Mi magnífico Ekhart! ¿Todavía me amas? ¿Todavía no me has olvidado? ¡Te has ido por tanto tiempo que no puedo recordar cuándo te marchaste! ¿Pensaste que estaba triste y por eso has venido hasta aquí atravesando el bosque en plena noche? Me siento tan bien cuando estás cerca de mí, ¡es como si fueras mi padre! Ahora dime: ¡la piedra! ¿Qué significa su luz? ¿Es realmente mía? Nunca he visto una así. ¡Brilla mágicamente y con sus colores pinta secretos! ¿Entiendo lo que quiere decir? ¿Merezco tal premio? Dime, donante, ¿se supone que es para mí?
EKHART Verena, dime la verdad: ¿realmente lo amas?
VERENA ¿A quién?
EKHART A Federico.
VERENA ¿Cómo lo sabes?
EKHART Me lo imaginaba. Pero dímelo tú: ¿lo amas?
(Verena asiente dubitativamente)
¿Realmente lo amas?
(Vuelve a asentir)
¿Tanto, que crees que no podrías vivir sin su amor?
(baja la mirada; luego mira a Ekhart a los ojos con confianza)
EKHART Entonces, no dudes en llevar contigo la piedra. Guárdala y protégela de la envidia, pues su pérdida convertiría la alegría en tristeza. Se ha lanzado un hechizo sobre la piedra, que oculta secretos conocidos sólo por unos pocos.
(algo vacilante)
Si la llevas, aquello que más amas quedará ligado a ti para siempre por su magia.
VERENA (sorprendida) ¿Podrá ser infiel? ¿Federico ya no me es fiel?
(observa la piedra)
¡No, no! ¡Malvada piedra! ¡No generes dudas! ¡No asustes a mi corazón! ¡No te necesito! ¡No quiero nada de ti!
(Vuelve a poner la piedra en la mesa)
¡Pero todavía su belleza me tienta irresistiblemente! Una mano invisible me atrae hacia esa luz. ¡La agarro! ¡La agarro! ¡Y aunque me traiga sufrimiento, no la dejaré! Su resplandor mágico me revelará secretos. ¡El sol la ha dado y el sol siempre trae felicidad!
Escena Tercera
(Gertrud entra por la puerta. Cuando Verena ve a su madre, rápidamente esconde la piedra)
GERTRUD ¡Vaya, vaya! ¡Qué me parta un rayo! ¡En camisón y descalza! ¿Qué haces aquí tan temprano?
EKHART ¡Déjala tranquila, no la molestes! La acabo de despertar.
GERTRUD ¡Bien hecho, anciano! ¡Bien hecho! Eres justo lo que necesito.
(a Verena)
¡Y la casa probablemente estará hecha un desastre!
VERENA (temerosa) He limpiado todo.
GERTRUD Voy a comprobarlo...
(regresa a la casa)
VERENA (aferrándose a Ekhart) ¡Pobre de mí! ¡Mentí! Dejé todo hecho un desastre. Los platos en el suelo ¡y una montaña de ropa sucia!
(se vuelve)
¡Oh, siempre me regaña1 ¿Cuándo he hecho yo algo bueno?
GERTRUD (regresando) Puedes sentirte feliz niña, pues si no se hubiera limpiado todo...
(Hace un gesto amenazante y luego se pone a barrer)
VERENA (De pie, aturdida, mira inquisitivamente a Ekhart) ¡Apenas me atrevo a creerlo! ¿Será verdad?
GERTRUD (mientras trabaja) ¡Entra en la casa! ¡No te demores! ¡Vístete y prepárate para trabajar!
(Muy indecisa, Verena regresa a la casa. Mira tímidamente a su madre y a Ekhart, que se ha sentado a la mesa pensativo)
Escena Cuarta
GERTRUD (mientras sigue trabajando se vuelve hacia Ekhart) ¿Así que estás de nuevo por aquí?
EKHART Hoy es un día especial.
GERTRUD ¡Oh, santo cielo! ¡Ya estoy harta de esos actores ambulantes!
EKHART No es eso... Es que hoy es el cumpleaños de Verena.
GERTRUD ¿Ter has acordado? ¿Por eso has salido de tu cueva? ¿Tanto la amas?
EKHART ¡Y a quién no le gustaría ser amable con ella!
GERTRUD ¡Eres realmente un bicho raro y tonto!
(Quiere seguir trabajando, pero de repente se detiene. Evita la mirada de Ekhart e indiferente dice:)
¡Hoy hace buen tiempo! Me alegro por mi bodega. ¡Pero lo siento por los comediantes! ¡Y por la pareja de vagabundos! ¡Esos que se hacen llamar artistas! ¡Una banda de sucios borrachos! ¡Tú eres realmente único en tu clase! ¡Sólo miras y callas! ¿Quieres algo?
EKHART ¿Yo?
GERTRUD Entonces ¿por qué estás agachado ahí?
EKHART Si quieres me voy...
GERTRUD ¡No, no, quédate, quédate! No te soporto pero quédate, quédate.
(Pausa, Gertrud quiere seguir trabajando, pero se queda pensando y le dice a Ekhart con dureza:)
¿Por qué la llamaste?
EKHART ¡Ella ya estaba aquí afuera!
GERTRUD (alterada) ¿Qué? ¿Aquí?
EKHART Estaba durmiendo aquí, en la mesa.
GERTRUD ¿Ha pasado toda la noche fuera?
EKHART (mirándola seriamente) Estaba hablando en sueños.
(Gertrud permanece inmóvil, sin mirarlo)
Tu hija no está bien.
GERTRUD (con indiferencia) ¿Qué tiene?
EKHART Sueños inquietantes y pesadillas.
GERTRUD (inquieta) ¿Pudiste escuchar lo que decía?
EKHART Gemía y suspiraba.
GERTRUD (con forzada seriedad) ¿Gemidos y suspiros? ¡Eso es por su estómago! Ayer debió de comer algo pesado. Yo misma también sufrí las consecuencias: ¡sueños tumultuosos y pesadillas!
(con rudeza)
¿Nada más? ¿Eh? ¡Pues que Dios te acompañe! ¡Buenos días! ¡Adiós!
(Ekhart se levanta y se va. Gertrud va a entrar en la casa, pero se queda inmóvil, apartada de Ekhart. Gertrud, muy conmocionada, quiere correr tras de él)
GERTRUD ¡Ekhart! ¿Ha desaparecido? ¡Ekhart! ¡Ekhart! ¡Quédate aquí!
(se escucha la voz de Federico desde el valle)
Escena Quinta
FEDERICO ¡Ay, brisa, ay, lleva mi canción hasta las alturas!
GERTRUD ¡Oh, Dios, viene canturreando!
(baja por la derecha al sótano)
FEDERICO Susurrarle al oído: "Muchacha, ¿eres mía?" También puedes besar su boca deteniéndote en sus dulces labios. Cuéntale de mi sufrimiento. ¡Amarla me está rompiendo el corazón!
(Verena se queda escuchando en la puerta)
Escucha atentamente, comprueba si ella confía en ti. ¡Y no te pierdas ni una pequeña sílaba, si ella hablara de amor! ¡Vuelve entonces y anúnciame mi felicidad! ¡Suave brisa, sé mi amable mensajera, el amor merece ese esfuerzo!
VERENA (corriendo hacia él) Su canción resuena en mis oídos. Su saludo me trae alegría.
(Federico aparece por el fondo)
FEDERICO ¡Ahí está, la encantadora doncella!
VERENA (ella le tiende la mano cariñosamente) ¡Mi Federico, estás aquí! ¿Finalmente llegaste?
FEDERICO Mi pequeña Verena, mi cariño, mi amor, ¡te saludo! ¡Feliz cumpleaños! Tu amigo te obsequia esta cadenita. Ponla alrededor de tu cuello. Deberías llevarla, mi niña, como prenda de que nada en la tierra podrá opacar mi amor.
VERENA ¡Gracias, querido mío! ¿Cómo lo adivinaste? En ella colgaré la piedra y no se extraviará.
FEDERICO ¿Qué piedra?
VERENA ¡Oh Dios! ¡Se suponía que no debía decir nada! Pero puedes mirarla. ¡Te la muestro! ¡Mírala! ¡Qué hermosa! ¡Es el orgulloso adorno de una doncella! ¡Y, oh, cómo se combinan! ¡Qué fuerte se entrelazan! ¡Sí, sí! ¡Esta piedra, mi Federico, es muy delicada! Ojalá supieras lo que yo sé, pero no te lo diré, amigo mío. ¡Quién podría pagar el precio para hacerme renunciar a ella!
FEDERICO Se ve muy bonita ¿Posee un hechizo mágico?
VERENA ¿Quién puede ser tan curioso? ¡Preguntas, lo que no tiene respuesta! ¡Sentirás su dolor, si alguna vez algo se interpone!
FEDERICO ¡Enigma! ¿Quién podría entenderlo?
VERENA ¿Me amas?
FEDERICO ¿Por qué esa pregunta? ¿Quieres aún más palabras? ¿No te lo he dicho? ¿No escuchaste mi canción? ¿O estabas demasiado cansada? Mira como mi mano estrecha tiernamente la tuya, ¿estoy mintiendo acaso? ¿Soy malicioso? ¿Qué pasa contigo? ¡Muchacha!
VERENA Tus queridos rizos... ¡Quiero despeinarlos! ¡Pero Trutz es más guapo que tú!
FEDERICO ¡Verena puede seguir bromeando, como si eso pudiera molestarme!
VERENA Yo también lo quiero mucho y...
FEDERICO (interrumpiéndola) ¡Te amo mucho más cuanto más te burlas de mí!
VERENA ¡Trutz no se enamora fácilmente de las chicas! ¡Pero cuando lo hace, lo hace perdidamente!
FEDERICO ¿De verdad crees que me puedes poner celoso?
VERENA ¡Y el Señor Conde!
FEDERICO ¿De dónde lo conoces?
VERENA ¡Ya ha pasado dos veces por aquí!
FEDERICO ¡Trutz y el Conde, el Conde y Trutz! ¿De qué nos sirven ahora?
VERENA (riendo) ¡Ya te atrapé de nuevo! ¡Estás rojo de rabia! ¡Niño tonto! ¡Mira cómo te llevo de las narices!
FEDERICO ¡Pequeña Verena!
(él la abraza y enreda su mano con los cabellos que caen libremente)
VERENA ¡Ay! ¡Mi pelo! ¡Lo enredas, me lo vas a arrancar!
(enfadada)
¡Mira lo que hiciste! ¡Eres demasiado atrevido!
FEDERICO (cariñoso) ¿Atrevido? ¡Ven aquí! ¡Lo trenzaré muy bien!
VERENA ¡Federico, pequeño inocente! ¿Sabes hacer trenzas? ¿Sí? Bien, entonces. Veamos. Me sentaré aquí. Aquí hay una pequeña cinta; y algunos peines. ¡Adelante, maestro! Y mientras estás trabajando, para que por fin la aprenda, canta frase por frase, tu canción dedicada a mí!
FEDERICO (mientras le trenza el pelo, canta) ¡Sopla, suave brisa, eleva mi canción hasta el cielo! Susúrrale al oído: "Muchacha, ¿eres mía?" ¡También puedes besar su boca y acariciar sus dulcísimos labios! Cuéntale mi dolor: ¡amarla me romperá el corazón!
VERENA ¿Elevar tu canción al cielo? ¿Tuya? ¿La-la-la-la-la-la? La la, la, la, la. ¡Ay, ay! ¿Tu dolor? ¡Mira lo bien que puedo cantar! ¡Si quieres que aprecie tu canto, amigo, no debes tirarme del pelo así! ¡Picoteas como un cuervo! ¡Ay! ¡Eso duele! ¡Ay!
FEDERICO. ¡Espera! Escucha atentamente para ver si ella confía en ti. ¡Y no te pierdas ni una sílaba si habla de amor! ¡Entonces, vuelve y cuéntame mi futuro feliz! ¡Brisa, sé mi mensajera! Serás recompensada con la bondad del amor
VERENA (Agarra su cabellera y se pone de pie rápidamente ¡Cielos! ¡Lo siento mucho!
(Verena trata de entrar corriendo a la casa, Federico la detiene)
FEDERICO ¡No! ¡Quédate aquí!
VERENA ¡Vamos! ¡Déjame!
FEDERICO ¡No! ¡Tienes que quedarte!
VERENA ¡Déjame! ¡Viene mi madre!
FEDERICO ¡Dame mi recompensa! ¡Un beso!
VERENA ¡Como agradecimiento por una cabellera tan bien anudada!
(Verena se desprende de él, entra corriendo en la casa y cierra la puerta tras de ella)
FEDERICO Pequeña, quiero entrar. ¡Abre!
(golpea la puerta)
¡Déjame entrar!
(por el fondo aparece Kümmel, cargado de herramientas para empezar a preparar el escenario. Cuando ve a Federico, se vuelve rápidamente para llamar a sus amigos. Federico golpea más y más fuerte)
¡Rápido! ¡O derribaré la puerta! ¡Abre! ¡Verena! ¡Malvada! ¡Abre!
(Verena abre una ventana en el piso de arriba)
VERENA Federico, ¿me amas?
(cierra rápidamente la ventana)
FEDERICO ¡Pequeña, me vuelves loco!
VERENA (abre la ventana de nuevo) ¡Mi Federico! ¿Me amas?
(cierra la ventana rápidamente)
FEDERICO ¡Espera! ¡Abre!
(Agarra una escalera, la apoya contra la casa y sube. Trutz, Kümmel y Fink se ubican detrás de un arbusto y observan)
FEDERICO (De pie, en la ventana) ¡Espera! ¡Espera! ¡Espera!
(Los tres "marginados" dan un paso adelante, se preparan y cantan a pleno pulmón)
Escena Sexta
FINK, TRUTZ, KUEMMEL ¡Si! Alegre y feliz por la escalera de la vida, sigue subiendo, hombre. Abajo, insípida y pálida, la Tierra es vieja y gris. Arriba, en la cima de la escalera, sin embargo, algo querido y alegre brilla sobre nosotros. ¡Sube, sin inmutarte! No tropieces con los peldaños tambaleantes. ¿No hay algo esperándote? ¡El dulce beso de una niña!
(se ríen a carcajadas de Federico, que todavía está sobre la escalera. Fink y Kümmel sacuden la escalera; Federico logra bajar con gran dificultad)
FEDERICO (enfadado) ¿Qué queréis? ¡Estaba recogiendo hojas!
