ERSTER AKT
(Ein hoher Saal im Palaste des
Alviano
Salvago.
Vormittag)
Erste Szene
(Alviano Salvago, Guidobald Usodimare,
Menaldo
Negroni, Michelotto Cibo, Gonsalvo
Fieschi,
Julian Pinelli, Paolo Calvi)
ALVIANO
(hässlicher Mann von ungefähr 30
Jahren,
bucklig, grosse leuchtende Augen,
hastig)
Lasst! - Genug...!
Ich will nichts mehr hören!
Es widert mich an -
entsetzt mich!
Und doch - ich - der's ersonnen,
ausgebrütet in Nächten...
in Nächten - ah! -
Ihr ahnt nicht!
Euch ist's ein Spiel -
würzend - was sonst
das Leben
Euch willig bietet.
Doch mir! Ein Durstender!
Einer, nah dem Verschmachten -
gehöhnt, gehetzt, geschunden
von Qualen die - ah!
(kurz, scharf)
Teufel, was gab die Natur...
mir - mit diefer Fratze
und diesem Höcker,
solch ein Fühlen, solch eine Gier -
MENALDO
(geflüstert)
Ich bitte dich - still!
Der Ordnung Hüter sind auf...
und voll Ehrgeiz.
Hinter den Türen lauern...
bestochen - die Diener;
in den Gärten bergen sich
Schergen...
GONSALVO
Du übertreibst, mein Freund.
Es sind allzutiefe Skrupel
fürwahr nicht am Platze -
MENALDO
Dass wir mit Bauerndirnen
und Mägden, Krämertöchtern
und Freudenmädchen uns nicht
begnügen, dass wir die Feinsten
und Schönsten erwählen
ist ein Zeichen für unsern Geschmack.
PAOLO
Wie nur war die Losung,
die Du uns gabst
vor wenigen Wochen?
"Die Schönheit sei Beute des Starken!
Alle Pracht der Erde
erliege der Macht
des Geistes, und des
Bezwingenden Glorie
strahle heller und dringe
tiefer, sehrender in die
Seelen, als jener Glanz,
der das Auge nur blendet!"
ALLE
(durcheinander)
Sehr wahr! So sprachst Du.
Und seither -? Was Du schufst,
meidest Du!
Fliehst uns selbst!
Kein's jener heimlichen Feste
noch grüsste Dich!
GONSALVO
Weil ein paar Väter
die Hände ringen...
MENALDO
- und ein paar Mütter
herzbrechend schluchzen!
GUIDOBALD
Glaub nur nicht, dass
die Schönen selber...
GONSALVO
dass sie uns zürnen!
MICHELOTTO
Gestern - Alissa - die kleine Jüdin -
hei...
was die für Augen machte!
Und die reizende Tochter des
Biparello...
JULIAN
- des Dichters, wahrlich -
sie war entzückend!
ALLE
(durcheinander, ekstatisch)
Ihrer Liebsten
alltagbeschwerten Armen
entreissen wir sie!
Dem Gatten, unerfahren
in Liebeskünsten,
weint keine Träne die "Unverstand'ne"!
Aus engen Zimmern
in weite mystische Räume...
düftegeschwängert von
Fackeln durchloht!
Alle Märchen werden lebendig!
Alle Träume verschwiegener
Nächte - Morgenlandsträume
von Schauern geboren,
gehn in Erfüllung!
Was sich keine gesteht,
und jede ersehnt - jählings
ward's zur Wirklichkeit!
ALVIANO
(gepresst, ein wenig spöttisch
und mit
herbem Ausdruck)
Ganz recht - ganz recht!
Es ist überzeugend.
Jedoch in einem Punkt...
verzeiht - stimmt mir's
nicht ganz. - Ihr sprecht stets
von Euch nur. Von Euch - die
ihr wohlgestalt seid, und
mit Anmut begabt, - und
vergesst mich, - den Krüppel.
Käm der zu den Festen,
so wie Ihr begehrt...
er vergällte sie Euch...
und statt der Lust
zög das Grausen ein!
PAOLO
Du überschätzt, mein Freund...
so will mir scheinen...
gewaltig der Frauen Schönheitsempfinden.
ALVIANO
(verhalten)
Es gab - Frühlingsnächte.
Bei offenen Fenstern
tanzt es herein - alle
schwülen Zauber - Blumen-
geruch, schwer und betäubend.
Und ich musste fort, geschüttelt
von Fiebern - hinaus in einsame Gassen.
Und suchte ein Dirnchen,
so recht ein verkomm'nes...
sprach es an - bot ihr Gold...
viel Gold und fühlte mich doch
dem Bettler gleich, der
Almosen heischt...-.
Im Schein der Laterne
mustert sie meine arme
Gestalt, mit einem Blick...-
einem
Lächeln so
schmachvoll, dass mir das
Blut in den Adern gerann.
Da - wirkte das Gold!
Auf geschminkten Lippen
spiegelt sein Gleissen,
all meines Elends
furchtbare Not; unflät'ge
Worte verhiessen Gewähr...
doch mir fehlte die Kraft,
mich selbst zu bespei'n und
zu entweih'n die Lenznacht.
EIN DIENER
(meldend)
Gnäd'ger Herr - der Notar...
MENALDO, JULIAN, GONSALVO
(bestürzt)
Mensch - Alviano...
Du bist im Stande...
Was soll der Notar -?
ALVIANO
(traurig lächelnd)
Seid unbesorgt!
(zum Diener)
Ich lasse ihn bitten,
sich kurze Zeit zu gedulden -!
ALLE
(Alviano bestürmend)
Was soll's - was hast Du vor?
ALVIANO
(ruhig)
Ich vergass - es Euch zu vertrau'n:
(zuerst stockendenTones)
Mein Eiland "Elysium",
mit all' seinen Bauten,
Wasserspielen und
prangenden Gärten,
mit all' seinen unerhörten
Wundern der Kunst
und selt'nen Schätzen
freigeb'ger Natur...
zum Geschenk vermacht
für ew'ge Zeiten...
hab' ich's der Stadt.
(Verblüffung)
PAOLO
(ausbrechend)
Du bist von Sinnen!
GUIDOBALD
Weisst nicht, was Du tust!
MENALDO
Das Werk Deines Lebens!
MICHELOTTO
Dein halbes Vermögen
wandtest Du dran, es sorglos
verschwendend...
ALVIANO
Morgen Abend, nach Einbruch
der Dämm'rung, im Beisein
des hohen Senates und des Podestà,
mit grossem Gepräng
geb' ich's preis allem Volk.
Ihr Herren, Ihr seid geladen.
PAOLO
Ja, aber Mensch - vergisst Du denn
ganz...
ALVIANO
Hab' alles bedacht.
MENALDO
Du lieferst uns aus.
JULIAN
(eindringlich)
Der Zugang zum unterirdischen Saal...
ALVIANO
(mit Bedeutung)
Scheut Ihr der Entdeckung Gefahr...
so meidet ihn künftig;
doch jetzt - verzeiht! Die Herr'n
vom Rat erwart' ich und mit
dem Notar obliegt mir noch
festzusetzen der Schenkung
Wortlaut und Paragraphe.
(Ab)
Zweite Szene
GUIDOBALD
Es gilt zu handeln.
MICHELOTTO
Wo nur Vitelozzo bleibt?
PAOLO
Dieser Narr Alviano!
GONSALVO
All' uns're Pläne...
herrlich und kühn ersonnen...
JULIAN
Meine süsse Ginevra!
Krank bin ich vor Sehnsucht.
Und dieser Bube Pietro
zögert - weiss die Madonna,
welch schurkische Gründe ihn...
MENALDO
Ein gefährlicher Kerl!
Doch gut zu brauchen,
geschickt und verschlagen.
PAOLO
Mein Argwohn steht fest:
Mit frecher Hand streift
der Bandit von so mancher
Blüte, eh' wir sie brechen...
MICHELOTTO
Verflucht, Du meinst...
PAOLO
Ich weiss, was ich sage.
(Stimmen draussen vernehmbar)
JULIAN
Ist das nicht - Tamare?
ALLE
Halloh! Vitelozzol
Dritte Szene
(Vitelozzo Tamare hastig hereinstürmend)
TAMARE
Ich bin verspätet.
GUIDOBALD
Wir merkens!
GONSALVO
Und ausser Atem!
TAMARE
(überschwänglich)
Ihr Freunde...
ALLE
Was gibt's?
TAMARE.
Ich bin fassungslos...
MENALDO
Sancta Maria, was ist gescheh'n?
TAMARE
Ergriffen...
JULIAN
O Gott!
MENALDO
Unsel'ger!
TAMARE
Von soviel Schönheit...
GUIDOBALD
Ach!
PAOLO
Dacht ich's doch!
TAMARE
Ein Weib!
PAOLO
Natürlich!
TAMARE
(begeistert)
Nein...
GUIDOBALD
Eine Göttin!
MICHELOTTO
Ein Engel!
JULIAN
Eine Blume!
MENALDO
Wir kennen das!
GONSALVO
Ich bitte Dich schweig!
(Tamare empört, Geste)
MENALDO
Wir kennen die ganze Epistel.
GUIDOBALD
's gibt Wicht'geres.
TAMARE
(wütend)
Wer sagt das? Was wisst denn Ihr...
PAOLO
So sprich mit Pietro!
TAMARE
(ernst)
Nennt nicht den Schurken!
Ihr besudelt der Göttlichen Namen.
MICHELOTTO
Wie heisst sie?
TAMARE
Ja, wenn ich's wüsst!
Doch - wüsst ich's, ich
würde mich hüten, ihn
Euch zu verraten,
Ihr - Mädchenräuber!
ALLE
(verblüfft durcheinander)
Was -? Du hast's nötig!
Ganz ausgezeichnet!
PAOLO
Wo sahst Du die Schöne?
TAMARE
Am Municipium
ritt ich vorbei - ; da
fuhren eben, zu irgend
'ner Gasterei oder
Festivität, der Stadt
Väter in goldnen Karossen
MENALDO
(zu den anderen)
Ob da nicht - was meint Ihr...
TAMARE
In einer derselben...so hört doch!...
GONSALVO
- ein Zusammenhang -
DIENER
(meldend)
Der hohe Rat - und
der vieledle Herr Podestà!
TAMARE
(verblüfft
)
Teufel noch mal!
JULIAN
(lachend)
Das heiss' ich Glück!
Vierte Szene
(Von der einen Seite der Podestà und
Senatoren,
sowie die Frau des Podestà und Carlotta,
von der
andern Seite Alviano Salvago und der
Notar)
ALVIANO
Meinen Gruss, Signori,
und Dank, dass mein schlichtes
Haus gewürdigt ward,
des Besuch's so illustrer Gäste,
PODESTÀ
(sehr herzlich)
Euer schlichtes Haus!
O edler Signor Salvago,
Ihr seid zu bescheiden.
Die Pracht der Räume,
die wir
durchschritten,
hat wahrlich nicht ihres-
gleichen in Genua.
ALVIANO
Euer Lob beglückt mich...
doch wollt gestatten:
(vorstellend)
Hier
meine Freunde - Blüte
Genuas Ritterschaft...
von ihren Stirnen lest
Ihr die Namen erlauchter
Geschlechter...
PODESTÀ
(sich verneigend, dann(
Und hier mein Weib und mein Kind,
meine vielliebe Tochter Carlotta
(vertraulich)
Ich fürchte, Signor,
allzufreien Sinn's mögt
Ihr sie finden; sie achtet...
sehr mir zuleide - gering
der Gesellschaft Normen.
Bewund'rung Eurer
Hochherzigkeit und
(schmunzelnd)
eine ganz besondere Bitte,
die sie an Euch...
ALVIANO
(nicht ohne Verlegenheit)
Ich heisse die Damen willkommen
und wär's mir vergönnt,
zu erfüllen der Signorina Verlangen...
ich priese mich glücklich!
PODESTÀ
Doch nun, so's Euch genehm, wollen wir
(auf die Senatoren weisend)
delegieret vom hohen Senate, Euch
überbringen Dank
und freud'ges Erstaunen
der hohen Versammlung.
Euer Schreiben von gestern
kündet uns eine Schenkung,
so gross und bedeutend,
so unerwartet und selten
in diese Zeiten.
Schwer nur wahrt sich
der Bürger die kärgliche Habe;
unter den Händen zerrinnt
ihm das Gold, mühselig
erworben und immer noch
mehren sich drückend die
Steuern und Lasten.
Wir haben's getragen,
geduldig zumeist und
nur selten murrend;
blieb uns als Hort doch
unsrer Familie Heiligkeit
und der Glaube an die Madonna.
Doch da bricht's ein wie
der Wolf in die Herde,
raubt uns die Frauen,
stiehlt frech uns die Töchter
und machtlos - hilflos...
(sich besinnend)
doch verzeiht, o Herr,
wenn das volle Herz, bedrängt
von der Schmach dieser letzten Wochen,
das Freud'ge so rasch vergisst
und des Unglücks wieder
gewahr wird. Euch unsre Sorgen
zu klagen, ist wahrlich nicht
unsrer Sendung Zweck.
Den ersten Lichtstrahl nach
bangen Tagen...
ihn danken wir Euch!
Des Eilands glückkündenden
Namen, wir nehmen ihn
als ein gutes Omen.
(erhobenen Tones)
So mög' denn - gestützt
durch die Kraft, die Recht
verleiht und die Macht des Besitzes...
ERSTER SENATOR
Signor Podestà, es gäb
zu bedenken vielleicht, und
es waren Stimmen...
ZWEITER SENATOR
(ein wenig zögernd)
Der Form zu g'nügen
und den Vertragen müssten
wir wohl - des Herzogs
Adorno Genehm'gung...
PODESTÀ
Ah - bei der Madonna...
bald hätt' ich's vergessen!
(Alviano beiseite ziehend,
gedämpft)
Edler Signor Alviano...
MICHELOTTO
(zu den Edlen)
Die Geschichte hat...so scheint's...
noch 'nen Haken.
(Die Edlen bilden in eifrig flüsternden
Gespräch eine abseits stehende Gruppe)
TAMARE
(bei Carlotta)
Erinnert Ihr Euch, Signorina,
an einen Reiter, heut' früh...
dess' Rappe scheute beim
Anblick der gold'nen Karossen...
PODESTÀ
(bei Alviano, halblaut)
Der Herzog Antonio Adorno...
das Recht des Einspruchs -
abhängig sind wir...
ALVIANO
(ebenso, jedoch zerstreut)
Was könnt' er dagegen...
TAMARE
(bei Carlotta)
Der Reiter aber sah
in zwei blitzende Augen;
vergass darob, verwirrt und
geblendet, zu zügeln das Ross...
CARLOTTA
(lachend)
- und hätt' beinah' mit
unfreiwill'gem Fussfall gehuldigt
der Schönen - das wart also Ihr?
TAMARE
Ein tapf'rer Herr, doch ängstlich
bedacht auf Beliebtheit beim Volk,
nicht grade böse, doch eifersüchtig
und eitel in hohem Masse,
selbst gern fetiert, sieht er's nur
ungern...
CARLOTTA
Ich habe mich sehr amüsiert.
TAMARE
Ihr seid grausam.
Und wenn nun - vom
Pferde gestürzt...
gebrochen Arm oder Bein...
CARLOTTA
Ist's Euch ein Blick meiner
Augen nicht wert?
TAMARE
(heiss)
Das Leben gäb' ich gern
für Euch hin - doch...
CARLOTTA
Und wenn's grade das wär',
was ich wollt'? Ihr seid so
gross, so mächtig und stark...
so hoch über mir. - Ich muss
mich strecken - seht - Euch
nur in die,
(spöttisch)
ach, so sieges-
gewissen Augen zu blicken!
(Mit veränderter Stimme, wie ein
bittendes verzogenes Kind)
Und säh' Euch gern klein und
niedrig und arm, tief unter
mir, meinen Füssen erreichbar...
TAMARE
(finster)
Die Toten sind arm.
CARLOTTA
Aber tot und stumrn.
Und ich liebe die Seele, die
ringt und sich quält, sich
opfert und leidet um Minnelohn.
Seid Ihr 'mal gestorben,
was nützt Euch dann...
meine Liebe?
TAMARE
(rauh, hervorgestossen, in
höchstem
Unbehagen).
Ihr seid des Teufels, Jungfrau!
Die Antwort...
ich will sie bedenken
(mit Bedeutung)
und geb sie Euch morgen.
(Will ab)
GUIDOBALD
Halt, Vitelozzo, was eilst du?
(Sie umringen Tamare im Hintergrunde
der Bühne und sprechen auf ihn ein)
MENALDO, JULIAN, GONSALVO
MICHELOTTO, PAOLO
(durcheinander)
So hör' doch! Wir sind in Gefahr.
Er liefert uns aus - diesen lumpigen
Bürgern!
Der Eingang zum
unterirdischen Saal!
Wir müssen's hindern...!
TAMARE
(man hält ihn)
Bei der Madonna, so lasst mich...
(reisst sich los)
GUIDOBALD
(eindringlich)
Sprich mit Adorno...
TAMARE
(sehr aufgeregt)
Tut was Ihr wollt...
lasst mich aus dem Spiel!
MENALDO
Aber Du - ein Wort!
TAMARE
(zornig)
Ich weiss nichts, ich will nichts...
ich bin verliebt - ich liebe...
hört Ihr? Die Pest in Euch!
(Ab)
PODESTÀ
(mit Alviano nach vorne kommend)
So bleibt es dabei! Ihr
verzieht einen Tag noch.
Der Senat erbittet
vorher die Genehm'gung des Herzogs...-
(Lakaien öffnen die Flügeltür im
Hintergrunde, ein zweiter Saal mit einer
festlich angerichteten Tafel wird
sichtbar)
und heut abend seid Ihr
mein lieber Gast...
ALVIANO
Wie Ihr nun der meine.
Ich bitte die edlen Gäste,
meine Einladung nicht
zu verschmäh'n, ein einfaches Mahl!
(gehaucht)
Signorina - Euren Arm!
(Er reicht Carlotta ein wenig befangen
seinen Arm. Der Podestà bietet den Arm
seiner Frau. Die Anderen folgen.
Die Lakaien schliessen wieder die Tür)
Fünfte Szene
(Martuccia. Pietro)
PIETRO
(in heftigem Streit begriffen,
beschwichtigend)
Holde Martuccia!
MARTUCCIA
(mit einer Schürze, sehr
echauffiert,
alte Jungfer)
Du Lump! Gauner! Verbrecher! Lass mich!
PIETRO
(erschrocken)
Ich bitt' Dich, schweig still!
Ich mag nicht erkannt sein.
Dein Gebieter, der kleine
Krüppel, den bösen Blick
fürcht' ich an ihm wie die Pest...
MARTUCCIA
Du Ungeheuer! Betrüger!
Du Dieb! Wenn Du nicht hältst
Dein gottloses Maul
und den Herrn beschimpfst,
geh' ich Dir zu Leibe,
Du Elender, Du! Du Ehrvergessner!
Die ganze Nacht hab' ich geharrt,
den roten Shawl liess ich weh'n
im Wind vergeblich bis früh
(weicher)
und einen Schinken hab ich bereitet...
PIETRO
(gerührt)
Einen Schinken - o Gott!
Doch wenn Du erst hörst, was mir
widerfahren
MARTUCCIA
(wieder wütend,
scharf akzentuiert)
Und jetzt - wo das
Haus voller Gäst', ich alle
Händ' voll zu tun - kommt er
daher, der...
PIETRO
(entsetzt)
Das Haus voller Gäst?
Wer ist da?
MARTUCCIA
Zittere, Bube - der hohe Senat!
PIETRO
(erleichtert)
Der Senat! Doch die Ritter?
MARTUCCIA
Sind da!
PIETRO
(entgeistert)
Sind da!
MARTUCCIA
Und ich schwatz' mit dem Kerl statt...
PIETRO
Ich muss fort.
MARTUCCIA
Aha!
PIETRO
(dringend)
Doch hör', Martuccia...
hör', ich beschwör' Dich:
(nahe bei ihr)
Ich bin in Bedrängnis. In dieser Stadt
ist
ein anständ'ger Mensch
seines Lebens nicht sicher.
Man interessiert sich für mich, -
allzu sehr, wie mir scheint...
und zu alldem verfolgt
mich seit Tagen - ein Weib...
MARTUCCIA
Was?
PIETRO
Jawohl, eine Dame - eine
(wirft sich in die Brust)
vornehme Dame - ;
das heisst - nicht mich...
sondern den - für den sie
- mich hält - und sie glaubt,
ich sei - der Ritter Menaldo.
MARTUCCIA
(starr, ihn musternd)
Nein - diese Frechheit!
PIETRO
Da hast Du recht, eine freche Person...
MARTUCCIA
(wütend)
Nein! Du! Du! Du Schuft...
(nachäffend)
"Der Ritter Menaldo!"
(sie lacht grimmig)
PIETRO
Sie hat sich's nun in den
Kopf gesetzt, mich, das
heisst - den Ritter Menaldo,
zu verklagen bei Herzog
Adorno - und geht nicht
von mir und Iässt mich
nicht aus - und sperr' ich
sie ein in meinen Palazzo
da drauss' vor den Toren...wie leicht
könnt's
gescheh'n die Polizei - neu'stens auf
Mädchenräuber erpicht...
hält mich für einen - hält
mich für einen - und knüpft mich auf!
MARTUCCIA
(sehr erschrocken)
Oh!
PIETRO
Das kannst Du nicht wollen.
Du - die Du mich liebst!
Nimm' sie auf bei Dir!...
MARTUCCIA
Was -? wen?...
PIETRO
Sie ist hier!
MARTUCCIA
(perplex)
Wer - wo?
PIETRO
Das Frauenzimmer - die
Dame - bewahr' sie dem
Ritter - Menaldo - ich fliehe!
Doch - heute Nacht - geheim
und verstohlen - ich schwör'
es - bin ich bei Dir...
(Rasch ab, jedoch bei einer andern Tür,
als er gekommen)
MARTUCCIA
(ratlos)
Heute Nacht...
(jammernd)
Ah - ah - ah - der Verbrecher!
Was fang ich nur an!
Oh - oh!
(ab)
(Draussen vermischt sich ihre Stimme mit
einer zweiten Frauenstimme, die zuerst
aufgeregt auf sie einredet; man hört den
Namen "Adorno".
Die Stimmen besänftigen
sich dann,
werden schwächer und verlieren sich.
Sechste Szene
CARLOTTA
(sich das Lachen verbeissend,
aus dem Saal)
Ihr seid köstlich, Signor
Alviano - nein wirklich...
ALVIANO
(ihr folgend)
So ist Euch schon besser?
(Carlotta lacht, ihr Lachen klingt
unnatürlich,
übertrieben)
Ich erschrak -, Ihr grifft
Euch plötzlich ans Herz
und wurdet ganz blass - .
CARLOTTA
(schwer atmend)
Ach - Kindskopf...
mir ist wohl wie
dem Fisch im Wasser,
Doch sagt' Euch mein Vater
nicht von einer Bitte?
ALVIANO
Ja, - freilich.
CARLOTTA
So rasch vergesst Ihr
solch' wichtige Sachen?
ALVIANO
(verlegen)
Nein - doch...
CARLOTTA
Nun seht - vor den vielen
Leuten - es wär' nicht
gegangen! Und da all'
mein Blinzeln, verstohlenes
Winken, mein Fragen, ob
Ihr nicht hättet in Eurem Besitz
ein Bild, eine selt'ne
Skulptur, mir zu zeigen...
nichts half, verfiel ich darauf...
ALVIANO
(befremdet, errötend)
Ah - wahrlich! Für einen
Tölpel müsst Ihr mich halten,
lebensunkundig, einfältig
und albern. - Doch selten nur
blüht mir Umgang mit schönen
Frauen - so kommt's - dass...
begreift Ihr -?
CARLOTTA
Ich begreife - doch hört nun!
Ich male. Ja, wahrhaftig, - blickt nicht
so erstaunt - ich male Bilder.
Tiere und Menschen,
Bäume und Seen...
den Himmel, das Licht...
doch am liebsten
male ich...
(still)
Seelen.
ALVIANO
Und könnt Ihr das...
ich meine - gelingt's Euch...
Seelen zu malen?
CARLOTTA
Weiss nicht, ob ich's kann...
und wenn's nicht gelingt...
liegt's, so dünkt mich, nicht
immer an mir; man
findet so schwer - die Modelle,
Nur einmal - da schien
es geglückt; das Bild erstand,
so wundersam fein...
nur ein hässlicher Schatten,
zwischen Kinn und Mund...
sehet - da - und wie ich auch
sann und mich bastelnd mühte...
er kam immer wieder.