TRUTZ (sonriendo con sorna) ¿Recogiendo hojas? Con todo respeto, de repente me he quedado sordo. Baco ama mucho esas hojas, siempre las tiene alrededor de su cabeza. Las hojas deben hacerle cosquillas en la frente, para advertirle en caso de que su mente se ponga sobria. ¡Así que toma la copa de jugo de uva con el doble de fuerza! ¡Sólo un trago! ¡Todo de un trago poderoso! ¡Copa vacía! ¡Vientre pesado! ¡Y rodea cálidamente con su brazo el cuerpo de la ninfa!
(Fink y Kümmel se han puesto a montar el escenario. Federico deja la escalera a un lado. Trutz se ríe de él)
TRUTZ (acariciando la cabeza de Federico, que lo rechaza) ¡Federico, dulce amante! ¡Macho cariñoso y dulce! ¡Violín susurrante! ¡Jarra de leche hirviendo! ¡Siempre tras las muchachas! ¡Rey de Corazones! ¡Siempre tejiendo telarañas de amor!
(enérgico)
¡Ponte a trabajar! ¡Aléjate de ahí! ¡Pequeño tonto atrapado por el espejismo del amor!
(Trutz se vuelve hacia los demás. Cuelga el telón mientras Kümmel y Fink cortan tablas para sostener los decorados. Se oye un fuerte golpe desde el sótano de la bodega. Trutz y sus compañeros interrumpen el trabajo y escuchan; luego se apresuran y tratan de agarrar un barril de las manos de Gertrud, que lucha laboriosamente por subirlo. Trutz lo levanta sobre sus hombros y lo lleva cerca de la posada, donde él y los demás se dedican diligentemente a probar el vino)
FINK ¡Ah!
TRUTZ ¡Escuchad!
KUMMEL ¡Es un sonido mortal!
FINK ¡La Sra. Gertrud está haciendo rodar un barril de cerveza!
FINK, TRUTZ, KÜMMEL ¡Yippe! ¡Hurra!
FINK ¡Agárralo!
TRUTZ ¡Cuidado!
GERTRUD ¡Aléjate de aquí! ¿Quieres?
TRUTZ ¡Ay, alma mía! ¡Garganta seca!
GERTRUD ¡Raza sin Dios! ¡Terminaréis en la corte de justicia!
(Consiguen abrir el barril)
FINK, TRUTZ, KUMMEL ¡Bravo!
(Kümmel y Fink traen vasos)
TRUTZ. ¡Aquí están los vasos!
FINK, TRUTZ, KÜMMEL ¡Salud! ¡Salud a la Madre Gertrudis! ¡La - la - la - la - la - la - la!
GERTRUD Calma
TRUTZ ¡Ay, madre gruñona! Se buena. ¡Tú no serías la mujer para mí!
(tiernamente)
¡Ay, Käthe!
FINK (a Kummel, en voz baja) Ahora se pondrá sentimental.
TRUTZ ¡Cómo tengo que elogiar a Kate, ella nunca me hace sufrir! No importa lo tarde que llegue, ¡nunca me regaña! ¡Sólo vuelvo a ella una vez al año! ¡Ocho días de breve felicidad, somos una pareja de enamorados! Luego, sigo deambulando, Adiós, dice ella, Adiós digo yo. ¡Nos besamos con todas nuestras fuerzas! ¡Ninguna pelea que cause sufrimiento y aflicción! Al cabo de un año vuelvo a casa de nuevo y compruebo que la cigüeña nos ha hecho una visita. ¿Y sabéis lo que me saluda desafiante? Una cosita que por el suelo gatea y me llama: ¡Papá!
(Varias personas, en su mayoría jóvenes de ambos sexos, se han reunido alrededor de los comediantes)
FINK, KÜMMEL ¡Tra la la la la la la la!
GERTRUD (en la pileta de lavar ropa) ¡Deja de cantar esa canción eterna!
TRUTZ ¡Se acabará pronto! ¡No más imposiciones ni preocupaciones! ¡Escuchad esta noticia!
(a las muchachas de su alrededor)
Se rumorea que el conde...
ALDEANOS ¿El conde? ¿Cuál conde? ¿Dónde?
TRUTZ ¡Cómo os agitáis al nombrarlo! ¡Si tan solo fuera cierto que viniera de verdad! El Conde y la Condesa, aficionados a las artes, mientras cabalgaban por la ciudad, nos vieron actuar en el mercado interpretando nuestra canción y bailes.
(Le guiña un ojo a Federico)
¡Encantados por nuestro arte, le hicieron un favor especial a uno de nosotros! ¡Y que el joven rubio, siempre enamorado, hace magia en los corazones tiernos!
UNA MUCHACHA ¿A quién? ¿A él? ¿Él?
TRUTZ Ayer por la tarde alguien me dijo que el Conde y la Condesa de camino al castillo vendrían aquí con su séquito. ¡Pensad cómo sería si vinieran y nos llevaran con ellos al castillo! ¡Oh, tiempo de júbilo y alegría doblemente gozosa!
UNA MUJER (Interrumpiendo a Trutz) ¿Un conde? ¿Un verdadero conde?
TRUTZ (encogiéndose de hombros) ¡Sí! ¿Y qué ¿Quién resolvió el enigma? A su padre lo llamaban el "Falso Conde ".
(misteriosamente)
Escuché que el legendario enano Rey Laurin, en la oscuridad de la noche, al foso de la mina se llevó el secreto de los maravillosos tesoros de oro. Eran conocidos como los amigos del enano, los que, Dios sabe cómo, los juntaban y compactaban haciendo lingotes de oro.
(Las personas de su entorno se miran entre sí con asombro, pues no entienden nada de las insinuaciones de Trutz)
UNA MUJER ¿Puedes entender algo?
TRUTZ ¡El dinero es el precio de todos los poderes terrenales! ¡El gran emperador de Córcega lo sabe bien! El guardián de las minas lo ayuda a superar sus problemas económicos; con gusto le presta los lingotes de oro. Y agradecido, el emperador, le otorga grandes honores.
UNA MUJER ¿Y la Condesa?
TRUTZ Ella sí parece ser genuinamente noble. Escuché que su árbol genealógico no está nada mal. Su padre, lamentablemente, tuvo muchas dificultades y se endeudó muchísimo; no tuvo otra salida que encontrar nuevas fuentes de dinero. "El Falso Conde" se mostró ansioso por ayudar y con gusto pagó las deudas.
(irónicamente)
Y como contrapartida, el joven conde puede casarse con la condesita.
UNA MUJER (enfervorizada) ¿A pesar de que su padre era un hechicero?
TRUTZ ¿He dicho yo eso?
(en voz baja)
E incluso si fuera cierto, ¿debe el hijo pagar por las culpas de su padre?
(para sí)
No me gustaría estar en su lugar. ¿De qué sirve el oro cuando llega a tus manos cargado de sangre, sudor y lágrimas?
UNA MUJER (dirigiéndose a los demás) Ahí tenéis ¡Siempre he dicho que hay brujos por todos lados!
TRUTZ (animado) ¡A eso me refiero! ¡El mundo no está libre de la magia y maldad! Del Mutante, bufón del diablo, y de los ahorcados también, que, según se dice, a menudo perturban la paz.
(con un cambio repentino, bruscamente)
¿Os quedáis mirando boquiabiertos? ¡Os voy a decir algo! ¡Poneos a trabajar ya!
(arrastra a Federico con él)
(Trutz se da vuelta y vuelve a trabajar con sus compañeros. La gente comienza a dispersarse poco a poco, sólo unos pocos niños se quedan observando atentos. Verena ha salido durante esta última escena. Ella se mantiene ocupada. Federico quiere acercarse a ella. Ella le advierte que su madre, que está trabajando en el lavadero, la está observando)
GERTRUD (a Verena) ¡Entra en la casa! ¡El fuego se está apagando!
VERENA ¡Quiero distraerme! ¡Haz el favor, sé amable por una vez! ¿Por qué siempre eres brusca conmigo? ¿Te he hecho algún daño? Sólo dime, no me soportas, ¿verdad? ¿Qué puedo hacer para cambiar esta situación?
(acercándose mucho a su madre)
¡Di algo, madre! Sé buena, ¡madre! ¡Sé buena nuevamente! Mira mis ojos. ¿Qué tienes contra mí?
(mira a su madre a los ojos, temerosa)
¿Qué? ¿Madre? ¿Qué ocurre? Tus ojos están húmedos. ¡Madre! ¿Estás llorando?
(Gertrud se aleja un poco. Verena mira a su madre atentamente. Trutz la observa)
TRUTZ ¡Ven, ven aquí! Déjala que refunfuñe y gruña, déjala fregar y encender el fuego. ¡Deja de trabajar tanto!
(se acerca un poco a ella)
Pequeña, ¿no quieres venir con nosotros? ¿A tocar el violín, bailar, actuar, cantar y a agitar nuestro estandarte de la alegría?
KÜMMEL ¿Sabes cantar?
TRUTZ ¿Tocas el violín o la flauta?
FINK ¿Puedes hacer mímica, cantar o tocar la lira?
TRUTZ No te hagas la tonta. Una boquita así no es muda.
VERENA ¡Sólo sé cantar una canción!
TRUTZ ¿A ver?
VERENA No es alegre.
TRUTZ ¡No importa! ¡Adelante, canta! Veremos si puedes trabajar con nosotros.
(Verena se ubica en el centro de la escena)
VERENA Escuché el canto de un pájaro, nunca había oído nada tan hermoso. Era como si de su pecho estallara la gozosa canción. Resonó por el mundo el dolor y la alegría del amor. ¡Oh pajarito, dime! ¿Qué cantas hoy que colma completamente mi alma?
FEDERICO El trinar suena encantador. ¿Pudiste entenderlo?
FINK Pocas veces se puede entender lo que expresa un pajarito desde la rama.
VERENA Alégrate de no ser un pajarito, gritaba desde el follaje, que se arrepiente de su canto, porque tu corazón está sordo. Hay una razón por la cual mi canción no llega a tu corazón. Ven aquí y mira hacia arriba. ¡Aquí estoy, prisionero!"
FEDERICO, FINK, TRUTZ, KÜMMEL Me temo que tu canción nos causará problemas. No es nada alegre. Tus ojos están muy tristes. ¿Qué pasó con el animal?
VERENA ¡Ay, me invadió la pena! Vi que había sido cegado. No había regocijo, sólo el sonido de la nostalgia brotaba de su pecho. Con el fin de atraer a sus hermanos, como presa fácil de los malvados cazadores, debe permanecer prisionero, allí, despojado de su visión.
TRUTZ ¡Oh, pequeña! ¡Qué cosa más triste! Si tu canción cuenta la verdad, entonces, el canto suena más hermoso en aquel cuyo pecho es desgarrado por la nostalgia.
(Verena se queda mirando con nostalgia al frente)
FEDERICO ¿Por qué tanta tristeza?
FINK Si cantas eso, el público se alejará de nosotros.
(Verena, para ocultar su estado de ánimo, presa de un repentino entusiasmo, se apresura a entrar en la casa)
KÜMMEL ¡Ay, ay!
FEDERICO ¡Bribón! ¿Quién sería merecedor de ella? ¡Verena!
TRUTZ Eso mismo que pienso yo. No conozco a nadie lo suficientemente bueno como para ella.
(Federico mira con enojo a Trutz)
¡Y menos tú!
FEDERICO (violento) ¿Quieres burlarte de mí?
TRUTZ (reflexivo) ¡Tranquilo, muchacho!
(Se acerca a Federico)
Dime: ¿cuántas hubo antes que ella?
(Federico hace un violento gesto defensivo)
En cada pueblo una chica, y a cada una le juraste apasionadamente: Querida, eres mi único amor, tú.
FEDERICO (poniéndose de pie) ¡Trutz!
TRUTZ ¡Fritz! ¿Puedes hablar en serio?
FEDERICO (con entusiasmo) ¡Estoy hablando en serio! Tan seguro como que estoy frente a ti. Y para que me creas, hoy mismo le pediré matrimonio.
(Trutz le hace señas a Gertrud para que se acerque)
TRUTZ ¡Señora Gertrud! ¡Señora del mal humor! Friedel quiere decirle algo. ¡escuche!
(Gertrud sale por la puerta principal)
FEDERICO (tímidamente) Sra. Gertrud. ¿cómo decirlo? Su hija, Verena, quiero que sea mía.
GERTRUD ¿Tuya? ¿Verena? ¿Te volviste loco?
Escena Séptima
(Kümmel y Fink se ríen. En este momento se oyen trompetas y el restallar de látigos desde el valle.
KÜMMEL, FINK, TRUTZ ¡Escuchad! ¿Qué? ¿Serán ellos?
FINK ¡Dios lo sabe! ¡Es el Conde! ¡Aquí viene! ¡Adelante! ¡Ahí abajo! ¡Mirad! ¡Mirad los carruajes! ¡El Conde y la Condesa!
TRUTZ. ¡Con todo su séquito!
FINK. ¡Gusanos y parásitos!
ALDEANOS ¡Mirad! ¡Los cocheros vestidos de rojo! ¡Ya están bajando! ¡Vienen hacia aquí! ¡Niños, recoged algunas flores!
FINK, TRUTZ, KÜMMEL ¡Vienen a ver nuestra representación!
ALDEANOS ¡Ceded el paso! ¡Despejad el lugar! ¡Esperad, bribones! ¡Paso!
(El Conde, la Condesa, damas y caballeros aparecen por el fondo después de que los sirvientes, con canastas de comida, se apresuraran a anunciar la llegada de sus amos. Los campesinos, admirados, vitorean alegres a los recién llegados, que aceptan el homenaje con condescendiente amabilidad)
CONDESA (mirando a su alrededor) ¡Lindo lugar!
(a Jeannette)
¡Pongámonos cómodos, allí, en el césped! Descansaremos un poco ¡Este aire es maravilloso!
UN CORTESANO Sí, el aroma de los fertilizantes, el perfume de los agricultores...
CONDESA (riendo) ¡Pfui!
JEANETTE (Siguiendo a la condesa y señalando discretamente a Federico) ¡Condesa! ¡Mirad! ¡Ahí está! ¡Decidme! ¿Lo habéis pensado bien? ¿Debo llamarlo?