Schon glaubt' ich ihn fort und für
immer gebannt - da...
unversehens - tückisch schleicht's
aus den Pinseln und setzt sich fest!
Das Bild gab ich auf; hab' dann
lang nichts versucht mehr...
doch
(faszinierend)
Euch - Euch möcht' ich gern - malen.
ALVIANO
(wie von einer Tarantel gestochen)
Mich -? Alle Teufel...
seid Ihr von Sinnen?
(giftig)
Ganz recht! - So musst's
kommen. Glaubt' ich doch
schon - Ihr nähmet mich ernst, -
wär't anders, als wie die Andern...
die Schlangen, mit sanften Gesichtern,
lockenden Augen und Herzen
wie Teufel - doch eben...
erkannt ich's - derselbe Blick
CARLOTTA
(sehr erschreckt)
Urn Gotteswillen...besinnt Euch!
ALVIANO
(scharf, schneidend)
Vielleicht als Narr
in einem Gemälde, unter
schönen Herren und Frauen,
wirksam als Kontrast...
mit 'ner Kappe und Schellen...
der Buckel passte nicht schlecht...
zum Gespött der Leute...
verewigt für alle Zeiten!
CARLOTTA
(stark)
Jetzt schweigt! Vergesst
nicht, dass mit einer Dame
Ihr sprecht. Ihr tut mir...
unrecht - hört mich zu Ende!
(Alvianao setzt sich mit verbissenem
Lachen
in eine Ecke)
CARLOTTA
Dort, wo die Stadt weit wird,
und der Blick sich auftut
auf die Campagna - hab' ich
als Werkstatt ein kleines
Häuschen. In zeit'ger Frühe,
wenn einsam und leer
noch die Gassen und Plätze,
das bIass-fahle Licht des frühen
Morgens matt und milde
die Leinwand umspielt,
dünkt's mich zur Arbeit die
rechte Zeit. An meinem
Häuschen vorbei führt ein
Weg, gesäumt von hohen Zypressen...
den kennt Ihr wohl...
Ihr schrittet ihn oft.
Scheu und gebückt
in Gedanken versunken...
plötzlich misstrauisch musternd
die Fenster, deren Gardinen
die Späherin bargen...
doch Ihr saht sie nicht.
Da stieg auf, purpurn glühend...
Schleier in tausend Farben,
schillernd, leuchtende Nebel,
gespenstischen Herolden
gleich, zogen, ihr Nahen
kündend, voran...die Sonne.
Und ein zweites Wunder
geschah - : Ich sah - wie der
kleine, armsel'ge Wand'rer
sein Haupt hob. Jeder Muskel
spannte sich straff in dem
schmächtigen Körper - die
Arme stiegen an, hoch zum Himmel
gebreitet.
So schritt er hinein in den
Glast, der Sonne entgegen;
und grösser und grösser sah ich ihn
werden...
riesenhaft wuchs die Gestalt, -
mir klopfte das Herz - .
So malte ich Euch, Signor
Alviano. So malte ich Eure
Gestalt, entgegenschreitend
der Sonne. Doch mir fehlt noch
das Antlitz, und - mir fehlt
noch das trunkene Auge,
darin all die Schönheit sich
spiegelt.
ALVIANO
(zitternd)
Ich bin beschämt -
ich weiss nicht...verzeiht mir...
mir war noch nie so - zu Mut...
im Leben...!
CARLOTTA
(zart)
Wollt Ihr kommen - in meine
Werkstatt - dass ich - das Bild...
vollende...?
ALVIANO
(sich über ihre Hand beugend, leise)
Ich will - gern kommen.
ZWEITER AKT
(Halle im Palast Adorno)
Erste Szene
(Der Podestà und die drei Senatoren
kommen
erregt und aufgebracht aus dem Gemache
des Herzogs)
PODESTÀ
Er spielt mit uns,
Wie die Katz' mit der Maus...
ERSTER SENATOR
Allzu mächtig ist er geworden,
der hohe Herr!
ZWEITER SENATOR
Sein letzter Sieg über
Branciforte stieg ihm zu Kopf.
DRITTER SENATOR
Verwöhnt hat ihn das Volk.
PODESTÀ
Immerhin - es schuldet
ihm Dank.
ERSTER SENATOR
(wegwerfend)
Es bezahlt ihn.
ZWEITER SENATOR
Ein adliger Söldner nichts weiter.
DRITTER SENATOR
Wie steht die Sache?
PODESTÀ
Er sprach sich nicht aus;
nicht für und wider.
"Einerseits - sei es erfreulich
für Genuas Volk,
anderseits müsst es der
Adel bedauern,
wenn ein wertvoll Stück
Grund und Boden
verloren ihm ginge.
Sein - des Herzogs - Herz
spräche fürs Volk...
entschiede zu seinen
Gunsten; Billigkeit aber
und Rücksicht auf seine
Freunde geböten ihm
Vorsicht - er müsse es
"noch bedenken und
sich beraten" - und
ähnliche Phrasen.
ERSTER SENATOR
(bitter)
Er neidet uns herzlich die Schenkung.
ZWEITER SENATOR
Die ganze Geschichte ist ihm zuwider.
ERSTER SENATOR
Der Mann des Tages ist Alviano Salvago!
DRITTER SENATOR
Die ganze Stadt preist seinen Namen.
ZWEITER SENATOR
Volkstümlich ward er mit einem Mal.
ERSTER, DRITTER SENATOR
(nickend)
Das ist's!
PODESTÀ
(nickt ebenfalls)
Das ist's!
ZWEITER SENATOR
Als gestern abend
Euch zu besuchen,
Salvagos Karosse fuhr
durch die Strassen...
ward er erkannt...
DRITTER SENATOR
Man jubelt' ihm zu...
ERSTER SENATOR
Warf ihm Blumen!
PODESTÀ
Es ist ihm zu gönnen.
ZWEITER SENATOR
Ein Mann voll Güte und stiller Grösse!
ERSTER SENATOR
Übel behandelt vom Schicksal!
PODESTÀ
Meine Tochter Carlotta,
nicht leicht zu erobern,
oft sprach sie von ihm...
sein Wesen ahnend...
nun hat er im Sturm
sie gewonnen.
DRITTER SENATOR
(scharf)
Der Herzog Adorno möge sich hüten!
ERSTER SENATOR
Volksgunst ist schwankend
und leicht zu gefährden.
ZWEITER SENATOR
Sein Einspruch könnt' Böses zur Folge
haben!
DRITTER SENATOR
Ein Veto in diesem Fall hiesse Raub!
ERSTER SENATOR
Man wird es nicht dulden - .
ZWEITER SENATOR
(im Abgehen begriffen)
Er möge sich hüten, der Herzog Adorno!
(Alle ab)
Zweite Szene
ADORNO
(der schon während des letzten mit
Tamare aufgetreten ist und
die drohenden Phrasen gehört hat)
Hast du's gehört?
Dies ist die Stimmung.
TAMARE
Macht Euch bange das Pack?
ADORNO
(aufmerksam)
Du sprachst gestern anders?
TAMARE
(grimmig)
Ja - gestern
(unwirsch)
erinnert mich nicht!
ADORNO
(mit sanftem Vorwurf)
Sprichst Du so mit dem Freund?
TAMARE
Verzeiht! Doch it's nicht genug,
dass ich selbst mich verachte?
Soll Euer Spott mir die Wunde
ätzen, und meiner Freunde
Gelächter zur Tollheit mich treiben?
ADORNO
Was ist Dir, Tamare?
Ich erkenn' Dich nicht wieder.
Meines Hofes glänzendster
Kavalier, wie kein Zweiter
geehrt, geliebt, von den Frauen
vergöttert, stets gelaunt
zu den tollsten Streichen...
TAMARE
Es gibt Menschen, Herzog,
die sehen nur Licht - und
das Dunkel ist ihnen fremd.
Solch einer war ich. Das Leben
schien mir ein Born der Freude,
aus dem ich trank mit durstigen
Zügen; sorglos, ohn' Besinnen.
Reckt ich die Hand aus,
hielt ich die Rose, sog
ihren Duft und
zerwühlte die Blüte.
Liess ich mich fallen,
fiel ich auf Moos;
mich mieden die Dornen
und spitzen Steine.
Klagte ein Freund mir
von Leid und Schmerzen...
hört ich ihn wohl - doch
verstand ihn nicht.
Und nun hab' ich mit einem Mal
erfahren alle Qual der
Hölle, Demüt'gung und Schmach.
ADORNO
(ungeduldig)
Erkläre Dich deutlich!
Du weisst ich bin mächtig.
TAMARE
Da hilfst Du
mir nicht, und wärst Du
Kaiser und Papst zugleich.
Doch urteile selbst:
Herrlich und schön,
wie der Tag - doch - unebenbürtig mir,
ein bürgerlich Kind.
ADORNO
Nun ja - und was weiter?
TAMARE
Als ich zum ersten Male
sie sprach, da hab' ich sie, glaub'
ich, nicht recht verstanden.
Sie heischte ein Opfer
als Pfand meiner Liebe...
doch was sie begehrte...
ungereimt Zeug, Wahnsinn...
geboren vom Augenblick...
müht ich mich zu ergründen,
auszudeuten nach Regeln
höfischer Sitte. Nach einer Nacht,
durchwacht in Kämpfen,
glaubt' ich's gefunden.
Und schwang mich auf's Pferd,
frei und stolz wie ein Gott,
von edlen Gefühlen die Brust geschwellt.
Und ritt durch die Stadt;
versunken in Träumen
formt ich die Werbung, und sah
(mehr und mehr in Selbstironie
verfallend)
die Schöne beglückt erröten,
fassungslos und gerührt
ob der hohen Ehr': Ein
Graf Andrae Vitelozzo
Tamare beut Herz und Hand...
ADORNO
Du bist wahrlich verrückt!
TAMARE
Gedulde Dich, Herzog!
Als ich hintrat vor sie,
wie das erste Mal schon...
befiel mich Zagen.
Ihr seltsamer Blick,
ihr kühl staunend Lächeln
verwirrten mich.
Doch, um zu bergen
mein kleinmütig Herz,
gab ich mich stolz,
hochfahrend und rauh,
sprach von dem Opfer,
das ich ihr brächte,
ärger als Selbstverstümmlung
und Tod. - Und da ich mir
glücklich ihr "Nein" geholt,
verlor ich vollends den
letzten Rest von Besinnung:
Warf mich hin, ihr zu Füssen,
von all meinen Gütern und
reichen Schätzen stammelt
ich wild wirre Worte.
Ihre Knie umfangend
fleht ich sie an um Verzeihung und
Gnade!...
ADORNO
Tamare, so fass Dich - hörst Du...
Vitelozzo? - Wer ist - diese Frau?
TAMARE
Des Podestà - Tochter - Carlotta.
ADORNO
(sehr erstaunt)
Ah...!
(nachdenklich)
Ein grosser Maler nannte mir einmal
ihren Namen als den
einer selt'nen Begabung.
Ich möchte Dich warnen
aus manchem Grunde,
wüsst ich nicht, wie
vergeblich solch Tun und wie verhasst
der
Warner dem, der da unglücklich liebt.
Drum will ich lieber
Dir helfen, statt raten.
TAMARE
(ungläubig)
Ah - wenn Du könntest...
ADORNO
Ich werbe für Dich.
TAMARE
Du kennst diese Frau nicht.
ADORNO
Doch kenn' ich - die Frauen.
Drum hoff' ich für Dich;
doch - versprich mir eins:
Ist die Botschaft schlecht,
und kehr ich zurück
mit leeren Händen,
so wüte nicht gegen
Dich und mich...
sei stark, verzweifle
nicht, wirf's hinter Dich...
und vergiss diese Frau!
TAMARE
(grimmig)
Höre, Herzog - ich will
sie vergessen - ich will...
(langsam)
sie vergessen....
(mit höchstem Nachdrucke)
Doch erst bis sie - mein ward.
Bis ihres Mundes Odem
ich in mich getrunken;
bis diese Hände getränkt sind
vom Duft ihres Haares,
bis diese Frau, will sie
mein Weib nicht sein,
- meine Dirne ward!
ADORNO
(rasch abwehrend)
Das gäb' böses Blut!
Wir sind gebunden
an Recht und Gesetz
wie alle, die andern;
vergiss das nicht.
Die Bürgerschaft ist
unruhig und arg verstimmt, und
meine Leute sind draussen im Feld.
Des Podestà Tochter!
Bedenke!
TAMARE
Doch wenn man nicht
ahnt, wer der Täter,
wenn keine Spur ihn verrät...
ADORNO
Das entdeckt sich bald.
TAMARE
Ei, Herzog, wie kommt's
dann, dass
seit Wochen Genuas
schönste Mädchen
spurlos verschwinden?
Erst gestern wieder...
ADORNO
(auffahrend)
Was - gestern -?
Es ward mir noch nichts gemeldet...
TAMARE
Eh' ich heraufkam
zu Dir, sprach sich's
bereits herum in der Stadt. Des reichen
Scotti Tochter Ginevra...
ist plötzlich verschwunden
und seltsam ist nur,
dass wir selbst nicht wissen - wohin.
ADORNO
(argwöhnisch, Tamare von
der Seite musternd)
Was heisst das?
Seid Ihr denn sonst so genau
unterrichtet?
(losbrechend)
Ah, meine Ahnung!
Dacht ich's doch, dass bei diesen
Freveln
Eure ruchlose Sippe
die Hand im Spiel hat!
TAMARE
Du bringst mich zum Ziel.
Meine Freunde sandten
mich her, Dich zu bitten:
Du mögest hindern, dass
Alvianos Eiland "Elysium",
übergeh' in der Stadt Besitz.
ADORNO
Alle Teufel, was hat Salvago,
was hat das Eiland zu tun
mit Euren verruchten Streichen?
TAMARE
(verhalten)
Herrliche unterirdische
Räume, eigens geschaffen
zu Liebesfesten, erschliesst
eine künstliche Grotte,
auf jenem Eiland.
Betrittst Du die Grotte,
umglitzert dein Auge
ein blauer Schein.
Schwere Düfte verwirren
die Sinne Dir, Irrlichtern
gleich locken rötlich
zuckende Flammen,
ferne Musik und
leise Gesänge Dich
tiefer und tiefer.
Über einen Abgrund hin
führt ein schmaler Steig
zum Eingang der Höhle;
dichte Rosengehege
verschleiern ihn Deinen
Blicken - doch entdeckt
man der Grotte Geheimnis...
(verhalten)
so sind wir verloren.
ADORNO
(frei)
Und weiss - Salvago
von Eurem Treiben?
TAMARE
Salvago - ha, ha!...
Ein Spiel der Natur,
wenn Du willst,
eine seltsame Laune.
Genuas hässlichster
Mann - ist der Schöpfer des Abenteuers,
dieses verwirklichten
Schönheitsgedankens.
ADORNO
(starr)
Und er selbst...
TAMARE
Er selbst - hält sich fern.
Hat wohl schon bereut...
doch begreife ich's nicht.
(ekstatisch)
Der Schein der Fackeln vergoldet alles.
Im Taumel der Orgie
wird hässlich schön
und das Schöne wird
hässlich. Die Gegensätze
schwinden im Rausch.
ADORNO
(scharf)
Und dieser Narr Salvago...
nachdem er gezüchtet
auf seinem Grunde
Sumpfblüten des Lasters,
Giftkraut der Sünde...
gibt er ihn preis, und
sich selbst, und Euch?
TAMARE
(begütigend)
Er hat uns gewarnt,
doch hat nicht bedacht,
wie schwer einzudämmen
Leidenschaft, einmal entfesselt.
ADORNO
(ausser sich)
Das ist mein Fluch:
Eure Masslosigkeit,
Eure wilde Brunst
drängt mich zu Taten,
die ich verdamme!
(ruhig im Ausdruck)
Ich will retten, was
noch zu retten ist.
Was Dir ich versprach,
will ich halten, weil
Deine Liebe Dich trennt
von dem Kreis der
Verbrecher, und weil
wir Freunde seit
jungen Tagen.
Doch hüte Dich
Vitelozza, Du bist gewarnt...
vor Gewalt.
(spöttisch)
Salvago mag seinem
Schenkungsdrange
Einhalt gebieten für lange Zeit;
(höhnisch drohend)
er wird sich
fügen - der Volksbeglücker,
sonst wehe ihm und
wehe Euch allen!
(Rasch ab in seine Gemächer)
TAMARE
(macht eine Bewegung als wolle er ihn
zurückhalten, geht aber dann mit einer
sorglosen Geste nach hinten ab)
Verwandlung
(Carlottas Atelier.
Alviano in ungezwungener
Stellung.
Carlotta in eifriger Arbeit begriffen,
wirft von Zeit
zu Zeit einen Blick auf sein
Antlitz und
spricht
während des Malens in
leichtem
Tone, hie und da,
durch ihre Arbeit
zu
sehr
gefesselt, in der Rede stockend)
CARLOTTA
Uns're Zeit ist voll seltsamer Dinge....
Ich kannt' eine Frau,
sie lernte malen
gleich mir an Antwerpens
Schule - die malte Hände.
Feine, schlanke, mit
zartem blauen Geäder,
grobe, derbknochige
Männerfäuste, die
(alles im leichten Plauderton,
jeden
dramatischen Ausdruck
vermeidend)
beringte Hand eines
Weibes, üppig und
weich, mit Nägeln,
spitz und rosig, blinkend
wie Tropfen blassen Blutes.
Eine Hand sah ich da,
die krallte sich fest
in blühendes Fleisch
und eine and're, die
pflückte mit sanften
Fingern, aus grünem
Gebüsch sich reckend, ein Reis.
Aus nebligen Wänden
griffen Hände in's Nichts,
abwehrend, winkend,
flehend und drohend;
aus Fluten tauchten sie
auf wie in Kampf und Verzweiflung,
und zwei Hände, eng
ineinander verflochten,
die waren gemalt
wie ein wogendes Meer.
Doch das Seltsame war
ein Bild: Eine Hand bleich und wächsern,
wie die eines Toten,
mit unheimlich langen dürren Fingern,
hielt ein Etwas umkrampft,
was man nicht sah.
Nur ein schwach purpurn
Leuchten sickerte
durch die gespenstischen
Finger, doch dieser
Schein war wie stumme
Klage, wie unterdrücktes
wimmerndes Weinen
und wie ein Schrei, verhalten
und todesbang, wie ein
verhaltener Schrei nach Erlösung.
Wollt Ihr, Signor,
nicht ein wenig heben
den Kopf. - So, ich
dank' Euch - ist's besser....
ALVIANO
Doch des Bildes Bedeutung?
CARLOTTA
Die Ärmste hat wohl
nie empfunden,
was den Künstler
begeistert zu grossen
Taten: Der Liebe Glück,
oder Sehnsucht nach solchem.
Sie hatte wohl gar ein
geheimes Bangen, es könnte
auf ihren Lebenswegen ihr einmal
begegnen
ein mächtig Geschehen;
irgend ein sinnbetörender
Zauber, dem sie erliege.
ALVIANO
(leise, halb für sich)
Wie seltsam - Angst vor Glück?
CARLOTTA
Die treibende Kraft
dieses armen Lebens
war Gier nach Ruhm;
und die Quelle, aus der
es schöpfte war Leid...
nicht seelisch - ein
körperlich Leiden.
ALVIANO
Eure Hand Signorina,
ist nicht so ruhig, wie
Eure Stimme, wollt
Ihr mit dem Malen...
CARLOTTA
(hastig)
Nein, nein! Ihr irrt Euch!
Meine Hand ist ganz ruhig
und die Geschichte ist gleich...
zu Ende. Meine Freundin
krankte seit früher Jugend
am Herzen. Das wollt'
allzuoft gar zu stürmisch
schlagen; und manchmal
war ihr, als griff' eine Hand,
eine harte, unbarmherzige
Hand, nach dem zuckenden
Ding und krampft es
zusammen, furchtbar
und wehe, auf dass es
- - zur Ruh' käm!
Sie hat diese Hand, diese
grausame Hand, und hat...
ihre Schmerzen gemalt.
ALVIANO
Und ob Ihr auch leugnet...
Ihr seid bewegt...so ging es Euch nahe
-?
CARLOTTA
Sie war mir lieb...
ALVIANO
So ist sie gestorben?...
CARLOTTA
Ich glaube - sie lebt noch.
(plötzlich, wie sich losreissend,
ganz
veränderten Tones)
Doch Signor, Euch
zu malen ist wahrlich
kein Kinderspiel.
Wie ein Verliebter
sucht seines Idols
Blick, so hasch' ich nach
Eurem. Doch der weicht
mir aus und flackert
umher, unstet und irrlichternd.
ALVIANO
(ausweichend
Vielleicht - bin ich müde.
CARLOTTA
So setzt Euch zu mir...
kommt, lasst uns rasten;
und seid nicht so schweigsam
und scheu, Cavalière!
Wie war't ihr doch gestern
Abend aufgeräumt
und voll Laune! Wollt' Ihr Wein?
(Sie bringt Wein in einer
Karaffe
und Gläser)
Seht - höchst-
eigenhändig kredenz' ich
Euch roten Falerner.
Und nun trinkt und
setzt Euch - ganz nah...
und erzählt mir - aus
Eurer Jugend - oder
warum Ihr heut' so trübe
und schlecht gelaunt...
oder auch - warum Euer
Blick - so ängstlich den
meinen flieht -! Was hab' ich
verbrochen...
seid Ihr mir böse?
ALVIANO
(gepresst)
Signorina Carlotta...
wenn das nur Spiel
ist, was Ihr da treibt,
Lust am Tändeln...
oder - noch Schlimm'res...
so seid Ihr trotz Eures
süssen Gesichts und
Eurer Stimme, die
klingt wie Botschaft vom Himmel
(hervorgestossen)
eine Teuf'lin!
CARLOTTA
Um Gott - beschwört nur
nicht gleich - die "Acht",
dass sie mich peinlich
verhör' und als Hexe
verbrenne! Wie seid
Ihr doch noch verbittert
und unfroh! Und ich
müh' mich um Euch - doch
Ihr dankt es mir schlecht.
ALVIANO
Ah - ich kann's nicht fassen!
CARLOTTA
Warum soll g'rade ich,
die ich gut zu Euch bin,
so verderbt und schlecht
sein, wie Ihr mich schildert?
ALVIANO
(warm)
Ich bitt' Euch um alles
zürnt mir nur nicht!
Habt nur ein wenig
Geduld noch mit mir!
Ich begreif' es nicht...
es ist wie ein Traum
und ich fürcht'...
CARLOTTA
(unwillig)
Ah, fürchtet doch nicht!
Ihr seid ein Mann und
so ganz ohne Glauben
an Euer Selbst. lst's
so undenkbar, dass eine
Frau sich in warmer Neigung,
in Freundschaft Euch fände?
ALVIANO
(auffahrend)
Ha, ha - die alte Geschichte!
Doch so, wie Ihr blickt,
mit Augen, deren Leuchten
allein schon Verheissung!
Und wenn Euer Mund
lächelt, ist mir - als
gäb's auf Erden nichts,
was da "Freundschaft"
heisst - als wär' dies
Wort, dies elende Trostwort
ein Unding, Lüge und Schmach!
CARLOTTA
Und wenn's mehr wäre...
ich sage nicht, dass es ist...
Sollte auf dieser weiten
Welt, unter Millionen
pochender Herzen nicht
eins sich finden, das
Euch entgegenstrebte - in Liebe?
ALVIANO
Mir - mir - der sich
selbst hasst, der sich
flieht, der aus den
Räumen, die er bewohnt
die Spiegel verbannt!
CARLOTTA
Narr, der Ihr seid!
Und der wie kaum ein
Zweiter sich klammert
an das, was so rasch
entflieht, wie ein Maientag:
Das bisschen Schönheit,
das uns Frauen verlässt,
wenn die erste Furche
sich meldet im Antlitz!
Kaum sind wir des Frühlings
bewusst, schon werden Früchte
aus Blüten, die Blätter
welken und fallen ab.
Und das wär' - das Einz'ge?
An sonnigen Tagen...
gingt Ihr nie aus,
bedrückt und traurig,
ohn' dass Ihr wusstet
warum? Und der
herrlichste Mensch,
der blühendste Baum,
entriss Euch nicht
Eurer Bangigkeit.