CONDESA ¡Todavía no!
(va de un lado a otro)
CONDE ¡Mirad, ahí! ¡Un teatro! ¡Y ahí! ¡Los actores!
CONDESA Igual que la última vez.
CONDE ¡Sí, son los mismos!
(mira interrogativamente a la Condesa)
¿Una coincidencia?
TRUTZ (da un paso adelante y se inclina) El carro de Tespis (escenario), recién construido, señora, se ilumina para vos.
(presenta a sus compañeros)
¡El señor Fink y el señor Kummel, que lamentablemente rima con desvergonzado! Allí, en cambio, languidece el joven Friedel, ¡siempre enamorado y tocando el violín!
(La Condesa se vuelve hacia Federico, que está de pie a la izquierda, mientras el Conde sigue hablando con Trutz)
CONDESA ¡Hace poco nos deleitó con su canción!
(Federico la mira, pero rápidamente baja vista)
¿Cuál era? Una canción muy antigua...
JEANETTE ¡Oh, sí, sonaba muy hermosa!
CONDESA ¿No la recuerda?
(Federico guarda silencio, avergonzado)
Creo que no...
(Se vuelve hacia el fondo. Jeanette le indica a Federico que la siga. Verena sale de la casa y le ofrece vino al Conde)
CONDE ¡Ahí está!
VERENA ¿Le gustaría algo de vino?
CONDE ¿Te acuerdas de mí?
(Verena lo mira y baja la mirada tímidamente)
¿Cómo te llamas?
VERENA Verena.
CONDE Bonito nombre, y bonita la que lo lleva. ¡Qué pena! ¿Por qué vives aquí? ¿Quieres marchitarte cuando todavía eres sólo un capullo?
(Jeanette que ha estado observando al Conde, se adelanta y le da una palmada en el hombro a Verena)
JEANETTE ¡La condesa tiene sed!
(al Conde)
¿Deseáis algo?
(reconoce a Verena)
¡Vaya! ¡Verena!
(Mientras transcurre la escena entre Verena y Jeanette, el séquito de los condes se acomoda en el césped. Los sirvientes traen comida. Se desarrolla una conversación animada. Los niños traen flores y quieren recitar sus poemas, pero en la mayoría de los casos se quedan trabados, lo que hace reír a los presentes)
VERENA ¡Es Nanni! ¡Mirad! ¡Quien lo hubiera pensado! ¡Cómo has progresado!
JEANETTE Por eso ya no me llamo Nanni, pequeña. ¡Jeanette es mucho más noble! Dime, ¿cómo es que te gusta vivir en el campo? ¿Criando vacas, gansos y pollos? Yo no podría soportar vivir ahí dentro. ¿Es cierto lo que dice la gente, que no te sientes cómoda aquí?
VERENA ¿Qué quieres decir?
JEANETTE Que hay fantasmas en tu casa por la noche.
VERENA ¿Por qué lo preguntas?
JEANETTE (riendo) ¡Dios mío! ¡Cómo te estás crispando! También en el nuevo castillo los fantasmas se arrastran durante la noche. Los llamamos amantes y se buscan " pour être deux
VERENA ¿Qué es eso?
JEANETTE (muy cerca de Verena) El vínculo entre el Conde y la Condesa es como el amor entre el gato y el perro; y dado que ambos tienen corazones tiernos, no detestan los juegos de amor. Hay aventuras e intrigas todos los días.
VERENA ¿Cómo es eso?
(Verena escucha con creciente asombro)
JEANNETTE ¡Escriben notas! ¡Acechan a escondidas! ¡Apagan las luces y escriben en las paredes!
VERENA ¡Nanni!
JEANETTE ¡Aprecio mucho los pequeños obsequios que me regala la vida! ¡Oh, qué pobre eres tú en comparación mía; yaces todas las noches sobre paja! ¡Sin joyas y sin gemas! ¡No, no me gustaría ser como tú!
VERENA ¿Sin gemas? ¿Quién te ha dicho eso? Yo también tengo algo de eso. Es divertido.
JEANETTE (burlona) ¿Tienes algo? ¿Una herradura de caballo?
VERENA ¡No te burles! ¡Te la mostrare!
JEANETTE Cuentas de vidrio y cristal de roca se pueden encontrar en todas partes.
(Verena mantiene la piedra oculta en la mano)
VERENA ¡Tengo algo hermoso! ¿La estás buscando, verdad? ¡La curiosidad le ha picado a la Srta Nanni!
JEANETTE ¿Curiosidad? ¡Niña idiota! Si es algo decente, ¡muéstralo rápido!
VERENA Sí. Esta mano lo esconde, es mucho más valioso que todas tus baratijas.
(tiene la piedra, de tal forma que Jeanette no puede verla)
¡Oh, cómo brilla, incluso en la oscuridad! ¡Destellos maravillosamente misteriosos! ¡Mira, Nanni, mira!
(Verena extiende sus manos cerradas a Jeanette, abre una un poco, solamente para cerrarla de nuevo riéndose)
JEANETTE ¡Mi nombre no es Nanni! ¡Y ahora deja de actuar como una niña!
(Verena vuelve a mirar la piedra. Jeanette se muestra cada vez más curiosa)
VERENA ¡Oh, cómo sus rayos surgen de la oscuridad sólo para mí!
(le tiende de nuevo la mano a Jeanette y repite la broma)
¡Mira, Nanni, mira!
JEANETTE ¡Eres muy infantil!
VERENA ¡Mira, Nanni, mira!
(Cuando Verena vuelve a repetir la broma, Jeanette pierde la paciencia)
JEANNETTE. (tomando la mano de Verena ve la piedra) ¡Ahora muéstramela! Dime, ¿cómo una zorra como tú logró conseguirla? ¡Un talismán! ¡Cuando mi señora lo vea!
(corre hacia la Condesa)
VERENA (angustiada) ¡Oh! ¿Qué hice?
JEANNETTE ¡Señora! ¡Rápido! ¡Rápido! ¡Mire esta piedra! ¡Se parece a la que usted perdió!
(Jeanette mantiene aferrada la piedra, Verena la cadena)
VERENA ¡Suéltala! ¡No debo mostrarla!
JEANNETTE ¡Claro que sí! ¡Ya la tengo aferrada!
CONDESA (a Verena) Querida niña, muéstrame la piedra.
(Verena la mira con temor y vacila)
¡Qué maravilla! ¿Quién te la dio? ¿Es un secreto? No indagaré más. Pero te pido algo: ¿me la darías por una suma generosa?
VERENA ¿Daros la piedra? ¿Yo?
CONDESA ¿Estás tan apegada a ella?
VERENA ¡Condesa! ¡Ay, señora!
JEANETTE ¡Acepta el dinero! ¿Qué pretendes hacer con ella?
CONDESA ¡Ven, dámela! No te arrepentirás.
(señalando una bolsa con monedas)
¡Mira! Esto es lo que obtendrás por tu piedra.
VERENA ¡No quiero oro! ¡No! ¡Buena señora!
(Jeanette ve a Gertrud que está a punto de salir de la casa)
JEANETTE ¡Señora Gertrud! ¡Háblele a Verena! La Condesa quiere comprarle la piedra.
GERTRUD ¿Qué piedra?
JEANETTE ¡Esta... mire! La lleva en una cadena.
GERTRUD No sé nada de eso. ¿Dónde la obtuviste?
JEANETTE ¡De ella!
GERTRUD (con furia) ¿Dónde la obtuviste?
VERENA ¿Yo? ¡No sé!
GERTRUD ¿Dónde la obtuviste?
VERENA ¡Oh, madre!
GERTRUD ¡Muchacha! ¿Me lo vas a decir?
VERENA ¡No debo decirlo!
GERTRUD ¡Te la dio tu amante! ¡Él es quien la robó!
VERENA ¡Madre!
GERTRUD ¡Habla de una vez! ¿Quién te dio la piedra? ¿Y la cadena?
VERENA La cadena... ¡es de Federico!
GERTRUD ¿Y la piedra?
VERENA ¡Ay, déjame!
GERTRUD ¡La piedra, dime!
VERENA ¡El anciano Ekhart!
GERTRUD ¡Es justo lo que nos hacía falta! ¿Ese hechicero? ¡Dámela, ahora!
VERENA (cada vez más desafiante) ¡No, no quiero!
GERTRUD ¿Lo harás?
(La madre quiere arrebatarle la piedra)
VERENA ¡No! ¡Te digo que no te la daré! ¡Ten cuidado madre! ¡Ten cuidado! ¡No tienes derecho! ¡Cuidado, madre!
(La discusión entre las mujeres no ha sido notada por el resto de los presentes. Gradualmente, se va reuniendo más y más gente, algunos observando al séquito del Conde, otros esperando con impaciencia que comience la función. Trutz, que había estado hablando con el Conde, se reúne de muy buen humor con sus compañeros, incluido Federico, tras el telón. Se oye la campana dando la señal para comenzar)
GERTRUD ¿Me estás amenazando muchachita? ¿Dámela!
(Gertrud arranca la piedra y la cadena a Verena y se las entrega a la Condesa)
VERENA (muy enfadada, casi sin voz) ¡Madre! ¿Por qué has hecho eso?
(Los aldeanos traen sillas y bancos para ver la representación de la obra)
Escena Octava
ALDEANOS ¡Escuchad! ¡Ya va a comenzar! ¡Callad! ¡Prestad atención! ¡Silencio! ¡Mujeres! ¡Sentaos! ¡Silencio! ¿Qué van a representar? ¡Cabezón! ¡Apártate!
(se descorre el telón y se ve a Trutz y sus compañeros, de espaldas,Asombro general)
TRUTZ ¡No os sentéis, quedaros de pie! ¡Hoy no hay nada que ver!
ALDEANOS (malhumorados) ¿Qué? ¡Oh!
TRUTZ ¡La obra ha sido cancelada!
(la gente patalea furiosa)
ALDEANOS Pero, ¿a qué se debe eso?
TRUTZ ¡Escuchad! ¡Qué suerte tenemos! ¡Vuestro amigo Trutz ha ganado el premio mayor! ¡Su Señoría, el gran Conde, nos lleva con él a su castillo! Allí, como él ha anunciado, tendrá lugar la inauguración del nuevo castillo con las alegrías del canto de nuestra actuación. Allí actuaremos gloriosamente. ¡No os lo toméis a mal, no os ofendáis, buena gente! Los juglares están celebrando este día tan extraordinario. ¡No creo que vuelvan pronto!
(agitando su gorra)
Así que ¡me despido!
FINK, TRUTZ KÜMMEL ¡Adiós! ¡Que os vaya bien!
(Fink le da un codazo a Federico para que cante con él)
EL PÚBLICO ¡Adiós! ¡Adiós! ¡Adiós!
(La gente les grita Adiós y "hasta siempre". Algunos ayudan a los actores con su trabajo)
(Después de que Trutz y sus compañeros se han despedido de la audiencia, rápidamente desmontan el escenario y lo cargan en un carro. La Condesa, que había regresado con los suyos, se marcha, seguida por su séquito. El pueblo los acompaña. Gertrud ha entrado en la casa. Verena queda sola)
(Trutz y su gente han llenado el carro. Federico y Verena se miran mutuamente a punto de retirarse)
FEDERICO ¡Vendrás también!
(Verena mira fijamente a Federico sin poder responder)
TRUTZ (tira de Federico hacia él violentamente) ¡Déjala, está enfadada!
(La escena queda vacía. Verena permanece pensativa y ensimismada. Luego, mira hacia atrás. Ve a Ekhart sentado en la mesa de enfrente. Él ha llegado, sin que nadie lo note. Verena se precipita hacia él con una expresión de profundo dolor)
VERENA ¡Amigo fiel! ¡Más que fiel! ¡Ah! ¡Me han robado la felicidad!
(Se hunde llorando entre las rodillas de Ekhart. Se oye a los hombres que se alejan gritando)
ACTO SEGUNDO
Escena Primera
(Parque del castillo con plantas, jarrones y estatuas. Una balaustrada de piedra lo separa del valle. Una plataforma elevada con escalera de piedra se ha convertido en un escenario improvisado. Al fondo, un lago con cisnes. El castillo es apenas visible; es como un reflejo lejano a través de los árboles. Una pérgola, a la sombra de una gran haya. Jean, Jeanette e innumerables sirvientes están preparando la fiesta. Las sillas para los espectadores de la obra son colocadas en un semicírculo alrededor del escenario)
JEANETTE (dando órdenes) ¡Rápido! ¡Apuraos! Aquí todavía falta algo. ¡Por ahí! ¡Como siempre, ahí! ¡Siempre lo haces mal! Ahora empuja los sillones. estás trabajando como un asno.
JEAN ¡Linda! No eres muy amable que digamos.
JEANETTE ¡Deja eso o te mostraré los dientes!
JEAN ¡Sé amable conmigo por una vez! ¡Dame un beso!
(Trutz, Fink y Kümmel aparecen por el fondo. Trutz caracterizado como un sátiro; Kümmel como un fauno y Fink como Heliodoros. Jeanette y los sirvientes se ríen a carcajadas. A una señal, los sirvientes se retiran. Jean se va enfadado después de ver a Jeanette besar a Trutz)
JEANETTE ¡Vete!
(ella le da un empujón)
Ahí tienes.
(viendo a la gente que llega)
¡Deja eso! ¡Mira! ¡Detente! ¡Alto! Recibámoslo.
(Ella corre hacia Trutz y le da un beso afectuoso)
JEAN ¡Espera!
(enojado se marcha)
FINK, KÜMMEL ¡Guau! ¡A mí también!
JEANETTE ¡Atchis!
(Arruga la nariz)
¡Y ahora dime! ¿Cómo has dormido?
TRUTZ No muy bien. Escuché relinchos cerca mía.
FINK ¡A mi lado sonaba como un balido!
KÜMMEL ¡Y a mi lado sonaban como gruñidos!
FINK De los agujeros salían grandes... cucarachas
TRUTZ ¡Silencio!
KÜMMEL En la cama, los piojos bailaban a mi alrededor.
TRUTZ ¡Tranquilo!
FINK Y saltando a las alturas, muy rápidas... ¡las pulgas!
TRUTZ ¡Calma!
KÜMMEL Había ratones royendo y corriendo...
TRUTZ ¡Calma!
FINK, TRUTZ, KÜMMEL ¡Todo esto lo hemos soportado con la paciencia de un ángel! ¡Pero hoy seremos recompensados con oro!
JEANETTE Quizás algún favor si cantáis bien. Pero ¿oro? ¿Pagaros por cantar? ¿Cuándo se ha visto eso?
TRUTZ (afectado) ¿Qué? ¡Cómo!
JEANETTE El honor de cantar aquí, ¿no te parece suficiente?
TRUTZ "¡El honor de cantar aquí!" ¿No es eso suficiente para nosotros?
FINK (decepcionado, a Trutz) ¿De qué estás hablando?
TRUTZ ¡Las palabras no suenan muy bien! ¡Pero la chica habla con mucha sabiduría! Tú - tú - tú - ¿sabes lo que eres?
JEANETTE ¿Pues bien?
TRUTZ Spirifankerl
JEANETTE ¿Qué es eso?
TRUTZ ¿Has oído que las gallinas ponen huevos?
JEANETTE ¿De verdad ¡Qué extraño!
TRUTZ (misteriosamente) Imagina una gallina negra.
(se va acercando a ella más y más)
Tan oscura como la noche más negra. Esta gallina pone un huevo descuidadamente en el gallinero. ¡Cuando ella ha salido entra sigilosamente un ave que es negra como un cuervo! Toma el huevo y pone otro huevo en la canasta exactamente en el mismo lugar. El huevo robado, escucha lo que te digo, lo esconde en su axila. ¡Queda allí siete días, guardado como el mejor tesoro! ¡En el último día, oh, escucha bien, la cáscara se romperá! ¡Y un diablito nacerá! ¡Oh, qué pavoroso terror! - ¡Sale rápidamente del huevo! El diablito que así nace, es llamado por los granjeros: ¡Spirifankerl! ¡Spirifankerl, o la pequeña bestia burlona! ¡Spirifankerl!, el diablillo, ¡cómo se parece a ti!
(Trutz le da la mano a Fink y Kümmel y los tres bailan alrededor de Jeanette formando un círculo)
JEANETTE ¡Déjame en paz! ¿Qué? ¿Eso es lo que se supone que soy yo? ¡Cuidado! ¡Te voy a dar! ¿Mi madre una gallina? ¡Uf! ¡Ayúdame! ¡Friedel!
(Federico, entra disfrazado de Eros)
TRUTZ, KUMMEL, FINK (Los tres se inclinan respetuosamente ante Federico) ¡Friedel! ¡Friedel! ¿Has descasado? ¿Abajo, en sábanas seda?
JEANNETTE ¡Dejadlo en paz!
TRUTZ, KUMMEL, FINK (a punto de irse) ¡Spirifankerl!
JEANNETTE ¡Marcharos!
(Jeanette quiere susurrarle algo a Federico, pero la interrumpen de nuevo)
TRUTZ, KUMMEL, FINK ¡Spirifankerl!
JEANNETTE (violenta) ¡Marcharos!
(con premura, a Federico)
¡Así que! ¿Esta noche?
FEDERICO ¿De verdad?
JEANNETTE ¡Silencio!...
Escena Segunda
(El Conde está sumido en sus pensamientos y no se da cuenta de la presencia de los demás. Jeanette ve venir al Conde y sale corriendo. Federico camina hacia el parque)
CONDE ¡Muchas canciones al despertar del sol! ¡Charlas tontas y risas ruidosas! Perezosamente quiere levantarse el sol, anodino y grisáceo, en medio de las capas de niebla. El amanecer, al terminar la noche, crean una lúgubre fantasía, mezcla de engaño y ensueños. Cuando era niño, Ekhart me contó cómo él se acercaba a los niños para advertirles. ¡Él protege a los buenos y amenaza a los malos con lúgubres lamentos! ¿Qué es lo que quiere de mí? ¿Qué significa su advertencia? Sonaba exactamente como una premonición de muerte. "Una vez más, sólo una vez más", suena aburrido. "¡Escúchame!" ¿Escuchas? ¿Una vez más? ¿Por qué? ¡Aquí estoy yo, un escéptico que ridiculiza la fe, y sigo preguntándome: ¿cómo puedo apaciguar a los fantasmas? ¡Fantasmas! ¡Creencia de tontos! ¡Hermafrodita, pálido y frío! ¡Y me toca a mí! ¿No soy feliz? ¿No me sonríe todo? ¿Quién no se inclina ante mí? ¡Ah! Allí se acercan de nuevo a mí los arrogantes y nobles, para adorar al becerro, resplandeciente como el oro. ¿Y si alguna vez se convirtiera en hojalata? Cómo se burlarían de mí y de sí mismos, apartándose con desdén. ¡Ay, qué asco! ¡Repugnancia de ellos y de mí! ¿De mí? ¿Es acaso mi culpa? ¿Es mi culpa que esté vivo? ¡Oye! ¡Ve a molestar a otro lugar, maldito cascarrabias! ¡Ve a cavar tumbas! Si quieres discutir, ve a donde esté mohoso y hediondo. Vete allí. Alguien yace allí. Si allí. ¡Él es! ¡Yo no!
(La Condesa, disfrazada de ninfa, ha estado observando al Conde desde lejos. Acomoda unas sillas)
CONDE (volteándose de repente, en voz baja) ¿Quién me está escuchando?
(Ve a la Condesa. Su rostro se vuelve amablemente irónico)
¡Dejaste una carta por ahí!
CONDESA (indiferente) ¿Una carta?
CONDE Sí, una carta bastante graciosa.
CONDESA (sorprendida) ¿De quién?
CONDE (riendo) ¿De quién? Uno debe tener cuidado con tales cartas.
CONDESA ¿Es una acusación?
Escena Tercera
(Jeanette anuncia a los invitados. Los actores y la Condesa se precipitan hacia el pequeño escenario, donde se ocultan. El Conde recibe a los invitados)
JEANETTE ¡Los invitados!
CONDE (después de haber indicado a los invitados sus asientos) La Condesa suplica vuestra comprensión en el supuesto que perdiera el control. Es su debut como diva esta noche. ¿Cómo pudo haber sucedido tan rápido?
(Trutz toca una campana y da un paso adelante. Todos se ríen de su aspecto)
TRUTZ (hace una reverencia y anuncia) ¡Eukaleia, la ninfa secuestrada, o el poder de la canción!
Comedia:
(La ninfa Eukaleia es arrastrada por Sátiro y Fauno)
EUKALEIA (La Condesa) ¡Ay! ¡Ay! ¡Ay de mí! ¡Fui capturada! ¡Sí, raptada! ¡Ayuda! ¡Oh, ayuda! ¡Oréades! ¡Estoy perdida! ¡Es el precio de mi virtud! ¡Oh, Hera! ¡Zeus! ¡Perdida! ¡Estoy perdida para siempre! ¡Estoy perdida para siempre! ¡Estoy perdida para siempre!
SÁTIRO (TRUTZ), FAUNO (KUMMEL) ¡Ja, ja! ¡Esta vez dio resultado! ¡Tu llanto es en vano! ¡Estás atrapada! ¡Preciosa! ¡Eres mía ahora! ¡Deja de lloriquear y cálmate!
(ella se tapa la cara con las manos)
SÁTIRO (TRUTZ) ¡Mira! ¡Tú, la más hermosa! ¡Silencio! Contén tus lágrimas. ¡Aunque somos feos, somos buenos! ¿Tienes miedo del sátiro Gluth?
(se vuelve pensativo hacia Fauno)
¿Para rendir homenaje a su gracia, por dónde debemos empezar?
FAUNO Tocando música dulce y amorosa, sin duda llegarás a su corazón.
(ellos toman una chirimía)
EUKALEIA (tapándose los oídos) ¡Ay! ¡Qué ruido tan espantoso!
SÁTIRO (afectados) ¿No te gusta?
EROS (FEDERICO) (fuera de escena) ¡Eukaleia! ¡Eukaleia!
EUKALEIA ¿Qué? ¿Estoy escuchando bien?
SÁTIRO, FAUNO ¿Qué? ¿Es él? ¡Escucha!
EROS (FEDERICO) ¡Eukaleia! ¡Doncella de los manantiales!
EUKALEIA ¡Mi Eros se acerca! ¡Auxilio! ¡Mi Eros se acerca! ¡Mi querido amigo! Él ayudará, a su doncella de los manantiales. Él la salvará de la pesada pena, de las vergonzosas cadenas.
FAUNO, SÁTIRO ¡Atención! Él se acerca. ¡Gracias a Dios, no es demasiado tarde! Tengo miedo de que nos mate. ¡Si gritas, no te servirá de nada! Si, de hecho, viene mi señor Eros.
EROS (apareciendo) ¡Ah, necios despreciables! ¡Retroceded! ¡Ella no es vuestra! ¡Voy a golpearos! ¡Monstruos hirsutos y horrorosos!
(empiezan a pelear)
EUKALEIA ¡Deteneos! ¡Oh, qué vergüenza! ¿No estáis añadiendo asesinatos a la adversidad? ¡Buen Sátiro, querido Fauno! ¡Liberadme! ¡Liberadme!
SÁTIRO (consultando en secreto a Fauno) ¿Qué te parece, Macho Cabrío? ¿Qué piensas, Abrigo de Piel?
(Volviéndose a Eros)
¿Sabes qué? He pensado en esto. Si nos conmueves con tu canto, haciendo brotar nuestras ardientes lágrimas, no te la robaremos.
EUKALEIA ¡Oh, canta lo mejor que sepas!
EROS (tomando su lira) ti, Orfeo, me dirijo a ti implorante con las manos levantadas, para que me concedas, por un momento, la magia y la belleza de tu voz. Tú lograste ablandar las piedras y sanaste las heridas. Incluso doblegaste al sabueso del infierno. Pero tal poder no es necesario aquí. Ningún Cerbero, ninguna piedra se me opone; porque ambos tienen corazón y experimentan mí mismo sufrimiento. Desgreñados y torvos quieren ocultar lo que sienten, no quieren que nos demos cuenta de que ellos también se conmueven por el dolor que me provoca que hayan raptado mi amor.
CONDE (interrumpiendo, en voz alta) ¡Está enamorado! ¡Muy hermoso! ¿Qué dirán los bribones?
FAUNO Su canto es bastante halagador. Compadre ¿te ha conmovido?
SÁTIRO Todavía no. ¿y a ti?
FAUNO Casi.
SÁTIRO (brutal, gritando) ¡Continúa! Todavía no me has conmovido.
EUKALEIA ¡Oh, musas, ayudadlo! ¡Apolo, auxilio!
(Eros procura continuar)
HELIODOROS (detrás de la escena) ¡Heiaha! ¡Trálala!
(Se asoma por encima de los decorados y canta desde allí)
¡Riendo alegremente, Tralaleia! ¡Corro en tu ayuda, dulce Eukaleia! ¡Eukaleia! ¡Diviértete! ¿De qué sirve llorar, mientras Helios todavía brilla? ¡Diversión! ¡Diversión! ¡Siempre descontrolada! ¡Arroja tu dolor a la Estigia!
CONDE. ¡Ajá! ¡Un rival! ¡Como en la vida real!
EROS ¿Un rival? Esta voz... ¿Cómo? Yo la conozco. ¿No es la de Heliodoro?
SÁTIRO, FAUNO ¡Escucha! ¡Eso suena alegre! ¡Él puede hacerlo mejor! ¡Tengo ganas de bailar!
EUKALEIA ¡Mi Heliodoro! ¡Mi Heliodoro! ¡Mi único, amor!
EROS (a Eukaleia) ¡Dime! ¿Conoces a ese descarado? ¡Qué horror! ¿Me han traicionado? ¡Qué vergüenza! ¡Me han traicionado!
SÁTIRO, FAUNO ¡Vamos a bailar! ¡Heiaheia! ¡Heia!
HELIODOROS (con un instrumento de cuerdas tipo mandolina) ¡Heiaha! ¡Tralala!
(Sátiro y Fauno bailan chasqueando los dedos) (Ritmo de castañuelas)
¡Mirad, la pata de la cabra ya se estremece! ¡Eh! ¡Cómo le pica! ¡Eh! ¡Cómo se menea! ¡Quiero saltar como una cabra! ¡Fauno lujurioso, hijo del bosque, ven a bailar, no te quejes!
(Mientras Sátiro y Fauno bailan cada vez más enloquecidos, Heliodoros quiere secuestrarlos; mas no lo consigue)
EROS (FEDERICO) ¡Eukaleia! ¿Así que es verdad? ¡Ah! ¡Qué desgracia! ¿Esa es tu fidelidad? ¡Entonces, mentías! ¿Debo ceder? Yo lo haré. No voy a ceder tan pronto. ¡Orfeo, ayúdame! ¡Dame canciones! ¡Impulsa la tormenta sobre las montañas! ¡Ahuyenta las nubes y haz que se marchen!
(Federico [Eros] se detiene de repente y mira hacia los arbustos)
¿Qué es lo que veo?
SÁTIRO (TRUTZ) (en voz baja, a Federico) ¿Qué es lo que veo?
HELIODOROS (FINK) (en voz baja) ¿Se ha quedado paralizado?
SÁTIRO, FAUNO (incitando) ¡Echad de aquí a esos monstruos!
HELIODOROS ¿Qué ocurre?
EROS (FEDERICO) (siempre mirando hacia los arbustos) ¡Un espectro!
HELIODOROS ¿Qué le sucede?
SÁTIRO ¿Qué tormento?
EROS ¡Ella es mi tormento!
LOS INVITADOS ¡Escuchad! ¿Qué le sucede?
SÁTIRO Está destruido.
EROS ¡Vete! ¡Fantasma!
LOS INVITADOS ¡Ha perdido la cabeza! Está paralizado, tartamudea y tropieza.
SÁTIRO ¡Disparates!
HELIODOROS (queriendo seguir con la obra) ¡Tralalaleia!
EROS ¡Espíritu malvado, vete!
SÁTIRO ¿Estás loco? ¡Contrólate!
EROS (recomponiéndose) ¡Cómo se aplacan mis nervios!
SÁTIRO ¡Gracias a Dios!
CONDE (con impaciencia) ¡Basta de farfullar! ¡Bailad!
(ordena que saquen las sillas)
SÁTIRO (enojado, a Federico) ¡Idiota, nos estropeas todo!
CONDE ¡Basta! ¡Basta ya! ¡Bailad!
SÁTIRO ¡Señor! ¿Qué deseas?