Und ein andermal
wieder, an Regentagen,
machte Euch nie warm
und froh, ja glücklich,
ein einsam alt' Männlein
verrunzelt und hässlich,
das des Weg's zog und
Euch ansah mit einfält'gen Augen?
ALVIANO
(bebend
)
Doch wenn ihr an einem
prangenden Tage,
in einem Beete voll
schönster Blumen,
fändet irgend ein
scheussliches Untier,
das Euch die Laune vergällte?
CARLOTTA
(belustigt
)
Euch wird's nicht gelingen,
trotzdem Ihr ein Unhold seid,
Signor; spitzfindig und scheusslich
in Eurem Drange, wollüstig
zu wühlen im eigenen Schmerze.
Doch merke ich eins:
Ihr weicht mir aus
wie früher mit Blicken,
so nun in Worten.
Doch entgeht Ihr mir nicht.
In die Enge treib' ich Euch
jetzt - und weist ihr mich
ab - so habt den Triumph!
Denn ich muss es Euch sagen...
ALVIANO
(furchtbar beunruhigt)
Carlotta - bedenkt doch!...
CARLOTTA
Ihr sollt es wissen dass ich Euch -
liebe.
ALVIANO
(fast schreiend)
Carlotta!
CARLOTTA
Um Gott, Signor, was
macht ihr - für Augen!
Da habt meine Hände...
und küsst sie...rasch...!
Doch lasst mich - zur Arbeit!
Ich brauch' Eure Augen
zu meinem Bilde...
so sind sie mir - recht...
(ergreift, ihn fortwährend scharf im
Auge
behaltend, sein Antlitz gleichsam
studierend, die Pinsel)
ALVIANO
Carlotta - Geliebte!
CARLOTTA
(ganz in ihre Arbeit versunken, ihn
mit
ihren Worten gleichsam hypnotisierend,
leise
)
Ich bitt' Euch - sprecht nicht...
und blickt mich nur an...
so ganz voll - und senkt...
Euren Blick - tief in den
meinen;
(sehr innig und warm)
und denkt an viel Schönes - dass ich...
Eure Sonne bin, - die
alles Dunkle - aus Eurem
Leben - verscheucht - mit
strahlendem Lichte.
ALVIANO
(in höchster Erregung)
Um Gotteswillen - Carlotta...
ich muss - zu Deinen Füssen...
ich bin so unsagbar - so...
wahnsinnig glücklich...
(will auf sie zustürzen)
CARLOTTA
(beinahe ängstlich abwehrend)
Ich bitte Dich - bleib' noch!
Und sieh' mich nur an und denk'
dran - dass Du nun nicht mehr...
einsam sein wirst - und
ungeliebt - trotz Deiner...
Hässlichkeit - sieh' wie ruhig...
ich's sage - das Wort, das
Dich quälte - so lange - ;
nun ist's vorbei...
denn ein Wort ist's...
und ein Begriff - nichts
weiter. Doch Du - musst...
gut zu mir sein - Alviano...
(schwer, krankhaft schwer atmend)
und zart mein Liebster!
Denn ich bin - ein gar...
gebrechliches Spielzeug...
ALVIANO
Carlotta!
(Sie hält ihn mit flehender Gebärde
zurück und fesselt ihn so an seinen
Platz,
malt in sichtlich sich steigender
Erregung,
nahezu fieberhaft an dem Bilde weiter.
Er verharrt, ihre Gestalt mit glühenden
Blicken verschlingend, schwer atmend,
wie eine übermächtige Bewegung
gewaltsam bekämpfend.
CARLOTTA
(hoch aufatmend - die Pinsel
fortwerfend,
mit einem prüfenden Blick auf das Bild.
Dann plötzlich wankt sie - greift sich
ans
Herz - droht umzusinken)
So - nun ist's fertig! Doch
nun komm' - und stütz' mich,
ich bin erschöpft...
(sie taumelt)
doch Du musst...-
ALVIANO
(fängt, zu ihr eilend, sie in seinen
Armen auf)
Bei allen Heil'gen...
Geliebte - was ist Dir?
(Sie hält sich, um nicht umzusinken, an
eine Staffelei an, die, mit einem Tuch
verhängt, im Hintergrunde steht. Das
Tuch löst sich an einer Seite los. Man
sieht ein Bild; eine Art Totenhand, aus
der
ein roter Schein schwach hervorleuchtet.
ALVIANO
(erblickt das Bild, fährt zusammen,
begreift, verrät sich nicht, stützt sie,
streichelt sie wie ein krankes Kind;
feierlich und voll Mitleid)
Du Süsse, Du Arme...
Du Schönste! Du gabst
mir das Leben, den
Glauben wieder an Gott
und die Menschheit.
Ich will alles, was ich
habe - Dir weih'n...
ich will mich selbst
breiten unter Deine
Füsse, ich will - unendlich
gut - und will
(erstickt)
zart - zu Dir sein...-
(Er hält die Bewusstlose in seinen
Armen;
bemüht, sie wieder zum Leben zu
erwecken. Sie regt sich, schmiegt sich
hingebungsvoll in seine Arme. Er wird
von
heftiger, verzweifelter Leidenschaft
erfasst. Küsst wild ihre Hände, reisst
sie
an sich - beugt sich über ihr Antlitz,
über
ihre sich ihm bietenden, verlangenden
Lippen...und bezwingt sich, küsst nur
zart ihre Stirn, sinkt ihr zu Füssen und
vergräbt in tiefer Bewegung sein Haupt
in ihren Schoss.
Sie zieht ihn sanft zu sich
empor. Die Beiden verharren in einer
seltsam zagen, keuschen Umschlingung)
EINE DIENERIN
(aufgeregt hereinstürzend)
O Herrin! Der Herzog Adorno!
CARLOTTA
(sich langsam in Alvianos Armen
aufrichtend, schwach)
Der Herzog - was kann
er nur wollen?
Ich lasse bitten... er
möge warten!
(Sie erhebt sich mit müder Bewegung,
tritt vor einen Spiegel,
richtet ihr Haar)
DRITTER AKT
Interludio
(Das Eiland "Elysium". Die Bühne macht
den
Eindruck eines paradiesischen Gartens.
Ganz im Hintergrunde, vom Zuschauer
links,
verschwommen, die Konturen
der Stadt Genua
und der in
Abendbeleuchtung
erglänzende
Meeresspiegel.
Vom Zuschauer rechts steigt die
Bühne
sanft an;
an einer Stelle, mehr dem
Hintergrunde
zu,
soll sie, in felsiges Gestein
übergehend, jäh in die
Höhe streben. Eine
Art Felsweg führt zu
einem
Steig, hinter
diesem schimmern die
satten
Farben einer
dichten Rosenhecke.
Die Mitte der Bühne ist
bis weit nach
rückwärts
Rasen, üppig
wuchern hohe Farne
und Blumen in oft
grellen Farben.
Aus dichtem Gebüsch blinken
kleine
Kioske
von phantastischen Formen und
Marmorgruppen,
die zumeist erotische Szenen
der
griechischen
Sage darstellen.
Fontainen,
die mit Einbruch der Nacht zu
Leuchtbrunnen
werden, werfen hohe
Garben.
Hie und da lugt
aus dem Gebüsch,
als hätte sich der tote
Marmor belebt,
die Gestalt eines Fauns.
Gruppen von Najaden schweben durch
den
Plan, ein Zug Bacchanten
eilt mit schrillem
Getön vorüber.
Schon zeigen sich die ersten
Besucher.
Stumm staunend schreiten sie
zwischen
den Wundern.
Da ertönt von fern,
aus der Stadt
herüber
das Angelusläuten.
Der
heidnische Spuk verschwindet
solange es
währt,
die Bürger knien nieder
und entblössen
das Haupt.
Mittlerweile ist es finster geworden.
Von der fernen Stadt leuchtet ein
dunkelroter,
dunstiger Lichtstreifen herüber.
Die
Meeresfläche ist wie von tausenden
kleinen
Lichtern besät - die kleinen Schiffe der
näherkommenden Besucher des Festes.
Die
Fontainen beginnen zu leuchten.
Da und dort
im Gebüsch flackern,
Glühkäfern gleich,
Funken auf.
Eine Blumendolde wirft grünes
Licht
über eine Steingruppe, ein brünstig
verschlungenes
Paar darstellend.
Kühner
wird das heidnische Gelichter und
ein
Elfenkind überschüttet einen ehrsamen
Bürger
der genuesischen Stadt mit einem
Blütenregen.Blasender Faun auf der Szene.
Angelockt kommen andere Faunsgestalten
näher, gruppieren sich um den die Syrinx
blasenden
Faun. - Ein Zug Najaden schwebt
vorüber,
die Faune verfolgen ihn...
Musik
aus der Stadt; der Faun
lauscht...
Es zeigen
sich die ersten Bürger, Volk aus der
Stadt...
Der Zug Najaden flieht, gejagt von den
Faunen,
in entgegengesetzter Richtung
neuerlich
vorüber.
Erschrecktes Staunen des
zaghaft in
kleinen
Gruppen ankommenden
Volkes....Ein Faun erhascht eine Nymphe.
Szene zwischen beiden: Werbung -
Abwehr...
heftiges Drängen - endliches Gewähren...
Steigerung des Spiels bis zu wilder
Leidenschaft
(ein Zug Baccganten tollt im
Hintergrunde
der Bühne mit schrillem Getön
vorüber)...
und seligem Ermatten. - Rückkehr
der
Faune
und Najaden in einzelnen Paaren.
Liebesspiel,
Lagerung im Wiesenplan und den
seitlichen
Gebüschen. Wieder bläst der Faun.
Abendstimmung. Diskretes
Spiel mit dem Volke,
das sich, von
vereinzelten
Ausnahmen abgesehen,
abwehrend verhält,
sich wiederholt bekreuzigt.
Dieses Spiel dauert in unaufdringlicher
Weise
an,
bis etwa zum Eintritt der zweiten Szene.
Dann darf die Aufmerksamkeit durch
nichts
mehr abgelenkt werden.
Nur hie und da lugt eine
Najade oder
ein Faun neugierig aus einem
Gebüsch
oder hinter einer Säule hervor.
Hin und
wieder geht lustwandelnd
im Hintergrunde Volk
über die Bühne)
Erste Szene
ERSTER BÜRGER
Bei den Gebeinen des heil'gen Andreas...
ZWEITER BÜRGER
(mit gefalteten Händen)
Da heisst's ganz ehrfürchtig sein.
ERSTER BÜRGER
Wenn die lockern Geister nicht wären,
möcht' ich sagen: 's ist's Paradies.
EIN KLEINER BUB
Wer weiss, Vater, ob das nicht Engel
sind?
VATER
Ho, Engel! Dummer Bub!
(Die Mutter stösst ihn, da besinnt er
sich)
Natürlich sind's Engel.
MUTTER
Was meinst Du, Alter...
beim Angelusläuten...
war Dir nicht auch...
so 'n bisschen bang?
Die gehörnten Kerle...
DRITTER BÜRGER
(wichtig)
Seht, Frau - das
versteht Ihr nicht:
Das ist - "Kunst"!
Unter dem sel'gen
Dogen Francesco
Sforza - Gott geb'
ihm Ruh 's war
ein strenger Herr...
da hab' ich mal
mitgeholfen bei
so 'nem Bilde...
ERSTER BÜRGER
(leise)
Er hat die Gerüste
gestellt für die Maler...
ein Tischler ist's.
ZWEITER BÜRGER
Ha - ha - ha!
DRITTER BÜRGER
(argwöhnisch)
Was sagt Ihr da?
MUTTER
Erzählt nur weiter...
DRITTER BÜRGER
(beruhigt)
Na, also. - Wie ich da
'rein kam und alles
sah, da dacht' ich wieder
an das Gemälde...
's gibt im Palast
dort deren viele...
doch dies hier
(er deutet auf die Umgebung)
wahrlich, ist noch viel schöner.
MUTTER
Weil alles lebt...
ZWEITER BÜRGER
Und duftet...
ERSTER BÜRGER
Und das viele Licht!...
(Anmerkung für den Regisseur:
Es muss
auf der Bühne hell sein,
wie am Tag)
DRITTER BÜRGER
Und am Himmel die Sterne!
(Sie gehen weiter)
Zweite Szene
EIN JÜNGLING
(ärmlich gekleidet mit seinem
Freunde auftretend)
Mir ist elend zu Mut.
Einem Orte wie dieser,
sollt' man nur nah'n in
prächt'gen Gewändern,
festlich gestimmt...
SEIN FREUND
- und mit sattem Magen.
DER JÜNGLING
Ach, das verschlüg' nichts...
(Gehen weiter)
Dritte Szene
MARTUCCIA
(auf eine Gruppe zu
)
Ich bitt' Euch, Leute,
habt Ihr nicht geseh'n, meinen Herrn
Alviano? -
ERSTER
Euern Herrn Alviano?
ZWEITER
Freilich sah'n wir ihn!
DRITTER
Gleich links vom
Eingang, dort
bei der Säule...
seht dort - stand
er vor einer Weil'
mit vielen andern...
's dürften wohl
Künstler gewesen sein.
(Die Gruppe entfernt sich langsam)
MARTUCCIA
Ach Gott, ach Gott...
jetzt such' ich ihn schon eine Stunde
lang...
(will verzweifelt fort)
Vierte Szene
EIN FAUN
(Pietro)
(leise)
He, Martuccia!
MARTUCCIA
(sehr erschrocken)
Was ist das für 'n Ding?
War mir doch grade...
PIETRO
Ich bin 's - Pietro...
MARTUCCIA
Ah, meine Ahnung!
Er hat ihn geholt,
der Böse! Drum stand
heute Nacht plötzlich
still die Uhr und im
Zimmer des Herrn
tat's einen Krach...
PIETRO
So schweig doch, Närrin!
Siehst Du denn nicht, dass ich lebe?
MARTUCCIA
(erbost)
Was? Du lebst?
O, Du Schurke!
PIETRO
(verdriesslich)
Schon recht!
Doch sag' rasch:
(sieht sich vorsichtig um)
Was macht - meine Schöne?
MARTUCCIA
(ausbrechend, verzweifelt)
Das ist's ja!
Das ist's ja!
O heiliger Josef!
Sie ist mir entwischt...
PIETRO
Verfluchte Kröte!
MARTUCCIA
Was Du uns da eingebrockt hast...
Du Satan!
PIETRO
Sagt ich Dir nicht,
Du sollst sie dem
Ritter Menaldo...
MARTUCCIA
(jammernd)
Mein armer Herr Alviano!
(giftig)
Und ich weiss, wer sie war - :
Ginevra Scotti - sie
sagt es mir selbst...
und die Stadt ist
voll von dem Raub.
Du hast sie entführt,
und nun wird man
glauben, mein Herr
und ich - kaum war
sie fort, so waren
schon da die Schergen...
die Häscher der "Acht"
und suchten den Herrn.
Ach - fänd' ich ihn nur...
ich unglücklich' Weib...
ich gesteh' ihm alles,
ich will ihn warnen...
und dich lass' ich
rädern, Du Schuft!
PIETRO
(pfeift leise zwischen den Zähnen)
Geduld - alte Hexe!
(Eine Schar Faune stürzen sich auf
Martuccia, knebeln sie, ehe sie einen
Schrei auszustossen vermag und
schleppen sie rasch fort ins Gebüsch.
Pietro ab)
Füntfe Szene
ALVIANO
(mit dem Podestà von
seitwärts auftretend)
War mir doch - als
hört' ich Martuccias Stimme!
(lächelnd)
Ich höre seit gestern
überall Stimmen.
In den Lüften Singen
und Raunen im Busch...
vorhin Carlottas
silbernes Lachen, doch war das wohl
Täuschung. Ach, Herr,
wie bin ich seit jenem
Tage, da ihr zum
ersten Male mein Haus betratet,
verwandelt und glücklich!
Wie ist Eure Tochter,
(warm)
so bald nun mein Weib,
doch unsagbar herrlich,
so milde und schön,
so voll tiefer Güte.
Doch ihr seid schweigsam,
was ist Euch, Podestà?
PODESTÀ
(ein wenig ausweichend)
Ich bin verwirrt...
und geblendet.
Was Ihr mir eben
zeigtet...es ist
so unfassbar, dass
eines einzelnen
Menschen Gehirn
auszusinnen vermochte
dies Reich des Zaubers!
ALVIANO
Es halfen mir Viele.
Die Künstler wirkten...
ich gab nur - die Sehnsuchtl
PODESTÀ
Doch gabt ihr - so fürcht' ich,
o Herr - zu viel, Ihr...
und die Künstler. All
die hungrigen Seelen,
die durstigen Augen,
die in Verzückung sich
weiden werden an
dieser Orgie von Farben,
Düften, Tönen und
holden Gestalten - bedrückt
und verloren sieht sie
der Alltag wieder, dem
Ihr sie entfremdet.
Ihr zeigt uns den Himmel,
so nah und berückend,
dass wir unfroh werden
der Erde und ihrer Macht,
die uns hält und den
Aufstieg uns wehrt,
in die sel'ge Region ew'ger Freude....
Trotzdem ich sie hasse
und ihre Tücke heute noch
fürchte - fühl' ich mich eins
mit den adligen Neidern,
wenn ich mich frage:
Wird Eure Grossmut
Segen bringen uns
allen - oder Verderbnis?
ALVIANO
So fragt' ich mich auch...
und Zweifel bedrängten
mich hart. Doch ich war
mir bewusst einer Schuld,
eines frevlen Gedankens,
der Früchte zeitigte, die ich
verdammte und deren
Gift an der Seele mir frass.
Diele Schuld zu löhnen, hab'
ich das Liebste, das - damals
noch - meinem Herzen lebte,
das einzige Glück meiner
freudlosen Tage geopfert,
ohn' dass ich's bereu',
denn unverdient hoher Lohn ist
mir geworden. Dies
nehm' ich als Omen. Und
trotzend dem Warner
Adorno, der mir sagen
liess, er würd' Einspruch
erheben heut' Abend, vor
allem Volk und ihn be-
gründen, vertrau' ich dem
güt'gen Geschick und dem
Lenker da droben,
der endlich auch mir
gab von seiner Gnade.
PODESTÀ
(tritt auf ihn zu, legt ihm beide
Hände
auf die Schultern und sieht ihm gütig
ernst in die Augen)
Ich will nicht fragen,
welcher Art Eu'r Vergeh'n,
doch sicher scheint's mir
ALVIANO
Ihr werdet 's erfahren...
später einmal und mich...
ich weiss es - entsühnen.
(Von einem der seitwärts einmündenden
Wege kommend tauchen, für die beiden
im Abgehen Begriffenen unsichtbar,
Carlotta und Adorno auf. Wie Carlotta
Alviano erblickt, prallt sie zurück ud
bemüht sich, nicht bemerkt zu werden.
Doch wo bleibt Carlotta -?
PODESTÀ
Kommt, wir wollen sie suchen.
(Beide ab, dem Hintergrund zu)
Sechste Szene
ADORNO
Hörtet Ihr nicht? Man
sucht Euch, Donna Carlotta;
und Ihr - verbergt Euch,
flieht zurück in den Schatten,
so flieht Ihr - Euren Verlobten?
CARLOTTA
Ach, denkt nicht schlecht von mir,
Herzog;
weiss ich doch selbst nicht,
was mit mir ist....
Als ich euch gestern
mein "Nein" gab,
für Graf Vitelozzo,
fühlt' ich mich stolz
und sicher und gross
und beglückt...
und doch - seit ich
das Bild vollendet,
das Euch so sehr gefiel,
das Bild Alvianos...
ist mir, als wär'
da innen etwas
erschlafft, als wär'
meine Liebe nicht
mehr dieselbe.
Nicht ärmer...
versteht mich...
doch - als hätt' er mir
nun sein Alles - sein Höchstes
gegeben und ich nichts
mehr, gar nichts mehr
zu erwarten. Und dann...
doch ich weiss nicht,
ob einer Frau
zwiespältig Fühlen
Eure Teilnahme weckt
und nicht etwa Spott
in Euch wachruft. Herzog?
ADORNO
Ich bitt' Euch, vertraut mir,
wie seid Ihr doch echt und wahr
Signorina!
Siebente Szene
(Im Hintergrund treten auf Gonsalvo.
Guidobald, Michelotto: das Paar
erblickend,
bleiben sie jäh stehen und flüstern,
heftig gestikulierend, miteinander.
Das Gespräch des Herzogs
mit Carlotta links seitwärts
(oder rechts) zuerst unhörbar,
dann erregter werdend)
GONSALVO
Blickt dort hinüber!
GUIDOBALD
Der Herzog - und des Podestà Tochter!
MICHELOTTO
Ein unsich'rer Herr!
GUIDOBALD
Mir schwant nichts Gutes!
CARLOTTA
Ich betrat dies Eiland voll heimlicher
Angst!
GONSALVO
Seid auf Eurer Hut!
MICHELOTTO
Und lockert, Ihr Herren, in der Scheide
die Degen!
GUIDOBALD
Vitelozzo lässt sich nicht blicken...
GONSALVO
Kein gutes Zeichen!
MICHELOTTO
Kommst Du?
GONSALVO
Ich komme - .
MICHELOTTO
Und Du -?
GUIDOBALD
Wir alle!
(Gehen nach verschiedenen Seiten ab)
ACHTE SZENE
CARLOTTA
Als hätt' ich Wein getrunken,
schwer und vermischt mit
behexenden Kräutern,
oder jenen seltsamen Trank
aus Herzblut einer
liebtollen Jungfrau
gebraut! Es ist der Schönheit
furchtbarer Zauber, gebunden
sonst, halb verborgen den Sinnen...
und nun entfesselt, preisgegeben
dem Tage und lüsternen Blicken.
Wie eines herrlichen Weibes Glieder,
schamvoll verhüllt
in den Jahren der Sehnsucht,
plötzlich in Nacktheit sich räkelnd,
tausend
Reize entfaltend, vor des liebenden
Jünglings glücktrunk'nem Auge!
Neunte Szene
(MenaIdo mit einer verschleierten
Dame und Graf Julian)
JULIAN
Ihr habt Euch getröstet,
Ritter Menaldo...
ich seh's mit Vergnügen.
(Carlotta mit Adorno promenieren im
Gespräch weiter
und kehren erst gegen
Ende dieser Szene wieder)
MENALDO
So wisst Ihr denn, wo Ginevra ist?
JULIAN
Wüsst' ich's, würd' ich
nicht einsam wandeln
in diesen Gärten
verzückter Begierden.
MENALDO
(spöttisch)
Doch wie nun, wenn
diese verschleierte Schöne
an meinem Arm wäre
Eure Ersehnte?
JULIAN
Dass sie's nicht ist,
dafür bürgt mir
Ginevra's Liebe - .
(erhobenen Tones)
Und wenn sie's wäre .
(jäh)
stäch' ich Euch nieder.
(Adorno und Carlotta werden hier wieder
sichtbar und kommen nach vorne)
MENALDO
(macht eine Bewegung zum Degen
und einen Schritt zurück,
besinnt sich)
Zu schön zum Kampfe
ist diese Nacht, sonst
büsstet Ihr, Graf,
Euer freches Wort.
JULIAN
Wir sehn uns wieder,
Ritter Menaldo!
(Julian, Menaldo mit
der
Dame ab)
Zehnte Szene
CARLOTTA
Dazu das lockende Lied,
das Ihr sangt, von des
schönen Knaben Tamare
unglücklicher Liebe,
und seinem wilden Verlangen,
nicht scheuend Gewalt und das
Opfer des Lebens für einen
Kuss meiner roten Lippen.
O Herzog, der Ihr das Leben
kennt und die Frauen, Ihr
habt gesündigt an Alviano,
doch mehr noch er an sich selbst;
denn nun - wie ich ihn sah...
da, an dieser Stelle, mit meinem
Vater, in all' dieser Pracht, die er
geschaffen mit seines Geistes
lodernder Kraft; wie ich ihn sah,
den Ärmsten, der selbst zerrissen
die gütigen Schleier, in die Mitleid
uns hüllt und die seltsame Macht,
die die Sinne bändigt, da fiel mir
ein ein Wort, das der Unsel'ge
sprach in seiner einz'gen glücklichen
Stunde: "Doch wenn Ihr an einem
prangenden Tage, in einem Beete voll
schönster Blumen, fändet
irgend ein scheussliches Untier - "
ADORNO
Um Gott, Jungfrau...
CARLOTTA
Lasst mich, Herzog!
ADORNO
Beruhigt Euch doch...
die einzige glückliche
Stunde - Ihr sagtet es selbst...
er verdankt sie Euch;
dies mag Euch trösten.