CONDE ¡Un vals alegre!
HELIODOROS (a Kümmel) ¡Él lo merece!
SÁTIRO ¡La comedia ha terminado!
(Los sirvientes quitan apresuradamente las sillas. La Condesa baja del escenario. Las parejas se forman para bailar. Trutz y sus compañeros se ubican ofuscados en la esquina delantera de la escena. Se desarma el decorado. Durante el baile sucede lo siguiente: Verena ha estado escuchando escondida tras de un arbusto. Temerosa de avanzar algo más por haber entrado sigilosamente en el parque sin ser invitada, espera allí hasta que el comienzo del baile le dé valor para acercarse a Federico. Verena se dirige a Jean, a quien le pide que le hable a Federico)
VERENA Dile esto: "La muchacha, cuya piedra fue robada".
(Jean la mira con desconfianza, pero al final se acerca a Federico. Verena se queda en el mismo lugar. Jean le susurra al oído a Federico, que está sentado a la derecha)
FEDERICO ¿Es realmente ella? ¿Qué significa eso: ¿La muchacha, cuya piedra fue robada?
(Jean se encoge de hombros)
TRUTZ (Trutz mira a Verena que ahora está un poco más atrás de Federico) ¿Estoy viendo bien? ¡De ahí su tartamudeo! ¡Friedel, mira! ¡Ahí está tu chica! ¡Ve con ella! Quiere decirte algo. ¡Mira cómo saluda, cómo se la ve radiante de felicidad! ¿Cómo? ¿No te alegras? ¡Ve por ella! ¡Ella no se atreve a venir aquí!
FEDERICO (precipitadamente) Habla con ella. No puedo ir a verla ahora. ¿Qué hace ella aquí?
TRUTZ ¡Ah! ¿La chica es problemática?
FEDERICO (avergonzado) ¿Sola? ¿Qué quiere? Quizás mañana nos veamos. ¡Ahora ella tiene que irse!
(Federico se aleja enojado)
TRUTZ (despectivo) ¿Puedo decirle eso?
(Jeanette ve a Verena y se le acerca decididamente)
JEANNETTE ¡Ay, qué adorno de jardín! ¿Estás buscando a alguien? ¿Fuiste invitada?
VERENA ¡Bueno, Nanni, sé amable! Me gustaría hablar con Federico pero no me atrevo a acercarme a él. ¡Llámalo, dile que se acerque a mí! Tengo algo importante que decirle.
JEANETTE (burlona) Señorita Renchen, ¿Yo? ¿Qué estás pensando? ¿Qué significa Federico para ti?
VERENA ¿Mi Federico?
JEANETTE (imitándola) "Mi Federico", ¡qué dulce! ¿También tú corres tras él?
VERENA Nanni! ¡Federico, es mío!
TRUTZ (interviniendo) Muchachas, ¿qué está pasando?
JEANETTE ¡Imagínate, qué descarada! Esta ramera se ha colado.
(Verena, aprovechando el momento, corre hacia Federico y le da un golpecito en el hombro)
VERENA ¡Friedel! ¡Ya no conoces a tu Renchen!
FEDERICO (se aparta de ella) Pero niña, ¿no te dijeron que no puedo hablar contigo aquí?
VERENA ¡Mi Friedel, no podía soportarlo más! ¡Mira! Tenía que decírtelo hoy. ¡Quiero ser tuya, y lo seré! ¡Me fugué de casa de mi madre!
FEDERICO ¡Eso ha estado mal por tu parte! ¡Y has entrado aquí sin permiso! ¡Mírate! ¡Ese vestido y esos zapatos rotos!
VERENA (lo mira a los ojos con dolor) ¡Federico!
JEANETTE (para sí misma) ¡Ella era justo lo que necesitábamos!
FEDERICO ¡Vete! No perteneces aquí.
JEANETTE ¡Vete de aquí! ¡Apresúrate!
CONDE (se acerca a Jeanette) ¡Siempre charlando!
(ve a Verena)
¡Vaya! ¡Aquí está de nuevo esta cosa bonita!
JEANETTE (a la Condesa) ¡Señora! ¡Señora! Interrumpa el baile, que continúe después. Primero ahuyentaré a esta zorra. ¡Verena, es su rival!
CONDESA (a la concurrencia) ¡Y ahora al castillo!
CONDE ¡Polonesa! ¡Formen parejas!
(Los caballeros dan la mano a las damas y las conducen poco a poco, tras unos movimientos de la polonesa, al castillo. Verena aprovecha el momento en que todo se alejan para acercarse de nuevo a Federico)
VERENA ¿Ahora Federico? ¡Nadie nos está mirando! ¡Quédate y déjame hablar contigo!
JEANETTE (interviniendo) ¡Déjalo en paz! ¡Vete! ¡Semejante gentuza en el parque!
VERENA (apenas se contiene) ¿Gentuza?
JEANETTE ¡Sí! ¡Gentuza! ¡Una zorra que ni siquiera sabe quién es su padre!
(Verena ya no puede controlarse. Se lanza sobre Jeanette, que cae al suelo)
VERENA ¡Nanni, vas a pagar por esto!
(Los asistentes a cierta distancia, se dan vuelta sorprendidos. Trutz y Federico separan a las chicas)
CONDESA Le ruego me disculpen. Una pequeña riña.
(ella se marcha con los invitados)
CONDE Es bastante habitual entre los actores.
(a Jeanette)
¡Cálmate, por favor! Deja en paz a la pobre muchacha. ¡Vete al castillo, rápido!
(Jeannette se marcha furiosa. El escenario queda casi vacío, solo Trutz, al fondo, observa al Conde. El Conde se acerca a Verena)
CONDE Tranquila, pequeña. Dulce y pequeña violeta. Sólo espera aquí un poco. Calma, calma. No sufras. ¡Yo te consolaré!
(ve a Trutz cuando se da vuelta)
¡Bien, señor teutón! ¡Vete, aléjate!
(Señala a Trutz el castillo y lo sigue, volviéndose una vez más hacia Verena)
Escena Cuarta
(Verena sola. Cae la noche)
VERENA ¿Estoy soñando otra vez? ¿Es todo un engaño? ¿Estoy despierta? ¿De verdad lo estoy? ¿Cómo llegué aquí? ¡Al castillo del Conde! ¡Sí! ¡Sí, aquí estoy! ¿Cómo he llegado hasta aquí? ¿Dónde lo dejé? ¿Dónde quedó Ekhart, el fiel? ¿Todavía está esperando en la puerta? Él me lo advirtió seriamente y, sin embargo, tenía que venir aquí. Una pobre mariposa que revolotea hacia la luz hasta convertirse en cenizas.
(mira a su alrededor)
¡Ah, todo es tan hermoso aquí! Estas flores, ¿cómo están aquí? Son personas que han sido transformadas. Sí, los que viven aquí son gente muy feliz. ¡Son ricos y no tienen motivos para ser malvados!
(escucha)
¡Si viniera mi Friedel! Fue frío conmigo antes, pero tenía razón. ¿Por qué vine aquí, en medio de la fiesta? Eso lo hizo enojar. Mis zapatos están rotos. Y, sin embargo, ¿no podía haberme hablado de otra manera? Su mirada, evitó la mía. ¡Eso me golpeó en medio del corazón! ¿Qué fue lo que pasó con él? Renchen, te estás poniendo ansiosa. Un escalofrío me invade. ¡Escapa, mariposa! ¡Vuela! ¿Por qué estás revoloteando hacia la llama? ¡Aléjate! Y, ¡ah! ¡No puedo!
(escucha algo)
¿No puedo oírlo? ¡Si! ¡Si! ¡Oh! ¡Mi corazón palpita! Querido, ¿vienes? Seguro que me ha perdonado. ¡Friedel! ¡Amigo!
Escena Quinta
(Verena comienza a correr hacia Federico y encuentra al Conde frente a ella)
CONDE Bueno, mi pequeña violeta, ¿sigues sola? ¿Estás buscando a alguien?
(Verena lo mira en silencio)
Las niñas buenas responden cuando se les pregunta. Si voy a aliviar tus penas, primero debo saber de qué se trata.
VERENA ¡Ay! ¡Señor!
CONDE Esas dos palabritas ya son mi primera recompensa. No es mucho. Dime querida violeta. ¡Sé dulce! ¿Cuál es tu nombre?
VERENA Verena.
CONDE ¡Verena! Eso suena muy dulce. Si eres tan suave como tu nombre, ¡eres algo encantador! Ven, siéntate aquí. ¿Tienes un novio? Cuéntame, ven aquí, ¡gatita!
VERENA ¡Ay! ¡Señor!
CONDE ¡Dos palabras más!
VERENA ¡Es Federico!
CONDE ¿Quién es Federico?
VERENA ¡El que se quedó atascado!
CONDE (riendo) ¿Quién puede ir detrás de los chicos que se atascan? ¡No, niña, no confíes en él!
VERENA ¡Pero él me ama y yo lo amo!
CONDE Entonces, ¿quién te molesta?
VERENA Mi madre.
CONDE ¿Ella no lo aprueba?
VERENA ¡Me escapé de mi casa!
CONDE ¿Y ahora?
VERENA No sé qué le pasa a Federico.
CONDE ¿Al poeta atascado?
VERENA ¡Apenas me saludó y lo hizo con frialdad!
CONDE Está pensando en otras mujeres.
VERENA ¡No, señor, no es así!
CONDE No creas en lo que te promete. Lo has perdido. Hace mucho tiempo que encontró otra mujer.
VERENA ¡Dios! ¿Qué estoy oyendo? ¡No! Él juro en voz alta que mi Federico nunca me olvidaría.
CONDE ¡Eres tan inocente! ¿Debería decirte a quién ama él?
VERENA ¿A quién ama?
CONDE ¡Mi pobrecita violeta! Bajas tu cabecita. El rocío brota de tus ojos y moja la tierra. Si una flor, a causa de la brisa, se dobla y se hunde en la hierba, ¿qué le sucederá cuando se acerque el rugido salvaje de la tormenta? Anímate, niña. Para consolarte he dejado a los invitados y he abandonado la divertida fiesta para poder convertir tu pena en alegría. Linda, pequeña, encantadora, delicada, queridísima pequeña, Verena.
(Juega con sus dedos)
¡Este pícaro bandido! ¡Bonito dedo!
(tomando el dedo anular)
¡Qué bien le queda este anillo! ¡También es muy bonito!
(abraza a Verena)
VERENA (trata de ponerse de pie) ¡Señor!
CONDE (trata de calmarla) ¿No puedes aceptar una broma? ¡Tonta! Tu ropa es tan modesta. ¿No te gustaría vestirte bien y pavonearte con ropas de seda y la cabeza coronada con un gorro principesco? ¿Usar cintas y bisutería en tu pelo caprichoso? ¡Tan delicadamente podrías pasearte, mi violeta, tan inteligente y altivamente pavonearte, si fueras realmente amable conmigo!
(La abraza con más fuerza)
VERENA ¡Dejad de hacer eso!
CONDE ¡Muchacha tonta!
(El Conde la besa a)
VERENA ¡Señor! ¿Qué estáis haciendo?
CONDE (fríamente) ¡Es mi derecho!
(Verena lo mira temerosa)
Ven, pequeña, tengo buenas intenciones. Y para que me creas,
(disimuladamente saca dinero de su bolsillo)
Toma, me das pena. Pobrecita.
(pone el dinero en el bolsillo de Verena)
Para que no pases hambre, vagando por las calles. Quiero ayudarte.
VERENA Conde, ¿me estáis comprando?
CONDE Todo el mundo le da algo a un mendigo.
VERENA ¡Pero prefiero no hacerlo! Retirad ese dinero, la plata me horroriza.
CONDE ¡Qué deliciosa ingenuidad!
(Él la fuerza para que ella se siente sobre sus rodillas, como si jugara con un niño)
¡Salta, salta, jinete!
VERENA (riendo nerviosamente) ¡Sois realmente infantil!
CONDE ¡Tan infantil como tú!
(la atrae hacia él apasionadamente y la besa)
VERENA (trata de ponerse de pie; pero él la aferra con fuerza) ¡Por el amor de Dios! ¡Os estáis olvidando de quién sois vos! ¡Señor! ¿Creéis que soy una simple zorra? ¡No me conocéis! ¡Dejadme! ¿Qué pretendéis? r CONDE ¿Así es como te comportas? Yo también puedo actuar así. ¿No leíste en la puerta la advertencia prohibiendo la entrada? ¿Te estás poniendo nerviosa, por haber entrado sin autorización? ¿Sabes cuál es el castigo por colarse aquí sin permiso?
VERENA ¡Ay! ¡Oh, Dios! ¿Qué tengo que hacer? ¡Perdonadme! ¡No lo leí! Sí, lo leí, ¡pero lo no le hice caso! ¡No pude controlar mis deseos, ni a mi corazón! ¡Ah, buen señor! Sed misericordioso. Perdonadme.
CONDE Soy un buen Señor, no debes temer. El Conde es gentil y misericordioso.
(El Conde se levanta y comienza a arrastrar a Verena con él)
Te castigará suave y dulcemente. Pero cuidado, no debes resistirte. Tu resistencia sólo aumentará el castigo.
VERENA ¿Adónde me lleváis?
CONDE ¡A aplicarte un castigo, mi violeta!
VERENA ¡Dejadme ir!
CONDE ¡Un pequeño y dulce castigo!
VERENA ¡Gran Dios!
(Se arrodilla ante el Conde. (Se oye música de baile en el castillo, bastante distante, pero clara)
¡Sé que soy culpable! Pero ¿acaso no tengo el derecho de suplicar clemencia?
CONDE ¡Una vez que hayas disfrutado del amor, no te arrepentirás!
VERENA ¡Tened piedad, dejadme marchar! ¡Si tenéis que castigarme, preferiría que me mataseis! ¿Qué me ha otorgado la vida? Solamente mi pureza, no me la robéis. ¡Cruel! Si no honráis la castidad, por lo menos honrad vuestro nombre. ¿Queréis manchar de vergüenza lo que el honor reclama?
CONDE ¡Ven ahora! ¿Eres una violeta con espinas? ¡La pequeña Verena, que adorable!
VERENA ¿Así respetáis vuestra condición? Si sois noble, honrad vuestra nobleza.
CONDE Qué bien te pone la ira- ¡Aún me excita más! ¿No quieres? ¡Ya lo veremos! ¡Ven ahora!
VERENA ¡Sinvergüenza! ¡Dejadme! ¡Auxilio! ¡Auxilio!
(Se desprende de él y corre hacia el parque. El Conde la persigue)
Escena Sexta
(Trutz aparece, como buscando algo que dejó olvidado. Está vestido con su ropa habitual, como lo harán poco después los demás)
TRUTZ Me ha parecido oír voces... ¡El Conde ha abandonado el banquete! ¡Ah, la vieja sospecha! ¡Escucho! Las ardillas se mueven en las ramas que crujen. Es una noche sofocante y el aroma de estas flores adormece el cerebro.
(sacudiendo la cabeza)
¡Trutz, tú eres un extraño aquí!
(escucha con atención)
¿Escucho algo? ¿Dónde estará escondida Verena? ¿El señor Federico? ¡Ja, ja! ¡Puaj! ¡Qué vergüenza! Nunca pude soportarlo, pero ahora siento cómo lo odio.
(va a marcharse por la balaustrada, pero de repente se vuelve curioso y, sin exagerar; escucha a la izquierda)
¿Otro crujido de ramas? ¡Una persecución, una respiración agitada! ¡Hay algo vivo en la oscuridad! Se acerca, ¡Qué veo! ¡Verena!
(Verena, magullada y con las manos ensangrentadas, sale corriendo sin aliento del parque llevando una daga en la mano)
¡Verena! ¿Adónde vas?
VERENA ¡Estoy perdida!
TRUTZ (aferrándola) ¿Qué es esto?
VERENA (con rudeza trata de desprenderse) ¡Sangre! ¡Déjame!
TRUTZ (señalando la daga) ¿Qué hiciste con eso?
VERENA ¡El Conde! ¡El Conde!
TRUTZ ¿Es esta su daga?
VERENA ¡Ay, piedad!
TRUTZ ¡Habla, desdichada!
VERENA ¡Qué vergüenza!
TRUTZ ¿Quiso abusar de ti?
VERENA ¡Asustada, le quité la daga y lo apuñalé!
TRUTZ ¡Verena!
VERENA Está tirado ahí, en la oscuridad.
TRUTZ ¡Huye, niña! ¡Huye de aquí!
VERENA ¿Huir? ¿Yo? ¿Es que soy culpable?
TRUTZ (conmovido, sonriendo) ¡Verena! ¿Me miras asombrada? Sí, así es el mundo. Así es como lo ven todos. Regresa a tu casa. Vuelve a la casa, a tus prados. Bienvenida serás de nuevo en tu hogar. Quédate allí y sueña, y olvida al despertar.
VERENA ¡Ay! ¡Buen Trutz!
TRUTZ ¿Qué es lo que tintinea en tu bolsillo?
VERENA ¿Tintineo?
TRUTZ ¡Sí, y vuelve a sonar!
VERENA (se mete la mano en el bolsillo) ¡Oro!
TRUTZ ¿Oro? ¿Tienes oro?
VERENA ¡Del Conde!
TRUTZ ¿Y tú lo tomaste?
VERENA ¡Yo no quería!
TRUTZ ¿Te lo metió en la ropa? ¡Pícaro sinvergüenza!
(de mal modo, en voz baja)
¡Se lo voy a devolver!
(toma el dinero)
VERENA (débilmente, señalando la entrada) Guíame hasta a la puerta. Tal vez el fiel Ekhart me esté esperando...
(Trutz se inclina sosteniendo a la débil muchacha y la conduce por el parque)
Escena Séptima
(Jeanette y Federico aparecen por el fondo. La Condesa viene detrás Es casi de noche, la luz se irradia desde el castillo. A lo lejos, las nubes se acumulan en forma de tormentas, relámpagos ocasionales y truenos lejanos)
JEANETTE (ve a Verena y Trutz irse, al principio sin reconocerlos) ¡Ajá! ¡Una pareja escondida entre el follaje! Cuento de hadas de un sueño de amor.
(riendo)
Un parque romántico.
(observa desde más cerca)
¿Quién es? ¿Qué es lo que veo? ¡Trutz y Verena! ¡Mira! ¡Mira! ¡Quien lo hubiera pensado! ¡Las muchachas son todas iguales! ¡Qué rápido ha encontrado consuelo!
(Dirigiéndose a Federico)
¡Escóndete en la glorieta!
(mira a su alrededor y luego a Federico)
¡Shh, ahí viene!
(en voz baja, a la Condesa)
El brillo de la piedra está funcionando. ¡Creo que todavía no se ha olvidado por completo de Verena!
(se marcha)
CONDESA (para sí) ¡Es una emoción peculiar amar cuando se destruye!
(Se vuelve lentamente hacia la glorieta, donde está escondido Federico)
¿Quién está ahí?
FEDERICO (en voz baja) ¡Soy yo, Federico!
CONDESA (con furor) ¿Qué Federico?
FEDERICO (intimidado) Lo siento, pero...
CONDESA ¿Quién te dijo que vinieras?
FEDERICO Vuestra dama de honor.
CONDESA ¿Qué te dijo ella?
(Ella se sienta)
FEDERICO Que debería esperaros a vos.
CONDESA (irónicamente) Es audaz y descarado quien se hace llamar Federico.
FEDERICO Me equivoqué con la broma de Jeanette. ¡Perdonadme!
CONDESA Cantaste mal tu canción. ¿Por qué te detenías tan a menudo?
FEDERICO ¡Tortura tras tortura!
CONDESA ¿Todavía estás tartamudeando? Solías cantar canciones bonitas.
FEDERICO Tan confundido como estaba antes, lo estoy ahora.
(intenta irse)
¡Disculpadme!
CONDESA ¡Alto! ¡Detente! Estás atrapado en mi trampa. Por eso te pido que te sientes obedientemente.
(Federico se sienta vacilante)
"Debería escapar", piensa él, de los poderes de esta bruja, la hechicera Circe.
FEDERICO Sed dulce y amable, ¡liberadme de mi tormento!
CONDESA (lo abraza con ferocidad, riendo) ¡Basta de torturas! ¡Tonto!
FEDERICO ¡Al cielo desde el infierno sombrío! ¡Oh! ¡Qué rápido ha cambiado todo! ¡Después de haber escapado de los tormentos, ahora las delicias me sonríen! Pero decidme, ¿el Amor no erró el blanco, cuando me eligió a mí? Vos estáis casada con un noble señor.
CONDESA (con ímpetu) ¡Él! ¿A quien estoy encadenada por el vínculo más humillante?¡Oh, calla! Deja de lado tales pensamientos y escuchemos en cambio lo que
(tiernamente apoyada en Federico)
murmuran las hojas susurrantes.
(Relampaguea y truena a lo lejos)
¡Cómo resuenan los anhelos del amor! Suena como si las hojas les dijeran a las flores: Ah, ¿por qué cerráis las corolas y hundís vuestras cabezas? Porque un par de hermanas perezosas y aburridas cayeron sobre vosotras, ¿tenemos que pagar por ello? ¿No podemos saludaros con amor?" Envidioso de tales galanterías, un viento sopla fuerte sobre ellos. El trueno lejano se mezcla para separar a las ansiosas parejas; relámpagos brillantes las amenazan. Las nubes acechan pesadamente, cansadas de su laborioso vagar. ¡No quieren ir más lejos! Quisieran saber de amor, y besar la tierra y las flores. Lágrimas de anhelo se precipitan. El corazón de las nubes se vuelve doloroso y maravilloso... "¡Flor, flor ábrete! Muéstranos tu corazón lleno de dicha". ¡Escucha cómo palpita y nos envuelve con su magia! Se les niega la esperanza del amor.
(señalándose a sí misma)
¡Aquí! La flor está abierta y desea placer. El amor y la felicidad han despertado para nosotros. ¡Cálida y dichosa noche de verano!
FEDERICO Está desapacible y húmedo, lo noto. Vayámonos de aquí. No pasemos más tiempo aquí.
CONDESA (susurrando) Ya le he pedido al Conde que puedas quedarte aquí más tiempo.
FEDERICO (atónito) ¿Quedarme aquí?
CONDESA Mañana por la noche estaremos solos. El Conde se va de caza.
FEDERICO ¿Cómo debo entender esto? Odiáis al Conde y sin embargo ¿permaneceréis aquí?
CONDESA (riendo) ¡Qué encantadora sencillez! ¿Dónde te criaste? ¿De verdad crees que huiría de aquí para convertirme en granjera; para dormir con vacas y caballos; para dormir en un establo con cerdos y ovejas? ¿Para rastrillar, arar, y ordeñar las cabras?
(cada vez más jocosa)
¿Para desplumar gallinas y recoger lino? ¡Estas manos no lo han hecho jamás! ¡Estas manos sueñan con transitar su futuro en un país de cuentos hadas!
FEDERICO ¿Es este vuestro amor?
CONDESA ¿Y quién me daría perlas, hermosas joyas, gemas y seda susurrante? Y los placeres que codician todas las mujeres, ¿debería vivir completamente sin ellos?
(irónicamente)
¡Mi amor!
FEDERICO ¡Despierto y sobrio! ¿Entiendo lo que estáis diciendo? ¿Vais a quedaros aquí, con el Conde? ¿Con él, a quien despreciáis?
CONDESA ¡Bueno, sí!
FEDERICO ¿Y yo? ¿Soy lo suficientemente bueno como para brindaros placer nocturno?
CONDESA (de pie, para sí) Creo que está lloviendo.
FEDERICO (reteniéndola con violencia) ¡No! ¡Noble y hermosa mujer! ¡Estáis bromeando! ¡Lo sé! ¡Tal como lo hicisteis al principio, sólo para sonreír maliciosamente durante el beso que me cautivó! ¡No, no es posible! ¿O todo fue sólo un engaño?
(La atrae salvajemente. Su abrigo cae y las manos se enredan en los collares. Uno de ellos se rompe)
CONDESA ¡Vete, salvaje! ¡Estás rompiendo mi collar! Dios sabe dónde cayó la piedra al suelo.
(Federico sostiene un trozo de la cadena. La Condesa busca la piedra)
¿Adónde voló?
FEDERICO (como si despertara de un sueño) ¡El collar! ¿La piedra? ¿Un duende está jugando conmigo? Si, acá. La "V" y la "F" entrelazadas. ¡Verena! ¡Tu collar!
CONDESA (llamando a Jeannette) ¿Dónde estás? ¡Ayúdame a buscar!
FEDERICO ¿Estáiss buscando una piedra, una piedra mágica maravillosa y brillante?
(ve la piedra en el pliegue del abrigo de la condesa)
No está en el suelo.
(toma la piedra)
Está en los pliegues de vuestro abrigo. ¡Mirad!
CONDESA (con entusiasmo) ¿Me la devuelves?
FEDERICO ¡Cielos! ¡Es la piedra! ¡Ninguna otra es igual! Es la que motivó que Jean me dijera: "¡La muchacha, cuya piedra fue robada!"
CONDESA ¿Me la darás?
FEDERICO ¿Dónde la obtuvisteis?
CONDESA (con desprecio) ¡Como si yo supiera de dónde vienen todas mis joyas!
FEDERICO ¡Pero debéis saber de dónde vino esta!
CONDESA ¡Devuélvemela, cobarde!
FEDERICO Primero decidme dónde la conseguisteis.
CONDESA Pagándola con oro puro.
FEDERICO ¿A una muchacha?
CONDESA Muchacha o ramera, ¡qué sé yo!
FEDERICO ¡Verena! ¿Y ella se la dio?
CONDESA (para sí) ¡Qué vergüenza tener que darle explicaciones a este siervo!
FEDERICO (cada vez más apremiante) ¿Os la dio ella?
CONDESA Se la compré a su madre.
FEDERICO ¿Y la muchacha estuvo de acuerdo?
CONDESA (irritada) Quizás... ¡Ya lo olvidé!
FEDERICO Y ¿ella estuvo de acuerdo? ¡Ah, ah! No me respondéis. No me juró ella: "Prefiero morir antes que perderla"?
CONDESA (apartándose) ¡Auxilio! ¡Un ladrón! Jeanette, ¿eres sorda? ¡Ayuda! ¡Atrapad al ladrón!
FEDERICO Ella no se la dio. Su madre se la quitó contra su voluntad. ¿No fue así? Yo fui quien le dio la cadena, ¡Condesa, mentís!
CONDESA (le arroja el resto de la cadena) ¡Esta miserable baratija! ¡Tómala! ¡Tómala!
FEDERICO (recogiendo la cadena) Sí, me la llevaré, y también la piedra, y las devolveré, ambas, a su legítima dueña.
CONDESA ¡Ah, ladrón insolente!
FEDERICO ¿Por qué es tan valiosa para vos? ¿Quizás descubristeis el secreto de su magia?
CONDESA (desdeñosamente) ¡Tonterías! ¡Tú y tu talismán! ¡Tú y tu ramera! ¿De qué te sirven?
Escena Octava
(La gente ha acudido respondiendo a los gritos de ayuda de la Condesa. La tormenta se vuelve cada vez más amenazante)
CONDESA (dirigiéndose a los que llegan presurosos) ¡Auxilio! ¡No dejéis que se escape! ¡Es un ladrón! Para recuperarme de la agitación del baile vine hasta aquí para disfrutar del fresco de la tarde. Entonces, de repente, este hombre salió corriendo del oscuro matorral. Me agarró y me arrancó del cuello la piedra que tiene en sus manos.
TODOS ¡Qué vergüenza! ¡Federico es un ladrón!
TRUTZ (saliendo de los arbustos, casi sonriendo) ¡Alto! ¡Deteneos! Eso no es completamente cierto.
(inclinándose ante la Condesa)
¡Perdonadme, Condesa! Desafortunadamente debo confesar que he estado escuchando. Federico, es a menudo enamoradizo, pero nunca ha sido un ladrón. Y para demostrar que estoy diciendo la verdad,
(Dirigiéndose a Federico)
¡Demuéstralo ahora! ¡Muchacho, dame la piedra!
FEDERICO ¿La quieres para ti?
TRUTZ ¡Muchacho tonto!
FEDERICO Le pertenece a Verena.
TRUTZ (indignado) ¿Todavía te atreves a decir su nombre sin avergonzarte? ¡Dámela ya!
(ambos forcejean)
FEDERICO ¡No te la daré!
CONDESA (a los sirvientes) ¡Vosotros! ¡Cerrad todas las puertas para que nadie escape!