CARLOTTA
Ihr sollt mich nicht trösten!
Ich will keine Gnade.
Marter und Hass sind
was ich verdiene...
Verzweiflung und Tod!
ADORNO
(stark)
So hört ein Letztes:
(mit Nachdruck)
Er war nicht würdig
und wert Eurer Liebe.
Er ist nicht der Edle,
für den Ihr ihn hält.
Von bösen Gelüsten
ist er besessen und
heut' noch ereilt ihn...
CARLOTTA
(exaltiert)
Ich will nichts hören.
Ihr wollt' ihn verleumden;
doch er ist gut und
gross und erhaben
und ich bin elend,
verworfen und schlecht. Ich hasse mich
und die Welt und Euch.
(mit furchtbar lüsternem Ausdruck)
Nur die Nacht, diese Nacht
lieb' ich und ihre Schatten...
ADORNO
So gnade Euch Gott...
doch kommt, ich führ' Euch zu Eurem
Vater!
CARLOTTA
(hastig)
Geht, geht! - Doch lasst mich!
(Sie geht wiegenden Ganges in das
seltsam glitzernde Dunkel einer rechts
vom Zuschauer liegenden Waldanlage.
Adorno langsam ab)
Elfte Szene
CARLOTTA
Ah, welche Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
In ihr schwärzliches Licht
will ich tief mich verkriechen,
eintauchen tief in ihr
leuchtendes Dunkel!
Mit Sternen tanz' ich
den Sommernachtsreigen,
doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch.
GESANG
(zuerst leise, dann immer stärker, in,
langgezogenen schwingenden Akkorden,
von allen Seiten des Eilands
zusammenströmend. Es ist als pflanze
sich das Echo des Liedes Carlottas fort
und finde immer stärkeren Widerhall.
Ein wirrer furchterregender Chor, der
sich
bis zu orgiastischen Ausbrüchen steigert
im Laufe seiner Wiederholungen)
"Ah, welche Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
Mit Sternen tanz' ich
den Sommernachtsreigen,
doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch."
Zwölfte Szene
DIE MUTTER
(von früher)
Ach gehn wir, Alter, arg wird das
Gedränge!
VATER
Wo hast Du das Kind?
MUTTER
Es riss sich von mir...
VATER
O, Du Unglücksweib!
MUTTER
Einem Falter jagte es nach
einem silbernen Falter...
VATER
(sie fortziehend)
Komm, Frau, so komm doch!
Dreizehnte Szene
(Senatoren treten auf)
ERSTER SENATOR
Wir habens versäumt.
ZWEITER SENATOR
Zu spät.
DRITTER SENATOR
Wie sollen wir nun,
in dem tollen Trubel,
mit Würde und Ruhe
vollziehen den Akt
der Eröffnung?
ERSTER SENATOR
Ach, lasst die Leute!
ZWEITER SENATOR
Was sollen die Formalitäten?
DRITTER SENATOR
Das Volk ist im Taumel!
ERSTER SENATOR
Doch meine Rede!
ZWEITER SENATOR
Das Feuerwerk!
DRITTER SENATOR
Die Huldigung für Salvago!
(Sie lauschen dem Gesang)
GESANG
(stärker, eindringlicher)
Ah, welche Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
Mit Sternen tanz' ich den
Sommernachtsreigen,
doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch.
ERSTER SENATOR
Es wird bedenklich!
ZWEITER SENATOR
Ich sagte es gleich...
das heidnische Zeug,
die nackten Weiber
und Bocksgehörnten!
DRITTER SENATOR
Und die Alberghi
mischen sich unter
das arglose Volk;
mit geilen Reden
stacheln sie auf
uns're Söhn' und
Töchter zu tollen Streichen.
DIE SENATOREN
(durcheinander)
Wo ist der Podestà?
Wo ist Alviano?
Gebietet Einhalt...
(Einige Senatoren gehen oder
drängen
durch das aufgeregte Volk)
Vierzehnte Szene
DER JÜNGLING
(von früher)
Bleibt, Schönste!
Seht, ich liege zu
Euren Füssen,
erhört mich!
DAS MÄDCHEN
Nein, Ihr seid allzu kühn, Signor!
DER JÜNGLING
Erhört mich!
DAS MÄDCHEN
Nein, nein, ich kann nicht,
lasst mich, Signor!
DER JÜNGLING
(ausser sich)
Ich morde mich, wenn Ihr mich
von Euch stösst!
Bin ich nicht schön?
Mein Haar, fühlt nur,
ist weich wie Seide.
DAS MÄDCHEN
(hart)
Ha, ha! Ihr schön?
Zerlumpt seid Ihr
wie ein Bettler,
wahrhaftig, so dass
ich mich schäme, sieht
man mit Euch mich...
(Der gesamte Chor versammelt sich auf
der
Bühne und kommt später ganz nach
vorne)
DER JÜNGLING
(ekstatisch aufspringend)
Nein, schämt Euch nicht!
(er zieht einen Dolch)
Gern will ich sterben!
Purpurnes Blut
wirkt ein leuchtend Kleid!
(Er will sich den Dolch in die Brust
stossen)
DAS MÄDCHEN
(zitternd, ihm in den Arm fallend
und die Waffe entwindend)
Bei der Madonna...
was tut Ihr...
so haltet doch ein!
Ach - ach - Ihr seid...
verzeiht mir! - Kommt, kommt!
(Sie eilen verschlungen, jubelnd in den
mächtig einherbrausenden Gesang
einstimmend in die Nacht hinaus)
CHOR
Welch eine Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
(Von hier ab zerstreut sich der Chor
nach verschiedenen Richtungen, bis auf
einzelne Paare, die im Hintergrunde der
Bühne bleiben)
Wir tauchen tief in ihr leuchtendes
Dunkel und tanzen mit Sternen
den Sommernachtsreigen - eiah...
Sommernachtsreigen...-
(neckend spöttische Frauenstimmen)
Doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch!
Fünfzehnte Szene
(Aufgeregte Rufe Alvianos)
ALVIANO
Wo ist sie, meine Braut?
Sah niemand Carlotta?
(Von hier ab entwickelt sich ein grotesk
grossartiger Maskenzug, die Vereinigung
der Antike mit der damaligen Zeit - die
Renaissance - allegorisch darstellend.
1. Herolde Im Stile der Zeit; Faune
blasen
dazu auf der Syrinx die Fanfare.
2. Faune, einer imposanten
Künstlererscheinung und seiner
Egeria huldigend - karikiert -
eine Art wilder Reigentanz.
3. Herolde, mit Abzeichen oder
Fahnen
der schönen Künste.
4. Langsamer Aufzug Apollos im
Sonnenwagen,
als Symbol des Ruhmes. Blendendes Licht
umgibt ihn, das mit seinem Näherkommen
grösser und strahlender wird. In seinem
Gefolge die Musen und berühmte Künstler
der Renaissance.
Stillstand im Reigen der
Gruppe 2. Der
Künstler
gebannt von Apollos
Erscheinung, strebt
dieser
zu. Seine Schöne
umschlingt ihn und
versucht,
ihn neuerlich
dem Reigen zu gewinnen.
Der Künstler
widerstrebt, wehrt sich,
immer
mehr Apollo
zugewandt.
Die Faune verstricken ihn, der
dagegen
kämpft, in immer tolleren Reigen.
Der Wagen Apollos ist ganz nach vorn
gekommen. Hier reisst sich der Künstler
mit
einer
gewaltigen Bewegung los, und sinkt vor
dem
Wagen Apollos, huldigend in die Knie.
Apollo hebt ihn zu sich in den Wagen,
die Musen
bekränzen seine Stirn, des Künstlers
Egeria
breitet sehnend schmerzvoll die Arme
nach
ihm aus und verhüllt sich, von dem
grellen
Licht geblendet, die Augen.
Die Fauns
bemächtigen sich ihrer mit
wilder
Gier und
schleppen die sich angstvoll
Wehrende
mit brutaler Gewalt fort. Die
Gruppe des
Apollo folgt ihnen mit
jubelnden
Bewegungen. Der Künstler steht ernst und
gedankenvoll, hoch aufgerichtet im
Wagen.
5. Auftritt der Venus mit glänzendem
Gefolge.
Gestalten aus 1001 Nacht.
Märchen,
Najaden,
die Edlen.
Knaben
und
Mädchen. Die Gruppe soll etwas
erhaben
Orgiastisches versinnbildlichen.
6. Ein Bacchantenzug. Rufe: "Evoe
Bacche".
Wild zügellos, in krasser.
Realistik zu
inszenieren.
In seiner Mitte Carlotta.
Ihr zur
Seite, sie verfolgend
ein maskierter Edelmann:
Graf Vitelozzo Tamare.
Hier hören die Rufe
,,Evoe Bacche"
auf der Bühne auf. Entfernt
vernimmt man
noch
das Tosen und Stampfen
des dahin
brausenden
Zuges. Der Graf hat
Carlotta erhascht,
umfängt
sie in toller
Leidenschaft, küsst sie,
sie wehrt sich,
doch gibt sie sich wiederholt, dem
süssen
Taumel
erliegend, willig seinen Küssen hin, um
ihn dann
wieder plötzlich von sich zu stossen.
TAMARE
Was fliehst Du vor mir?
CARLOTTA
Nein, ich fliehe Euch nicht.
TAMARE
So kennst Du mich denn?
CARLOTTA
Weiss nicht, wer Ihr seid.
TAMARE
(heiss)
Doch wenn's einer wär',
der Dich, Schönste, liebt?
CARLOTTA
Ihr liebt mich? S' ist gut.
Doch lasst mich blicken
durch Eure Maske,
ob hell sind Eure Augen...
oder trübe.
Seid Ihr Alviano?
Nein, Ihr seid 's nicht.
Schön von Gestalt,
ein schmucker Knabe!
TAMARE
O schönste Carlotta,
wie sprichst Du seltsam!
CARLOTTA
(mit ganz veränderter Stimme)
Seltsam, mein Liebling?
Gib Deine Hand...
ah, sie ist weich und heiss
und wohlig fühlt sie sich an;
da - spürst Du mein Herz
wie es heftig schlägt?
Dir entgegen - mein Süsser!
Doch höre, Knabe - mit
Deinen Händen, so weich
und linde, hältst Du es sanft,
und darfst 's nicht quälen;
hältst es umspannt, ganz
lind und leise.
Hopla, mein Süsser!
CARLOTTA, TAMARE
Komm, lass uns eilen!
Kurz ist die Nacht
und der Morgen nah. (usw)
(Die Beiden erklimmen den Felsweg;
hinter der Rosenhecke leuchtet ein
intensiver blauer Schein)
Sechzehnte Szene
ALVIANO
(wie gehetzt)
Ihre Stimme hör' ich!
Sie schallt mir aus Höh'n,
und Klüften - vertausendfacht!
Gesang aus den Lüften, ein
Spottlied aus Tiefen der Hölle!
Ihre Gestalt tanzt vor mir, -
lugt aus Gebüschen und Hecken...
da und dort glitzert ihr Kleid...
wie ein Irrwisch hetzt sie mich,
bergauf und talab, in den
Äther - in Sümpfe - und
ich hielt sie doch - sie war
ja doch mein!...Oder
war sie's nicht?
Siebzehnte Szene
DAS VOLK
(ihn gewahrend und umdrängend)
Hoch Alviano Salvago!
Der Freudenbringer!
Der Zaub'rer,
der König des Festes!
ALVIANO
(wild)
Was wollt Ihr von mir?
Was höhnt Ihr mich da?
Saht Ihr Carlotta?
PODESTÀ
Getrost, Alviano!
Ich sandt' ihre Frauen aus,
Diener suchen sie allenthalben...
bald ist sie gefunden!
DAS VOLK
Hoch Alviano Salvago!
Der uns die Freude gab!
Bringer der Schönheit!
Vater des Volkes!
ALVIANO
Was wollt Ihr?
Schweigt doch...
(mit tief schmerzlichem Ausdruck)
Ich bin kein König.
Ein Narr, ein Krüppel!
Ein Bettler, ein Scheusal!
(in atemloser Hast)
Wo ist meine Braut?
He, schafft sie mir!
Ich will Euch danken...
ich geb' Euch alles - mein
Hab und Gut. Dann bin
ich Fürst, ein König, ein Gott!
(mit verzweifelter Eindringlichkeit)
Doch schafft mir Carlotta...
ah, ich bin müde, gehetzt...
meine Kraft - geht zu Ende...
(Er sinkt in sich zusammen)
DAS VOLK
Hoch Alviano - Apollo!
Der Freund der Musen!
Der König! Krönt ihn!
Wo habt Ihr die Krone,
die Rosenkranzkrone?
Hebt ihn hoch - den
Freund des Volkes - krönt
ihn mit Rosen - hoch Alviano!
(sie heben den halb Bewusstlosen empor,
setzen ihm einen Rosenkranz aufs Haupt)
ALVIANO
(schwach)
Lasst - lasst...
(Man zeigt ihn dem Volke, dieses bricht
in
betäubendes Hoch und Beifallsgeschrei
aus)
Achtzehnte Szene
(Acht vermummte Gestalten brechen sich
Bahn
durch das Volk. an ihrer Spitze ein
hochgewachsener Mann, der Capitaneo di
Giustizia (reisst das Volk zurück.
Abflauen des
Geschreis, das Volk weicht
scheu
vor dem
Capitaneo zurück; um die "Acht"
bildet sich
ein freier Raum...
das Volk im Halbkreis
zurückgedrängt.
Kopf an Kopf, etwas weiter
vorn die
Gestalten
des Podestà und der Senatoren.
Alviano
zuerst
am Boden liegend,
wohin man ihn sanft
gesenkt
dann sich aufrichtend)
CAPITANEO DI GIUSTIZIA
Halt ein, genuesisches Volk!
Haltet ein, Betörte!
Wahnsinnige, die Ihr seid!
Ihr krönt mit Blüten
den, der da Eure Töchter geraubt,
Eure Kinder verführt, geschändet...
gemordet vielleicht...!
(Beispielloses Entsetzen, alles steht
erstarrt)
GEMURMEL
Was ist das? Was meint er
damit? Die Acht! Entsetzlich!
Er? Alviano?
RUFE
Glaubt ihm nicht! Aha!
Die Alberghi, die Füchse!
Schlau ist's gemacht!
Die vertrackten Neider!
Verleumdung!
Hoch Alvianol
Seid still! Schweigt!
Höret die Acht!
DER CAPITANEO
(Lesen)
Durch die heilige Acht
erhebt der Herzog Adorno,
des Volk's Beschützer
und wahrer Freund,
die Anklag' gegen den
Ritter Alviano Salvago.
Er zeiht ihn des Mädchenraubs,
der Verführung und Schändung,
begangen an zücht'gen Jungfrauen...
ALVIANO
(auffahrend und in die Ferne horchend)
War da nicht - ein Schrei?
Hörtet Ihr nicht - einen Schrei?
DER CAPITANEO
(aufmerksam auf Alviano schauend,
dadurch abgelenkt, diese Phrase
schwächer bringend)
Der Kuppelei und Verleitung
zu solcher. Kraft uns'rer Macht
als Richter und Wahrer des Rechts,
dehnen wir aus die Anklag', gegen
den Ritter Alviano Salvage,
und zeihen ihn, der besessen vom
bösen Geist, verfallen des Satans
und böser Dämonen Gewalt,
der Behexung des Volks.
Wir legen den Bann auf das
Eiland "Elysium", verheert
soll es werden durch Feuer, als
eine Brutstatt des Lasters und
teuflischer Sünde. Ritter
Salvago, Ihr seid...
(Volk stellt sich vor Alviano)
DROHENDES GEMURMEL
Seht Ihr, darauf läuft's
hinaus! Man bestiehlt uns!
Gönnt uns die Freude nicht!
Verfluchte Räuber! Bestien!
(Stärkeres Gemurmel)
Nieder Adorno! Tod den Alberghi!
Erschlagt sie, die Schufte!
Alles Lüge!
Er soll sich verteid'gen! Alviano
soll reden! Alviano - rede!
Verteid'ge Dich!
Wir glauben Dir!
Wir steh'n zu Dir! Wir schützen Dich!
ALVIANO
(lauschend)
Hört Ihr denn nicht?...
Musik: Cimbeln, Flöten, Harfen,
und wilden Gesang?
CAPITANEO
Ihr seht - er ist besessen,
aus ihm spricht der Dämon!
PODESTÀ
(eindringlich)
Alviano, Mann,
es geht um Dein Leben,
verteidige Dich!
CAPITANEO
Man wird ihn peinlich befragen;
führt ihn hinweg!
EIN RIESIGER BÜRGER
Halt! Rührt ihn nicht an!
Wir glauben ihm mehr,
der er schweigt, als Euch,
die Ihr redet. Er tat uns
Gutes -
(drohend, gesteigert)
wollt Ihr ihn haben - so gebt uns
Beweise!
STÜRMISCHE RUFE
Beweise, Beweisel
CAPITANEO
Bringt jene Frau!
(Einer der Vermummten führt eine
verschleierte Frau nach vorne)
Entschleiert Euch, Signorina!
(die Frau lüftet den Schleier)
DAS VOLK
Ginevra Scotti! Ginevra Scotti!l
STIMME JULIANS
(aus dem Hintergrunde)
Ah - Ginevra!
ALVIANO
(fieberhaft)
Um Himmelswillen,
so lasst mich fort!
CAPITANEO
Sagt ohne Scheu, Ginevra Scotti:
Wo war't Ihr verborgen, eh' Ihr,
Hilfe heischend, floht zu Herzog Adorno?
GINEVRA
Im Haus des Alviano Salvago!
GEMURMEL
Ah! Hört! Hört doch!
STIMME JULIANS
Verdammt - lasst mich nach vorn!
RUFE
Ruhe! Wer ist das? Hört doch!
ALVIANO
(zum Podestà dringend)
Was steht Ihr da -?
Was rührt Ihr Euch nicht?
Alter Mann, seid barm-
herzig und lasst mich fort!
Es dämmert mir auf,
furchtbar deutlich und klar...
CAPITANEO
Sagt ohne Scheu, Signorina
Scotti: Wer war's, der Euch
raubte Freiheit und Ehre?
GINEVRA
Ein Edelmann, der sich
nannte Menaldo Negroni!
MENALDO
(aus dem Hintergrund)
Diese Frau lügt!
EIN ZWEITER RUF (Julian)
Zieh, Schurke!
(Kampfgetümmel im Hintergrunde)
VOLK
(in grosser Bewegung)
Aha! Die Alberghi!
Seht! Seht! Hört nur! Doch was
ist's mit Salvago? Heraus mit
der Wahrheit!
ALVIANO
(verzweifelt)
Alter Mann, sie ist in
Gefahr. Die Zusammenhänge seh' ich vor
mir...
CAPITANEO
(stark)
Das Haupt einer Horde
wüster Gesellen, adliger
Räuber ist Alviano Salvago.
Verraten hat alles dem Herzog...
Graf Vitelozzo Tamare.
ALVIANO
(fährt herum, wie von
einer Tarantel
Gestochen)
Wer sprach den Namen?
Wer riss ihn mir aus dem Hirn?
Der ist's! Er hat sie geraubt.
Er stellte ihr nach. Er warb um
sie - ich weis es - weiss es...
CAPITANEO
Redet Ihr irre?
Ginevra - raubte Graf Vitelozzo?
ALVIANO
(in fliehender Hast)
Wer spricht von Ginevra?
Wer ist sie? Nichts weiss ich von ihr!
(mit höchstem, verzweifelten
Ausdruck)
Carlotta!
(schreiend)
Carlotta!
Neunzehnte Szene
(Dienerinnen der Carlotta herbeistürmend)
DIENERINNEN
(durcheinander)
O Herr! Podestà!
Sie ist verschwunden!
Wir finden sie nicht,
Eure Tochter! Sie ist
verschwunden, als hätt'
sie verschlungen die Erde!
PODESTÀ
(verzweifelt)
Vielleicht - verliess sie
das Eiland - und fuhr...
DIENERINNEN
Niemand verliess es.
Soldaten stehen rings
um die Insel, es sah sie
keiner! Doch - Einer!
Es war ihm, als hätt' er
in einer Schar Bacchanten,
an eines verlarvten Ritters
Seite erkannt die Herrin!
(Wahnsinniges Lachen Alvianos)
ALVIANO
(mit furchtbarer Stimme)
Ha, ha, ha - ; o Du, Hund!
Du Wüstling! Du Tier!
Hätt' ich Dich da - ich zerfleischte
Dich,
Bestie, mit meinen Zähnen.
(mit gebrochener, heiserer Stimme)
Kommt, ich führe
Euch! Seht Ihr - dort oben
den blauen Schein? Hört Ihr?...
Lauscht doch - ist's nicht Musik?
(immer erregter)
Toll und verrucht - Schreie und
Jauchzen? Volk von Genua!
Ich will dich führen!
Zu deinen geschändeten
Töchtern! Zu meiner...
(mit verzweifelt wehvollem
Ausdruck,
fast weinend)
armen, verlorenen Braut!
(Starke Bewegung im Volke)
Dann steh' ich dir Rede und
Du sollst - richten. Doch...
wehe - den Andern!
VOLK
Wehe, wehe!
Der Tod über sie!
(Der Chor entfernt sich mit Geheul,
Getöse, rach davonstürmend, der Lärm
wird bald schwächer, bis vollständige
Ruhe eintritt)
Interludio
Zwanzigste Szene
(Ein unterirdisches Gewölbe. Viele
Nischen,
aus welchen verschieden farbiges Licht
strahlt.
Blumengewinde. Schwere Tierfelle.
Räucherpfannen, aus welchen Rauch
aufsteigt,
der den ganzen Raum erfüllt.
Diener mit roten
Fackeln. Soldaten
mit Arkebusen. In den
Nischen verstörte,
junge Frauen. Zerbrochene
Pokale,
Blumenblätter, zerrissene Gewänder
deuten
auf eine gestörte orgiastische Szene;
ein Toter seitwärts links vorne,
zerbrochene
Degen, auf einen stattgehabten Kampf.
Gonsalvo,
Guidobald, Vitelozzo, Michelotto
und
andere Edle gefesselt.
Seitwärts rechts vom
Publikum
ein
Rosenlager,
auf dem Carlotta,
wie in einer
Ohnmacht
schlafend, liegt.
Alviano, der Podestà,
der Capitaneo,
Volk)
ALVIANO
(heiser)
Du lügst!
TAMARE
(finster)
Du irrst - ich spreche die Wahrheit.
ALVIANO
Höre Du - es könnte wohl sein...
dass sie nicht mehr - erwachte...
dass sie - hinüberschliefe - in
die - and're Welt. Und sieh - für mich
war's - so viel...ich habe nichts
and'res - gehabt. In meinem
ganzen Leben - war diese Frau...
das einzig Grosse - das einzig Schöne.
Begreife - wenn Du mir sagst - :
"Ich hab' sie geraubt - mit Gewalt
genommen - ich konnte nicht anders...
weil ich sie - liebte - -", so muss ich
Dich hassen - und muss Dich -
verfluchen...
weil du einem Armen - wie mir,
zerstört hast - genommen - was er...
besass. Aber da innen - tief - bliebe
ja doch - so etwas - versteh'
mich - wie ein - weher Trost
(mehr und mehr unfähig, die mächtige
Erregung zu unterdrücken)
Doch wenn Du mir sagst: "Sie hat sich
mir gegeben - sie, Carlotta - frei-
willig - in Liebe - und sie war
glücklich" - ja, wahrhaftig - Du
sagtest...
glücklich, - ja dann - dann...
dann hab' ich ja nichts - gehabt,
dann hast Du mir - ja nichts...
genommen...dann bin ich ja -
wieder - ganz so elend - wie ich...
war - zurückgestossen - in's Nichts...
ins Nichts...-
TAMARE
(düster)
Und wenn Du mich mordest...
ich weiss Dir nichts and'res
zu sagen. Nur eins:
Verfallen war mir diese Frau,
vom ersten Tag, da ich sie erschaut...
nach dem Wort, das Du selbst,
Alviano, einst sprachst: "Die Schönheit
sei Beute des Starken". Stark
wähntest Du Dich - eine Stunde
lang - doch Du warst es nicht.
Die Freude bot sich Dir dar - da
wich'st Du ihr aus, zitternd und
feige. Du sahst nur das Dunkle,
die Schatten, Gefahr und Sünde.
Allzu herbe gezeichnet vom Schicksal,
wardst Du flügellahm, unfrei,
verzagt. Für Deinesgleichen lebt
nur in Träumen die kostbare
Blume; doch blüht sie grell und
verlockend am Tage, dünkt's euch
Traum, Trugbild, nächtlicher
Spuk. - Denn, bot sich
Dir, Alviano - sagtest Du nicht - auch
Carlotta?...
Was nahmst Du sie nicht -?
ALVIANO
(fassungslos)
Weil - weil -
(ausbrechend)
o Du Teufel - verlange nicht, dass...
eh' zur Hölle Du fährst, ich enthülle
vor aller Welt ein Verbrechen...
so grausig...- weil ich
in Tiefen blicke, die Du nicht ahnst...
weil ich ein Mensch bin - und Du...
TAMARE
Weiss nicht, wer da tiefer blickt
von uns Beiden! Weiss nicht, was
da, höher zu werten ist - ein freudlos
Leben, ein langsam Siechen...
oder ein Tod in Rausch und Verklärung,
in brünst'ger Umarmung ein selig
Sterben!
(Gemurmel unter den Umstehenden)
ALVIANO
(entsetzt)
Wie ist mir denn -?
Seiner Worte Sinn...- das ist ja .
nicht möglich...
TAMARE
(mehr und mehr in Ekstase geratend)
Ihre Lippen baten um Schonung;
stammelten wirr das uralte
Lied angstvollen Sich-Wehrens.
Doch ihre Augen flehten um Lust.
Aus ihrem Munde rang sich los
ein qualvoll Bekenntnis;
Angst und Entsetzen - doch in den
Augen, wild unbändig, sprühten
die Funken entfachter Begierde.
Endlich brach es sich Bahn: Grösser
als Du - schuf sie sich frei.
Dem glitzernden Tanz in den
lachenden Augen gesellte sich wild
ihrer Lippen toll trunkener Sang:
"Gib Tod" jauchzte ihr Blick...
"Gib Glück!" gierte ihr Wort.
(Wachsende Bewegung unter den
Umstehenden)
ALVIANO
Entsetzlich! Wissend hast Du, Unsel'ger
-?
TAMARE
Ha, ha, - rollt nur die Augen,
fletscht die Zähne und ballt die Fäuste!
Meine seligste Stunde - die raubt
mir Keiner - .
ALVIANO
(heiser)
So sprich ein Gebet!
TAMARE
Ihr habt mir nichts an -
was wollt Ihr?
(in ausbrechender Todesangst)
Auf einer Kirchweih'
ein buckliger Fiedler,
der spielte auf
eine feine Weis'.
Die Schönste der Schönen,
das war seine Liebste.
Ich griff sie heraus
aus dem tanzenden Schwarm
und trug sie davon.
Er stürzte mir nach...
so stand er vor, mir
wie der da;
(auf Alviano weisend)
verzerrt die Züge...
verzerrt und voll Hass!
(drohend)
Mit seiner Fiedel...
hab' ich ihn erschlagen.
Kommt mir nur an...
mit meinen Händen
(er zerrt und reisst an seinen
Fesseln)
erwürg' ich Euch alle. -
(er zerreisst seine Fesseln)
ALVIANO
(ersticht ihn)
So stirb, Verruchter!
TAMARE
(grässlich aufschreiend)
Ah...!
CARLOTTA
(sich langsam, geisterhaft aufrichtend)
Wer schrie da?
War das nicht - mein Liebster?
ALVIANO
(vor sie hinstürzend)
Nein, nein - sieh mich -
- Alviano - Carlotta, Geliebte...
ich bin - bei Dir - er log - log - log!
CARLOTTA
(ihn von sich stossend, mit dem Ausdruck
höchsten Grauens, furchtbarster Angst)
Fort - fort! Ein Alb!
Ein Nachtgesicht!
Helft - helft! Hu - wie das drückt!
Und das rote Licht - weh, weh!
(schwach)
Gebt mir Wasser...
(zitternd)
nein - gebt mir - Wein...und mein...
Liebster - soll kommen...
mein Schöner, - Süsser - ich will
Vitelozzo eh' - eh' ich - sterbe...-
(Sie seufzt tief und liegt plötzlich
still und
starr. Schweigen)
ALVIANO
(mit ganz veränderter Stimme
und irrem
Ausdruck, als ob er
etwas suchte)
Ich will - ich will - ja wo -
ist nur - die Fiedel - ich muss...
ja doch endlich - zur Kirchweih! - Und
meine Kappe - meine schöne - Kappe...
rot und mit - silbernen Schellen...
sah niemand - die Kappe...?
Lasst mich...
ich muss - ja doch endlich -
(er stolpert über Tamares Leichnam)
halt - was war das...?
Da liegt - ja Einer
ihr guten Leute - da liegt ja - ein
Toter....
(Er taumelt durch die Menge dem
Hintergrunde
zu; alles macht
ihm scheu Platz)

|
PRIMER ACTO
(Una sala del palacio de
Alviano
Salvago.
Mañana)
Escena Primera
(Alviano Salvago, Guidobald Usodimare,
Menaldo
Negroni, Michelotto Cibo, Gonsalvo
Fieschi,
Julián Pinelli, Paolo Calvi)
ALVIANO
(Hombre feo de unos 30 años, jorobado
con
grandes ojos brillantes, exasperado)
¡No quiero escuchar nada más!
¡Me repugna,
me horroriza!
Y sin embargo, he sido yo quien lo
ha tramado
noche tras noche,
¡Ah!
¡No podéis ni imaginarlo!
Para vosotros es un juego,
el condimento de todo
lo que la vida os ofrece.
¡Pero para mí!
¡Un hombre sediento,
alguien, muy cercano al desprecio:
escarnecido, acosado,
modelado por esta tortura que...
(conciso y cortante)
¡Ah, diablos! ¿Cómo permite la
naturaleza
que yo, con esta cara
y esta joroba,
experimente estos sentimientos, estas
ansias...
MENALDO
(susurrando)
¡Silencio, por favor!
Los guardianes del orden
están al acecho
y listos para saltar.
Ocultos tras las puertas,
sobornan a los sirvientes;
en los jardines se ocultan los esbirros.
GONZALVO
Exageras, amigo mío.
Yo no veo motivo
para tanta cautela...
MENALDO
El hecho de que no estemos satisfechos
con las mujeres del pueblo, las criadas,
las sirvientas y las prostitutas,
que elijamos a las más delicadas
y más bellas,
es un signo de nuestro buen gusto.
PAOLO
¿Cómo era la consigna
que nos diste
hace unas semanas?
“¡La belleza es el botín de los
fuertes!
¡Que todo el esplendor terrenal
se someta
al poder de la mente,
y que la gloria
del que somete brille
y penetre más profundamente
en las almas, lacerándolas,
que ese brillo que ciega la vista! “
TODOS
(en desorden)
¡Muy ciertas
fueron entonces tus palabras!
Y desde ese momento
¡Eludes tu propia propuesta! ¡Nos
rehúyes!
¡No has participado en ninguna de nuestras fiestas
secretas!
GONZALVO
¡Sólo porque algunos padres
han
alzado las manos al cielo!...
MENALDO
¡Y algunas madres
lloran desconsoladas!
GUIDOBALD
No vayas a pensar
que las mujeres bellas...
GONZALVO
¡Nos guardan rencor!
MICHELOTTO
Ayer, Alissa, la pequeña judía...
¡Ah, qué mirada tenía!
Y la encantadora hija de Biparello...
JULIÁN
Verdaderamente la hija del poeta...
¡Estaba adorable!
TODOS
(en desorden y extáticos)
¡Las sacamos de las miserias
que las aquejan
todos los días!
¡Los esposos inexpertos en el amor
lloran sin lágrimas
lo incomprensible!
¡Ellas salen de sus casas estrechas
para entrar en el ámbito místico
del gran salón perfumado
con antorchas!...
¡Todos los cuentos de hadas
cobran vida para ellas!
¡Todos los sueños prohibidos;
los sueños de las mil y una noches,
se hacen realidad!
Lo que ninguna confiesa,
y todas anhelan ser,
¡se hace de pronto realidad!
ALVIANO
(presionado, un poco burlón y
un poco
con expresión dura)
Así es, ¡está bien!
Es convincente pero,
hay un punto,
perdónenme,
en que no estoy del todo de acuerdo.
Siempre habláis de vosotros mismos.
De vosotros, que estáis bien formados
y sois apuestos,
y os olvidáis de mí, el lisiado.
Si yo, el lisiado, asistiera a las
fiestas
como vosotros queréis,
os la aguaría...
y en lugar de placer,
¡sólamente experimentaríais
horror!
PAOLO
Me parece que sobreestimas demasiado,
amigo mío, el concepto que de la belleza
tienen las mujeres.
ALVIANO
(recomponiéndose)
Hubo una noche de primavera,
en la que penetraban
danzando por la ventana,
todos los voluptuosos hechizos
de la fragancia floral,
densa y desconcertante,
que me impulsaban a salir, invadido de pasión,
a las calles desiertas.
Fui en busca de una ramera, gran
error...
La abordé, le ofrecí oro, mucho oro,
y aún así me sentía como el mendigo
que pide limosna.
A la luz de la linterna,
ella examinó mi pobre figura,
con una mirada...
con
una sonrisa tan afrentosa
que heló la sangre
que corría por mis venas.
¡Ahí, hizo efecto el oro!
En los labios pintados de carmín
reflejaba su alegría,
y toda mi terrible
y miserable necesidad.
Con palabras soeces,
surgieron las propuestas,
pero yo no tuve fuerzas para
superarme
y no profanar aquella noche de primavera.
UN SIERVO
(entrando y anunciando)
Mi señor... el notario.
MENALDO, JULIÁN, GONSALVO
(consternados)
¡Hombre!... Alviano
Eres capaz...
¿a qué viene el notario?
ALVIANO
(sonriendo tristemente)
¡No os preocupéis!
(al sirviente)
¡Dile que tenga paciencia
y
que espere un instante!
TODOS
(circundando a Alviano)
¿Qué pasa? ¿Qué piensas hacer?
ALVIANO
(con calma)
Olvidé comentaros:
(primero con tono vacilante)
Mi Isla “Elysium”,
con todos sus edificios,
fuentes de agua
y relucientes jardines;
con todas sus extravagantes
obras de arte
y sus generosos
tesoros naturales,
la he donado
en forma permanente
a la ciudad.
(Asombro general)
PAOLO
(exaltándose)
¡Estás loco!
GUIDOBALD
¡No sabes lo que estás haciendo!
MENALDO
¡Es la obra de toda tu vida!
MICHELOTTO
Has invertido en ella la mitad de tu
fortuna,
y ahora la derrochas sin preocuparte...
ALVIANO
Esta tarde, después del crepúsculo,
en presencia del alto Senado
y del Podestà,
en una gran ceremonia
lo cederé todo al pueblo.
Caballeros, quedan invitados.
PAOLO
Sí, pero... ¿te olvidas que?...
ALVIANO
He pensado en todo.
MENALDO
¡Tú nos descubres!
JULIÁN
(con vehemencia)
El acceso al salón subterráneo...
ALVIANO
(significativamente)
Si tenéis miedo que sea descubierto,
evitadlo en el futuro.
¡Pero ahora, perdonad!
Espero a los señores miembros del
consejo
y con el notario todavía tengo que
arreglar
el texto y las condiciones
de la donación.
(sale).
Escena Segunda
GUIDOBALD
Es hora de actuar.
MICHELOTTO
¿Donde está Vitelozzo?
PAOLO
¡Ese tonto de Alviano!
GONZALVO
Todos nuestros maravillosos planes,
tan audazmente concebidos...
JULIÁN
¡Mi dulce Ginevra!
Estoy cansado de desearla.
Y ese degenerado de Bube Pietro
conoce a la muchacha,
y tiene malvadas intenciones...
MENALDO
¡Es un tipo peligroso!
Pero es útil,
inteligente y cruel.
PAOLO
Mis sospechas son claras:
con mano hábil,
el bandido se aprovecha de muchas flores
antes de raptarlas y entregárnoslas...
MICHELOTTO
Maldición, quieres decir que...
PAOLO
Sé lo que digo.
(Se oyen voces en el
exterior)
JULIÁN
¿Qué es eso? ¿Tamare?
TODOS
¡Hola! ¡Vitelozzol
Escena Tercera
(Vitelozzo Tamare entra corriendo.
TAMARE
Llego tarde
GUIDOBALD
¡Lo hemos notado!
GONZALVO
¡Y sin aliento!
TAMARE (efusivo)
Amigos míos...
TODOS
¿Qué pasa?
TAMARE.
Estoy consternado
MENALDO
Santa Maria, ¿qué pasó?
TAMARE
Sobrecogido...
JULIÁN
¡Oh, Dios!
MENALDO
¡Desdichado!
TAMARE
...por tanta belleza.
GUIDOBALD
¡Ay!
PAOLO
¡Ya lo decía yo!
TAMARE
¡Qué mujer!
PAOLO
¡Por supuesto!
TAMARE (emocionado)
No...
GUIDOBALD
¡Una diosa!
MICHELOTTO
¡Un ángel!
JULIÁN
¡Una flor!
MENALDO
¡Lo sabemos!
GONSALVO
¡Te pido que guardes silencio!
(Tamare hace un gesto de indignación)
MENALDO
Conozcamos toda la historia.
GUIDOBALD
¡Son todas iguales!
TAMARE (enojado)
¿Quién dice eso? ¿Qué sabes tú?
PAOLO
¡Entonces, habla con Pietro!
TAMARE (serio)
¡No nombres a ese sicario!
Él profana los nombres de las
divinidades.
MICHELOTTO
¿Cuál es el nombre de la muchacha?
TAMARE
¡Ojalá lo supiera!
Pero... si lo supiera
evitaría decíroslo,
podríais robarme
a la muchacha!
TODOS (desconcertados)
¿Qué? ¡La proteges!
¡Excelente!
PAOLO
¿Dónde viste a esa belleza?
TAMARE
En el Palacio municipal,
cuando pasé a caballo.
Salía de alguna fiesta
o celebración municipal,
acompañada por sus padres
en dorada carroza.
MENALDO (a los demás)
Y vosotros, ¿qué pensáis?
TAMARE
Es una de ellas, ¡pero escuchad!...
GONSALVO
Una reunión...
UN SIERVO (anunciando)
El Consejo superior...
y también el señor Podestà.
TAMARE (sorprendido)
¡Demonios, otra vez!
JULIÁN (riendo)
¡Es afortunado!
Escena Cuarta
(De un lado el Podestà y los senadores,
así
como la esposa del Podestà y Carlota;
del otro, Alviano Salvago y el notario)
ALVIANO
Bienvenidos, señores,
doy gracias porque
mi humilde casa es honrada
con la visita de invitados tan ilustres,
PODESTÀ
(muy efusivo)
¡Tu humilde casa!
¡Oh. noble señor Salvago,
eres demasiado modesto!
El esplendor de los espacios por
los que hemos atravesado realmente
no tienen igual
en toda Génova.
ALVIANO
Vuestro elogio me alaga,
pero permítanme presentarles:
(presenta a sus amigos)
Aquí están mis amigos...
La flor y nata de los
caballeros de Génova...
En sus frentes podrán
leer los nombres
de sus ilustres familias...
PODESTÀ
(haciendo una reverencia)
Y aquí mi esposa y mi hija,
mi única hija Carlota (confidencialmente)
Tengo miedo, señor,
que usted la encuentre
de pensamiento
extremadamente libre.
Ella presta muy poca atención
a las normas sociales.
Admira su generosidad y
(sonriendo)
ella desea hacerle a usted
una petición muy especial...
ALVIANO
(no sin vergüenza)
Doy la bienvenida a las damas
y me consideraría dichoso
de poder satisfacer
el deseo de la señorita.
PODESTÀ
Pero ahora, si les parece bien, quiero
(señalando a los senadores)
como delegado del Alto Senado,
darle las gracias
y expresar nuestra alegría
por esta excelsa reunión.
Su carta de ayer
nos anunciaba una donación,
tan grande y significativa,
tan inesperada
y rara para estos tiempos que corren.
Es muy duro para los ciudadanos
conservar sus escasas posesiones;
Demasiado rápido se les escurre
de entre las manos el oro,
laboriosamente ganado;
mientras que los impuestos
y las cargas siguen aumentando.
La mayoría lo ha soportado pacientemente
y casi nunca han habido quejas;
porque les queda
el refugio de nuestras familias
y la fe en la Virgen.
Pero hace algún tiempo que los criminales irrumpen
como lobos en el rebaño,
robando nuestras mujeres
y
raptando a nuestras hijas,
mientras nosotros estamos
indefensos...
(confidencialmente)
Pero perdone usted, señor,
que nuestro corazón, turbado
por los sucesos de las últimas
semanas,
se olvide de las alegrías tan rápido
y sólo advierta la
desgracia.
Nuestro propósito
no es quejarnos ante usted.
¡El primer rayo
de luz después
de días tan angustiosos
se lo debemos a usted! ¡Gracias!
El nombre halagüeño
de la isla, lo tomamos
como un buen augurio. (en voz alta)
Por lo tanto, basándonos en la autoridad
que nos otorga el derecho
y el poder, aceptamos la donación,
PRIMER SENADOR
Señor Podestà,
quizás fuera necesario reconsiderar
esto,
y someterlo a la aprobación...
SEGUNDO SENADOR (un poco indeciso)
Todos los trámites
deben ser sometidos
al derecho de veto
del Duque Adorno
PODESTA
¡Ah, por la Virgen!
¡Me había olvidado de eso!
(llevando a Alviano a un lado)
Noble señor Alviano ...
MICHELOTTO (a los nobles)
Parece que esta historia
aún puede tener una salida.
(Los nobles ansiosamente
susurran
en grupos)
TAMARE (a Carlota)
¿Recuerda usted señorita,
al caballero de esta mañana,
cuyo caballo negro se desbocó
ante la áurea carroza?
PODESTA (a Alviano, aparte)
El duque Antonio Adorno tiene el derecho
de veto
La aceptación de la donación
depende de él.
ALVIANO (de igual modo, disperso)
Si embargo ¿Qué impedimento podría
poner?
TAMARE (a Carlota)
Pero el jinete vio dos ojos brillantes;
y se olvidó de todo,
feliz, perplejo y deslumbrado,
sin poder frenar su caballo...
CARLOTA
(riendo)
... y ofreció a la doncella el
espectáculo
de una caída involuntaria.
¿Así que era usted?
TAMARE
Un valiente caballero, pero celoso
de su fama entre la gente,
y
no precisamente por malvado.
Vanidoso en alto grado,
incluso hasta el ridículo.
CARLOTA
Yo me divertí mucho.
TAMARE
Usted es muy cruel.
¿Y si al caer del caballo
me hubiera roto un brazo
o pierna?
CARLOTA
¿No habría valido la pena
por una mirada mía?
TAMARE (fervoroso)
Con gusto daría la vida por usted,
pero...
CARLOTA
¿Y si eso fuera precisamente
lo que quiero?
Es usted tan alto, tan corpulento y
fuerte,
mucho más alto que yo...
¡Tengo que estirarme, mire usted,
tan sólo para mirarme
(desdeñosamente)
en esos ojos
tan seguros de triunfar!
(cambiando la voz, como
un niño
mimado suplicante)
Y me gustaría verlo a usted
pequeño, bajo y pobre,
muy por debajo mía, cerca de mis pies.
TAMARE (sombrío)
Los muertos son pobres
CARLOTA
Pero muerto y mudo.
Me gustan las almas
que luchan y se afanan,
se sacrifican y sufren
por una limosna de amor.
Una vez que usted haya muerto...
¿De qué le serviría mi amor?
TAMARE (exasperado, mostrando la
mayor
incomodidad)
¡Usted está endemoniada, muchacha!
La respuesta...
quiero pensarla con cuidado
(significativamente)
y se la daré mañana.
(Sale).
GUIDOBALD
Espera, Vitelozzo, ¿dónde vas tan aprisa?
(Rodean a Tamare en el fondo
del
escenario y hablan con él)
MENALDO, JULIÁN, GONSALVO
MICHELOTTO, PAOLO (desordenadamente)
¡Escucha!
¡Estamos en peligro!
¡Él nos va a entregar
al populacho andrajoso!
¡La entrada a la sala subterránea!
TAMARE (lo aparta)
Por la Virgen, déjame... ¡debes
impedirlo!
(se libera )
GUIDOBALD
(apremiante)
¡Habla con Adorno!
TAMARE (muy entusiasmado)
Haced lo que queráis,
¡yo no quiero saber nada de este asunto!
MENALDO
Pero tú... ¡sólo una palabra!
TAMARE (enojado)
No sé nada, no quiero nada... Estoy
enamorado, amo a... ¿Estáis escuchando?
¡Sois como una plaga!
(sale)
PODESTÀ
(entra con Alviano )
¡Queda acordado!
Postergado por un día,
hasta que el Senado solicite
la aprobación del duque.
(Los lacayos abren la puerta del
fondo y
se hace visible una segunda
sala
festivamente arreglada)
Mañana será usted
mi invitado de honor.
ALVIANO
Como usted lo es ahora mío.
¡Les pido a los nobles invitados
que no desdeñen mi invitación,
a este sencillo ágape!
(suspirando)
¡Señorita su brazo!
(tímidamente ofrece a Carlota
su
brazo. El Podestà le ofrece el brazo
a su propia esposa. Los otros los
siguen.
Los lacayos vuelven a cerrar la puerta)
Escena Quinta
(Martuccia, Pietro)
PIETRO (calmándose después de una
feroz discusión, con dulzura)
¡Hermosa Martuccia!
MARTUCCIA (con delantal de vieja
criada,
acalorada)
¡Canalla! ¡Estafador! ¡Criminal!
¡Déjame!
PIETRO (sorprendido)
¡Te pido, que te calles!
No debo ser reconocido.
A tu señor,
al enano lisiado,
le temo como a la peste...
MARTUCCIA
¡Bestia! ¡Estafador!
¡Ladrón! Si no cierras tu boca
lenguaraz y no dejas de maldecir al
amo, me ocuparé de ti. ¡Desgraciado! ¡Embaucador!
Toda la noche me he quedado esperándote;
deje mi chal rojo
al viento en vano
hasta el amanecer. (suavemente)
Y hasta cociné un jamón...
PIETRO (impactado)
¿Un jamón?... ¡Oh, Dios!
Pero si sólo escucharas lo que me
pasó...
MARTUCCIA (más enojada, acentuando
el tono
de su voz)
¿Ahora? ¿Cuando la casa
está llena de invitados,?
¡Estoy muy ocupada!...
PIETRO (sorprendido)
¿La casa llena de invitados?
¿Quiénes son?
MARTUCCIA
¡Tiembla Bube (Pietro)! ¡El Alto
Senado!
PIETRO (aliviado)
¡El Senado! Pero ¿y los caballeros?
MARTUCCIA
¡También están!
PIETRO (asombrado)
¿También ellos?
MARTUCCIA
Y yo, mientras... hablando contigo....
PIETRO
Tengo que irme.
MARTUCCIA
¡Ajá!
PIETRO (con premura)
Pero escucha Martuccia,
escucha, te lo ruego:
(se acerca a ella)
Estoy en apuros.
Un hombre como yo
no está seguro nunca.
La gente está demasiado interesada en
mí,
y además, me parece que
me ha perseguido durante varios días...
una mujer...
MARTUCCIA
¿Qué?
PIETRO
¡Sí, señora, si, una dama!
(se señala el pecho)
Una dama elegante.
Yo creo...
que ella piensa
que yo soy...
el caballero Menaldo.
MARTUCCIA (mirándolo fijamente)
No... ¡Qué, ese descarado¡
PIETRO
Tienes razón, un depravado.
MARTUCCIA (enojada)
¡No! ¿Tú? ¿Tú? ¿Tú, bastardo,
(después de una pausa)
“El caballero Menaldo!”?
(se ríe a carcajadas)
PIETRO
Ella se ha propuesto ahora
denunciarme,
es decir denunciar
al caballero Menaldo,
ante el Duque Adorno...
y no me deja
ni a sol ni a sombra.
Bloquea la puerta de mi palacio,
amenaza con llamar a la policía,
respecto de las muchachas raptadas,
piensa que yo soy el culpable.
¡Estoy en peligro
de ser arrestado!
MARTUCCIA (muy asustada)
¡Oh!
PIETRO
Tú no puedes dejar que pase eso.
¡Tú que me amas!
¡Mantén encerrada aquí a la que he
secuestrado!