TRUTZ (le quita la piedra a Federico) ¡Ya lo ves, muchacho!
JEANETTE (llega de prisa, conmocionada) ¡Qué horror! ¡El Conde está herido! Estaba tirado en el parque, inconsciente.
(Traen al Conde y lo acuestan sobre un banco)
CONDESA ¡Herido!
TRUTZ (se adelanta un poco) Sí, herido.
(mostrando la daga)
Aquí está la daga con la que ha sido herido.
TODOS ¡Asesino!
TRUTZ (al Conde) ¿Lo hice yo señor?
CONDE (con voz muy débil) ¡Confiésalo tú mismo!
TRUTZ ¿Lo hice yo, señor?
CONDE Si tienes la daga con la que me han herido, ¿quién más la ha podido usar?
TRUTZ ¡Oh, pensad, vuestro final será terrible! ¿Queréis morir así?
(ofreciéndole la daga)
Creo que conoces muy bien esta daga.
CONDE ¡Descarado!
(Trutz exhibe Las piezas de oro y las deja caer frente al Conde)
TRUTZ ¿Y este oro?
CONDE ¡Atrapadlo, es un sinvergüenza!
TRUTZ (fuera de sí) ¡Señor! ¿Lo hice yo?
CONDE ¡Sí, sí, lo diré una y otra vez!
(El Conde de repente mira más allá de Trutz; ve la figura de Ekhart, transfigurada como un fantasma, invisible para los demás)
¡Ah! ¿Qué quieres aquí, espíritu? ¡Perturbador de sueños!
ALDEANOS (murmurando) ¿A quién ve? ¿Se ha vuelto loco?
CONDE ¡No me mires así! ¡Yo no soy el culpable! ¡Si quieres salvar el error, hazlo con el muerto! Saca a mi padre de su tumba. ¡Desentiérralo! ¡Sólo él merece un castigo! ¡Yo no!
(Se alza un poco. El fantasma desaparece. El Conde cae inconsciente)
CONDESA ¡Llevadlo al castillo! ¡Llevad al Conde al castillo, rápido!
(a otros sirvientes)
¡Vigilad que nadie escape!
FINK, KÜMMEL (acercándose a Trutz) Estamos perdidos. Dale la piedra. ¿Quieres que suframos por ti?
TRUTZ (A Fink y Kümmel, mientras que con un palo intenta alejar a los sirvientes) ¡Si apreciáis vuestra vida, salvaros, amigos! Saltad la pared. Esto se está poniendo muy difícil. ¡Cobardes! ¡Atrás!
FINK ¡Me romperé los huesos!
TRUTZ (todavía luchando con los sirvientes) ¡Rápido, voy tras de vosotros! ¡Salid! ¡Saltad! Si sois dignos de ello, Dios os protegerá.
(Fink y Kümmel, arrastrando a Federico con ellos, saltan el muro. Trutz se ríe a carcajadas)
¡Ja, ja! ¡Tranquilos!
(También él salta la balaustrada y desde allí llama a los que lo siguen, después de deshacerse de ellos por la fuerza)
¡Tranquilos! Y para que no penséis mal de nosotros, os daré la piedra ahora. ¿Es realmente una piedra mágica? ¡Ya que la deseáis con tanta locura, la arrojaré al lago! ¡Que aquel a quien le pertenezca la encuentre allí! ¡Ahora buscad, cavad y pescad, para que su luz no se apague!
(Arroja la piedra al lago y salta del muro al suelo. Todos se llenan de asombro cuando ven que el fondo comienza a brillar una luminosidad verde, primero tenuemente, luego con más y más brillo)
TODOS ¡Mirad cómo brilla en el fondo!
CONDESA ¡Sacadla! ¡Subid a la barcaza! ¡Rápido! ¡Apuraos! ¡Agarradla! ¡De prisa!
(Todos intentan, unos agachados otros tumbados en la barcaza, sacar la piedra que ven claramente. Todo es en vano; tan pronto como creen que la han asido, el viento aleja el barco. Llueve a cántaros. Los cisnes revolotean salvajemente sobre el agua)
¡Agarradla! ¿La tenéis?
HOMBRES ¡Te estás interponiendo en mi camino! ¡Vete! ¡Alto, ya la alcanzo! ¡Mueve ese remo! Tiempo maldito. Ya casi la tenía. La tormenta nos está arrastrando. ¡Todo el infierno se ha desatado!
CONDESA ¿No la tenéis? ¡Agarradla!
(El viento y la lluvia cesan de repente)
VOZ DE LOS DUENDES (invisibles) ¡Ninguno de vosotros la conseguirá! Su luz brilla sólo para los amantes que sufren.
(Una pequeña figura se sumerge en el lago y luego emerge con la piedra. Un rayo cae sobre un gran haya y sus ramas caen incineradas. Todos huyen. La tormenta se calma. Las nubes permiten que la luz de la luna se extienda. Los duendes se agolpan alrededor de Seelchen, que alegremente sostiene la piedra)
LOS DUENDES ¡Ji, ji! Realmente los hemos vencido.
(a Seelchen)
¿La tienes? ¿La tienes?
SEELCHEN ¡Aquí está! ¡Mirad!
(Del tronco hendido del haya sale Galgenmännchen, que se lanza sobre Seelchen.
GALGENMÄNNCHEN. (*) ¡Dámela, rápido! ¿Amigo del ladrón? Yo soy el señor aquí. ¡Evita la pelea!
SEELCHEN ¡Aléjate! ¡Es mía!
(Seelchen y Galgenmännchen luchan por la piedra. Los duendes atacan a Galgenmännchen)
LOS DUENDES ¡Tú, de lamentable y vergonzoso nacimiento! ¡Maldito, aléjate de aquí! ¡Tu padre fue la horca!
GALGENMÄNNCHEN. ¡Dejadme!
LOS DUENDES ¡Tu madre fue la hierba! ¡Espera! ¡Ya lo entenderás!
(Galgenmännchen, golpeado, debe escapar, los otros ríen a carcajadas)
¡Ja ja ja ja ja! ¡Está huyendo!
SEELCHEN ¡Callaos! ¡No os riais! ¡No es un juego! ¡Oh, dolor y angustia! Decidme ¿no os duele el corazón?
(Los duendes abrazan tímidamente a Seelchen)
ACTO TERCERO
Escena Primera
(Bosque profundo. Luminosidad solar. Ekhart conduce a Verena. Ella se apoya en él, exhausta)
EKHART ¡Descansa aquí un rato!
VERENA Tengo sed. ¡Agua!
(Ekhart sienta a Verena en una piedra mientras va a buscar agua. Verena cierra los ojos por un momento, luego los abre y mira hacia el azul del cielo)
VERENA ¡Dime, Señor! ¿Por qué tanto sufrimiento me oprime tan cruelmente, ¡ay pobre de mí!, de modo que a mi vida miserable no llega un rayo de alegría? ¡Ojalá supiera el motivo! Quizás debo soportar todo esto como castigo por alguna horrible culpa. Sin embargo, dado que mi corazón no es consciente de ninguna culpa, ¿cómo debo interpretar lo que me sucede? ¡Triste destino! ¡Ah, tan lúgubre y cruel! ¡Señor, si me odias, mátame ahora! ¡Golpéame con uno de tus rayos! Si mi destino terrenal estaba condenado ¿por qué no me mataste en el vientre de mi madre? ¿Por qué no me mataste cuando era un embrión? ¿Debo ver esta luz engañosa? ¿Quieres martirizarme? ¿Quieres que gota a gota la sangre de mi pecho fluya hacia ti como un sacrificio? ¡Señor, eres malvado! ¡Eres frío y cruel!
(cada vez más apasionadamente)
¡No, ay, no! ¡Esa no es tu voluntad! ¡Envíame una señal de que finalmente cesará mi dolor! ¡Nubes, apartaos, dejad que sus ojos me vean a través de vosotras! ¿Volverá a mí alguna vez la alegría? Nubes, ah, simplemente no os marchéis. ¡Una señal del cielo, de que Él me ama, que nunca se enfadará conmigo! ¡Una señal, ah! ¡Una señal! ¡Un milagro!
(Extiende ambos brazos hacia el cielo en oración extática. Se produce un profundo silencio. La expresión de Verena cambia y deja caer los brazos)
VERENA Calma. Todo está en silencio. ¡Muerte en vida! ¡Eres una niña tonta! ¿Crees que las nubes soplan para ti? ¿Qué es tu pequeña angustia entre los males del gran mundo? ¡Ten confianza! ¡Ten esperanza! ¡Ten fe! Aunque no lo creas ¡Dios es bueno!
(junta sus manos)
¡Padre, me acojo a Ti!
(Inclinando la cabeza, ve un saltamontes posado en su rodilla. Dándose ánimo)
¿Qué es lo que está posado en mi rodilla? Un diminuto animal, un pequeño saltamontes, ¡me mira! ¿Por qué me miras? ¡Piernas de guadaña! ¡Presiónalo! ¡Cri, cri! ¡Morirás en el otoño! ¡Pequeña sabandija! ¡Salta lejos de mí!
(El saltamontes salta al suelo)
¡Espera, te agarraré!
(Se arrodilla y lo agarra)
Bribón, otra vez te he atrapado. ¡Te tengo! ¡Te he atrapado de nuevo!
(Ekhart regresa y la mira con una sonrisa. Le trae agua en la corteza de un árbol)
EKHART Aquí está el agua.
VERENA (apenas presta atención a Ekhart) Bébela tú mismo. Mira ese saltamontes. ¡Ahora está en los arbustos! ¡Horrible, vete!
EKHART Ven, niña, ya es tarde y. todavía queda un largo camino hasta la casa de tu madre.
VERENA (se levanta) ¿A casa de mi madre?
(sombríamente)
No quiero ir a casa de mamá. No quiero volver a verla nunca más. Padre, dime. ¿crees en los sueños? Cuando alguien se nos aparece en un sueño, ¿quién es?
EKHART ¿A qué te refieres?
VERENA Si nos habla por la noche. Dímelo, anciano: ¿es un fantasma? ¿El espíritu de un niño pequeño que balbucea, se ríen y grita? ¡Ah! - ¡Y llora!
EKHART ¿No has oído hablar de los duendes que vagan inquietos por la noche; buscando piedad, quejándose de sus sufrimientos? Aquí ayudan a los buenos, allí amenazan a los malvados, por todas partes vagan, haciendo lo suyo.
VERENA ¿Y qué quieren esos salvajes?
EKHART Esperan desesperadamente alcanzar la salvación, el descanso y la paz del alma, que les será concedida por medio de otros.
VERENA ¿Y por qué nunca pueden encontrar descanso?
EKHART Como sus almas no fueron redimidas, se maldicen y torturan a sí mismos y a los demás.
VERENA ¿Y de quién son esas almas?
(Ekhart guarda silencio. Verena lo mira fijamente a los ojos)
¿Guardas silencio? ¿No me permites saberlo?
EKHART (vacilante) Son las almas de los niños muertos.
VERENA ¿Niños muertos? ¿Los niños tienen que deambular sin descanso?
EKHART Realmente no. No. Son niños que no han tenido una muerte adecuada, que han sido arrebatados demasiado pronto.
VERENA ¿Una muerte adecuada? ¿Quieres decir asesinados?
EKHART Conozco a un duende que apenas logró escapar de su víctima. Invitó una la doncella al sótano. ¡Allí, en la penumbra, ella se deleitaba melancólicamente mirándolo! Veía los dos cuchillos desgarrando su pecho.
VERENA (con un grito terrible) ¡Dos cuchillos!
(para sí)
Duende, pobre duende. ¿Qué te hicieron?
EKHART Así que tiene que lamentarse y gritar y cuando vislumbra una esperanza, aferrarse a ella.
VERENA ¿Y podrá encontrar la paz?
EKHART ¡Él tiene que hacerlo!
VERENA ¿Pero cómo? Dímelo, padre.
EKHART Si el último miembro de su clan entrega voluntariamente su vida por él, toda culpa será redimida y el duende finalmente encontrará la paz.
VERENA Dime una cosa más: el que es llamado a rescatar al duende, ¿por qué deberá sufrir si está libre de culpa?
EKHART ¡Él es un culpable sin culpa!
VERENA ¡Culpable sin culpa! ¡Padre, eso suena muy difícil de entender! Entonces ¿ya antes de nacer, nuestro destino ha sido elegido para nosotros, y nosotros sin culpa debemos sufrir lo mismo que los que son culpables?
EKHART ¡Piensa en la estrella de nuestra vida, piensa en nuestro santo Señor! ¡Inocente y voluntariamente se dejó martirizar en la cruz por las culpas de los hombres! Verena, pobre y dulce niña. ¡La vida es un montón de caídas a ciegas! Has ignorado la felicidad en esta vida que estaba ligada a una piedra. ¡Porque mientras la entregaste en vida, sólo en la muerte la encontrarás de nuevo!
(Bendice a Verena que se arrodilla)
¡Recibe esta bendición por el dolor que pronto se transformará en placer! ¡Escucha la voz que proclama que no todos encuentran su Ekhart que amenaza a los miserables y es bondadoso con los buenos! Guardo el secreto universal de la amonestación. ¡Para mostrarte el camino de tu destino, me acerqué como intérprete de tus sufrimientos!
Escena Segunda
(Las ramas se quiebran. Cuatro jóvenes salen dando tumbos de la maleza. Verena se levanta y se esconde.
KNORZ (sirviente del Conde) (de pie, en el fondo) ¡Qué tiempo! Truenos y relámpagos. ¡Estamos perdidos! Sólo el diablo encuentra el camino aquí
(ve a Ekhart)
¡Alto! ¡Hay alguien ahí parado! ¡Eh, tú! ¿Por dónde se llega al Molino del Sauce?
EKHART (señalando a la izquierda) ¡Por allí! ¿A quién estás buscando?
KNORZ (acercándose un poco más) ¡Sí, sí!, ¿Te gustaría saber eso, no? ¡Queremos saludar a algunos tipos, tontos, sinvergüenzas y comediantes! ¡Los castigaremos! ¡Los capturaremos, vivos o muertos! ¡Especialmente a uno de ellos, Trutz, un granuja! ¡El que apuñaló al Conde!