MARTUCCIA
¿Cómo?... ¿Quién?
PIETRO
¡Ella está aquí!
MARTUCCIA (perpleja)
¿Que? ¿Dónde?
PIETRO
¡Las damas... las señoras...
protegen al caballero
Menaldo... ¡Huyo!
Pero, esta noche,
furtivamente...
Juro que estaré contigo...
(Sale rápidamente por la
otra puerta,
de dónde entró)
MARTUCCIA (confundida)
Esta noche...
(llorando)
¡Ah!... ¡Ah!... ¡Ah!... ¡Criminal!
¿Qué voy a hacer?
¡Oh!...¡Oh!
(sale)
(En el exterior, su voz mezclada con una
segunda voz femenina que al principio
habla exaltada, se escucha
el nombre de
“Adorno”.
Las voces se suavizan se
hacen más débiles y se pierden.
Escena Sexta
CARLOTA
(riendo estrepitosamente,
fuera de la sala)
Es usted encantador, señor Alviano,
lo digo en serio.
ALVIANO
(siguiéndola)
Entonces ¿ya se encuentra mejor?
(Carlota ríe, pero suena
antinatural,
exagerada)
Me asusté al ver
que usted se llevaba la mano al corazón,
palideciendo...
CARLOTA
(respirando profundamente)
¡Oh, mi cabeza de chorlito!
Me siento como pez en el agua.
Pero, ¿no le habló mi padre
sobre algo
que deseaba pedirle?
ALVIANO
Sí, efectivamente.
CARLOTA
¿Tan pronto se olvida
de cosas tan imprtantes?
ALVIANO
(avergonzado)
¡Oh, no! Pero...
CARLOTA
¿Sabe?
¡Ante tantas personas,
no me hubiera sido posible!
Yo, al ver que no surtían efecto ni mis
guiños, ni
mis miradas,
ni siquiera las preguntas
acerca de si usted no tenía un cuadro
o una rara escultura que enseñarme...
Es que recurrí...
ALVIANO
(sonrojándose)
¡Ah, es verdad!
Usted debe tomarme por un lelo,
un inexperto, un ingenuo, un tonto...
Pero es que rara vez
tengo contacto
con mujeres hermosas...
Por eso... ¿lo entiende?
CARLOTA
Entiendo, ¡pero ahora escúcheme!
Yo pinto. Sí, es verdad,
no me mire tan sorprendido...
Pinto cuadros.
Animales y personas,
árboles y lagos...
el cielo, la luz,
pero lo que más me gusta pintar
(hace una pausa)
son almas.
ALVIANO
¿Y se puede hacer eso?...
Quiero decir
¿puede retratar a las almas?
CARLOTA
No sé si puedo.
Cuando no logro hacerlo,
según mi parecer,
se debe a mi misma.
Es tan difícil encontrar modelos...
Una vez creí
haber tenido éxito,
pero en el cuadro, que surgió
tan milagrosamente hermoso,
apareció una horrible sombra,
entre el mentón y la boca,
y allí, por mucho que la
retocara, reaparecía una y otra vez.
¡Cuando creía que la había desterrado
para siempre, allí, de repente,
volvía a reaparecer
insidiosamente
y se quedaba plasmada firmemente!
Desistí de ese cuadro.
No intenté nada por mucho tiempo...
Pero a usted,
(fascinada)
a usted me gustaría pintarlo.
ALVIANO (como picado por una tarántula)
¿A mí?... ¡Por todos los
demonios!
¿Está loca?
(insidiosamente)
¡Me lo tengo merecido!...
Así es como debe ocurrir.
Llegue a creer que usted me tomaba en
serio,
que era distinta a las demás víboras
de dulce semblante, de miradas
lisonjeras
y corazones endemoniados...
Peo hace un instante la reconocí...
¡Es la misma mirada de todas!
CARLOTA
(muy asustada)
¡Por el amor de Dios... reflexione
usted!
ALVIANO
(brusco y cortante)
Tal vez si en un cuadro me incluyera como bufón,
entre esbeltas mujeres y hombres,
sería un efectivo contraste...
¡Con una gorra de cascabeles
la jorobada encaja muy bien!
¡Sería el hazmerreír
inmortalizado para siempre!
CARLOTA
(con energía)
¡Basta ya, cállese!
No olvide que está hablando con una
dama.
Usted es muy injusto...
¡Escúchame!
(Alviano se sienta con una
risa obstinada
en un rincón)
CARLOTA
Allí, donde la ciudad se ensancha,
y la vista se expande
hacia la campiña,
uso una pequeña casa
como taller de pintura.
En las mañanas, cuando estoy sola
y están vacías aún calles y
plazas,
cuando la luz pálida del amanecer
poco a poco acaricia el
lienzo,
me parece la hora
más propicia para trabajar.
Un camino bordeado de altos cipreses,
pasa frente a mi casita.
Bien lo conoce usted,
pues
a menudo lo he visto pasear,
tímido y encorvado,
absorto en sus pensamientos.
De vez en cuando examinaba, curioso y
desconfiado,
las ventanas
cuyas cortinas ocultaban a quien lo
observaba.
Pero usted no me veía.
Luego, cual purpúrea incandescencia,
cual velo de mil colores
resplandecientes,
entre nieblas relucientes
semejantes a heraldos fantasmales
anunciando su llegada:
apareció el sol...
Y sucedió un segundo milagro...
Vi como el pequeño y tímido paseante
levantaba la cabeza.
Todos los músculos tensos
de los esbeltos brazos
de su enjuto cuerpo
se elevan hasta el cielo.
Entonces él se adentró en el resplandor,
avanzando hacia el sol.
Lo vi hacerse más y más grande...
su figura creció tremendamente...
mi corazón latía con fuerza.
Así fue como lo pinté,
señor Alviano.
Pinté su figura
yendo hacia el sol.
Pero todavía me falta el rostro,
y, también me falta
su mirada embriagadora
en la que se refleja toda esa belleza.
ALVIANO (tembloroso)
Estoy avergonzado...
No sé como... perdóneme...
¡Nunca en la vida
me había sentido de este modo!
CARLOTA
(tiernamente)
¿Quiere venir a mi taller,
para que yo
pueda completar la imagen?...
ALVIANO (inclinándose sobre su mano, quedo)
Iré con mucho gusto.
SEGUNDO ACTO
(Una galería en el palacio de Adorno)
Escena Primera
(El Podestá y los tres senadores están
irritados y molestos por la inasistencia
del duque)
PODESTÀ
Él juega con nosotros,
como el gato con el ratón...
PRIMER SENADOR
Ha acumulado demasiado poder,
¡el gran señor!
SEGUNDO SENADOR
Su victoria sobre Branciforte
se le ha subido a la cabeza.
TERCER SENADOR
El pueblo lo adula.
PODESTÀ
Después de todo,
le debe agradecimiento.
PRIMER SENADOR
(desdeñoso)
Y así le paga.
SEGUNDO SENADOR
No es más que un noble mercenario.
TERCER SENADOR
¿Cómo va el tema de la donación?
PODESTÀ
Él no se pronunció
ni a favor ni en contra.
“Por un lado, (dijo)
sería una alegría
para los genoveses,
por otro lado,
la nobleza lamentará
la pérdida
de tan valiosas tierras”.
El corazón del duque,
estaría decididamente
a favor del pueblo si no fuera por:
“La equidad
y la consideración
por mis amigos
me exigen prudencia.
Necesito reflexionar, consultar"...
Y otras frases similares.
PRIMER SENADOR
(ácido)
Él, sinceramente, está envidioso por la donación.
SEGUNDO SENADOR
Todo este tema lo incomoda.
PRIMER SENADOR
¡El hombre del día es Alviano Salvago!
TERCER SENADOR
Toda la ciudad elogia su nombre.
SEGUNDO SENADOR
Se hizo popular de repente.
PRIMERO, TERCER SENADOR (Asintiendo)
¡Así ha sido!
PODESTÀ
(asintiendo también)
¡Así es!
SEGUNDO SENADOR
Anoche, cuando Salvago vino a visitarnos,
recorrió
las calles a pie...
y fue reconocido...
TERCER SENADOR
Lo aplaudían,
PRIMER SENADOR
¡Le arrojaban flores!
PODESTÀ
Se lo merece.
SEGUNDO SENADOR
¡Un
hombre de bondad y carácter modesto!
PRIMER SENADOR
¡Maltratado por el destino!
PODESTÀ
Mi hija Carlota,
que no es fácil de conquistar,
a menudo hablaba de él
intuyendo u naturaleza.
Ahora, con todo este asunto,
la ha conquistado.
TERCER SENADOR
(bruscamente)
¡Que se ande con cuidado el duque
Adorno!
PRIMER SENADOR
El favor de la gente es inestable
y fácil de alterarse.
SENADOR SEGUNDO
¡Su negativa podría originar algo
nefasto!
TERCER SENADOR
¡Un veto significaría en este caso un
robo!
PRIMER SENADOR
No sería tolerado.
SEGUNDO SENADOR
(dirigiéndose a la salida)
¡Que el duque Adorno se ande con
cuidado!
(Todos salen)
Escena Segunda
ADORNO (que junto con Tamare
ha escuchado las amenazas
de los que salieron)
¿Lo has oído?
El ambiente esta enrarecido.
TAMARE
¿Te asusta la chusma?
ADORNO
(expectante)
Ayer hablabas de otra manera...
TAMARE (con gravedad)
¡Sí... ayer!
(con irritación)
¡No me lo recuerdes!
ADORNO
(con suave reproche)
¿Así le hablas a un amigo?
TAMARE
¡Perdona! ¿Pero no es suficiente
con que me desprecie a mí mismo?
¿Que tu burla profundice más mis heridas
y que las carcajadas de los amigos
me vuelvan loco?
ADORNO
¿Qué te ocurre, Tamare?
No te reconozco.
El caballero más brillante de mi corte,
honrado como nadie, amado,
mimado por las mujeres,
y
siempre con buen humor
para las más extravagantes travesuras.
TAMARE
Hay gente, Duque, que solo ve la luz,
mientras que la oscuridad les es ajena.
Yo fui uno de ellos.
La vida me parecía
una fuente de alegría,
de la que saciaba mi sed
a grandes tragos;
sin preocupaciones, sin reflexionar.
Tendiendo mi mano, tomaba una rosa,
inhalaba su aroma
y destruía la flor.
Cuando me dejaba caer,
caía sobre musgo.
Evitaba las espinas
y las piedras afiladas.
Si un amigo se quejaba
de tristeza y dolor,
lo escuchaba, pero no lo entendía.
Y ahora, de repente,
he experimentado
todos los tormentos del infierno,
la humillación y la vergüenza.
ADORNO
(impaciente)
¡Explícate con más claridad!
Sabes que puedes contar con mi poder.
TAMARE
No me podrías ayudar,
aunque fueras el Emperador
y el Papa al mismo tiempo.
Pero juzga por ti mismo.
Hermosa y radiante como el día,
pero no de misma condición,
una muchacha burguesa...
ADORNO
Bien, ¿y qué más?
TAMARE
Cuando hablé con ella
por primera vez,
creo que no la entendí totalmente.
Me pidió un sacrificio
como prenda de mi amor,
pero lo que ella deseaba
lo dijo con palabras inconexas.
Enloquecido por esa situación,
me esforzaba por comprenderlas
e
interpretarlas según las reglas
de la costumbre cortesana.
Después de pasar una noche insomne,
creí haberlo encontrado.
Y salté sobre mi caballo, libre y
orgulloso,
henchido el pecho como un dios
de nobles sentimientos.
Y cabalgué por la ciudad;
sumergido en sueños
imaginando mi cortejo,
(decayendo poco a poco irónicamente)
¡Ya veía como la bella muchacha, dichosa,
se ruborizaba y, aturdida, se emocionaba
por tan alto honor diciéndome:
"conde Andrae Vitelozzo Tamare
toma mi corazón y mi mano"...
ADORNO
¡Estás realmente loco!
TAMARE
¡Ten paciencia, Duque!
Cuando me presenté ante ella
como la primera vez,
caí en la vacilación.
Su extraña mirada,
su fría y distante sonrisa,
me confundieron.
Sin embargo,
para ocultar
mi medroso corazón,
me mostré orgulloso,
arrogante y rudo,
le hablé
del sacrificio
que le ofrecía,
peor que la automutilación
y la muerte...
Y al recibir finalmente su "no",
perdí por completo
la poca cordura que me quedaba.
Me postré a sus pies,
le ofrecí todos mis bienes
y tesoros,
tartamudee palabras confusas.
¡Abrazando sus rodillas,
imploré perdón y piedad!
ADORNO
Tamare, guarda la compostura.
¿Me oyes, Vitelozzo? ¿Quién es esa
mujer?
TAMARE
La hija del Podestá, Carlota.
ADORNO
(muy sorprendido)
¡Ah!
(pensativo)
Un gran pintor mencionó
un día su nombre
aludiendo a su raro talento.
Te prevendría
por muchas razones,
si no supiera que
es inútil
y odioso
advertir
a un amante desdichado.
Así que prefiero ayudarte,
en lugar de aconsejarte.
TAMARE (incrédulo)
¡Ah, si pudieras!...
ADORNO
Intercederé por ti.
TAMARE
Tú no conoces a esa mujer.
ADORNO
Conozco a las mujeres.
Por ello albergo esperanzas.
Pero prométeme una cosa:
si la respuesta es negativa
y regreso con las manos vacías,
¡no brames
contra ti ni contra mí,
sé fuerte,
no desesperes,
supéralo
y olvida a esa mujer!
TAMARE (con gravedad)
Escucha, Duque, procuraré olvidarla.
Quiero olvidarla
(lentamente)
La olvidaré...
(con ímpetu fogoso)
¡Pero no antes de que haya sido mía!
No antes de haber bebido
el aliento de su boca;
de que estas manos se hayan impregnado
del olor de su pelo;
de que esa mujer,
si no quiere ser mi esposa,
¡se convierta en mi ramera!
ADORNO
(reaccionando rápidamente)
¡Eso encendería los ánimos!
Nos debemos al derecho
y la ley
como todos los demás.
No lo olvides.
El pueblo está inquieto
y enfurecido,
y mi gente está afuera,
en el campo.
¡Es la hija de Podestà!
¡Recuérdalo!
TAMARE
Pero si no son capaces
ni de descubrir al culpable,
ni siquiera han encontrado un rastro...
ADORNO
Pronto será descubierto.
TAMARE
Pero Duque,
¿cómo es posible que durante semanas
las muchachas más bellas de Génova
hayan desaparecido
sin dejar rastro?
Justamente ayer, otra más...
ADORNO
(furioso)
¿Qué?... ¡Ayer!...
No me han informado de nada aún.
TAMARE
Antes de que yo viniera para aquí,
ya se comentaba en la ciudad.
La hija del rico Scotti,
Ginevra...
de repente ha desaparecido
y todavía no se sabe
a dónde está.
ADORNO
(sospechando algo,
mira a Tamare de soslayo)
¿Qué quieres decir con eso?
¿Cómo estás tan bien informado?
(de repente)
¡Ah, que idea me surge!
¡Creo que tu nefasto clan
tiene algo que ver
con estos crímenes!
TAMARE
Tú me llevas al meollo del asunto.
Mis amigos me enviaron
para pedirte que impidas
que la isla de Alviano "Elysium",
pase a ser
propiedad de la ciudad.
ADORNO
Diablos, ¿qué tiene que ver Salvago?
¿Qué tiene que ver la isla
con sus infames correrías?
TAMARE (componiéndose)
Espléndidas salas subterráneas,
creadas ex profeso
para la celebración del
amor,
encierran una gruta artificial
en esa isla.
Al ingresar a la gruta,
verás un reluciente halo azul.
Densas fragancias
aturden los sentidos,
luces mágicas
te atraen con llamas rojizas,
una música lejana
y dulces canciones
te atraen cada vez
más hacia el interior.
Sobre un precipicio,
un camino angosto
conduce a la entrada de la cueva;
el denso entramado de rosales
oculta su vista,
pero si se descubre
el secreto de la gruta,
(angustiado)
entonces estaremos perdidos.
ADORNO
(calmado)
¡Y sabe algo Salvago
de vuestras fechorías?
TAMARE
¿Salvago?... ¡Ja, Ja!
Por un extraño juego
de la naturaleza, si quieres,
un extraño capricho,
el hombre más feo de Génova
es el creador de esa aventura,
de ese ideal de belleza
hecho realidad.
ADORNO
(paralizado)
Y él mismo...
TAMARE
Él se mantiene al margen.
Supongo que está arrepentido,
aunque no lo entiendo.
(extasiado)
El brillo de las antorchas lo dora todo.
En la embriaguez de la orgía
la fealdad se vuelve bella
y la belleza se vuelve fea.
Los contrastes
desaparecen en el delirio.
ADORNO
(bruscamente)
Y este tonto de Salvago,
después de cultivar
en su pantano, las flores del vicio,
las venenosas hierbas del pecado,
¿Entrega la isla
y se entrega a si mismo
y también a vosotros?
TAMARE (con dulzura)
Nos lo ha advertido...
Sin embargo, no ha considerado
cuán difícil es detener la pasión,
una vez desatada.
ADORNO
(fuera de sí)
Esta es mi maldición:
¡la inmoralidad, la lujuria salvaje
de todos vosotros,
me obliga a realizar
actos terribles!
(calmando su actitud)
Quiero salvar
lo que todavía se pueda salvar.
Mantendré
la promesa que te hice,
porque tu amor
te aleja
del círculo de criminales,
y porque somos amigos
desde la más tierna juventud.
Pero ten cuidado,
Vitelozzo,
cuídate de ejercer la violencia.
(desdeñosamente)
Salvago puede suspender
su donación
por un largo tiempo;
(burlonamente amenazante)
Ese adulador del pueblo
entrará en razón;
de lo contrario,
¡ay de él y de todos vosotros!
(Rápidamente entra en su recámara)
TAMARE
(hace un movimiento como si quisiera
retenerlo, pero luego retrocede con un
gesto de resignación)
Cambio de Escena
(Estudio de Carlota.
Alviano posando.
Carlota, trabajando sobre
un
lienzo,
le echa una mirada de vez en
cuando
al rostro y habla
mientras pinta. De vez
en cuando,
inmersa en su trabajo, se calla)
CARLOTA
Nuestra época está llena de cosas
extrañas.
Conocí a una mujer
que estudiaba pintura en la escuela
de Amberes al mismo tiempo que yo.
Ella se dedicaba a pintar manos.
Largas, delgadas,
con delicadas venitas azules;
o rudas, viriles, toscas, huesudas.
Manos de hombres... (habla en un tono de conversación
ligero,
evitando cualquier expresión
dramática)
Una mano de mujer con una alianza,
reluciente y bella,
con uñas, puntiagudas
y rosadas,
como pálidas gotas de sangre.
Vi también una mano
que agarraba firmemente
una carne en flor;
y otra, que tomaba
con dedos trémulos,
una ramita que asomaba
entre el follaje.
Desde murallas brumosas,
las manos se metían
en la nada, defendiéndose, agitándose,
suplicando y amenazando;
del agua emergían como luchando
y desesperadas, y dos manos,
estrechamente entrelazadas,
estaban pintadas
como si fueran un mar agitado.
Pero lo más extraño era un cuadro:
de una mano pálida y cerosa,
como la de un muerto,
con dedos espeluznantes,
largos y delgados,
aferraba
algo que no se veía.
Sólo un tenue resplandor violeta
se filtraba a través
de los dedos fantasmales,
pero ese resplandor
era como un mudo lamento,
como el gemido amortiguado
de un llanto reprimido,
o como un grito,
contenido y horroroso,
clamando por la redención...
¡Señor, levante un poco la cabeza!
Se lo agradezco,
así está mejor...
ALVIANO
Pero ¿qué significa esa imagen?
CARLOTA
La pobre mujer no había
experimentado nunca
lo que induce al artista
a acometer grandes obras:
la dicha del amor
o el ansia de éste.
Probablemente tenía
un temor oculto
a que en su vida aconteciera
un hecho imponente,
algún sortilegio fascinante
al que pudiera sucumbir.
ALVIANO
(suavemente, un poco para sí mismo
¿Qué extraño, tenerle miedo a la
felicidad?
CARLOTA
La fuerza motriz
de su pobre vida
era el anhelo de la fama;
y la fuente en la que abrevaba
era el sufrimiento,
no mental,
sino un sufrimiento corporal.
ALVIANO
Su mano, señorita,
no está tan serena
como su voz,
¿quiere dejar de pintar por hoy?
CARLOTA
(precipitadamente)
¡No, no! ¡Usted se equivoca!
Mi mano está muy tranquila
y la historia llega a su fin.
Mi amiga
tenía un problema cardíaco
desde su temprana juventud.
Su corazón a menudo
latía con demasiada fuerza;
y a veces ella sentía
como si una mano,
una mano dura e implacable,
agarrara esa cosa palpitante
y la apretujara, terrible
y dolorosamente, hasta que...
¡se detenía!
Ella pintó en esa mano,
en
esa mano cruel,
sus padecimientos.
ALVIANO
Y aunque usted niega estar conmovida,
¿acaso esa situación no la afectó?
CARLOTA
Ella era muy cariñosa conmigo.
ALVIANO
¿Murió?
CARLOTA
Creo, que todavía vive. (De repente,
cambia por completo el tono)
Pero, señor,
pintarlo a usted
no es un juego de niños.
Como un amante
busca la mirada de su ídolo,
así yo busco la suya.
Pero usted me evita
y parpadea, se muestra inestable
y se da vuelta.
ALVIANO
(con evasivas)
Tal vez... estoy cansado.
CARLOTA
¡Así pues será necesario
dejarlo descansar;
para que no esté usted
tan callado y tímido, caballero!
¿Cómo es que estuvo usted
tan
amable y lleno de humor anoche?
¿Quiere vino?
(trae vino en una
jarra
y vasos)
Vea,
casi siempre
sirvo vino Falerno tinto.
Y ahora, ¡beba
y siéntese aquí!
Cuéntame,
cómo fue su juventud;
o por qué está usted
tan sombrío y malhumorado hoy;
o por qué su mirada
rehuye tan temerosa la mía.
¿Qué hice?
¿Está enfadado conmigo?
ALVIANO
(preocupado)
Señorita Carlota,
si lo que está haciendo
no es mas que un juego,
un simple coqueteo
o algo peor,
usted es,
a pesar de su dulce rostro
y su voz que suena
cual mensaje celestial,
(rechazándola)
¡una diablesa!
CARLOTA
¡Por Dios! No repita esas
cosas que podrían
convocar a los “Ocho”
y me quemarían como a una bruja.
¡Qué amargado e infeliz
se lo ve a usted!
Yo me preocupo por usted
y trato de ayudarlo,
pero usted me lo agradece mal.
ALVIANO
¡Ah... no puedo creerlo!
CARLOTA
¿Por qué debería yo,
que soy buena con usted,
ser tan depravada y vil
tal como usted me describe?
ALVIANO
(excitado)
Se lo ruego, por favor,
¡no se enfade conmigo!
¡Solo téngame
un poco de paciencia!
No lo concibo,
es como un sueño
y me temo...
CARLOTA (indignada)
¡Ah, no tenga miedo!
Usted es un hombre
sin fe en si mismo.
¿Es tan impensable
que una mujer sienta
un cálido afecto
y amistad por usted?
ALVIANO (irascible)
¡Ja, ja, la vieja historia!
¡Pero tal como usted mira,
con esos ojos cuya luz
son una promesa!
Y cuando tu boca sonríe,
me parece,
como si no hubiera nada en la tierra,
que pudiera llamarse "amistad",
como si esta palabra
fuera un vil consuelo,
¡una mentira, una mentira y una
vergüenza!
CARLOTA
Y si fuera más...
no digo que lo sea,
¿no podría encontrarse
en este vasto mundo,
entre millones
de corazones palpitantes,
uno que sintiese amor por usted?
ALVIANO
¡Por mí, por mí!
¿Por alguien que se odia
y que huye de si mismo,
que ha suprimido los espejos
en todas las habitaciones de su casa?
CARLOTA
¡Qué necio es usted!
Y cuánto, como ningún otro,
se aferra a algo que
se desvanece tan rápido
como un día de mayo:
¡la belleza que a las mujeres nos abandona
cuando en el rostro
aparece el primer surco!
Tan pronto como nos damos
cuenta de que llegó la primavera,
las flores se convierten en frutas,
las hojas se marchitan
y caen.
¿Y eso sería, lo único?
En los días soleados,
¿nunca salio usted triste
y compungido
sin saber por qué?
¿Y ni siquiera el ser más extraordinario,
ni el árbol más floreciente,
le arrebató de su ansiedad?
Y, sin embargo, otras veces,
en días de lluvia,
¿nunca lo hizo sentir
afectuoso y feliz
si, dichoso,
un anciano solitario,
arrugado y feo,
que pasaba
lo miraba con candor?
ALVIANO
(conmovido)
Pero y si,
¿en un día espléndido,
en un cantero de flores
muy bellas,
encuentra usted
una bestia horrible
que la disgusta?
CARLOTA
(divertida)
No tendrá éxito, señor,
aunque sea usted un demonio,
artero y horrible en su impulso,
y tan
voluptuoso como para enraizar
en su propio dolor.
Mas sólo noto una cosa:
me está evitando,
como antes lo hacía con la mirada,
ahora lo hace con las palabras.
Pero no me extraña.
Me acerco a usted
y me rechaza.
Sigue haciendo lo mismo
pero tengo que decirle...
ALVIANO
(terriblemente preocupado)
Carlota, ¡recapacite!...
CARLOTA
Debería saber que lo amo.
ALVIANO
(casi gritando)
¡Carlota!
CARLOTA
Por Dios, señor,
¿qué hace? ¡Qué mirada!
Aquí están mis manos,
¡béselas, rápido!...
¡Pero deje que vuelva a mi tarea!
Necesito esa mirada
para mi cuadro,
Así está perfecta.
(sin dejar de mirarlo fijamente,
estudiando su rostro, toma
los pinceles)
ALVIANO
¡Carlota! ¡Amada mía!
CARLOTA
(completamente inmersa en su trabajo,
hipnotizándolo con sus palabras,
dulcemente)
Le ruego que no hable...
y sólo me siga mirando
con franqueza...
y que hunda su mirada
profundamente en la mía;
(con tono íntimo y cálido)
piense en cosas bellas:
que yo soy el sol
que ahuyenta la oscuridad,
y llena su vida,
con luz radiante.
ALVIANO
(emocionado en extremo)
Por el amor de Dios, Carlota,
me postro a tus pies...
Soy tan indescriptiblemente,
tan increíblemente feliz...
(Quiere abalanzarse sobre ella)
CARLOTA
(deteniéndolo casi ansiosamente)
¡Te lo ruego... quédate quieto!
Solo mírame y recuerda,
que ya no estarás solo...
y sin amor, a pesar de tu fealdad,
mira cuán naturalmente
digo la palabra
que te atormentó por tanto tiempo.
Ahora todo eso se acabó...
Porque es una palabra
y un concepto
nada más.
Pero tú tienes que ser
bueno conmigo, Alviano,
(respira mórbidamente)
¡y también muy tierno!
Porque yo soy
un juguete muy frágil.
ALVIANO
¡Carlota!
(Ella lo detiene con un gesto suplicante
y lo vuelve a su lugar, pinta con una
agitación visiblemente creciente, casi
febrilmente sobre el cuadro.
Se demora, mirando su figura
con ojos luminosos,
respirando
pesadamente,
luchando violentamente
con sigo misma)
CARLOTA
(respirando pesadamente, limpia
el
pincel con mirada escrutadora sobre
la imagen. Luego, de repente, vacila y
tocándose el corazón, amenaza con caerse)
Pues bien, ¡ya está terminado!
Y ahora ven...
Sostenme, estoy agotada,
(se tambalea)
pero tienes que...
ALVIANO
(se lanza apresurado hacia ella
y
la atrapa entre sus brazos)
Por todos los santos,
amada mía ¿qué te pasa?
(Ella se aferra a un caballete, que,
cubierto con un paño, se destaca en el
fondo. La tela cae a un lado.
Deja ver
una imagen; una especie de
mano de muerto en la que un rojo
resplandor brilla débilmente)
ALVIANO
(Mirando la imagen comprende.
Dulcemente la sostiene,
acariciándola como a un niño enfermo;
solemne y lleno de compasión)
Cariño, pobre mía...
¡Eres la más hermosa!
Me diste la vida,
me devolviste la fe en Dios
y en la humanidad.
Quiero consagrarte
todo lo que tengo;
ya sabes, quiero ser
una alfombra bajo tus pies,
quiero ser contigo
infinitamente bueno, y dulce
(con voz apagada)
Quiero estar contigo...
(la acuna inconsciente entre sus
brazos;
tratando de reanimarla.
Ella se
enternece y se acurruca en su regazo. Él
es invadido por una pasión
violenta y
desesperada.
Besa violentamente sus
manos, derrama lágrimas, se inclina
sobre ella que le ofrece sus labios
anhelantes, pero en lugar de besarla
en
la boca le da tiernos besos en
la frente y
cayendo a sus pies sumerge
profundamente la cabeza en su regazo.
Ella lo atrae suavemente.
Los dos
permanecen abrazados en una
actitud extrañamente tímida y casta)
UN SIERVO
(entra precipitadamente y nervioso)
¡Oh, mi señora! ¡El duque Adorno!
CARLOTA
(lentamente se desprende de los brazos
de Alviano, con voz débil le dice)
El duque,
¿qué querrá?
¡Que pase
y... que espere un instante!
(se levanta con cansado movimiento,
Se
acerca a un espejo y arregla su cabello)
TERCER ACTO
Interludio
(La
isla de Elysium. La escena
representa
un jardín paradisíaco.
En el fondo a la
izquierda
del espectador, se vislumbran los
contornos de
la ciudad de Génova y el mar que
rodea
la isla
brillando con la luz nocturna.
Hacia la derecha, la escena se eleva
suavemente;
más hacia el fondo, se eleva más
abruptamente
para ascender sobre un promontorio
rocoso.
Un sendero de roca escarpado conduce
a una pequeña meseta, detrás de la cual
reluce
un denso seto de rosas de brillantes
colores.
En el centro del escenario se observa un
césped
recién brotado, proliferan frondosos
helechos
y flores de colores exuberantes.
Pequeños
matorrales podados de formas
fantásticas
y estatuas de mármol que
representan
escenas eróticas de la
mitología
griega se
destacan entre los arbustos.
Fuentes
surgentes, que se iluminan al
caer
la noche,
arrojan sus chorros de agua.
Aquí y allá
asoman entre los arbustos
figuras
de faunos,
como si el mármol inanimado
hubiese cobrado
vida.
Un grupo de náyades flotan por un
torrente
de agua y un cortejo de bacantes
dejan
oír
sus voces estridentes. Llegan los
primeros visitantes.
Mudos de asombro,
caminan entre
las maravillosas obras.
Desde lejos, proveniente
de la ciudad,
se
escucha el ángelus.
La escena
pagana
desaparece momentáneamente mientras
dura el ángelus
y los visitantes se arrodillan,
descubriendo
sus cabezas.
Mientras tanto,
la
oscuridad de la noche
avanza.
Desde
la ciudad distante, se encienden
luces
mostrando una difusa tonalidad rojiza.
La superficie del mar se cubre de miles
de lucecitas que corresponden a las
barcas
que traen a los
visitantes.
Las fuentes
comienzas a brillar.
Aquí y allá en los
arbustos, parpadean luciérnagas con
chispas luminosas.
Un almácigo de flores
umbelas lanza una
luz
verde sobre un grupo
de piedras
que representa a una pareja
de
enamorados apasionadamente
entrelazados.
Paganos elfos dan la
bienvenida oficial
a los visitantes de la
ciudad de Génova
con una lluvia de flores.
Un fauno, que toca su flauta, atrae a
otros faunos que se acercan
y se reúnen
a su alrededor.
Un grupo de náyades, se
desplaza
entre los faunos.
Se oye la
música desde la ciudad; el fauno se detiene
a escuchar. Entran
los primeros visitantes,
de la ciudad.
El grupo náyades huye,
perseguido por
los faunos en direcciones
opuestas,
sorprendidos
por la llegada de la
gente que llega
tímidamente en pequeños
grupos.
Un fauno atrapa a una ninfa.
Ambos desarrollan un baile
que finaliza
con una representación
de salvaje pasión.
Un grupo de bacantes retoza en
el fondo
del escenario emitiendo sonido agudos.
Regresan los faunos y náyades en
parejas,
haciendo el amor entre los arbustos
y
matorrales
vecinos.
Otra vez el fauno toca
su flauta.
Las figuras paganas desarrollan
su juego
discreto
en medio de los visitantes,
que salvo
algunas
excepciones, se muestran
a la defensiva.
Este juego continúa de
manera discreta
hasta la segunda escena.
Luego, la atención no debe ser
distraída por
nada.
Sólo aquí y allá una náyade o un fauno
curioso
se asoma la cabeza detrás de un
arbusto
o detrás de un pilar.
De vez en
cuando la gente,
boquiabierta,
se pasea
por
el fondo de la escena)
Escena Primera
PRIMER CIUDADANO
¡Por los huesos de san Andrés!
SEGUNDO CIUDADANO (con las manos juntas)
Dicen que es muy impresionante.
PRIMER CIUDADANO
Si no fuera por esas figuras,
se
podría decir que esto es el
paraíso.
UN NIÑO PEQUEÑO
Padre, ¿estos son los
ángeles?
EL PADRE
¿Ángeles?...¡Que va! ¡Niño tonto!
(La madre lo empuja, reprendiéndolo).
Por supuesto que son ángeles.
LA MADRE
¿Por qué dirá que son ángeles?...
¿Acaso porque
el rezo del Ángelus
lo asocia con ellos?
Aunque donde se han visto ángeles con cuernos...
TERCER CIUDADANO (pontificando)
Mira mujer,
tú no entiendes:
¡Eso es "arte"!
Bajo el gobierno
del
Dogo Francesco Sforza,
a quien Dios
tenga en su gloria,
y que era un gran mecenas
yo mismo he colaborado
en crear
ese tipo de imágenes.
PRIMER CIUDADANO
(en voz baja)
Él, como carpintero,
sostenía el andamiaje
donde trabajaba el pintor.
SEGUNDO CIUDADANO
¡Ja, ja, ja!
EN TERCER CIUDADANO (con recelo)
¿Qué estás diciendo?
LA MADRE
¡Cuéntame, cuéntame!...
EN TERCER CIUDADANO (con calma)
Bueno, así es...
Me ha venido a la mente
todo lo que pude ver
en el Palacio;
donde había
muchas obras de arte...
pero esto de aquí...
(señala los alrededores)
... en verdad, es mucho más hermoso.
LA MADRE
Porque todo está vivo.
SEGUNDO CIUDADANO
Y nos envuelve con su fragancia...
PRIMER CIUDADANO
¡Y toda esa la luz!
(La luz en escena
debe ser
como de día)
TERCER CIUDADANO
¡Y el cielo lleno de estrellas!
(siguen adelante)
Escena Segunda
UN JOVEN (mal vestido que llega en
compañía
de un amigo)
Me siento mal por mi aspecto.
Un lugar como este,
debería ser visitado
vistiendo prendas suntuosas
y trajes de fiesta.
SU AMIGO
...y con el estómago lleno.
EL JOVEN
¡Oh, no he comido nada!
(Siguen su camino)
Escena Tercera
MARTUCCIA
(a un grupo de personas)
Permítanme una pregunta:
¿No han visto a mi señor Alviano?
PRIMER CIUDADANO
¿Tu señor Alviano?
SEGUNDO
CIUDADANO
¡Por supuesto que lo hemos visto!
TERCER CIUDADANO
Justo a la izquierda
de la entrada.
¡Allí, junto a aquella columna,
lo puede encontrar!
Estaba ahí hace un rato
junto
a muchos otros
que probablemente
sean artistas.
(El grupo se marcha lentamente)
MARTUCCIA
¡Oh, Dios! ¡Oh, Dios!
Hace más de una hora que lo estoy
buscando.
(desesperada intenta seguir su camino)
Escena Cuarta
UN FAUNO
(Pietro disfrazado de fauno)
(en voz muy baja)
¡Hola, Martuccia!
MARTUCCIA (muy asustada)
¿Quién es usted?
Yo sólo busco...
PIETRO
¡Soy yo, Pietro!
MARTUCCIA
¡Ah, mi ídolo!
¿Has muerto
y te ha atrapado el maligno?
Es por eso que el reloj
se detuvo esta noche
y en la habitación del señor
hubo mucho ruido...
PIETRO
¡Que va, cállate, tonta!
¿No ves que estoy vivo?
MARTUCCIA (enfurecida)
¿Qué? ¿Estás vivo?
¡Oh, canalla!
PIETRO
(molesto)
¡Así es!
Pero dime, rápido:
(mirando atentamente alrededor)
¿Qué hace aquí mi bella dama?
MARTUCCIA (hablando con desesperación)
¡Quée hago!
¡Qué hago!
¡Oh, por san José!
¡Ella se me escapó!
PIETRO
¡Maldito sapo!
MARTUCCIA
En lo que nos has metido,
¡Satanás!
PIETRO
¿No te dije,
que debías entregársela
al caballero Menaldo?...
MARTUCCIA (gimiendo)
¡Mi pobre señor Alviano!
(dando explicaciones)
Yo ya sé quién es ella:
Ginevra Scotti,
me lo dijo ella misma,
y la ciudad
está llena de secuestros.
Tú las has raptado a todas,
y ahora todos creerán
que fuimos
mi señor y yo.
Apenas ella logró fugarse,
ya estaban los esbirros
y secuaces de los "ocho"
buscando al señor.
¡Oh, si pudiera encontrarlo!...
Quiero advertirle...
Le contaré todo a él,
y a ti dejaré
que te ahorquen.
¡Canalla!
PIETRO
(Silba suavemente entre dientes)
¡Paciencia, vieja bruja!
(Un grupo de faunos se precipita sobre
Martuccia, amordazándola antes de
que
pueda soltar un grito y la arrastra
rápidamente hacia los arbustos.
Pietro se marcha)
Escena Quinta
ALVIANO
(con el podestà
a su lado)
Eso pensé yo ...
¡como si fuera
la voz de Martuccia!
(sonriente)
Escucho voces
en todas partes desde ayer.
Cantos en el aire
y murmullos entra la maleza;
también la risa argentina de Carlota,
pero eso probablemente
sea una ilusión.
¡Oh, señor,
desde el día de su primera
visita a mi casa,
cómo me he transformado
y cuán feliz me siento!
(efusivo)
Su hija, la que pronto será mi esposa,
es tan inefablemente maravillosa,
tan dulce y hermosa,
tan llena de profunda bondad...
Pero usted está taciturno...
¿Existe algún problema, Podestà?
PODESTÀ
(un poco evasivo)
Estoy confundido
y deslumbrado
por lo que me acaba
de mostrar usted.
¡Me resulta increíble
que la mente
de un solo hombre
haya podido crear
este reino mágico!
ALVIANO
Me ayudaron muchos otros.
Los artistas fueron los que trabajaron,
yo sólo aporté mi nostalgia
PODESTÀ
Precisamente por eso
es que tengo temor, ¡oh, señor!
de usted y de los artistas.
Por todos esos seres hambrientos
que con ojos sedientos
se alimentan del éxtasis
que origina esta orgía
de colores, aromas,
sonidos y figuras.
Seres deprimidos
y decepcionados de la vida cotidiana
que se evaden de la realidad.
Ustedes, los artistas,
nos muestran el cielo
tan cercano y cautivador,
que nos vemos estériles en la tierra
y sin su fuerzas.
Eso nos detiene
y obstaculiza el ascenso
a la región del gozo eterno.
Aunque los odio
y todavía temo sus engaños,
hoy me siento unido
a los envidiosos nobles cuando me
pregunto:
¿Su generosidad
será una fuente de bendición
para todos nosotros?
¿O un motivo de corrupción?
ALVIANO
Eso mismo me lo preguntaba yo,
y las dudas me abrazaban
con fuerza.
Era consciente
de una falta cometida,
de una idea escandalosa
que produjo frutos
que llenaron de veneno mi alma.
Hoy en día tengo a la persona más dulce que anidó en mi corazón.
Por eso sacrifico
la única felicidad
de mis días tristes,
sin que me apene la perdida
de una gran parte de mis bienes
que se han convertido
innecesarios para mí.
Lo tomo como un presagio.
Y desafío al duque Adorno,
que me a hecho saber
que él se opondrá
a la donación.
Lo hago por toda esta gente...
Así que confío
en su habilidad
y buen gobierno
para que finalmente
él
me dé su aprobación.
PODESTÀ
(se acerca a él y pone ambas
manos
sobre sus hombros
mirándolo
directamente a los ojos)
No quiero peguntar
que relación hay entre ustedes.
Pero me parece sólida.
ALVIANO
Lo descubrirá pronto.
Por mi parte
ella me transforma.
(por uno de los caminos laterales
semi-ocultos, se ve como Carlota
y Adorno
aparecen y desaparecen
entre el follaje.
Cuando Carlota
ve a Alviano,
retrocede y trata
de
no ser vista)
Pero, ¿dónde está Carlota?
PODESTÀ
¡Venga, vamos a buscarla!
(ambos salen hacia el fondo)
Escena Sexta
ADORNO
¿No oyes? Te buscan, Carlota.
¿Te escondes
en las sombras?
¿Rehúyes a tu prometido?
CARLOTA
¡Oh, no piense mal de mí, Duque!
Ni siquiera yo sé lo que me ocurre.
Cuando ayer
le dije que "No",
respecto del Conde Vitelozzo,
me sentía orgullosa,
segura, grande y dichosa;
pero, desde que terminé
el cuadro
que tanto le gustó a usted,
el retrato de Alviano,
siento como si algo
se hubiese quebrado
dentro de mi;
como si mi amor
ya no fuera el mismo.
No es igual que antes,
entiéndame.
Es como si él
me hubiera dado todo,
lo máximo que puede dar
y ya no tuviese
nada más que dar,
nada más que esperar.
Y luego, no sé,
¿Acaso los sentimientos
ambiguos de una mujer
despiertan su interés
pero a la vez no le hacen pensar
en el ridículo, Duque?
ADORNO
Te lo ruego, confía en mí.
¡Qué auténtica y directa eres, señorita!
Escena Séptima
(Por el fondo de la escena aparecen
Gonsalvo,
Guidobald y Michelotto. Al ver a la
pareja,
se detienen bruscamente y susurran,
gesticulando agitadamente, el uno con el
otro.
La conversación del duque con Carlota se
realiza hacia uno de los lados
(izquierda
o derecha) al principio inaudible,
y luego se vuelve más excitada)
GONZALVO
¡Mirad allí!
GUIDOBALD
¡El Duque y la hija del Podestà!
MICHELOTTO
¡Un caballero peligroso!
GUIDOBALD
¡Bueno para nada!
CARLOTA
¡Llegué a esta isla llena de un secreto
temor!
GONZALVO
¡Estad atentos!
MICHELOTTO
Y, señores, ¡aflojad la espada de su
vaina!
GUIDOBALD
Vitelozzo no me deja ver...
GONZALVO
¡No es una buena señal!
MICHELOTTO
¿Vienes?
GONZALVO
Voy.
MICHELOTTO
¿Y tú?
GUIDOBALD
¡Vamos todos!
(Salen hacia diversos lados)
Escena Octava
CARLOTA
¡Como si hubiera bebido
vino mezclado
con hierbas que embotan los sentidos;
o hubiera tomado esa extraña poción
hecha
con sangre de un corazón
de mujer locamente enamorada!
Es la magia terrible de la belleza,
que suele estar semioculta a los
sentidos,
y ahora se ha desatado
exponiéndose a la luz del día
y a las miradas lujuriosas.
Como si los espléndidos atributos de una
mujer,
vergonzosamente velados en sus años de
ferviente deseo, de repente exhibiesen
toda
su desnudez, desplegando miles de
encantos,
¡ante los ojos felices y embriagados
del joven amante!
Escena Novena
(MenaIdo con una dama
velada
y el conde Julián)
JULIÁN
Veo con placer
que te has consolado,
caballero Menaldo.
(Carlota con Adorno continúan
caminando,
regresando al
final
de la escena)
MENALDO
¿Sabes dónde está Ginevra?
JULIÁN
Si lo supiera,
no caminaría solo
en estos jardines
de extáticos deseos.
MENALDO (desdeñosamente)
Pero...
¿y si esta belleza velada
que llevo en mi brazo
fuera lo que anhelas?
JULIÁN
Que ella no lo es,
me lo avala el amor
que siento por Ginevra.
(subiendo el tono)
Y si lo fuera.
(abruptamente)
Te apuñalaría.
(Adorno y Carlota vuelven
a aparecer
y avanzan)
MENALDO (hace un movimiento como
para desenvainar su espada)
Hace una noche demasiado hermosa
como
para pelear, de lo contrario,
conde, te tragarías
tus atrevidas palabras.
JULIÁN
¡Nos encontraremos de nuevo,
caballero Menaldo!
(Julián, Menaldo y la
dama velada salen)
Escena Décima
CARLOTA
Añada a eso la seductora
canción de amor
que cantó el desdichado Tamare,
y su deseo salvaje,
sin miedo a la violencia
ni al sacrificar su propia vida,
por un beso de mis labios rojos.
¡Oh, duque, usted que conoce la vida
y las mujeres,
he pecado contra Alviano,
pero aún más lo ha hecho él
contra sí mismo!
Ahora, cuando lo he visto hablando
con mi Padre, en medio de todo este
esplendor
que él creó con la fuerza arrebatadora
de su ingenio,
lo comparo con aquel otro que era el más pobre
de los hombres.
Él mismo rasgó el fausto velo
en el que la compasión nos envuelve
y el extraño poder que domina los
sentidos.
Recuerdo las palabras que el desdichado
dijo
en su única hora de felicidad:
"Quizás un día deslumbrante,
en medio de un prado de bellas flores,
te
encuentres a un monstruo horrible"
ADORNO
¡Por Dios y la Virgen!...
CARLOTA
¡Déjeme, Duque!
ADORNO
Cálmate, mujer.
Piensa que
su única hora de felicidad,
tú misma se la dijiste;
tú se la proporcionaste,
y
a ti te la debe. Eso debe consolarte.
CARLOTA
¡No tiene usted por qué consolarme!
No quiero piedad.
Martirio y odio
es lo que merezco:
¡desesperación y muerte!
ADORNO
(serio) Una última cosa:
(con énfasis)
Él no es digno
ni merecedor de tu amor.
Él no es el noble
por el que lo tienes.
Está poseído
por unas bajas pasiones,
que aún hoy lo invaden,
CARLOTA
(exaltada)
¡No quiero escuchar nada de eso!
Usted busca calumniarlo;
pero él es bueno,
grande y sublime,
y yo soy miserable, vil y mala.
Me odio a mí misma,
al mundo y a usted.
(con una expresión terriblemente
lasciva)
Solo amo la noche, esta noche
y a sus sombras.
ADORNO
Entonces, que Dios se apiade de ti,
¡Vamos, te acompañaré junto a tu padre!
CARLOTA
(exaltada)
¡Váyase, márchese! - ¡Déjeme sola!
(Ella camina balanceándose en la
extraña oscuridad de un grupo de
árboles a la derecha del espectador.
Adorno sale lentamente)
Escena Undécima
CARLOTA
¡Ah, qué noche!
¡Qué ardiente noche de verano!
¡En su luz difusa
quiero adentrarme,
sumergirme profundamente
en su radiante oscuridad!
Con las estrellas bailo
en la noche de verano,
pero con duendes
duermo entre los arbustos.
CANTO (primero suavemente, luego más y
más alto,
en largos y vibrantes
acordes, que
surgen de todas las
partes de la isla.
Es como si el eco
de la canción de
Carlota fuera
aumentando la resonancia
y creando ecos crecientes.
Un
confuso y aterrador coro, se suma
en
orgiásticas erupciones)
"¡Ah, qué noche!
¡Qué ardiente noche de verano!
Con las estrellas bailo
en la noche de verano,
pero con los duendes
duermo entre los arbustos".
Escena Duodécima
LA MADRE
(apresurada)
¡Vamos, viejo, la gente anda revuelta!
PADRE
¿Dónde tienes al niño?
MADRE
¡Se escapó!...
PADRE
¡Oh, mujer infeliz!
MADRE
Perseguía una mariposa
una mariposa plateada...
PADRE
(alejándose)
¡Vamos, mujer, vamos!
Escena Decimotercera
(Senadores que llegan)
PRIMER SENADOR
¡Hemos fallado!
SEGUNDO SENADOR
Es demasiado tarde.