(con desprecio)
Y al rubio Fritz. ¡Un inútil! Un petimetre apreciado por las damas. ¡Los vamos a atrapar, vivos o muertos! Pero como todos somos cobardes, los cuatro, unos magníficos cobardes,
(silba)
los vamos a inundar por la noche, no con agua, sino con fuego. ¡Esos monstruos perecerán asfixiados!
(Está a punto de marcharse, cuando Verena, que ha estado escuchando con creciente ansiedad, se acerca a Ekhart)
VERENA (con forzada indiferencia, a Ekhart) Creo que te equivocas. Por allí no es...
(señalando a la derecha)
¡Ese es el camino que conduce al molino!
KNORZ ¡Mirad allí, una muchacha entre los arbustos! ¡Cielos! ¿No la conocéis? ¡Es ella! ¡Tú! ¡No me gusta esto! ¿Quién sabe? ¿Quizás la señorita quiera darnos una dirección falsa? ¿Es eso lo que estás pensando?
VERENA No, ¡ciertamente no!
KNORZ (la agarra de la mano) ¿Por qué tiemblas y tartamudeas? ¡Quién es honesto no necesita temblar tanto! Dime, ¿nos estás indicando un camino equivocado?
VERENA (apenas escondiendo su ansiedad) ¡No, no!
KNORZ ¡Si es así, júralo!
VERENA ¿Jurarlo?
KNORZ ¡Ja, ja! Ahí la tenéis! ¡Sí, sí! ¡Júralo por el Santísimo Sacramento!
VERENA ¿Crees que estoy mintiendo?
KNORZ ¡Mientes! Debes jurar que nos estás mostrando el camino correcto y que no nos delatarás.
VERENA Pues bien ¡Juro que no diré nada a ningún ser vivo, lo juro por el nombre del Señor!
KNORZ (Knorz le suelta mano. A sus compañeros) Lo ha jurado. Pero ¿he de creerle? ¡No me fio de ella!
(se van siguiendo la dirección que les indicó Ekhart)
VERENA ¡Ah! ¡Se van de prisa!
(se arroja sobre el pecho de Ekhart)
¡Ekhart, amigo, fiel! ¡Adiós, adiós! ¡Tienes mi más profundo agradecimiento! Ve a mi madre. ¡Dile que todo volverá a estar bien! Verena lo ha expiado. Y si me encuentras, acuéstame allí, en ese rincón, junto a la pared, a la sombra del sauce llorón, donde yace mi hermano pequeño. ¡Adiós, Ekhart! ¡Adiós!
(ella se aleja)
EKHART ¿A dónde vas con tanta prisa?
VERENA ¡A salvarlo y liberar a mi duende!
(Verena sale corriendo)
EKHART (llamándola) ¿Tu juramento?
(Verena sale por la izquierda)
Escena Tercera
(De noche. Interior de un
granero. Una lámpara ventana proporcionan luz. Sentados en una mesa están Trutz, Kümmel y Fink. Federico está solo, apartado. El brazo de Kümmel y la cabeza de Fink están vendados. A la derecha hay una pequeña estatua de arcilla de la Madre de Dios. Los actores están comiendo)
FINK, TRUTZ, KÜMMEL (Uno al otro, mientras beben) Saladino tiene diecisiete hijos, diecisiete hijos tiene.
FlNK ¿De verdad los tiene?
KÜMMEL ¿Los tiene?
LOS TRES. ¡Sí, los tiene!
(Brindan. Fink estornuda. Käthe entra con tres niños; uno en sus brazos, dos agarrados a su falda)
KÄTHE ¡Baja la voz!
(Se acerca con un cuenco en la mano)
¡Así que has comido! Y ahora deja el tazón aquí...
(Deja el plato sobre la mesa)
La comida no es para ti, ¡así que no comas más! Si uno de vosotros comiera de él, habrá una pelea.
TRUTZ ¿Tú también, Käthe?
KÄTHE ¡Sí! Yo también tengo mi propia cabeza. ¡Venid, niños, decidle adiós a papá!
(Trutz besa distraídamente a los niños)
¡Trutz! ¡Cuidado!
TRUTZ ¡Ah, sí! ¡Y tú! ¡Y tú!
KÄTHE ¿Yo?
TRUTZ Y ahora a la vieja.
KÄTHE (le da un beso) ¡Te espero! Estaré contigo. Buenas noches al resto de vosotros.
(Se vuelve para irse. Ve a Federico y se detiene frente a él)
¡Tú, artista de pelo rizado! ¡Di una palabra también! Siempre solo. ¿Crees que eres algo especial?
(a los demás, misteriosamente)
Nadie podrá encontrar esta choza. Aquí estáis a salvo. Pero uno nunca sabe. ¡Dios mío! ¡Qué historia!
(Se vuelve preocupada y cierra la puerta tras de sí)
TRUTZ ¿Kate?
KÄTHE (molesta) ¡Oh, si! ¡Al menos cállate!
(Käthe se marcha)
TRUTZ (apartando los platos) ¡Saca las cartas!
(Kümmel saca las cartas y reparte)
KÜMMEL Necesitamos un cuarto jugador.
FINK (dirigiéndose a Federico) ¡Fritz, únete a nosotros!
TRUTZ ¡Déjalo tranquilo! ¡Déjalo!
FINK (mientras juegan) Trutz. ¿qué pasa con el cuenco?
TRUTZ ¡No es asunto tuyo!
FINK Pero hay algo sabroso en él.
TRUTZ ¡Nunca estás satisfecho! ¡Deja de mirarlo!
KÜMMEL (ganando la partida) ¡Ja, ja!
TRUTZ (reparte las cartas de nuevo y canta) Había una vez un joven. Se enamoraba a menudo. Tenía muchas novias. Pero la fidelidad no era para él.
(Fink come del cuenco)
KÜMMEL ¡Trutz! ¡Fink probó la comida!
TRUTZ ¡Chismoso! ¡Sigue jugando!
FINK Friedel, únete a nosotros. Es demasiado aburrido jugando sólo tres.
(comiendo un poco)
De lo contrario, acabaré con el cuenco y habrá regaños y peleas.
TRUTZ ¡Quita las manos de ahí!
KÜMMEL. (comiendo un poco) Yo también quiero probarlo.
TRUTZ ¡Gentuza!
(deja el cuenco a un lado)
¡Continuemos!
FINK Una vez vino una señora, muy elegante e interesada en el arte. ¡Ella se enamoró del rubio, se enamoró completamente!
TRUTZ (perdiendo en el juego) Esto ya no me gusta.
KÜMMEL. ¡Fuera con eso! Dame el dinero.
(Fink aprovecha para comer otro bocado del cuenco)
TRUTZ Kümmel, mocoso, canalla, descarado.
(a Fink)
¡Te voy a dar un par de golpes!
KÜMMEL (mirando en el cuenco) Un poco más y el cuenco quedará vacío.
FINK ¿Quién está ahí?
TRUTZ (continuando con la canción) ¡Adelante con la canción! La muchacha más fiel fue rápidamente olvidada. Estaba obsesionado con la gracia de la nobleza. Pero, ¡ay! quien nunca antes ha conocido algo así siempre se quemará los dedos.
FEDERICO ¿Crees que porque hablo poco también soy sordo?
TRUTZ (como si estuviera sorprendido) ¡Ah, alguien está hablando! ¿Quién es? ¡Sí, mira! ¡El señor Federico! ¡Qué honor, buenas noches! ¡El más honrado! ¿Un noble huésped en una pobre choza en medio del campo? ¡Mi Fritz, mi Friedel! ¡Pequeño Friedel de pelo de lino! ¡Fridi-Fridi-Fridulein!
FINK Y KÜMMEL ¡Fridi-Fridi-Fridulein!
FEDERICO ¡Cállate y déjame en paz!
KÜMMEL (a Trutz) ¡Eh, tú! Fink tomó otro bocado!
TRUTZ ¡Devorador de cuencos! ¡Y además también espía mis cartas!
KÜMMEL (examina el cuenco) ¡Casi vacío!
TRUTZ (de mala gana) ¡Fritz! Ven aquí. ¿Permaneces en silencio? ¿Ni una palabra? ¿O quieres que te halague de nuevo?
FEDERICO ¿Quién eres tú para ordenarme nada? Si quiero, iré.
TRUTZ ¡Oh! ¿Escuchasteis lo altivo e indignado que está el señor. Friedel? ¡Sí! ¡Sí! Y otra vez ¡Sí, sí! ¿El niño ya no me respeta y se permite comportarse así? Si eres un hombre libre, ¿por qué sigues aquí?
FEDERICO (desdeñoso) ¡Hace mucho tiempo que te evito!
TRUTZ (salta, apoyando el puño sobre la mesa) ¡Vamos, adelante! Oye, ¿es así como te comportas?
KÜMMEL ¡Siempre peleando! ¡Rayos y truenos! ¡Trutz, tranquilo! ¿Qué sucede contigo? ¡Siéntate, Trutz!
FINK ¡Trutz, es tu turno! ¡Señor! ¡Dios mío! Fritz ha sido alcanzado por un rayo.
(Trutz y Federico se miran con odio)
FEDERICO Puedo soportar tu mirada.
TRUTZ Y yo la tuya. Tú, figura lamentable.
FEDERICO ¿Te atreves?
(el cuenco se cae)
TRUTZ ¡Bribón!
FINK ¡Trutz! ¡Déjalo!
TRUTZ Sabes, no quiero enfrentarme a ti, como tú lo haces conmigo. ¡Me avergüenzas, vanidoso seductor!
FEDERICO ¡No vayas tan lejos!
FINK, KÜMMEL ¡Tranquilos! ¡Maldita pelea!
TRUTZ ¡Aprovecharse de la miseria de una muchacha!
FEDERICO ¡A quien bien supiste cómo consolar!
TRUTZ ¿Qué quieres decir?
FEDERICO Quiero decir que el señor Trutz le ofreció una excelente protección.
TRUTZ Lo hice ¿eso es malo?
FEDERICO Una protección muy adecuada, del brazo en el parque oscuro.
TRUTZ (fuera de sí) ¡Ah, miserable! El mayor charlatán que una mujer haya parido y que una muchacha haya amado. ¿Eso es lo que tienes que decirme? ¿Yo que salvé a la desdichada muchacha perdida en el foso de la iniquidad? ¿La que casi sucumbe a la seducción del Conde y se liberó con un puñal? A mí, que cargué con la culpa, ¿me llamas seductor? ¡Defiéndete, canalla! Uno de nosotros caerá muerto.
(Trutz se lanza sobre Federico, Kümmel y Fink se interponen entre ellos. Verena abre la puerta desolada, mira a su alrededor y ve la imagen de la virgen María. Cae de rodillas frente a ella y ruega con las manos cruzadas)
VERENA ¡Ah! ¿A quién debo implorar?
FINK ¿Quién está ahí?
FEDERICO ¡Verena! ¿Es realmente ella?
VERENA ¡Santa madre del santísimo hijo! ¡Escúchame! ¡Ay! ¡Escucha mi miedo! Juré por el nombre del Salvador, nunca revelarlo a un alma viviente. ¡Eres una diosa! E incluso aunque sólo fueras una imagen de arcilla. Tú, háblales con energía y diles: ¡los sirvientes de los Condes planean la venganza! ¡Este granero estallará en llamas! ¡Santa Madre! ¡Virgen María!
(Un humo espeso llena gradualmente el granero)
No he roto mi juramento. Es a ti a quien estoy implorando. ¡Alértalos tú!
TRUTZ ¡Sálvala, Federico!
(Federico apenas tiene tiempo para llevarse a Verena con él. Brotan llamas brillantes. En un momento todo el granero está en llamas, las vigas se desploman con estrépito. Poco a poco, el fuego se apaga. El humo se disipa, sólo el suelo sigue ardiendo. Se puede ver ahora un apacible paisaje iluminado por la luna: al fondo un bosque de abetos, al frente un estanque rodeado de juncos. En el medio hay una colina baja cubierta de césped. Se ven las figuras confusas de perseguidores y perseguidos)
TRUTZ (en el fondo) ¡Cobardes! ¡Atrapadlos!
(Trutz persigue a los enemigos. Knorz viene por el otro lado. Federico se abalanza sobre él. Knorz saca su cuchillo)
KNORZ (a Federico) ¡Mira! ¡Estoy armado!
VERENA (poniéndose entre ellos) ¡Federico, estás perdido!
(Verena es apuñalada y cae al suelo con un grito)
KNORZ ¡Toma! ¡Toma! ¡Por perjura!
(Trutz regresa va tras de a Knorz. Federico y Verena quedan solos. Él la sostiene en sus brazos. A ella le fallan las fuerzas y se desvanece. Federico la recuesta sobre la hierba, Abrumado por el dolor le toma el pulso y observa su respiración)
FEDERICO ¡Despierta, muchacha! ¡Ah, todo ha terminado para ella! ¡Pequeña Verena, hermosa doncella! ¿Si pudiera romper la red engañosa del destino que me hizo abandonar tu corazón, y que me ha dejado tan perplejo? ¡Miserable! ¡La has matado!
VERENA (Con un hilo de voz) ¡No te lamentes! No tú. No, tú no. Alabado sea el Señor. Ahora todo se acabó. Friedel. ¿se acabó tu canción? Anímate. Yo también ¡ay! mi amor. ¿Tenía que suceder así? ¡No llores! ¡No! No entristezcas mis últimos momentos. Tus hermosos rizos.
(expirando)
Dame uno. Ponlo aquí en mi corazón herido. ¡Friedel! ¡Ah!
(ella se desploma y muere)
LA VOZ DEL DUENDE (desde lo alto) ¡Estoy redimido! ¡Libre del sufrimiento de las almas en pena! ¡Gracias y buena suerte! ¡Pobre, pobre muchacha!
LOS OTROS DUENDES ¡Dichoso Seelchen! ¡Buena suerte y libertad! ¡Ah, sí, pronto compartiremos tu destino!
(Una gota de rocío cae sobre la frente de Verena, brillando como la piedra preciosa)
El telón baja lentamente
(*) Galgenmännchen es el nombre de un duende concebido por la unión del esperma de un hombre ahorcado con el césped a sus pies. Los otros duendes se mofan de que "su padre está en el patíbulo y su madre es el césped. Los eruditos atribuyen sus orígenes a la raíz de la mandrágora. Mandrágora es también el nombre de un duende, así como la personificación de una pesadilla sofocante!
Digitalizado y traducido por: José Luis Roviaro 2022 |