TERCER SENADOR
¿Podríamos acaso,
haber abierto
la ceremonia con dignidad
y calma, en medio
de tan gran alboroto?
PRIMER SENADOR
¡Oh, deja que el pueblo se mueva
libremente!
SEGUNDO SENADOR
¿Quién debería conducir las
formalidades?
TERCER SENADOR
¡La gente está frenética!
PRIMER SENADOR
¡Pero mi discurso!
SEGUNDO SENADOR
¡Los fuegos artificiales!
TERCER SENADOR
¡El homenaje a Salvago!
(Oyen el canto)
CANTO
(más fuerte, más insistente)
¡Ah, qué noche!
¡Qué ardiente noche de verano!
Con las estrellas bailo
en la noche de verano,
pero con duendes
duermo entre los arbustos.
PRIMER SENADOR
¡Va a ser un problema!
SEGUNDO SENADOR
Lo dije de entrada:
¡todas esas cosas paganas,
las mujeres desnudas,
los machos cabríos!
TERCER SENADOR
¿Y los seres mitológicos
que se mezclan
con la gente?
¡Con argumentos apasionados y
perversos incitan
a nuestros hijos
e hijas a hacer locuras!
LOS SENADORES
(entre sí)
¿Dónde está el Podestá?
¿Dónde está Alviano?
¡Busquémoslos!...
(Algunos senadores se van o se
mezclan entre la multitud agitada)
Escena Decimocuarta
EL JOVEN (el mismo de antes)
¡Quédate, hermosa!
Mira,
estoy postrado a tus pies,
¡escúchame!
LA MUCHACHA
¡No, es usted demasiado osado, señor!
EL JOVEN
¡Escúchame!
LA MUCHACHA
No, no, no puedo,
¡déjeme, señor!
EL JOVEN (fuera de sí)
¡Me mataré si rechazas!
¡Ven conmigo!
¿No soy hermoso?
Mira mi cabello,
es suave como la seda.
LA MUCHACHA (inflexible y burlona)
¡Ja, ja! ¿Tú hermoso?
Estás harapiento
como un mendigo...
¡Me da vergüenza
que te vean conmigo!
(Todo el coro se reúne en el escenario
y
luego avanzan hacia el proscenio)
EL JOVEN (exaltado)
¡No, no te avergüences! (saca una daga)
¡Quisiera morir!
¡La sangre púrpura
hará relucir mi ropa!
(intenta clavar la daga
en su pecho)
LA MUCHACHA (temblando, se arroja en sus brazos
y ambos forcejean por la daga)
¡Por la Virgen!
¿Qué haces?
¡Detente!
¡Oh, oh! ¡Perdóname! –
¡Ven, ven!
(Se abrazan embelesados, adentrándose
en la noche cantando la
canción con
fervor)
CORO
¡Qué noche!
¡Qué ardiente noche de verano!
(A partir de este momento, el coro se
dispersa en diferentes direcciones, a
excepción de las parejas individuales
que
permanecen en el fondo del escenario)
Nos sumergimos profundamente
en la radiante oscuridad y bailamos
con las estrellas... ¡Ahhh
de la noche estival.
(voces femeninas burlonas)
¡Pero con los duendes
duermo entre los arbustos!
Escena Decimoquinta
(Alviano, excitado)
ALVIANO
¿Dónde está mi prometida?
¿Alguno ha visto a Carlota?
(A partir de aquí, se desarrolla una
magnífica
mascarada, que representa
la unificación de la
antigüedad
renacentista con el presente.
1. Heraldos de época; faunos que
tocan
la siringa y una fanfarria.
2. Los faunos, hacen una representación
de una artista importante y un homenaje
a la
ninfa Egeria; caricaturizada en una
especie
de ballet de danzas salvajes.
3. Heraldos, con insignias o
pancartas
de las bellas artes.
4. Ascenso lento de Apolo en el
carro del sol,
como símbolo de
la gloria.
Una
deslumbrante
luz lo rodea, que se va
haciendo
más grande y brillante a medida
que se
acerca.
A su paso, las
musas y artistas famosos
del
Renacimiento lo
aclaman.
Se
detiene en
el segundo grupo.
La
ninfa Egeria, que en su día había
rechazado a
Apolo,
es
su objetivo.
Su belleza lo invade
e intenta
conquistarla nuevamente.
La ninfa
lucha y se enfrenta con
Apolo.
Los
faunos la rodean y luchan contra
ella,
en
círculos cada
vez más grandes.
El carro
de Apolo
sigue avanzado,
pero Egeria irrumpe
lanzándose de
rodillas
ante el carro.
Apolo la levanta
y la sube en su carruaje;
las
musas
la
coronan mientras la
ninfa
extiende los
brazos ansiosamente hacia
la cegadora
luz, que hace que deba cubrirse
los ojos.
Los faunos danzan con un frenesí
salvaje mientras el cortejo de Apolo,
guiado por el carro resplandeciente,
continúa su camino quedando Egeria
silenciosa y triste)
5. Aparece Venus con un séquito luminoso
al estilo de las 1001 noches.
Las hadas, las
náyades, los
nobles
(Menaldo, Julián etc),
niños.
El cortejo debe simbolizar algo sublime,
orgiástico.
6. Una caravana de bacantes gritan:
"¡Evoe Bacche!". Una danza salvaje
desenfrenada, se desarrolla en el
escenario.
En el medio está Carlota.
A su lado un noble enmascarado:
el
conde Vitelozzo Tamare. Los gritos
de las bacantes son cada vez más
estridentes:
”¡Evoe Bacche !" ya es un
rugido.
El conde abraza a Carlota con
gran
pasión; la besa, ella se resiste, pero
sucumbe al dulce frenesí general.
Carlota
acepta voluntariamente los besos,
y luego,
de repente, se aleja del Conde)
TAMARE
¿Por qué huyes de mí?
CARLOTA
No, no huyo de ti.
TAMARE
Entonces ¿me conoces?
CARLOTA
No sé quién eres.
TAMARE (apasionado)
¿Y si fuera alguien
que te ama, querida mía?
CARLOTA
¿Me amas? Está bien.
Pero déjame mirar
a través de tu máscara,
para ver si tus ojos
son alegres o tristes.
¿Eres Alviano?
No, no lo eres.
¡Tienes una bella figura,
eres un hombre guapo!
TAMARE
¡Oh, hermosa Carlota!
¡Qué forma extraña de hablar!
CARLOTA
(con una voz completamente diferente)
¿Extraña, amado mío?
Dame tu mano,
¡ah, es suave, cálida
y reconfortante! Ponla aquí,
¿sientes como late agitado mi corazón?
¡Es por ti, cariño mío!
Pero escucha, muchacho,
con tus manos,
tan suaves y tiernas,
debes tomarme con delicadeza,
tienes que abrazarme
sin hacerme daño;
muy suave y silenciosamente.
¡Vamos, ven cariño!
CARLOTA, TAMARE
¡Ven, démonos prisa!
La noche es corta
y la aurora se acerca. (etc)
(Los dos escalan el camino de la rocas.
Tras el seto de rosas se observa
brillar
un intenso resplandor azul)
Escena Decimosexta
ALVIANO
(apresurado)
¡Escucho tu voz!
¡Retumba en las alturas y en las
cavernas,
miles de veces multiplicada!
¡Canto celestial, canción burlona
de las profundidades del infierno!
Su figura baila ante de mis ojos...
Me mira furtivamente
entre los arbustos y setos,
aquí y allá refulge su vestido...
Me acosa como un duende,
arriba y abajo del valle,
hacia éter, en los pantanos...
¡Y yo la tuve entre mis brazos!...
¡Ella sigue siendo mía!... ¿O no?
Escena Decimoséptima
LA GENTE
(observándolo y rodeándolo)
¡Viva Alviano Salvago!
¡Él nos ha traído la felicidad!
¡El mago de todo lo bello!
¡El rey de esta fiesta!
ALVIANO
(furioso)
¿Qué queréis de mí?
¿De qué os burláis?
¿Alguno ha visto a Carlota?
PODESTÀ
¡Ten confianza, Alviano!
He enviado a las mujeres
y a los sirvientes a buscarla
por todas partes, ¡pronto aparecerá!
LA GENTE
¡Viva Alviano Salvago!
¿Él nos ha traído aa felicidad?
¡Generador de belleza!
¡Padre del pueblo!
ALVIANO
¿Qué queréis?
Silencio...
(con expresión profundamente triste)
No soy un rey...
¡Soy un bufón, un lisiado!
¡Un mendigo, un monstruo!
(de prisa sin aliento)
¿Dónde está mi prometida?
¿Oís?... ¡Traédmela!
En agradecimiento,
os daré todos mis bienes.
¡Sólo entonces seré un príncipe,
un rey, un dios!
(con impaciencia desesperada)
¡Traedme a Carlota!...
¡Ah, estoy cansado!
Las fuerzas me abandonan...
(se derrumba).
LA GENTE
¡Viva Alviano!... ¡Apolo!
¡El amigo de las musas!
¡El rey! ¡Coronémoslo!
¿Dónde está su corona,
la corona de rosas?
¡Levantadlo!...
¡Llevemos al amigo del pueblo en andas!
¡Coronémoslo de rosas!... ¡Viva Alviano!
(lo levantan medio inconsciente y le
ponen un corona de rosas en la cabeza)
ALVIANO
(débil)
Dejadme... Dejadme...
(la gente estalla
en
un clamor
ensordecedor
y muchos aplausos)
Escena Decimoctava
(Ocho figuras encapuchadas surgen
de la
multitud. A la cabeza está un hombre
alto,
es el Capitán de Justicia, que aparta a la
gente.
Disminuye el clamor del pueblo que
retrocede medrosa ante el Capitán.
Alrededor
de los
"ocho", queda un espacio
libre, pues
la gente en semicírculo los rodean
a
distancia.
Cara a cara, un poco más
adelante queda
el Podestà y los senadores.
Alviano, que estaba tendido en
el suelo, allí
donde lo depositó la gente, se levanta)
EL CAPITÁN DE JUSTICIA
¡Genoveses, deteneos!
¡Deteneos, dementes!
¡Locos, estáis todos locos!
¡Coronáis con flores
a aquel que raptó a vuestras hijas,
las sedujo, las deshonró...
¡y tal vez las asesinó!
(Todos
quedan paralizados).
MURMULLO
¿Qué significa esto? ¿
¿Qué quiere decir? ¡Los Ocho! ¡Qué
espanto!
¿Él? ¿Alviano?
GRITOS
¡No le creáis! ¡Ah!
¡Los Alberghi, son unos zorros!
¡Qué astutos son!
¡Malditos envidiosos!
¡Son calumnias!
¡Viva Alviano!
¡Callaos! ¡Silencio!
¡Escuchemos a los ocho!
EL CAPITÁN
(Leyendo)
A través de la Santa Liga de los Ocho,
yo, el duque Adorno,
protector y amigo
del pueblo,
formulo una acusación
contra el caballero Alviano Salvago.
Lo acuso del secuestrar muchachas,
de seducir y deshonrar
a doncellas vírgenes.
¡Lo acuso de de proxeneta y violador de
menores!
ALVIANO
(Corriendo y escuchando a distancia )
¿No fue eso un grito?
¿No oísteis, un grito?
EL CAPITÁN
(mirando atentamente a Alviano,
distraído, haciendo que esta frase
sea más débil )
En virtud de nuestro poder de jueces
y defensores de la ley
lanzamos la acusación
contra el caballero
Alviano Salvago,
que poseído por
el espíritu del maligno,
y entregado al poder de Satanás
y de aciagos demonios.
ha hechizado a la
población.
Ponemos bajo veda absoluta la isla Elysium.
Será devastada por el fuego
por ser un lugar que fomenta el vicio
y el pecado demoníaco.
Caballero Salvago, usted es...
(La gente se pone del lado de Alviano)
MURMULLO AMENAZANTE
¡Mirad, a que nos ha llevado
todo esto!
¡Nos roban!
¡Nos quitan la alegría!
¡Malditos ladrones! ¡Bestias!
(aumenta el murmullo)
¡Abajo Adorno! ¡Muerte a los Alberghi!
¡Apalead a esos sinvergüenzas!
¡Todo son mentiras!
¡Él debería defenderse!
¡Alviano debería hablar!
Alviano... ¡Habla!
¡Defiéndete! ¡Nosotros te creemos!
¡Estamos contigo! ¡Te defenderemos!
ALVIANO
(escuchando)
¿No oís?
Música... címbalos...
flautas, arpas... ¿cantos salvajes?
EL CAPITÁN
Ya lo veis, está poseído.
¡El demonio habla por él!
PODESTÀ
(apremiante)
Alviano, amigo,
está en juego tu vida...
¡Defiéndete!
EL CAPITÁN
Lo interrogaremos a fondo...
¡Lleváoslo!
UN CIUDADANO GIGANTE
¡Alto! No lo toquéis!
Le creemos más a él,
que calla,
que a vosotros,
que habláis.
Él nos ha hecho mucho bien...
(con tono amenazante cada vez mayor)
Si podéis... ¡Enseñadnos las pruebas!
GRITOS DESENFRENADOS
¡Pruebas, pruebas!
EL CAPITÁN
¡Traed a la muchacha!
(Uno de los hombres encapuchados
trae
a una mujer velada a la escena)
¡Descúbrete, señorita!
(la muchacha levanta su velo)
LA GENTE
¡Ginevra Scotti! ¡Ginevra Scotti!
LA VOZ DE JULIÁN (desde el fondo)
¡Ah!... ¡Ginevra!
ALVIANO
(febril)
Por el amor de Dios,
¡dejadme ir!
EL CAPITÁN
Habla sin miedo, Ginevra Scotti.
¿Dónde estabas raptada cuando llegaste
al palacio del Duque para pedir
ayuda?
GINEVRA
¡En la casa de Alviano Salvago!
GRITOS
¡Ah! Escuchad! ¡Escuchad!
LA VOZ DE JULIÁN
¡Maldita sea, abrid paso!
GRITOS
¡Silencio! ¿Quién es ése? ¡Escuchad!
ALVIANO
(al Podestà)
¿Qué están haciendo?
¿Por qué no se mueven?
¡Viejo, sé misericordioso
y déjame ir!
Todo se aclara en mi mente,
todo es terriblemente claro y
transparente...
EL CAPITÁN
Dinos sin temor, señorita Scotti:
¿Quién fue el que te robó
la libertad y el honor?
GINEVRA
¡Un noble que se hacía llamar
Menaldo Negroni!
MENALDO (desde el fondo)
¡Esa mujer miente!
NUEVOS GRITOS
¿Canalla, bribón!
(Julián, luchando en el fondo por
pasar)
PERSONAS
DEL PUEBLO
(con gran agitación)
¡Ah! ¡Los Alberghi!
¡Mirad! ¡Mirad! ¡Oid!
Pero ¿qué hay de Salvago?
¡Sepamos la verdad!
ALVIANO
(desesperadamente)
¡Anciano, ella está en peligro!
¡Veo la trama frente a mí!
EL CAPITÁN
(en voz alta)
El jefe de la horda de infames nobles,
secuestradores de mujeres,
es Alviano Salvago.
Todo se lo ha revelado al Duque
el conde Vitelozzo Tamare.
ALVIANO
(actuando como si lo hubiese
picado
una tarántula)
¿Quién ha pronunciado ese nombre?
¿Quién me lo arrancó de cerebro?
¡Es él! ¡Él la raptó!
Él la asechaba. Él la corteja.
¡Yo lo sé, lo sé!
EL CAPITÁN
¿Deliras?
¿Ginevra raptada por el conde Vitelozzo?
ALVIANO
(huyendo de la prisa)
¿Quién habla de Ginevra?
¿Quién es esa? ¡No sé nada de ella!
(con su expresión más viva
y desesperada)
¡Carlota!
(gritando)
¡Carlota!
Escena Decimonovena
(Entran los sirvientes de Carlota)
UNA CRIADA
(confundida)
¡Oh, señor Podesta!
¡Ella ha desaparecido!
¡No encontramos a su hija!
¡Ha desaparecido,
como si se la hubiera
devorado la tierra!
PODESTÀ
(desesperadamente)
Tal vez...
Ella se ha marchado de la isla.
LA CRIADA
Nadie ha abandonado la isla.
Ninguno de los soldados
que están apostados
alrededor de la isla,
la ha visto.
Salvo uno que le pareció
haberla reconocido
entre las bacantes...
¡Y la seguía un caballero!
(Risa loca de Alviano)
ALVIANO
(con voz terrible)
¡Ja, ja, ja!... ¡Perro!
¡Eres un libertino! ¡Animal!
¡Bestia, si te agarro,
te destrozaré a mordiscos!
(con voz quebrada y enronquecida)
¡Venid, yo os guiaré!
¿Veis, allá arriba,
esa luz azul resplandeciente?
¿Oís?... escuchad... ¿no es música?
(cada vez más conmocionado)
¡Infame y malvado!
¿Grita de alegría?
¡Pueblo de Génova!
¡Os guiaré hasta
vuestras deshonradas hijas!
(con expresión desencajada
fuera de sí, casi llorando)
¡Hasta mi prometida!
(Gran agitación general)
Luego me someteré a la ley
y tú juzgarás.
¡Y luego a los otros!
LA GENTE
¡Sí, sí!
¡Muerte a ellos!
(El coro sale corriendo
emitiendo aullidos y rugidos,
el ruido se desvanece, poco a poco, hasta que llega el silencio total)
Interludio
Escena
Vigésima
(Caverna subterránea
con nichos
en
los
que brillan luces de
color.
Guirnaldas.
Pieles de animales.
Ahumadores desde
donde sale humo
que invade toda la cueva
Siervos con antorchas rojas encendidas.
Soldados con arcabuces.
En los nichos
mujeres jóvenes delirantes.
Las copas rotas,
las flores y las
prendas
desgarradas indican
una escena orgiástica.
Sobre el lado izquierdo,
una
espada
rota, fruto de una pelea.
Gonsalvo,
Guidobald, Vitelozzo,
Michelotto
y otros nobles
están presentes. A la derecha de la audiencia,
un cantero
de
rosas, en el que se encuentra
Carlota,
como
en estado de inconsciencia.
Llegan Alviano,
el Podestà, el Capitán y la
muchedumbre)
ALVIANO
(ronco)
¡Estás mintiendo!
TAMARE (sombrío)
Estás equivocado, digo la verdad.
ALVIANO
Bien podría ser que no volviera
a despertarse, que el sueño
la haya transportado al otro mundo.
Y mira, para mí ha significado tanto
que no busco nada más.
En toda mi vida, esta mujer,
ha sido lo mejor que he hallado,
lo único hermoso.
Compréndelo. Si me dices,
"la rapté, la arrebaté por la fuerza,
no pude evitarlo, porque la amaba...",
tendré que odiarte y maldecirte
porque eres un desdichado como yo,
a quien le quitaron todo lo que poseía.
Pero allí, en lo profundo,
aún quedaría algo,
entiéndeme, algo parecido
a un consuelo nostálgico.
(cada vez con menos capacidad de
dominar su profunda emoción)
Pero si me dices, "ella se entregó a mí,
ella, Carlota, de buen grado, con
pasión,
y ella fue dichosa".
Sí en verdad dijeras, "dichosa",
entonces sí, entonces ...
eso significaría que yo no tuve nada, nada,
luego entonces no me quitaste nada.
Volvería otra vez a ser tan miserable
como antes,
tan desdichado como antes
Desterrado a la nada misma...
TAMARE (triste)
Aunque me matases
no podría decirte lo contrario.
Solo una cosa te diré: esa mujer se
había
enamorado de mí, desde el primer día que
la vi,
según las propias palabras que tu,
Alviano,
una vez dijiste:
"La belleza es el botín de los fuertes".
Pensaste que eras fuerte
durante una hora,
pero no lo eras.
La alegría se te ofreció: pero la
esquivaste,
temblando cobardemente.
Solo viste la oscuridad, las sombras,
el peligro y el pecado.
Atrozmente arrastrado por el destino,
te viste quebrado, cautivo y acobardado.
Para la gente como tú,
la preciosa flor existe sólo en sueños;
pero al florecer deslumbrante durante el
día,
a ellos se les antoja que son
ilusiones,
obsesiones nocturnas.
Alviano, ¿no dijiste
que Carlota se te ofreció?
¿Por qué no la tomaste?
ALVIANO
(aturdido)
Porque... porque...
(estalla)
¡Oh, demonios! Está seguro que antes
de que te vayas al infierno, le revelaré
a todos un crimen tan horrible;
porque yo veo maldades
que ni siquiera tú puedes imaginar,
porque soy humano, y tú...
TAMARE
¡No sé quién de los dos ve más
maldades! ¡No sé qué es preferible:
Si una vida sin alegría, una lenta
decadencia...
o una muerte en el delirio y
la vorágine.
¡Morir feliz,
embriagado
por una profunda pasión!
(Murmullos entre la
muchedumbre)
ALVIANO
(horrorizado)
¿Qué me pasa?
Sus palabras tienen sentido,
eso es cierto, no es posible...
TAMARE (cada vez más extasiado)
Sus labios suplicaban protección.
A veces murmuraban esa canción
de autodefensa temerosa,
pero sus ojos suplicaban voluptuosidad.
De su boca surgió una atroz confesión.
El miedo y el terror,
pero en los ojos, salvajemente feroces,
despedían chispas del deseo desatado.
Finalmente se entregó: se liberó.
Mucho más que tú.
A la fulgurante danza de sus ojos
risueños
le siguió de inmediato una salvaje
y delirante canción de sus labios:
"Dame la muerte", reclamaba con
apasionamiento su mirada:
"Dame la dicha", gritaba su boca.
(Creciente agitación entre los
asistentes)
ALVIANO
¡Qué espanto! ¡Miserable! ¿Eras
consciente?...
TAMARE
¡Ja, ja, ja ! ¿Sólo sabes fruncir el seño,
enseñarme los dientes y apretar tus
puños?
¡La hora más dichosa de mi vida,
ya nadie me la podrá arrebatar!
ALVIANO
(ronco)
¡Así pues, ya puedes comenzar a rezar!
TAMARE
Tú no eres nadie para amenazarme,
¿qué pretendes?
(Sin demostrar temor alguno)
En una reunión de la iglesia
había un violinista jorobado
que tocaba
de una manera excelente.
La más hermosa
de las muchachas
era su novia.
Yo la saqué del remolino
de bailarines y me la llevé.
Él corrió tras de mí y,
muy nervioso,
se detuvo ante a mí,
(señalando a Alviano)
¡Sus facciones estaban convulsionadas
y llenas de odio!
(amenazadoramente)
Lo maté
con su propio violín.
El que se atreva
a acercarse a mí...
(se despoja de sus grilletes)
¡Lo estrangularé con mis propias manos!
(arrojando los grilletes al
suelo)
ALVIANO
(lo apuñala)
¡Muere, malvado!
TAMARE (gritando horriblemente)
¡Ah!...
CARLOTA
(Lentamente, se incorpora)
¿Quién ha gritado?
¿No fue acaso, mi amado?
ALVIANO
(delante de ella)
¡No, no, mírame, soy yo, Alviano!...
Carlota, amada mía... Estoy contigo.
¡Él mintió, mintió, mintió!
CARLOTA
(rechazándolo, con la expresión del
más
alto horror y el miedo más terrible)
¡Apártate! ¡Apártate! ¡Pesadilla!
¡Espectro de la noche!
¡Auxilio!... ¡Auxilio! ¡Cómo me oprime!
¿Y esa luz roja?... ¡Ay... ay...!
(débil)
Dame agua...
(temblorosa)
¡No, dame vino!
Que venga mi amado,
mi hermoso y dulce amado.
¡Quiero ver a Vitelozzo antes de morir...
(Suspira profundamente y de repente
yace inmóvil y rígida. Silencio)
ALVIANO
(con voz de completo enajenado
y expresión
loca, como si estuviera
buscando algo)
Quiero... Quiero...
Sí, ¿dónde está el violín?...
¡Tengo que ir a la reunión de la iglesia! –
¿Y mi gorra? Mi hermosa gorra
roja
con cascabeles de plata.
¿Nadie ha visto mi gorra?
Dejadme... Tengo que ir...
Sí finalmente debo ir...
(tropieza con el cuerpo de Tamare)
Un momento... ¿qué es esto?
Aquí yace alguien,
buena gente, aquí hay un cadáver.
(Tambaleándose, se abre paso
entre
la multitud, que se aparta
tímidamente)
Digitalizado y traducido por:
José Luis
Roviaro 2020
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